Busfahrt nach Chiang Khong

Endlich nach Norden

Es geht los, endlich. Ein Minibus, vollgestopft mit zahlreichen anderen Travellers, macht sich um Punkt 10.00 auf den Weg nach Norden. Eine ganz angenehme Fahrt, wäre da nicht der Dauer-Quassler am Steuer, der seinem Handy mehr Aufmerksamkeit schenkt als dem dichten Verkehr.

Es erinnert mich an die erste Fahrt durch Thailand, ein Bus von Hua Hin Richtung Süden. Der Chauffeur, ein junger drahtiger Kerl mit breitem Lächeln im Gesicht, macht seine Sache gut, ausser wenn auf dem Bildschirm, senkrecht über ihm, eine besonders spannende Szene läuft und er der Versuchung nicht widerstehen kann, mitzuschauen.

Merkwürdige Menschen

Während vor dem Fenster die Welt, in diesem Fall die nördlichen Ebenen Thailands, vorbeihuschen, als wären sie lediglich Staffage für unseren Ausflug, lerne ich Menschen kennen.

Landschaft in Richtung Norden
Die Landschaft saust vorbei

Affenbeobachtung

Man sitzt sich ja auf engem Raum gegenüber oder nebeneinander, kaum Platz für Füsse oder Beine, und irgendwann sieht man sich in die Augen, nickt, versucht herauszufinden, wer das da ist, dieser elegante Herr mit der riesigen Fototasche und seine Frau, mit einem etwas angespannt fröhlichen Ausdruck im Gesicht, man ist schliesslich im Urlaub. Oder vielleicht fürchtet sie die nächsten Tage.

Sie planen nämlich voller Freude, in eine klassische Touristenfalle zu tappen, was bedeutet, von einer Baumhütte aus, weit oben in den Bäumen, Affen zu beobachten. Ich habe natürlich davon gehört, auch die Lady von der Hotelreception berichtete nur Gutes darüber, aber wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann meine kostbare Zeit mit fremden Leuten zu verbringen und dabei Affen zu beobachten. Da gehe ich doch lieber in den Zoo.

Reise durch die Linse des Fotoapparats

Der Mann fotografiert ohne Unterbruch, sozusagen eine Reise durch die Linse seines Geräts. Später stelle ich fest (und er bestätigt die Beobachtung voller Stolz), dass er auch jedes Essen fotografiert. Also auch den Snack im kleinen Restaurant, in dem wir kurz Rast machen, einen rostroten undenierbaren Saft sowie ein ziemlich altbacken aussehendes Croissant (oder ist es was anderes?).

Meine ironisch gemeinte Bemerkung, dass er somit später genau feststellen kann, von welcher Mahlzeit er Dünnpfiff gekriegt hat, findet er überhaupt nicht lustig.

In der Hoffnung, endlich wieder mal mein Spanisch anbringen zu können, spreche ich die neben mir sitzende junge Dame, der ich von weitem die Herkunft ansehen kann, an und merke in Sekundenschnelle, dass ich im besten Fall jedes fünfte Wort verstehe. grauenhafter Tempel

Ein wirklich grauenhafter Tempel

Erstklassige Kitscharchitektur

Chiang Rai – Zwischenhalt, Verpflegung. Als Bewunderer der thailändischen Architekturkunst kann ich mir beim Anblick des nahegelegenen weissen Tempels ein spöttisches Grinsen nicht verkneifen. Die thailändischen Besucher sind aber begeistert, es wird auf Teufel komm raus fotographiert und gestaunt. Hoffentlich die einzige architektonische Missetat, die mich in den nächsten Wochen erwartet.

Taj Mahal

Von Chiang Khong, dem letzten Kaff vor der Grenze, aber bereits am Mekong gelegen, ist bei der Ankunft am Abend noch nicht allzu viel zu sehen. Wir werden in einem ziemlich heruntergekommenen Hotel (na ja, ist ja schliesslich im Preis inbegriffen) ausgeladen.

Es gibt weder Lavabo noch WC im Zimmer, dafür bestehen die Wände aus Papier, so zumindest scheint es mir in der Nacht, als man beinahe das Atmen der Gäste nebenan hören kann. Atmen würde ja noch gehen, aber auf die mitternächtlichen Telefonate im Nebenraum hätte ich gerne verzichtet. Lange nicht mehr derart mörderische Gedanken gehabt …

Hotelzimmer
Tja, nicht gerade das Taj Mahal

Eine mühselige Nacht

Das wird dann eine dieser Nächte. Lang und unerquicklich. Kalt und schlaflos.

Beim Morgenessen lerne ich die andern Mitreisenden kennen. Ein älteres englisch sprechendes Paar fällt auf. Er ähnelt einem Waldschrat oder zumindest einem Hobbit: klein gewachsen, mit Bauch und langen Haaren. Sie ist rundlich, passt zu ihm, mit herrlich unmodernem Hut. Ich beobachte sie am Pool (oh ja, den gibt es). Sie springt anmutig ins Wasser, seine Antwort darauf ist einfach grossartig: You’re a great Lady.

PS Song zum Thema:  Rise Against – Architects

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.