3 Bücher für einen heissen Juli

 

Wolf Haas – Junger Mann

 

„Mit vier Jahren brach ich mir zum ersten Mal das Bein. Mein großer Bruder hatte zusammen mit seinen noch größeren Freunden und deren noch größeren Brüdern eine Sprungschanze gebaut. Eine Schanze baute man, indem man eine Schaufel organisierte und Schnee auf einen Haufen schaufelte. Dann trampelte man darauf herum. Dann fuhr der Beste los und sprang am weitesten. Nach ihm der Zweitbeste am zweitweitesten. Zuletzt mein Bruder. Dann ich.“

Auf diese Weise lernt der junge Mann früh den Vorteil von Unfällen schätzen: Trostschokolade. Und er lernt den Nachteil von Trostschokolade kennen: Übergewicht. Mit 13 beginnt er in den Sommerferien eine radikale Abmagerungskur.

Weil ihn unvorbereitet dieses zauberhafte Lächeln getroffen hat. Das Gute am Verlieben: Die Elsa. Das Problem am Verlieben: Ihr Ehemann. Der Lastwagenfahrer Tscho. Mit jedem Kilo, das der junge Mann abnimmt, sieht er seine Chancen bei ihr steigen. Als sie mit ihm auch noch eine Spazierfahrt in ihrem neuen Renault 5 unternimmt, heizt das seinen Kalorienverbrauch weiter an. U

nd der Ferienjob auf der Tankstelle hat den großen Vorteil, dass er immer genau weiß, wann Elsas Mann gerade nach Griechenland oder in ein noch ferneres Land aufgebrochen ist. Eines Tages taucht der gefürchtete Lastwagenfahrer aber doch überraschend zwischen Diesel-Zapfsäule und Tankstellenshop auf und macht dem jungen Mann ein Angebot, das er nicht ablehnen kann.

Ich habe den Roman an einem einzigen heissen Sonntagnachmittag im Juli gelesen. Meine Nachbarn fragten sich wohl, warum jemand dauernd so laut lacht. Es ist ein unnachahmliches Vergnügen. Österreichischer Humor gespickt mit einer ans Herz gehenden Geschichte eines jungen Mannes, der in jenem Sommer erwachsen wird …    

 

Grégoire Hervier – Vintage

 

Einem jungen Gitarristen und Journalisten bietet sich der große Deal und die Story seines Lebens: eine Million, wenn er beweisen kann, dass die ›Gibson Moderne‹, die legendärste Gitarre aller Zeiten, tatsächlich existiert hat. Auf seiner Suche begegnet er besessenen Musikliebhabern, leidenschaftlichen Sammlern, zwielichtigen Gestalten und sagenumwobenen Instrumenten. Eine faszinierende Reise quer durch Amerika und die goldenen Jahre von Blues und Rock.

Ob es diese legendäre Gitarre je gegeben hat, kann man bezweifeln. Ist aber überhaupt nicht wichtig. Entscheidend ist nur, dass es hier um Musik geht, um unsere gemeinsame Blues-/Rock-/Pop Vergangenheit, in der Gitarren eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Man fühlt sich an Zeiten erinnert, die längst vergangen sind und offensichtlich nur noch eine Nischenrolle im heutigen Musikzirkus spielen. Aber auch das ist egal – wer würde schon die gitarrenlastigen Songs für die überproduzierten, computerberechneten Zombie-Songs der Spotifywelt eintauschen wollen? Ich nicht …

Und wer es nicht glaubt – hier ein Beispiel. Das vielleicht beste Gitarrensolo aller Zeiten …

 

Robert A. Heinlein – The Moon is a harsh Mistress

 

Im Jahr 2075 ist der Mond keine Strafkolonie mehr. Aber er ist immer noch ein Gefängnis…

Das Leben ist nicht leicht für die politischen Dissidenten und Sträflinge, die in den verstreuten Kolonien leben, die die Mondkultur ausmachen. Alles wird von einem zentralen Supercomputer, HOLMES IV, streng, effizient und kostengünstig geregelt.

Als der bescheidene Techniker Mannie O’Kelly-Davis entdeckt, dass HOLMES IV im Stillen zu Bewusstsein gekommen ist (und einen Sinn für Humor entwickelt hat), ist die Wahl klar: entweder das Problem den Behörden melden… oder Freunde werden.

Und vielleicht die Regierung zu stürzen, wenn sie schon dabei sind.