Eine Reise durch ein erwachendes Land

Solo Backpacking in Myanmar? Mal sehen …

Es ist die zweite Reise durch ein Land, das mein Herz vor ein paar Jahren im Sturm eroberte. Es sind nicht nur die Tempel von Bagan, der Goldene Felsen oder der Inle-See.

Es sind die Menschen, die in ihrer Freundlichkeit etwas ausstrahlen, das uns längst verloren gegangen ist. Eine Freundlichkeit, die nicht einen Gegenwert erwartet, es ist vielmehr eine von innen kommende Herzlichkeit, die verlegen macht.

Seltsam und faszinierend

Dass die Reise durch Burma seltsam sein könnte, wird schon bei der Ankunft in Mandalay klar.

Wie erkennt man einen Geisterflughafen? Wenn man den Eindruck hat, im Nirgendwo gelandet zu sein? Oh yes. Wenn die Anzahl der Bediensteten, die fleissig herumwuseln, die Anzahl der Fluggäste bei weitem übertrifft? Könnte sein. Wenn sich auf der zuführenden Autobahn gerade mal ein einziger Hund verirrt hat? Definitiv.

Dann ist man in Mandalay International gelandet, knapp 50 Kilometer südlich von Mandalay, umgeben von Sümpfen und anderem Grün und sonst nichts.

Und genauso geht es weiter auf dem Burma-Trip. Mal mit einer altersschwachen Bahn von Mandalay Richtung Norden, dann flussaufwärts auf dem Irrawaddy, auf furchterregender nächtlicher Fahrt auf einem Motorrad, zu Fuss durch Wälder und Hügel …

Backpacking in Myanmar: Mönche und Samaneras in Mandalay

Mönche und Samaneras in Mandalay

Eine Offenbarung

Auch beim zweiten Besuch ist Myanmar nicht einfach nur betörend, es ist schlicht eine Offenbarung. Das Land bietet alles, was das Traveller- und Backpacker-Herz erfreut.

Ungemein freundliche und friedliche Menschen (auch wenn es angesichts des Rohingya-Dramas kaum vorstellbar ist).

Tausend Pagoden, tausend Tempel.

Züge, die so sehr hin und her schwanken, dass man seekrank wird.

Löchrige Strassen, wunderbares Essen …

Doch seit der Öffnung verändert sich das Land rasend schnell. Die Frage ist immer die gleiche: soll die frühere (arme, rückständige, aber freundliche, günstige) Welt erhalten bleiben, oder bringt die Entwicklung (mit den ins Land einfallenden Horden von Touristen) die Menschen und ihr Land tatsächlich vorwärts?

Die Antwort ist je nach Sicht unterschiedlich.

Ein paar Tipps

Visum. Noch vor wenigen Jahren auf maximal 7 Tage begrenzt, heute bis zu einem Monat gültig (und kann gegen Entgelt verlängert werden).

Mandalay. Die Stadt mit dem magischen Namen, in der Mitte des Landes gelegen, ist im Begriff, zu einer dynamischen Metropole zu werden.

Vorbei ist die Ruhe und Entspanntheit, die bis vor kurzem noch geherrscht hat. Heute sind die Strassen voll, der Lärm allgegenwärtig. Trotzdem hat die Stadt ihren Reiz behalten, und der gemächliche Gang hinauf zum Hügel mit den wunderbaren Tempeln ist immer noch ein Highlight.

Ausserdem ist Mandalay Ausgangspunkt zu den nahegelegenen Hotspots Mingun, Amarapura oder Inwa. Und nicht zu vergessen – hier startet die Bahn in Richtung Norden nach Bhamo oder Myitkyina. Oder aber in nordöstlicher Richtung nach Hsipaw oder Lashio.

Hsipaw liegt auf dem Weg von Mandalay in Richtung von China. Und dort ist der Einfluss des grossen und mächtigen Nachbarn ganz besonders intensiv zu spüren.

Das Städtchen auf dem Weg nach Lashio bietet viel, vor allem wunderbare Trecks in die Hügel der Umgebung. Der Zug nach Hsipaw ist an sich schon ein Erlebnis, Höhepunkt ist der Gokteik Viadukt.

Gokteik Viadukt. Es handelt sich dabei um die berühmteste Eisenbahnbrücke Burmas, die im Auftrag der Briten ab 1899 von den Amerikanern gebaut wurde. Er ist fast 800 Meter lang und 111 Meter hoch. Er wird nur im Schritttempo befahren, was den klickenden und surrenden Foto- und Videoamateuren im Zug die Gelegenheit gibt, ihre Künste anzubringen.

Und ganz besonders zu empfehlen

Bhamo. Die Stadt im Nordosten des Landes, in der Nähe der Rebellengebiete gelegen und deshalb immer ein bisschen mit Vorsicht zu geniessen, ist mit allen möglichen Transportmitteln zu erreichen. Vom Boot über den Irrawaddy über die Strasse bis zum Zug bis nach Katha und von dort mit dem Boot. Und natürlich per Flugzeug.

Man sollte auf keinen Fall auf die Bahnfahrt von Mandalay in den Norden verzichten. Wer ein wirklich verrücktes Erlebnis haben möchte, nimmt den Zug bis Naba und anschliessend das Schiff auf dem Irrawaddy von Katha nach Bhamo.

Bagan. Gibt es dazu noch etwas zu sagen? Kaum. Ausser dass man sich sputen muss, um noch vor dem Ansturm des Massentourismus noch etwas von den unvergleichlichen Atmosphäre der Tausend Tempel mitzubekommen.

Auch die Flussfahrt auf dem Irrawaddy von Mandalay bis Bagan stellt in jeder Hinsicht etwas Besonderes dar. Und nicht nur dann, wenn der Schiffsmotor den Geist aufgibt und man irgendwo im Niemandsland strandet (wie bei meiner ersten Burma-Reise in lebhafter Erinnerung.)