Chiang Khong – Gespräche mit Jam

Jams Restaurant

Etwas vom Einprägsamsten, aber gleichzeitig etwas, was kaum nacherzählt werden kann, sind die Gespräche mit den Einheimischen, die in den seltensten Fällen ein einigermassen gutes und verständliches Englisch sprechen.

Die Unterhaltung mit der Inhaberin eines Restaurants in Chiang Khong namens Jam („Jams Restaurant“) sind ein leuchtendes Beispiel für die wunderbare Vertracktheit der Sprache und die Schwierigkeiten menschlicher Kommunikation und wie es trotzdem gelingt, gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Gespräche mit Jam

Das Stück nennt sich, in Anlehnung an eines der berühmtesten esoterischen Werke der Siebzigerjahre „Gespräche mit Seth“, ganz einfach „Gespräche mit Jam“, ohne allerdings dessen literarischen Anspruch auch nur im entfernstesten zu erreichen.

Madame Jam
Madame Jam wie sie leibt und lebt

Nun also … (Hinweis: die auf Thai geäusserten Worte und Sätze sind in (…) abgesetzt)

Eine langgezogene schnurgerade Strasse, gesäumt von allerhand kleinen Läden und Restaurants. Ein Mann (im Folgenden „der Gast“ genannt) steht etwas ratlos vor einer winzigen Kneipe, die Tische sind leer, doch in der Küche brutzelt es verführerisch. Aus dem Hintergrund tritt eine resolute kleine Frau, ihr offenes Gesicht lacht die ganze Zeit.

Auftritt Jam: Good Morning (…) Come, come. Eat.
Auftritt Gast: I’m not sure. At what time does the Bus arrive?
Jam: Bus not here. Eat! Come (…) Drink. Bus always (…) late (spricht es aus wie lett)
Gast: OK, I’ll have a coffee (nimmt den Rucksack ab und setzt sich an einen der Tische)
Jam: Oke, oke, coffee good, äh (…) strong coffee (…) Suga? Milk? (…)
Gast: Just black coffee. I need a lot of coffee today. Bad sleep last night.
Jam: Bad sleepy? (sie lacht lauthals) (…) Old man no sleepy sleepy?
Gast (leicht verstimmt): I’m not old, but yeah, old man no sleepy sleepy (nimmt einen Schluck Kaffee).
Jam: Coffee good? You alone?
Gast: Coffee good. Yes alone.
Jam: Family? Wife?
Gast: Kids are grown up. Daughter 29, son 25.
Jam: Wife?
Gast (denkt lange nach, denn der Hinweis auf den Status „geschieden“ trifft üblicherweise auf betretenes Schweigen): Wife at home, working.
Jam: Wife working? (…) You holide?
Gast (lacht): Somebody in the family has to earn money.
Jam (stirnrunzelnd): Ok, me no understand.
Gast (will vom Thema ablenken): You know I was here before. Last year. With a friend. Name Reto. You remember?
Jam: How name? (…) Eto? (…) No, no remember. You here?
Gast: Yes, February. Very cold in the evening. We had a beer and fried rice.
Jam: Ri? (bedeutet Rice, die Asiaten können das s am Ende nicht aussprechen). I fried ri here (…) You want?
Gast: No, it’s too early for Ri. You don’t remember Reto? He talks and laughs all the time. He was here before. He’s Swiss. He’s travelling around for years.
Jam (denkt lange nach): No remember (…) Where you from?
Gast: Switzerland.
Jam: Oh, Swisserlan, good. I (…) Swisserland cold?
Gast: Yes, very cold. Snow. On the streets.
Jam: Snow? In street? (…) (schlägt beinahe die Hände über dem Kopf zusammen). Better Thailand. Here not snow. Warm. Sun.
Gast: Yes, you’re right … (schaut sich um) Breakfast in the hotel was not good. Maybe I eat something.
Jam: What hotel?
Gast: Hill Resort.
Jam (lacht): Oh yes. I know (…) Manager Police before.
Gast: Police? What do you mean?
Jam: He police, then hotel. Manager. He no good (lacht laut)
Gast: That’s true. He wanted to pick me up after dinner but he forgot me. So I had to wait a long time until someone picked me up.
Jam (lacht noch lauter): Yes, he forget all.
Beide lachen. Gast: I think I’ll have a pancake. You have pancakes with banana?
Jam: Good. Pankek …. (ruft einem jungen Mann zu, der sich im Hintergrund herumtreibt)
Gast: Your son?
Jam (lacht laut): No, me no son. He Lao.
Gast: He’s from Laos? What does he do here?
Jam: He learn cook. I good cook.
Gast: Oh. Then he opens a restaurant in Laos?
Jam: No. No. He no good. He slow. (ruft dem Lehrling zu, sich zu beeilen, so klingt es auf jeden Fall)
Gast: You could also teach me cooking.
Jam: You? (lacht lauthals). Yes, yes. You work here, I learn cook you (…) (ruft dem Boy etwas zu, beide lachen wie verrückt)
Gast (lacht mit): Then we open a restaurant in Switzerland and we call it „Jam’s Swiss Restaurant“.
Jam: Yes, yes. When you start? (…)
Gast: Maybe next year. What do you think? You’ll get a provision. 10%.
Jam: What provision? No understand (…) Serviert den Pancake, Gast macht sich heisshungrig darüber her. Hä? Provision?
Gast: For every meal you get money.
Jam (plötzlich sehr interessiert): Money?

In diesem Augenblick sieht der Gast den Bus kommen. Er bezahlt hastig und verabschiedet sich mit einer korrekten Verbeugung von Jam. Sie sieht ihm wehmütig nach …

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