5 Must Reads für einen hoffnungsvollen Februar

 

Wie die Plattform Goodreads zeigt, gibt es tausende von Büchern, die man – unbedingt und zwingend – gelesen haben muss. Wenn man allerdings die beschränkte Lebenszeit eines durchschnittlichen Lesers einbezieht, schmilzt die Anzahl möglicher Must Reads beträchtlich. Wer es nur schon schafft, ein einziges Buch pro Woche zu lesen, gehört zu einer winzigen Minderheit.

Nun gut, ein paar Leser wird es immer geben, und für jene Übriggebliebenen ist diese – wie immer äusserst subjektive – Sammlung gedacht. Vielleicht braucht es gar nicht mehr als diese fünf Bücher, um die Welt zu verstehen. Oder wenigstens ein bisschen davon …

 


 

Harper Lee – To Kill a Mocking Bird (Wer die Nachtigall stört)

 

Amerika in den 30er Jahren. In die idyllische Südstaaten-Kindheit der achtjährigen Scout und ihres älteren Bruders Jem drängt sich die brutale Wirklichkeit aus Vorurteilen und Rassismus. Scouts Vater Atticus, ein menschenfreundlicher Anwalt, soll den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson verteidigen, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat. Tapfer versuchen Scout und ihr Bruder, das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters zu unterstützen, und geraten dabei selbst in große Gefahr.

Es verwundert nicht, dass dieser Jahrhundertroman in den USA zur Pflichtlektüre im Unterricht gehört. Die Geschichte beinhaltet alles, was man zum Leben wissen muss. Und das ist weiss Gott nicht übertrieben. Solche Bücher sind ein Geschenk an die Menschheit …

Aber wer absolut keinen Bock aufs Lesen hat, sollte sich zumindest die wunderbare Verfilmung mit Gregory Peck ansehen.

 


 

Fjodor Dostojewski – The Brothers Karamasow (Die Brüder Karamasow)

 

Sigmund Freud nannte sie den »großartigsten Roman, der je geschrieben wurde« – Dostojewskis monumentale Familienchronik »Die Brüder Karamasow«, 1880 erstmals erschienen. In wenigen anderen großen Romanen der Weltliteratur verbinden sich ungeheure Motivfülle und geradezu magische Erzählkunst ähnlich virtuos wie hier: Vor dem Hintergrund einer packenden Kriminalgeschichte, dem gewaltsamen Tod ihres despotischen Vaters, führt das Schicksal der ungleichen Brüder den Leser tief in die beklemmenden Abgründe der menschlichen Seele.

Ich muss Sigmund Freud zustimmen. Ich habe diesen dicken Roman vor langer Zeit gelesen, im Gras vor der Uni liegend und dabei die Vorlesung verpassend. Es gibt allerdings keine noch so gescheite Vorlesung, die an die Intelligenz dieses Werks herankommt. Die drei Brüder, jeder für sich eine unterschiedliche Welt darstellend.

Schlicht und einfach umwerfend …

 


 

John Irving – A Prayer for Owen Meany

 

Im Sommer 1953 spielen zwei 11-jährige Jungen – beste Freunde – bei einem Baseball-Spiel der Little League in New Hampshire. Einer der Jungen trifft einen Foulball, der die Mutter seines besten Freundes tötet. Owen Meany glaubt, dass er den Ball nicht zufällig getroffen hat. Er glaubt, dass er Gottes Instrument ist. Was mit Owen nach 1953 geschieht, ist außergewöhnlich und erschreckend. Er ist Irvings herzzerreißendster Held.

Es ist schwierig, aus dem Werk John Irvings eine Wahl zu treffen. Ist es eher „Garp“ oder doch „The Cider House Rules“ oder gar „A Son of the Circus“?

Ich habe mich für Owen Meany entschieden, vielleicht aus dem einfachen Grund, weil mir die Geschichte mehr als einmal die Tränen in die Augen getrieben hat. Der Schluss ist derart herzzerreissend, dass man sich danach verletzlicher fühlt als vorher …

 

 


 

Ian McEwan – Atonement (Abbitte)

 

Am heißesten Tag des Sommers 1935 sieht die dreizehnjährige Briony Tallis ihre Schwester Cecilia sich ausziehen und sich in den Brunnen im Garten ihres Landhauses stürzen.

Auch Robbie Turner, der, wie Cecilia, kürzlich aus Cambridge heruntergekommen ist, schaut ihr zu. Am Ende dieses Tages wird sich das Leben aller drei für immer verändert haben, denn Briony begeht ein Verbrechen, für das sie den Rest ihres Lebens zu büßen versuchen wird.

Ian McEwan hat viele gute bis überragende Romane geschrieben, und seit ich ihn anlässlich einer Lesung als besonders liebenswürdig und intelligent erlebt habe, ist er einer meiner Helden. Doch „Abbitte“ ist mehr als überragend, es ist sein absolutes Meisterwerk.

Und wieder darf man für die Cinephilen auf die Verfilmung hinweisen: ein ebenso starkes Meisterwerk mit Keira Knightly und James McAvoy.

 


 

John Steinbeck – East of Eden (Jenseits von Eden)

 

Dieser mächtige, oft brutale Roman spielt auf dem reichen Ackerland des Salinas-Tals in Kalifornien und folgt den miteinander verflochtenen Schicksalen zweier Familien – der Trasks und der Hamiltons – deren Generationen den Sturz von Adam und Eva und die giftige Rivalität von Kain und Abel hoffnungslos nachspielen. Hier schuf Steinbeck einige seiner denkwürdigsten Figuren und erforschte seine dauerhaftesten Themen: das Geheimnis der Identität, die Unerklärlichkeit der Liebe und die mörderischen Folgen der Abwesenheit der Liebe.

Meine Begeisterung für diesen Roman ist ungebrochen. Vielleicht – neben „Hundert Jahre Einsamkeit“ – mein Lieblingsbuch aller Zeiten. Der Nachweis dafür ist einfach, man lese das Kapitel, in dem sich Samuel mit seinem chinesischen Diener Lee über die Bedeutung des hebräischen Wortes „Timschel“ unterhält. 

Timschel wird in alten Bibelausgaben als Thou shalt (du sollst) übersetzt. Doch Lee und seine uralten Grossväter zweifeln an der Übersetzung und lernen hebräisch, um die wahre Bedeutung des Wortes herauszufinden. Und siehe da, die richtige Übersetzung ist nicht Thou shalt sondern Thou mayest. Es bedeutet, dass der Mensch eine Wahl hat. Der Weg ist offen. Und damit ändert sich alles …

 

Und hier ein paar weitere Vorschläge für Bücherfreaks …

 

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