Rückkehr nach Goa

Meine Mundwinkel haben sich im Verlauf der letzten Stunden ein ganzes Stück in Richtung Wohlbefinden bewegt. Oder bilde ich mir das nur ein, weil es so sein muss? Ich fühle mich aber zum ersten Mal seit Wochen wirklich wohl, beinahe ausgeruht, obwohl der Schlaf in diesem merkwürdigen kleinen Hotel in Flughafennähe kurz und unruhig war.

Aber sogar durch den infernalischen Lärm der AirCon und durch die Ohrenstöpsel hindurch ist das Läuten des iPhones an mein offenbar aufmerksames Ohr gedrungen und hat mich aus dem Schlaf geholt. Das Erwachen kam mir vor wie das Auftauchen aus tiefem schlammigem Wasser. Das mit Vorfreude erwartete Frühstück ist leider ins Wasser gefallen, denn im Hotel ist gar kein Morgenessen vorgesehen (wie konnte ich das nur vergessen).

Nun sitze ich hier im Flughafenrestaurant, vor mir ein gezuckerter Kaffee und der gestrige Tages-Anzeiger, beinahe wie zuhause, im Ohr Nelly Furtado gemischt mit der vielstimmigen Kakophonie der Inder und Touristen um mich herum. Die Bauchschmerzen, die tiefen Furchen im Gesicht – alles wie weggeblasen.

Indien tut gut

Also zurück in diesem verrücktesten aller Länder. Lange her seit dem denkwürdigen Indientrip auf dem Hippytrail. In einem alten heruntergekommenen VW-Bus. Während eines knappen Jahres.

Wirklich lange her.

Das wird Gegenstand eines weiteren Reviews sein. Der Höhepunkt meiner Reiseabenteuer. Aber zu diesem Zweck muss ich zuerst alles zusammensuchen, was es noch an Informationen gibt.

Ich will Südindien erkunden. Die Unterschiede zum Norden herausfinden. Wärme tanken. Das Gefühl der Unbeschwertheit reaktivieren.

Aber da ist noch etwas anderes. Etwas, das lange darauf gewartet hat, ans Tageslicht gebracht zu werden. “Der lachende Mann”. Mein erster Roman. In Form einer Basisversion bereit zur Überarbeitung. Oder zumindest bereit zum Überdenken der Probleme. Finden von Lösungen. Eliminieren der Schwachstellen. Und davon hat es viele.

Wir werden sehen.

Landung in Goa

Und dann lande ich in Goa, Check-out, Shiva wartet auf mich mit der Tafel „Ruedi“, geschrieben von einer alten Freundin, wir begrüssen uns herzlich und machen uns auf den Weg. Es ist heiss um die Mittagszeit, jetzt wird mir das veränderte Klima erst so richtig bewusst. Es wird eine ruhige entspannte Fahrt durch die Palmenwälder, die grünen Wiesen und Sümpfe, vorbei an den farbigen Menschen, an Abwasserkanälen, deren Gestank für einen Moment meine Nüstern bläht, an ausgetrockneten Bächen, an Müll an den Strassenrändern, an Ständen und Läden und an auf dem Boden ausgebreiteten Teppichen mit allerhand Tand und Firlefanz.

Das ist Indien. So wie ich es kenne.

Eine Art Heimkommen

Es ist eine Art Heimkommen. Aber in Calangute es ist auch ein schleichendes Gefühl dabei, dass all die negativen Seiten immer noch da sind, vieleicht sogar schlimmer. Dickbäuchige, tätowierte Touristen, in vollkommener Ignoranz gleichmütig durch die Strassen flanierend.

Aber sind wir anders? Unterscheiden wir uns dadurch, dass wir glauben, mehr über das Land zu wissen? Dadurch, dass wir weniger dickbäuchig und nicht tätowiert sind und weniger vulgär zu sein glauben? Vielleicht eine verhängnisvolle Fehleinschätzung, die jeder Einheimische in Abrede stellen würde. Der Unterschied ist für Inder nicht erkennbar. Für sie sind wir alle gleich: reich, arrogant und haben von nichts eine Ahnung. Das ist die Ausgangslage.

Balkon

Ein kleiner Balkon mit Blick auf den Garten

Alte Bekannte

Das Zimmer ist in Ordnung, vor allem der kleine Balkon auf der Schattenseite wird mir Freude bereiten. Ich begrüsse alte Bekannte und fühle mich schon beinahe wie an einem Veteranentreffen. Am Abend gehe ich essen, treffe eine alte Freundin, die ich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen habe. Austausch der Lebensinformationen. Dann Schlaf unter dem Ventilator, der leise schwirrt und kühle Luft verteilt.