Bücher im Gebirge und anderswo

Bücher im Gebirge? Soviel Gewicht mittragen? Nie im Leben. Aber vielleicht genügt ja ein einziges. Um am Abend in der Kälte in eine andere Welt eintauchen zu können. Um mitzufiebern, wenn der Jack Reacher oder Rajkumar oder Captain James Holden das alte Burma oder in Texas oder in den Weiten des Weltalls ihre Abenteuer erleben. Zuviel Gewicht? Niemals!

Amitav Ghosh – der Glaspalast

Dieser erste große Roman über das geheimnisumwitterte Burma erzählt die Geschichte des jungen Rajkumar, der in einer Imbissbude auf dem Markt von Mandalay 1885 Zeuge des Einmarsches der britischen Truppen wird. Entsetzt beobachtet er die Plünderung des Glaspalastes und muss mit ansehen, wie die Königsfamilie ins Exil gejagt wird. Im Gefolge sieht er die Dienerin Dolly und ist von ihrer Schönheit so bezaubert, dass er ihr Gesicht nie mehr vergisst …

Natürlich hätte das Buch in die Burma Bücher gehört, aber mysteriöse Umstände und unterbewusste Entscheidungsfaktoren haben es verhindert. Keine Ahnung warum! Vielleicht einfach darum, dass ich weder bei der ersten noch bei der zweiten Burmareise wusste, welch wunderbare Geschichte Amitav Gosh beschreibt. Und wie sehr er uns das Land und seine Geschichte näherbringt.

Lee Child – Echo Burning

Zur Abwechslung leichtere Kost (vielleicht spielt die dünne Luft eine gewisse Rolle): Lee Child wird nie den Literatur-Nobelpreis erhalten, aber seine karge Sprache und sein muskulöser Held (einen Kopf grösser als Tom Cruise in den Verfilmungen) bewirken eine sofortige Abhängigkeit.

Ganz gegen seine Gewohnheit beschließt Jack Reacher, der ehemalige geniale Ermittler der Militärpolizei, in der sengenden Hitze von Texas per Anhalter zu fahren. Tatsächlich stoppt ein weißer Cadillac mit der schönen jungen Carmen Greer am Steuer – die ihn anheuert, ihren Ehemann umzubringen. Doch was sich so perfide anhört, ist eine aus tiefer Verzweiflung geborene Idee. Jacks Interesse – und Mitgefühl – ist geweckt. Er verdingt sich als Hilfsarbeiter auf der Ranch, um Carmen zu beschützen. Mit mäßigem Erfolg, denn der gewalttätige Ehemann wird im gemeinsamen Schlafzimmer erschossen – und die Ereignisse überstürzen sich mit tödlichen Konsequenzen …

Harry Mulisch – Die Entdeckung des Himmels

Eine in das umtriebige und abgründige 20. Jahrhundert ausschwärmende Geschichte über eine ungewöhnliche Freundschaft, eine Liebe, die aufmüpfigen Sechziger, die pragmatischen Siebziger und die windigen Achtziger Jahre und den langen Nachhall der Kriegs- und Nachkriegszeit; über ein ungewöhnliches Kind, das einen noch ungewöhnlicheren «Auftrag» hat; einen Astronomen und Don Juan, der nie zur Ruhe kommt, und ein Sprachgenie, das in der Politik Karriere macht.

Und wieder eines dieser Bücher, die berühmt sind und man trotzdem aus unerfindlichen Gründen nie gelesen hat. Dafür ist das Reisen da. Man tut (liest) Dinge, die man sonst nie tut (liest). Weil zu wenig Zeit, zu viele Seiten, zu bequem oder was weiss ich …

James Corey – The Expanse

Die SF-Saga The Expanse, ein Must-Read und Must-See für alle Fans Action-geladener Weltraumabenteuer, ist inzwischen bei Band 8 Tiamat’s Wrath  (Erscheinungsdatum 28.3.2019) angekommen. Captain James Holden und seine Crew stehen vor weiteren Abenteuern und Herausforderungen.

Ich gebe es zu, ich bin ein grosser Fan der Serie und kann nur hoffen, dass nicht wie bei anderen Beispielen die Zitrone solange ausgepresst wird, bis kein Saft mehr vorhanden ist. Mal etwas Gutes über Jeff Bezos: er hat im Alleingang die TV-Serie gerettet und die Finanzierung der Staffel 4 sichergestellt. Danke, reichster Mann der Welt!

Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Raumstationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.

George Eliot – Middlemarch

Im englischen Örtchen Middlemarch verflechten sich vor dem Hintergrund der beginnenden Industrialisierung die Schicksale mehrerer Personen: Die junge und idealistische Dorothea Brooke erhofft sich von der Ehe mit dem Gelehrten Casaubon geistigen Austausch. Dr. Lydgate soll das neue Hospital leiten und freit um die schöne Rosamond. Deren Bruder Fred wiederum wirbt lange vergeblich um die Bauerstochter Mary …

Bei einer Umfrage des englischen Guardian wurde Middlemarch zum besten englisch-sprachigen Roman aller Zeiten erkoren. Was für ein Roman, was für ein Schunken! Ich hätte das Ding ausnahmsweise als e-Book nach Ladakh mitnehmen sollen, aber nein, es sollte nicht sein. Aber immerhin – die Anstrengung hat sich gelohnt.