Bye-bye Goa

Meine irgendwie ebenso notwendigen wie langweiligen Tage in Goa sind vorbei, und ich bin froh darüber. Die Vorstellung, hier mehrere Monate zu verbringen, hat sich verflüchtigt. Es fehlt die Herausforderung, das Prickeln, die Momente der Erkenntnis. Goa (oder Indien an sich?) ist ein Anachronismus, mit dem ich nicht fertig werde.

Bahnhofidyllen

Schon das Eintreffen auf dem Bahnhof kommt mir vor wie ein erstes Atemholen nach einem tiefen Schlaf, der mir zwar zu Ruhe, aber auch Kopfschmerzen verholfen hat. Jetzt scheine ich zurück zu sein auf der Welt.

Bahnhof

Bahnhofsidyllen

Mittagsschlaf

kein Platz zu unbequem für ein Mittagsschläfchen

Im Zug nach Trivandrum

Nun bin ich endlich genau dort, wo ich sein will. Unterwegs nach irgendwohin. Mir gegenüber sitzt ein älterer Inder, er stellt sich als Wissenschaftler heraus, freundlich, gescheit, aber auch ein indisches Ehepaar, mit Handys ausgerüstet, deren Klingeltöne Tote zum Leben erwecken könnten.

Mit der typisch indischen Neugier erkundet er sich nach dem Woher und Wohin, stimmt mit dem typisch indischen Kopfschütteln zu oder verzieht zweifelnd den Mund. Da ich nicht zum ersten Mal in Indien bin, kenne ich die Bedeutung des Kopfwackelns und weiss, dass sie Zustimmung meint. Nicht ganz einfach für uns Westler. Ich erinnere mich gut an das Gesicht des Obstverkäufers irgendwo nahe der Grenze zu Pakistan, als ich mich nach Bananen erkundigte und als Antwort das Kopfwackeln erhielt. Sein verständnisloser Blick wird mir ewig in Erinnerung bleiben, als ich mich mit einem bedauernden Blick verabschiedete.

Am Horizont, knapp erkennbar durch die fürchterlich verschmutzte Fensterscheibe, hängt eine goldgelbe Sonne über braunen, gelben, grünen Landschaften, die vor dem Zug vorüber huschen. Indien gleitet dahin, ich bin glücklich. Und während verbrannte Landschaften an die Oberfläche des Mars erinnern, schiebt sich eine andere Erinnerung ins Gedächtnis.

Sonnenuntergang

Der Sonnenuntergang durch die verschmutzte Fensterscheibe

Lagaan – Es war einmal in Indien

Ein Film, ein indischer Film, ein Bollywood-Film, der sich tief in meine filmische Erinnerungsreihe eingepflanzt hat. Ein wahrer Schinken von knapp vier Stunden, wovon keine einzige Minute überflüssig oder langweilig gewesen war.

Lagaan spielt im Indien des späten 19. Jahrhunderts. Der Regionaloffizier des britischen Hauptquartiers unterdrückt die Leute in der Region mit hohen Steuern (lagaan), während diese zusätzlich noch unter einer ungewöhnlichen Dürre leiden. Er bietet Russell den Bauern des Dorfs Champaner eine Wette an: Er wird für ganze drei Jahre die Steuern der gesamten Provinz erlassen, wenn eine Dorfmannschaft seine Männer beim Cricket besiegen kann – eine Sportart, die den Bewohnern bisher völlig unbekannt ist. Wenn sie jedoch verlieren, wird die dreifache Steuer erhoben.

Lagaan – der Film (Trailer)

Eine schwierige Ausgangslage für die Dorfbewohner. Das zu lösende Problem ist auf den ersten Blick unmöglich zu lösen. Vor allem weil es im mausarmen Dorf an potentiellen Kandidaten für die geforderten Spieler fehlt.

Ohne die Pointe zu verraten, nur soviel: eine Szene gegen Schluss ist ein Magic Moment. Nicht verpassen.

Langsames Abdriften in die Nacht

Ich habe einen Fensterplatz erwischt und erst noch den Lower Bench, was immer ein Vorteil ist, denn man ist dann nicht gezwungen, auf die obere Pritsche zu klettern. So sitze ich also da, schaue aus dem Fenster, denke nichts.

Irgendwann, die Sonne hat sich in üblicher Pracht verabschiedet, wird das Nachtessen serviert. Es dauert etwas, bis sich mein anfängliches Misstrauen in anerkennendes Essvergnügen verwandelt. Diese positiven Erkenntnisse beinhalten ein gewisses Risiko: ein paar Tage später werde ich schmerzlich erfahren müssen, dass nicht jedes Essen im Zug unproblematisch ist, aber dazu später.

Und dann, mit vollem Magen nach einem wirklich guten Essen, der Höhepunkt des Tages – das wohlige Einkuscheln in den Schlafsack, das monotone Rattern der Räder im Ohr, das Hin- und Herschlagen des Wagens beim Überfahren einer Weiche oder sonst was …