3 Bücher für einen langweiligen Januar

 

Ian McEwan – Machines like me (Maschinen wie ich)

 

Charlie ist ein sympathischer Lebenskünstler Anfang 30. Miranda eine clevere Studentin, die mit einem dunklen Geheimnis leben muss. Sie verlieben sich, gerade als Charlie seinen ›Adam‹ geliefert bekommt, einen der ersten lebensechten Androiden. In ihrer Liebesgeschichte gibt es also von Anfang an einen Dritten: Adam. Kann eine Maschine denken, leiden, lieben? Adams Gefühle und seine moralischen Prinzipien bringen Charlie und Miranda in ungeahnte – und verhängnisvolle – Situationen.

Ein Thema, das uns – oder spätestens die nachfolgenden Generationen – beschäftigen wird. Wie gehen wir mit künstlichen Individuen – falls sie denn solche sind – um? Was, wenn sie sich kaum noch von uns unterscheiden? Welche moralischen und ethischen Probleme werden sich dadurch ergeben?

Ian McEwan – einer meiner bevorzugten Autoren – hat die Geschichte etwas weiter gespannt. In seiner Erzählung ist der Androide Adam mehr als nur eine Maschine, er scheint eine Weiterentwicklung der Spezies Mensch zu sein, fähig zu lieben, zu denken, zu leiden. Ich weiss nicht, welche der darin geäusserten Entwicklungen erschreckender ist. Aber wer weiss, vielleicht ist Roy Batty, der mörderische Androide aus „Bladerunner“ gar nicht mehr weit weg …

 


 

Margaret Atwood – The Handmaid’s Tale (Der Report der Magd)

 

Die provozierende Vision eines totalitären Staats, in dem Frauen keine Rechte haben: Die Magd Desfred besitzt etwas, was ihr alle Machthaber, Wächter und Spione nicht nehmen können, nämlich ihre Hoffnung auf ein Entkommen, auf Liebe, auf Leben … Margaret Atwoods »Report der Magd« ist ein beunruhigendes und vielschichtiges Meisterwerk, das längst zum Kultbuch avanciert ist.

Und noch eine Distopie und eine, die es in sich hat. Wer schon bei der entsprechenden Serie schlaflose Nächte gehabt hat, wird es beim Lesen von Atwoods Bestseller nicht besser ergehen. Und erschreckenderweise hat man angesichts der gesellschaftspolitischen Entwicklungen weltweit dauernd den Eindruck, auf direktem Weg in diese Zukunft zu sein.

Das wäre tatsächlich ein Grund für schlaflose Nächte …

 


 

Colson Whitehead – Underground Railroad

 

Cora ist nur eine von unzähligen Schwarzen, die auf den Baumwollplantagen Georgias schlimmer als Tiere behandelt werden. Alle träumen von der Flucht – doch wie und wohin? Da hört Cora von der Underground Railroad, einem geheimen Fluchtnetzwerk für Sklaven. Über eine Falltür gelangt sie in den Untergrund und es beginnt eine atemberaubende Reise, auf der sie Leichendieben, Kopfgeldjägern, obskuren Ärzten, aber auch heldenhaften Bahnhofswärtern begegnet. Jeder Staat, den sie durchquert, hat andere Gesetze, andere Gefahren. Wartet am Ende wirklich die Freiheit? Colson Whiteheads Roman ist eine virtuose Abrechnung damit, was es bedeutete und immer noch bedeutet, schwarz zu sein in Amerika.

Diesmal keine Distopie aus der Zukunft, sondern eine aus der Vergangenheit. Man braucht Mut und Entschlossenheit, um die Geschichte zu lesen. Ich selbst bin dazu nicht fähig gewesen. Es brauchte dazwischen etwas, was den Glauben an die Menschheit korrigieren konnte, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Denn immer wird man auf die Frage zurückgeworfen, ob die Grausamkeit der Spezies Mensch inhärent ist, ob sie Grenzen hat, und ganz zuletzt, ob wir alle fähig sind, unter bestimmten Umständen die dünne moralische Firnis zu verlieren und in den Zustand archaischer Brutalität zurückzufallen.

 


 

Und wie immer ein Vorschlag aus meinem ganz persönlichen Kanon der hundert Bücher, die man vor dem Tod gelesen haben sollte:

 

David Guterson – Snow falling on Cedars (Schnee, der auf Zedern fällt)

 

Eines Morgens wird der deutschstämmige Lachsfischer Carl Heine tot in seinen Netzen hängend aufgefunden. Der Sheriff von San Piedro, einer kleinen Insel vor der Nordostküste Amerikas, verhaftet Kabuo Miyamoto, Sohn japanischer Einwanderer, aber aus tiefstem Herzen Amerikaner. Es ist das Jahr 1954 – die Erinnerungen an den Krieg und seine Narben sind noch frisch. Kabuo wird des Mordes an seinem einstigen Schulfreund angeklagt, und auch ein Motiv ist bald zur Hand: Rache. Aber war es wirklich Mord? Inselreporter Ishmael Chambers versucht dem Rätsel auf die Spur zu kommen – und wird mit bitteren Wahrheiten aus dem eigenen Leben konfrontiert.

Manchmal wirken Bücher wie ein Wunder. Dies ist eines davon. Grossartig geschrieben, in einer Welt spielend, die mir vollkommen unbekannt war. Eine Geschichte, die sich vor langer Zeit abgespielt hat, aber eine zeitlose Bedeutung besitzt.

 

 


 

Lesen Sie weiter … im Februar

 

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