Ein neuer Anfang

Chiang Mai – Touchdown. Endlich. Nun also wieder der Anfang. Das langsame Herantasten an eine neue Umgebung, an Sonne und Wärme, eine andere Kultur, eine andere Sprache, andere Gesichter. Lächelnde, freundliche, runde Thai-Gesichter, die so schwer zu lesen sind.

Vor mir der Fluss, dreckig-braun (Löss? Verschmutzung?), ruhig, unaufgeregt vor sich hin fliessend, vom leichten Morgenwind gekräuselt, hinter mir blühende duftende Sträucher (Bougainvilleas?), auf dem Tisch das erste Frühstück (American Breakfast mit Tonnen von gesüsstem Kaffee, der den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen treibt). Und irgendwo im Gebüsch gurrt eine unsichtbare Taube.

IMG_0221Es könnte Frühling sein, irgendwo, vielleicht sogar in der Schweiz. Aber es ist nicht irgendwo. Schon gar nicht in der Schweiz.

Es ist Februar, der 5. um genau zu sein, und ich bin in Chiang Mai, mitten im unruhigen pulsierenden Zentrum Nordthailands. Und ich fühle mich so wunderbar wie dieser Morgen.

Aber die Müdigkeit steckt noch drückend schwer in den Knochen, die  lange anstrengende Reise hat Spuren hinterlassen, aber noch brennt das System weiter, unruhig, nervös, getrieben von Energie und Leistung. Aber das wird sich geben. Schnee und Kälte sind bereits eine ferne Erinnerung. Nur meine Nase bleibt verstopft. Was soll’s.

Ein paar Stunden früher …
Endlich!

Endlich!

Der Flug ist angenehm. Nach Dubai ist es heller Tag, der Blick schweift immer wieder aus dem Fenster, ein Lächeln zieht um meine Mundwinkel, als wir die dichte Wolkendecke durchstossen und zum ersten Mal die Sonne aufblinkt. So bleibt es bis über Pakistan, wo sich die Wolken auflösen und den Blick auf eine öde Wüste öffnen. Ich kann mir nicht erklären, was es ist, aber es sieht schön aus. Vielleicht weil ich vor vielen Jahren diese verbrannte Gegend durchquert habe, und einmal mehr holt mich die surreale Einsicht ein, dass wir für die Strecke bis hierher einige Wochen anstrengenden Fahrens benötigten, während wir hier, zehntausend Meter über der Erde, gerade mal einige Stunden unterwegs sind.

Dann wird der Himmel erst farbiger, dann gelber, die Sonne verschwindet am andern Ende des Horizonts und hinterlässt eine warme Spur aus Licht und Farben, bis sich auch diese auflösen und Dunkelheit sich breit macht. Das Meer, nach der Überquerung von Indien, wird schwarz in der dunklen Nacht, aber irgendwann wird es heller,  als wir uns uns dem Lichtermeer Bangkoks  nähern, das wir erst überfliegen (Warteschlage) und dann von der andern Seite her ansteuern.

Touchdown. Ich bin da, endlich …

Und ein paar Stunden später, lande ich, einmal mehr, diesmal in dunkler Nacht, in Chiang Mai, zum dritten, vierten, fünften Mal, und wieder suche ich nach Taxis, finde sie endlich, auf zum Galare Guesthouse, auch einmal mehr. Ich weiss sogar, wo das Taxi abbiegen muss, um in die schmale Gasse zu gelangen, die zum Hotel führt.

Und dann, endlich, das Zimmer, die Dusche, das Bett, der Schlaf …