4 Bücher für einen nebligen November

 

Nicht alle meine Vorschläge sind neueren Datums. Aber ich kann versprechen, dass sie lesenswert sind,. Jedes einzelne …

Also zünden Sie die Leselampe an, schalten Sie den TV  mit der neuesten Netflix-Serie aus, füllen Sie das Glas mit Wein, legen Sie sich aufs Sofa und schlagen Sie die Beine unter …

Und dann öffnen Sie ein Buch, irgendeines … und vergessen Sie die Welt!

 


Matthew Richardson – My Name is Nobody (Niemand kennt deinen Namen)

 

Codename: Niemand
London, 2016. Solomon Vine war der beste Spion seiner Generation. Doch als ein Gefangener im Zuge eines Verhörs angeschossen wird, fällt der Verdacht auf ihn – er wird entlassen. Es scheint ein abgekartetes Spiel, wer wollte ihn aus dem Verkehr ziehen? Und warum? Schnell wird deutlich: Es gibt ein Leck im Secret Service. Durch die Enthüllungen von Edward Snowden verfügen auch islamistische Terrororganisationen über sensible Informationen westlicher Geheimdienste – und wissen das für sich zu nutzen. Vine beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln, aber jemand scheint ihm immer einen Schritt voraus …

Tja, eine Art Who-dunnit-Geschichte, die den Leser immer wieder auf falsche Fährten lockt und am Schluss mit einer tatsächlich unerwarteten Lösung überrascht … Und verdammt gut geschrieben. Nach und nach deckt der Protagonist die Geheimnisse auf und kommt einer Sache auf den Grund, die politisch brisanter nicht sein könnte.

 

 


Hillary Mantel – Wolfhall (Wölfe)

 

England, in den 1520er Jahren: Heinrich der Achte regiert, aber hat keinen Erben. Der König liegt wegen seiner Scheidung zudem im Clinch mit dem Papst. In dieser Atmosphäre des Misstrauens steigt Thomas Cromwell zum höchsten Berater des Königs auf. Als politisches Genie, Bestecher, Schmeichler, Tyrann und geschickter sowie todbringender Manipulator geht er mit seinem Reformprogramm seinen politischen Interessen und seinen Ambitionen nach …
Ein großartiger historischer Roman, der die Überschneidungen von individueller Psychologie und der großen Politik im England der Tudors untersucht.

Der erste Teil der Tudor-Trilogie. Hillary Mantel bekam zu Recht dafür den Pulitzer-Preis. Und die darauf basierende TV-Serie mit Mark Rilance als Thomas Cromwell und damien Lewis als Heinrich VIII. ist ebenso fantastisch wie das Buch.

Wer sich ein Bild über die damaligen Verhältnisse machen will und dazu Einblick in eine Welt erhält, die bis heute nachwirkt, kommt nicht um diesen dicken Roman herum …

 

 


Thomas Harris – The Second Sleep

 

England ist nach einer lange zurückliegenden Katastrophe in einem erbärmlichen Zustand. Der junge Priester Fairfax wird vom Bischof in ein Dorf entsandt, um dort die Beisetzung des mysteriös verstorbenen Pfarrers zu regeln. In der Umgebung finden sich besonders häufig jene verbotenen Artefakte aus vergangener Zeit – Münzen, Scherben, Plastikspielzeug –, die der Pfarrer akribisch gesammelt hat. Hat diese ketzerische Leidenschaft zu seinem Tod geführt?

Wahrscheinlich nicht sein bestes Buch, aber seine Lesung in Zürich, voller Witz und Intelligenz, hat mich trotzdem überzeugt. Man findet sich in einer Welt wieder, die etwas seltsam ist. Offenbar hat vor einiger Zeit eine Katastrophe stattgefunden, die unsere bekannte Welt in eine Art dunkles Mittelalter zurückgeworfen hat. Mit der unvermeidlichen Machtergreifung der Kirche, die endlich wieder das Sagen hat …

 

 


Elvis Costello – Unfaithful Music & disappearing Ink

 

»Mit guten Manieren und schlechtem Atem kommt man nirgendwo hin.« Getreu dieser Devise sang Elvis Costello in seinem Protestsong gegen Margaret Thatcher, er werde auf ihrem Grab stehen und darauf herumtrampeln. Bei seinem legendären Auftritt bei Saturday Night Live stellte er sich der Zensur von Bands wie den Sex Pistols im Radio entgegen. Bis heute nimmt Costello bei seiner Kritik an politischen Missständen und jeder Form von Nationalismus nie ein Blatt vor den Mund. In den dreißig Alben, mit denen der Brite seit 1977 Erfolge feiert, erfand sich der eigenwillige Künstler immer wieder neu. Seine rauen Anfänge lagen zwischen Rock, New Wave und Punk – und schon damals erreichte er ein Millionenpublikum. Mit »She«, aufgenommen für die romantische Komödie »Notting Hill«, rührte er die Herzen aller Liebenden. Über alle Hinwendungen zu so unterschiedlichen Stilrichtungen wie Country, Folk, Motown, Jazz, Ska und Klassik hinweg begeistert Costello seine Fans – und ist dabei in Deutschland gerade mit seinen jüngsten Alben besonders erfolgreich. Elvis Costellos Buch erklärt die Hintergründe seiner legendären Songtexte und berührt durch seine Poesie.

Lange her, seit ich Elvis Costello entdeckte. „Watching The Detectives“ oder „Oliver’s Army“. Unvergessen und heute noch mit grossem Vergnügen zu geniessen. Aber dass er auch schreiben kann, das hätte ich nicht erwartet. Chapeau, Mr. Declan Patrick MacManus!

 


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