Wer Indien kennt, weiss, dass es eine Reise durch ein Land der Extreme ist.

Ein Land der Gegensätze.

Traum oder Albtraum. Alles gleichzeitig.

Beschämend arm und exorbitant reich.


Tausend Gesichter, tausend Geschichten

Die Erinnerungen sind diffus, verblasst, entschwunden. Die flüchtigen Begegnungen mit den vielen Menschen, ihre Gesichter, ihre Augen, ihre Stimmen – verloren im Nebel des Vergessens.

Aber vieles ist noch da. Die Gerüche beispielsweise. Die betörenden Aromen auf den Märkten. Der Duft von frisch geschnittenen Blumen und exotischen Früchten, deren Namen wir längst vergessen haben. Aber auch der Gestank der Abgase von Millionen von Vehikeln, von bitter riechenden Staubwolken, die wie durchsichtige Schleier über der Strasse hängen. Der Mief von Fäkalien, von am Strassenrand verfaulenden Abfällen, von menschlichen Ausdünstungen.

 

Indian Women
Indische Frauen – immer gestylt und einfach schön

Die Farben. Die Kleider der Frauen. Elegant getragen wie Königinnen. Die zum Trocknen ausgelegten Tücher. Gelb. Rot. Türkis. Grün. Der Himmel in einem Blau, das wir nicht kennen.

Und die Geräusche. Hupen. Endlos. Unaufhörlich. Eine Kakophonie des Grauens. Die Stimmen, in allen Sprachen der Welt. Kinderlachen. Hundebellen. Das Röhren der Elefanten und Kamele.


Ein ferner Traum

Viele Jahre vergehen, die Erinnerungen verblassen. Indien ist ein ferner Traum, den jemand anderes geträumt haben muss.

Und dann, nach vielen Jahren, auf dem Weg nach Nepal, ein kurzer Aufenthalt in Delhi. Und im Bruchteil von Sekunden kehrt alles zurück. Die Gerüche, die Geräusche, die Farben. Die gelbschwarzen Taxis. Die TukTuks. Das Gewühl. Die Menschen. Die Millionen von Menschen.

 

Hustle and bustle
Das übliche Chaos im Strassenverkehr

Und plötzlich kommt es mir vor, als wäre ich nach Hause gekommen.

Auch das ist einer dieser Momente. Wo plötzlich alles anders wird. Eine Sehnsucht taucht auf.

In dieses verrückte Land zurückzukehren.


Und so bin ich zurück …

… in der Hoffnung, auf das Land zu treffen, das mich wie kein anderes in seinen Bann gezogen hat.

Ein anachronistisches Land, in dem Vergangenheit und Zukunft aufeinander prallen.

Und auf ganz besondere Weise ein Erlebnis. Es ist eine Art Bungeejumping. Eine Dehnung des Möglichen. Ein immerwährender Tanz mit den Elementen. Schlechte Strassen, dichter Verkehr. Hitze. Löcher und Gräben. Suizidale Fahrer. Bekiffte Fahrer. Aggressive Fahrer. Gestörte Fahrer.

 

Market
An jeder Strassenecke ein Markt

Und immer hat man den Eindruck, es gerade noch geschafft zu haben.

Und immer fühlt man sich so lebendig wie sonst selten.


Ein paar Tipps zu Indien

Der Norden, insbesondere das Kapitel zu Rajasthan und Delhi, wird an anderer Stelle beschrieben, ebenso Agra und der Taj Mahal, Khajuraho, Varanasi und weitere Sehenswürdigkeiten, Hier beschränke ich mich auf Südindien, also auf Mumbai, Goa und all die wunderbaren Orte südlich davon …

Mumbai

Sechstgrösste Metropole der Welt. Wichtigste Handelsstadt, wirtschaftliches Zentrum eines aufstrebenden Landes. Aber nicht nur. Mumbai (oder bis 1996 als Bombay bekannt) ist faszinierend, aufregend, aber auch beunruhigend und verstörend in seiner Wucht. Ein Ort, der in die Knochen fährt. Es ist Leben pur, in all seinen Fazetten. Exorbitanter Reichtum neben unsäglichem Elend. Man sollte sich Zeit nehmen, zumindest Colaba, der Teil des alten Mumbai mit einer Uferpromenade, die am Gateway of India beginnt, zu Fuss erkunden. Alles andere ist Zugabe …

Goa

Früher DER Hotspot für Hippies, heute ein beliebter Ausflugsort für Einheimische, die den Verführungskünsten (Zugang zu Alkohol und anderen Angeboten, die im resitlichen Land verboten sind) der ehemaligen portugiesischen Kolonie nicht widerstehen können. Ein zweifelhaftes Vergnügen. Aber die Strände, die Shacks entlang dem Meer, Calangute und alle anderen Abschnitte des langgezogenen Bundesstaats sind immer noch ein Erlebnis. Auch wenn man irgendwann die Flucht ergreift …

Kochi

Früher Cochin genannt, Liegt im Südwesten Indiens an der Küste des Arabischen Meeres. Die Stadt hat eine reiche historische Bedeutung von Vasco Da Gama bis zu den holländischen und britischen Besatzern, die allerhand Auseinandersetzungen und Zerstörungen mit sich brachten. Heute ist die Stadt – vor allem die Halbinsel Fort Kochi – ein wunderbarer Ort, um auszuspannen und die Sehenswürdigkeiten zu bewundern. Ganz besonders bekannt sind die chinesischen Fischernetze am Hafen.

Kanyakumari

Die südlichste Stadt des Subkontinents, beim Kap Komorin gelegen, wo sich zwei Ozeane treffen, nämlich das Arabische Meer und der Golf von Bengalen. Durch den Tempel der jungfräulichen Göttin Kumari Amman ist die Stadt zu einem hinduistischen Pilgerziel geworden. Auch ist an der Stelle, wo Gandhis Asche ins Meer gestreut wurde, ein Denkmal für ihn im Stil eines orissanischen Tempels erstellt worden (ein ziemlich grässlicher Bau, siehe Beitrag). Die Stadt wimmelt von Touristen, allerdings ist zweifelhaft, ob sich die lange Reise an die Südspitze Indiens wirklich lohnt.

Madurai

Eine der ältesten Städte Südasiens, liegt im Südwesten Tamil Nadus am Ufer des Flusses Vaigai und zählt heute etwa 1 Million Einwohner. Hauptsehenswürdigkeit Madurais ist der Minakshi-Tempel, dessen hoch aufragende Tortürme weithin sichtbar das Stadtbild dominieren. Madurai sollte auf keinen Fall verpasst werden. Der Besuch der Tempel, aber auch seiner illustren Umgebung gehört in jede Reiseplanung. Obwohl ich mir hier eine atomare Durchfallerkrankung einfing, bleibt  mir der Besuch in allerbester Erinnerung.

Mysore

Das Erbe der früheren Maharajas von Mysore zieht viele in- und ausländische Besucher in die Stadt. Der Königspalast Amba Vilas ist im Zentrum der Stadt war Residenz der Maharajas des ehemaligen Fürstenstaates Mysore, deren Nachfahren noch heute einen Teil des Palastes bewohnen. Der Palast zählt zu den berühmtesten Palastbauten ganz Indiens. 

Hampi

Von etwa 1343 bis 1565 war Hampi die Hauptstadt eines Königreiches. Auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte es fast ganz Südindien. Seine Hauptstadt soll zur Blütezeit rund 200.000, nach anderen Schätzungen sogar 500.000 Einwohner gehabt haben. Heute ist Hampi nur noch ein Dorf mit 2777 Einwohnern und gehört seit 1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wenn man durch die verlassenen Ruinen der ehemaligen Stadt wandert, glaubt man sich in einer verlassenen, toten Welt, und man fragt sich, was die Bewohner dazu veranlasst hat, ihre Stadt zu verlassen. Wassermangel vielleicht? Das erinnert uns doch glatt an ein aktuelles Thema.


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