Chiang Mai – revisited

 

Nun also wieder der Anfang. Das langsame Herantasten an eine neue Umgebung, an Sonne und Wärme, eine andere Kultur, eine andere Sprache, andere Gesichter. Lächelnde, freundliche, runde Thai-Gesichter, die so schwer zu lesen sind.

Ein neuer Anfang

Vor mir der Fluss, der Ping River, dreckig-braun, ruhig, unaufgeregt vor sich hin fliessend, vom leichten Morgenwind gekräuselt, hinter mir blühende duftende Sträucher (Bougainvilleas?), auf dem Tisch das erste Frühstück,  American Breakfast mit Kaffee, schwarz und schwer und süss wie die Hölle, vor mir Rührei, Toast, Butter und rosa Konfi, an Chemie und Zusatzstoffe erinnernd. Aber gut. In diesem Augenblick würde ich alles essen und alles gut finden.

Und irgendwo im Gebüsch gurrt eine unsichtbare Taube.

Es könnte Frühling sein, irgendwo, vielleicht sogar in der Schweiz. Aber es ist nicht irgendwo.

Schon gar nicht in der Schweiz.

Es ist Februar, der 5. Februar, um genau zu sein, und ich bin in Chiang Mai, mitten im unruhigen pulsierenden Zentrum Nordthailands. Und ich fühle mich so wunderbar wie dieser Morgen.

Aber die Müdigkeit steckt noch drückend schwer in den Knochen, die  lange anstrengende Reise hat Spuren hinterlassen, aber noch brennt das System weiter, unruhig, nervös, getrieben von Energie und Leistung.

Aber das wird sich geben. Schnee und Kälte sind bereits eine ferne Erinnerung. Nur meine Nase bleibt verstopft. Was soll’s.

Sowas geschieht mit einem, wenn man sich wegbegibt, sich hineinfallen lässt in die Ungewissheit. Für alle, die das weder kennen noch sich vorstellen können: es sind genau diese Momente, die das Reisen so unbeschreiblich machen, so süchtigmachend. Ein Virus, der lebenslang anhält, dem man sich nicht entziehen kann, eine wunderbare Krankheit, die einzige, die es lohnt, nicht zu behandeln …

Ein paar Stunden früher …

Endlich!
Endlich!

Der Flug ist angenehm. Nach Dubai ist es heller Tag, der Blick schweift immer wieder aus dem Fenster, ein Lächeln zieht um meine Mundwinkel, als wir die dichte Wolkendecke durchstossen und zum ersten Mal die Sonne aufblinkt.

So bleibt es bis über Pakistan, wo sich die Wolken auflösen und den Blick auf eine öde Wüste öffnen. Ich kann mir nicht erklären, was es ist, aber es sieht schön aus. Vielleicht weil ich vor vielen Jahren diese verbrannte Gegend durchquert habe, und einmal mehr holt mich die surreale Einsicht ein, dass wir für die Strecke bis hierher einige Wochen anstrengenden Fahrens benötigten, während wir hier, zehntausend Meter über der Erde, gerade mal einige Stunden unterwegs sind.

Dann wird der Himmel erst farbiger, dann gelber, die Sonne verschwindet am andern Ende des Horizonts und hinterlässt eine warme Spur aus Licht und Farben, bis sich auch diese auflösen und Dunkelheit sich breit macht.

Das Meer, nach der Überquerung von Indien, wird schwarz in der dunklen Nacht, aber irgendwann wird es heller,  als wir uns uns dem Lichtermeer Bangkoks  nähern, das wir erst überfliegen (Warteschlage) und dann von der andern Seite her ansteuern.

Touchdown. Ich bin da, endlich …

Und ein paar Stunden später, lande ich, einmal mehr, diesmal in dunkler Nacht, in Chiang Mai, zum dritten, vierten, fünften Mal, und wieder suche ich nach Taxis, finde sie endlich, auf zum Galare Guesthouse, auch einmal mehr. Ich weiss sogar, wo das Taxi abbiegen muss, um in die schmale Gasse zu gelangen, die zum Hotel führt.

Und dann, endlich, das Zimmer, die Dusche, das Bett, der Schlaf …

Glücksmomente

Es gibt diese Glücksmomente, die immer dann eintreffen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Der erste in dem Augenblick, da ich das verdunkelte Hotelzimmer verlasse, hinaustrete in den nach Sommer und Wärme und Frische duftenden Morgen, der Kopf noch schwer vom langen Schlaf, die Augen geschwollen, der Blick verschleiert. Eine Explosion der Sinne, es kommt mir vor, als würde das System in diesem einen Augenblick in einen anderen Modus geschaltet.

Die Erwartungen sind gross. Ich bin da, und alles liegt offen vor mir.

Verändert und doch gleich

Und jetzt: ein paar Stunden später, im Gewühl der Stadt, irgendwo in einer etwas ruhigeren Ecke im Schatten von blühenden Bäumen, Fried Noodles mit Ei und ein schrecklich aussehendes riesiges Glas mit einer rosa Flüssigkeit darin, Red Soda, mit tausend Eiswürfeln. Ich bin zwar durstig, aber auf diese Erfrischung kann ich verzichten. Schliesslich geht es morgen weiter, mit dem Green Bus in Richtung Norden, nach Chiang Khong, zu meinem geliebten Mekong, da kann ich mir keinen Durchfall leisten.

Fried Noodles
Fried Noodles mit Ei

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