Nach Cali mit einem verrückten Chauffeur

Für einmal liegt der Busterminal nahe, sodass ich zu Fuss durch die regengetränkten (natürlich, es regnet auch hier andauernd) Strassen tapse und rechtzeitig für die lange Fahrt nach Cali am Bahnhof bin.

Der Bus ist komfortabel und sozusagen leer. Neben mir haben sich grade mal vier Nasen im Inneren verloren, weiss der Teufel, wie man sowas rentabel gestalten kann. Für einmal habe ich mich mit genügend Wasser und Food für die lange Fahrt eingedeckt, denn ob der Bus je irgendwo hält, ist fraglich.

 

From Pasto to Cali

 

Kolumbien – Biographie eines geschundenen Landes

In den letzten Monaten habe ich immer wieder begeisterte Feedbacks von Bekannten erhalten, die Kolumbien in den allerschönsten Farben malten.

Noch vor wenigen Jahren hätte man – Pablo Escobar, Drogenkartelle, FARC – einen riesigen Bogen um das kriegs- und drogenverseuchte Land gemacht. Seit man Escobar erschossen und die Kartelle einigermassen im Griff bekommen hat, scheint sich vieles zum Besseren geändert zu haben. Und da die Regierung mit der FARC, der Widerstandsorganisation, die jahrelange Kämpfe mit der Armee lieferte, einen sogenannten Friedenspakt geschlossen hat, scheint auch dieses Problem zumindest vorläufig aus der Welt geschafft zu sein.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt.

 

Grün in allen Schattierungen

Auf jeden Fall sind die überschwänglichen Kommentare zur Natur und zur Landschaft in keinster Weise übertrieben.

Was da vor den Augen abläuft, ist Schönheit pur. Wir fahren anfänglich ein paar Stunden durch eine Hügel- und Berglandschaft, die auf den ersten Blick gleich, auf den zweiten aber völlig anders aussieht als alles, was man kennt. Zunächst mal ist alles grün, Regen sei Dank.

Grün in den unterschiedlichsten Schattierungen. Dunkelgrün bis fast schwarz, ein helles Grün, das beinahe das Auge schmerzt. Ausbuchtungen von Hügeln, kreisrunde Buckel, mit seltsam undefinierbaren Pflanzen und Gebüschen und Bäumen bewachsen. Man könnte sich stundenlang sattsehen, doch an der Stirnseite des Busses sitzt jemand, der das Vergnügen dämpft.

 

Green Landscape 3

Grüne Hügel, grüne Berge, grüne Täler

Green Landscape 4

Mitten im Grün eine Strasse, ein Haus

Green Landscape 5

Ein Haus, ein Stall, ein Baum, Sträucher

Green Landscape

Eingeschnitten ins Grün, die Strasse

 

Ein Chauffeur zum Abgewöhnen

Ich habe mich selten nach einer langen Busfahrt derart zermürbt und ausgelaugt gefühlt wie an diesem Abend.

Ich bin mich ja einiges gewohnt, man denke nur an die unvergesslichen Fahrten in Ladakh oder Indien oder Burma, aber was dieser hirnlose Fahrer mit uns anstellt, ist grenzdebil. Nicht nur, dass er prinzipiell jede Doppellinie missachtet oder ebenso prinzipiell vor jeder Kurve überholt, er prescht in einem derartigen Höllentempo durch die Millionen von Kurven, dass man buchstäblich hin und her geworfen wird.

Auch hier geht’s neben der Strasse hunderte Meter den Abhang hinunter, auch hier gibt es kaum Abschrankungen, der einzige Unterschied sind die guten breiten Strassen. Mein Gott, was für ein Arsch!

 

Und Adios iPhone

Wie auch immer, auch eine lange Fahrt geht irgendwann zu Ende.

Es sind wieder mal zehn Stunden gewesen, ziemlich harte Stunden, es ist stockdunkel in Cali, nicht gerade ideal, um in dieser nach wie vor gefährlichen Stadt anzukommen. Dass der Tag aber noch einige zusätzliche unangenehme Überraschungen bereithält, wird sich in Kürze zeigen.

Irgendwie ist in Cali von Anfang an der Wurm drin; es fängt mit dem Taxifahrer an, der mich weiss der Henker warum zuerst gar nicht fahren will, schliesslich aber doch noch gnädig zustimmt. Wahrscheinlich macht er wieder mal ein paar Zusatzschleifen, denn die Fahrt dauert wesentlich länger als ich mit Google Maps ausgerechnet habe.

Vor dem Hotel mahnen ungeduldig hupende Autos hinter uns zur Eile, und so geschieht, was geschehen muss – das blöde Handy bleibt im Taxi liegen. Ich bemerke es sehr schnell, die nette Dame an der Reception des „Ruta Sur“ versucht mir zu helfen, ruft meine Nummer an, und tatsächlich – die ziemlich unangenehme Stimme eines Mannes meldet sich. Erst will er verhandeln (offenbar hat das iPhone bereits den Besitzer gewechselt), doch dann hängt er auf.

Es dauert eine Weile, bis ich den Kontakt zur Swisscom gefunden habe, wo man die Nummer sperren lassen kann, dann ist auch dieses Kapitel beendet.

Ade iPhone. Es war eine schöne Zeit mit dir …

 

Kilometerstand: 7869

Song zum Thema:

Und hier geht die Reise weiter