5 Bücher für einen kalten Oktober

 

Eine Zeit, um sich langsam zurückzuziehen. Die Hektik des Sommers hinter sich zu lassen und sich in die wohlige Geborgenheit der eigenen vier Wände zurückzuziehen … und zu lesen.

Dies sind ein paar Vorschläge für lange Stunden auf dem Sofa, während sich vor dem Fenster der frühe Abend heruntersenkt …

 


Michael Farris Smith – Desperation Road

 

Michael Farris Smith - Desperation RoadMississippi-Delta: Elf lange Jahre saß Russell Gaines im Gefängnis, weil er betrunken Auto fuhr und dabei einen Jugendlichen tötete. Doch am Morgen seiner Entlassung muss er feststellen, dass nicht jeder der Meinung ist, er hätte schon für seine Schuld bezahlt. Am selben Tag stapfen eine Frau namens Maben und ihre kleine Tochter Annalee die Interstate entlang, verzweifelt, erschöpft, und bezahlen mit ihren letzten paar Dollar ein Zimmer für die Nacht eine Nacht, die damit enden wird, dass Maben mit einer Pistole in der Hand durch die Dunkelheit irrt und ein Deputy tot auf der Straße liegt. Im Morgengrauen kreuzen sich die Wege von Russell und Maben, und der Ex-Sträfling muss sich entscheiden, wessen Leben er retten wird: sein eigenes oder das der Frau und ihrer Tochter …

Eines der besten Bücher seit Jahren. Es gibt Einblick in eine Welt, die wir zu kennen glauben, aber feststellen müssen, dass wir keine Ahnung haben. Aber es entsteht eine Ahnung – warum sich die Grundstrukturen der USA momentan auf erschreckende Weise verändern …

Aber nicht nur. Es zeigt auf einer sehr persönlichen Ebene, wie sich individuelle Schicksale verknüpfen, manchmal zum Guten, viele Male zum Schlechten …

Ich bin begeistert …

 


Wolfgang Herrndorf – Tschick

 

«Ein klappriges Auto kam die Straße runtergefahren. Es fuhr langsam auf unser Haus zu und bog in die Garagenauffahrt ein. Eine Minute stand der hellblaue Lada Niva mit laufendem Motor vor unserer Garage, dann wurde der Motor abgestellt. Die Fahrertür ging auf, Tschick stieg aus. Er legte beide Ellenbogen aufs Autodach und sah zu, wie ich den Rasen sprengte. ‹Ah›, sagte er, und dann sagte er lange nichts mehr. ‹Macht das Spaß?›» Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.

Wolfgang Herrndorf ist leider viel zu früh gestorben, aber er hinterlässt uns einen der witzigsten Jugendromane des deutschsprachigen Raums. Es ist eine Art Road-Movie von zwei pubertierenden Jungs aus völlig unterschiedlichen Mllieus, deren Wege sich per Zufall kreuzen. Daraus entsteht eine seltsame und innige Freundschaft.

Das Resümee am Schluss des Romans zeigt alles:

,Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten kuckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV guckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.‘“

 


Mick Heron – Slow Horses

 

River Cartwright ist ein ausgemusterter MI5-Agent, und er ist es leid, nur noch Müllsäcke zu durchsuchen und abgehörte Telefonate zu transkribieren. Er wittert seine Chance, als ein pakistanischer Jugendlicher entführt wird und live im Netz enthauptet werden soll. Doch ist das Opfer der, der er zu sein vorgibt? Und wer steckt hinter den Entführern? Die Uhr tickt, und jeder der Beteiligten hat seine eigene Agenda. Auch Rivers Chef.

Es gibt nichts Besseres als einen guten alten Spy-Thriller, um sich von den Mühen des Alltags zu lösen. Mick Heron, ganz in der Tradition meines überaus geliebten John LeCarré, stellt uns eine Welt vor. von der wir glaubten, dass sie nach dem Ende des Kalten Krieges verschwunden sei. Ist sie aber nicht. Und wenn dann ausgerechnet ehenalige Mitarbeiter des englischen Geheimdiensts, aus unterschiedlichen Gründen ausrangiert und auf das Nebengeleise des Slough Houses versetzt, einen hochkomplexen Fall lösen müssen, ist dies nicht nur äusserst spanndend sondern auch sehr lustig …

 


Mark Haddon – The curious Incident of the Dog in the Night Time (Supergute Tage)

 

Christopher Boone ist fünfzehn Jahre, drei Monate und zwei Tage alt. Er kennt alle Länder und deren Hauptstädte sowie sämtliche Primzahlen bis 7507. Er liebt die Farbe Rot, hasst hingegen Gelb und Braun. Unordnung, Überraschungen und fremde Menschen versetzen ihn in Panik, denn Christopher leidet an einer leichten Form von Autismus. Als aber der Pudel in Nachbars Garten mit einer Mistgabel umgebracht wird, beginnt Christopher, aus seiner fest gefügten, kleinen Welt auszubrechen: Mutig stellt er den schändlichen Verbrecher und erfährt außerdem, was es heißt, in der Welt der Erwachsenen zu leben …

Seit Greta Thunberg wissen wir etwas mehr über Autismus bzw. über dessen abgeschwächte Form des Asperger Syndroms. Mark Haddon schreibt über das Leben eines autistischen Knaben, obwohl er klarstellt, dass nicht der Autismus im Kern seiner Geschichte stehen, sondern um die würdevolle Darstellung eines Außenseiters als literarische Figur, die Mitgefühl und Verständnis für ihre Individualität weckt.

Mehr muss dazu nicht gesagt werden.

Ein wunderbares Buch …

 


James S. A. Corey – Tiamat’s Wrath (Tiamat’s Zorn)

 

Das Tor in die Zukunft der Menschheit wurde aufgestoßen. Weit über tausend Welten sind auf einen Schlag erreichbar geworden. Auf einer von ihnen hat ein Mann namens Duarte ein Regime errichtet, mit dem er nun den Rest der Galaxis unterwerfen will. Nichts scheint ihn aufhalten zu können – selbst das Sonnensystem hat er bereits unter Kontrolle. Doch seine Tochter hat Geheimnisse, von denen Duarte nichts weiß, während die Crew der Rosinante einen gefährlichen Untergrundkampf gegen Duartes Imperium beginnt …

Die Saga geht weiter … und ich bin immer noch begeistert.

Amazon hat, mit gütiger Mithilfe seines begeisterten Chefs Jeff Bezos, die Rechte an der Weiterführung der weltweit erfolgreichen TV-Serie „The Expanse“ übernommen. Damit wird am 13. Dezember 2019 der 4. Teil der Saga („Cibola burns“) online gestellt . Ich freue mich …

 


Und hier folgt der nächste Teil unserer Vorschläge für Bücher-Freaks …

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