Endlich nach Norden

Es geht los, endlich. Ein Minibus, vollgestopft mit zahlreichen anderen Travellers, macht sich um Punkt 10.00 auf den Weg nach Norden. Eine ganz angenehme Fahrt, wäre da nicht der Dauer-Quassler am Steuer, der seinem Handy mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem dichten Verkehr.

Es erinnert mich an die erste Fahrt durch Thailand, ein Bus von Hua Hin Richtung Süden. Der Chauffeur, ein junger drahtiger Kerl mit einem breiten Lächeln im Gesicht, macht seine Sache gut, ausser wenn auf dem Bildschirm, senkrecht über ihm, eine besonders spannende Szene läuft und er der Versuchung nicht widerstehen kann, mitzuschauen.

Landschaft in Richtung Norden

Die Landschaft saust vorbei

Reise durch die Linse des Fotoapparats

Die ersten Gesprächspartner auf dem Weg nach Laos sind zwei ältere Leutchen aus Kanada. Sie planen voller Freude, in eine klassische Touristenfalle zu tappen, nämlich von einer Baumhütte aus, weit oben in den Bäumen, Affen zu beobachten.

Der Mann fotografiert ohne Unterbruch, sozusagen eine Reise durch die Linse seines Geräts. Später stelle ich fest (und er bestätigt die Beobachtung voller Stolz), dass er auch jedes Essen fotografiert. Meine ironisch gemeinte Bemerkung, dass er somit später genau feststellen kann, von welcher Mahlzeit er Dünnpfiff gekriegt hat, findet er überhaupt nicht lustig.

grauenhafter Tempel

Ein wirklich grauenhafter Tempel

Erstklassige Kitscharchitektur

Chiang Rai – Zwischenhalt, Verpflegung. Als Bewunderer der thailändischen Architekturkunst kann ich mir beim Anblick des nahegelegenen weissen Tempels ein spöttisches Grinsen nicht verkneifen. Die thailändischen Besucher sind aber begeistert, es wird auf Teufel komm raus fotographiert und gestaunt. Hoffentlich die einzige architektonische Missetat, die mich in den nächsten Wochen erwartet.

Taj Mahal

Von Chiang Khong, dem letzten Kaff vor der Grenze, aber bereits am Mekong gelegen, ist bei der Ankunft am Abend noch nicht allzu viel zu sehen. Wir werden in einem ziemlich heruntergekommenen Hotel (na ja, ist ja schliesslich im Preis inbegriffen) ausgeladen.

Es gibt weder Lavabo noch WC im Zimmer, dafür bestehen die Wände aus Papier, so zumindest scheint es mir in der Nacht, als man beinahe das Atmen der Gäste nebenan hören kann. Atmen würde ja noch gehen, aber auf die mitternächtlichen Telefonate im Nebenraum hätte ich gerne verzichtet. Lange nicht mehr derart mörderische Gedanken gehabt …

Hotelzimmer

Tja, nicht gerade das Taj Mahal

Eine mühselige Nacht

Das wird dann eine dieser Nächte. Lang und unerquicklich. Kalt und schlaflos.

Beim Morgenessen lerne ich die andern Mitreisenden kennen. Ein älteres englisch sprechendes Paar fällt auf. Er ähnelt einem Waldschrat oder zumindest einem Hobbit: klein gewachsen, mit Bauch und langen Haaren. Sie ist rundlich, passt zu ihm, mit herrlich unmodernem Hut. Ich beobachte sie am Pool (oh ja, den gibt es). Sie springt anmutig ins Wasser, seine Antwort darauf ist einfach grossartig: You’re a great Lady.

PS Song zum Thema:  Rise Against – Architects