Panaji – ein ungeplanter Abstecher

Anstatt bereits auf dem Weg nach Trivandrum zu sein, sitze ich im Local Bus nach Panaji, eine gefühlte halbe Million Schulkinder um mich herum und ein paar wenige Einheimische, die still und stumm und reglos aus dem Fenster schauen. Ich bin wieder mal der einzige Ausländer, was mir den einen oder anderen neugierigen Blick einbringt.

Nova Goa

Dann also Panaji, früher portugiesisch auch Nova Goa, „Neu-Goa“) genannt, ist die Hauptstadt von Goa und war ursprünglich eine kleine Vorstadt von Velha Goa. Vor allem in der Stadtmitte finden sich zahlreiche Gebäude im portugiesischen Kolonialstil. Darunter die Kirche Our Lady of the Immaculate Conception aus dem Jahre 1619. Die Stadt beherbergt aber auch den hinduistischen Mahalaxmi-Tempel und die Jama Masjid-Moschee.

Es gibt eine gesetzliche Regelung, wonach im Stadtzentrum der durch den Monsun regelmäßig stark in Mitleidenschaft gezogene Putz an den Gebäuden jährlich ausgebessert werden muss. Weitere architektonische Denkmäler befinden sich in Alt-Goa. Panaji ist heute jedoch auch eine moderne Stadt mit einer wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung.

Nun, das ist mir alles vom letzten Besuch noch bekannt; ich kann mich aber erinnern, dass mir die Stadt gefallen hat. Heute hingegen habe ich keine Zeit für touristisches Flanieren, es rufen geschäftliche Pläne, die sich nicht verschieben lassen.

Es gilt, meine blöde Camera mit dem einen winzigen Sandkorn flicken zu lassen.

Eine neue Kamera

Was sich aber wesentlich schwerer bewerkstelligen lässt als angenommen. Der Sony Shop ist schnell gefunden, die Angestellten machen einen professionellen Eindruck, der meine Hoffnungen bezüglich einer schnellen Lösung zum Himmel steigen lässt.

Die gefurchte Stirn des Kundenbetreuers zeigt aber schnell, dass der Himmel an diesem Tag kein Einsehen hat und schon gar keine Gnade walten lässt. Nach eingehender Inspektion des Geräts kommt er – unter Zuhilfenahme der Ratschläge seiner Kollegen, die sich alle um uns gruppiert haben – zur Aussage, dass er keine Möglichkeit sieht, das Ding zu reparieren. Man könne die Camera allenfalls nach Mumbai schicken und sie dort reparieren lassen. Verflucht!

Das ist nun genau das, die ich am wenigsten brauchen kann. Ich will und muss morgen nach Süden abfahren, und zwar mit Camera. Nach einigen Minuten weiteren Palavers und der Eruierung weiterer Optionen, die sich alle als heisse Luft entpuppen, bleibt am Schluss nur noch eine Möglichkeit offen: ich nehme die defekte Camera nach Hause und kaufe hier zähneknirschend eine neue.

Sony

Eine echte indische Cybershot, die mich auf vielen Reisen begleitet hat

Der Verkäufer ist entzückt, ich weniger. So ganz sicher bin ich nicht, ob ich nicht gewaltig über den Tisch gezogen werde. Auch die überfreundliche Behandlung, die mir plötzlich angedeiht wird, die dampfende Tasse Tee, die unversehens vor mir steht, lässt meinen Argwohn nicht verschwinden. Aber was soll’s – die jungen Leute sollen ihren Spass haben, und ich komme dafür in den Besitz einer wunderschönen knallroten Camera (Anmerkung: die ich immer noch besitze, ebenso wie die Sandkorn-Camera, die in irgendeiner Schublade verstaubt).

Und nochmals Pläne (die keine sind)

Mein bescheidenes Heim – bereit zum Aufbruch

Tja, und dann liege auf meinem Strandsessel, und probiere meine neue Camera aus. Die Sonne, die bereits gegen den Horizont sinkt, bietet dazu des beste Sujet. Ein sanftes Lüftchen weht, das Meer donnert und schreit, wie seit Millionen von Jahren, halbnackte Touristen strecken ihre bleichen Körper der Sonne entgegen. Macht nichts, jetzt fühle ich mich gut und widme mich andern Dingen.

Thiruvananthapuram

Das Ticket bis Trivandrum ist gekauft. Heute heisst die Stadt Thiruvananthapuram, ein Name, den sich ein ausgemachter Sadist ausgedacht haben muss. Wer kann sich das merken und erst noch richtig aussprechen? Ich bleibe aber – die Inder mögen es mir verzeihen – bei Trivandrum.

Über den Grund, warum mir die nette Dame im Tourist Office nach dem Blick auf den Pass eine Verbilligung hat zukommen lassen, möchte ich lieber nicht sprechen. Der Rucksack ist gepackt, das Abschiedsessen hat stattgefunden, ich brenne darauf, endlich loszufahren.

Bereits erwähnt – es gibt nach Trivandrum keine fixen Pläne, bestenfalls Absichtserklärungen, die nicht mal die Synapsen wert sind, mit denen sie ausgedacht worden sind.

Also, wir werden sehen, wohin die Winde (oder die indischen Verkehrsmittel) uns tragen …