Erwartungen

Hier bin ich, einmal mehr, mit freudigen, entspannten Erwartungen auf das, was vor mir liegt. Indien im Kopf. Rings um mich lautes, vielstimmiges, vielsprachiges Chaos, freudige, bange Hoffnung, der Mix aus Träumen, Ängsten und Alleinsein.

Ich bin noch nicht mal weg, trotzdem fliegen meine Gedanken und erheben sich in die Lüfte.

Auf zum Meer

Der Flug ist angenehm, ich habe viel Platz und da der Sitz neben mir leer bleibt, kann ich mich so richtig vertun. Der Blick schweift immer wieder aus dem Fenster, ein Lächeln zieht um meine Mundwinkel, als wir die dichte Wolkendecke durchstossen und zum ersten Mal die Sonne aufblinkt. So bleibt es bis in den nahen Osten, wo sich die Wolken auflösen und den Blick auf eine öde Wüste mit merkwürdigen kreisrunden Schatten öffnen. Ich kann mir nicht erklären, was es ist, aber es sieht schön aus.

Sonnenuntergang

Abendlicht

Vollmond – ein gutes Omen

Irgendwann steht wie beim letzten Mal der Vollmond am Himmel, der mir Gutes verspricht. Dazwischen Filme, ein, zwei Blicke in den Indienführer, aber noch ohne Euphorie. Die kommt schon noch. Dann wird der Himmel erst farbiger, gelber, die Sonne verschwindet am andern Ende des Horizonts und hinterlässt eine warme Spur aus Licht und Farben, bis sich auch diese auflösen und Dunkelheit sich breit macht. Wir sind über dem Arabischen Meer und nähern uns dem Lichtermeer Mumbais, das wir erst überfliegen (Warteschlage) und dann von der andern Seite her ansteuern.

Touchdown. Ein wunderbares Gefühl des Ankommens

Alles geht seinen gewohnten Gang, sehr schnell und zügig sogar, und schon nach kurzer Zeit schlendere ich an den Mundschutz-bewehrten Beamten vorbei zum Ausgang, wo Hunderte von Tafeln und Zetteln in die Höhe gehalten werden. Man muss die Schlange langsam abgehen, denn sonst übersieht man womöglich die eigene Tafel, aber da ist sie, Rodolf Landult, und ein junger smarter Inder lächelt mich erleichtert an, begrüsst mich in Indien und führt mich zum Ausgang, wo er kurz ins Handy spricht, um das Taxi heranzuholen. Ich ziehe die warme aromatische indische Luft in vollen Zügen ein und bade im unvergleichlichen Laut- und Lärmgewitter, dass ich um mich herum entlädt.

Es ist ein kleines Hotel, zu dem mich das Taxi nach kurzer Fahrt führt, in einer schmutzigen Nebengasse gelegen und einen Moment lang bin ich im Zweifel, ob ich am richtigen Ort gelandet bin. Aber es hat alles seine Richtigkeit, ich greife zum ersten Mal zwecks Tippverteilung in die Tasche, verwechsle ebenfalls zum ersten Mal einige Köpfe und ernte gelassenes Lachen. Dann bin ich im Zimmer, die AC dröhnt, der Kopf dröhnt, es ist alles so, wie erwartet und trotzdem anders.

Ich bin angekommen.