Nubra Valley – Das Tal der Blumen

 

Mission Impossible im Nubra Valley?

Der letzte Film „Fallout“ aus der Mission-Impossible Franchise mit Tom Cruise spielt gegen Ende im Nubra Valley, was natürlich eine Vorspielung falscher Tatsachen ist. Die Aufnahmen im vermeintlichen Nubra Valley wurden in Norwegen und Neuseeland gedreht. Eine gewisse Ähnlichkeit kann allerdings nicht bestritten werden.

Für uns ist es keine Mission Impossible, kein bedrohlicher Weltuntergang durch die Zündung einer Atombombe, sondern ein gemütlicher Trip entlang des Nubra Valleys, zu den grossartigen Klöstern und später leider, der unvermeidliche Husarenritt zurück über den Khardung La …

Aber von oben sieht das Tal schon ziemlich abweisend aus …

 

Blick vom Weltall
Der Blick vom Weltall – ziemlich grimmig

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Hundar

Wir nehmen das Morgenessen standesgemäss im Garten ein, der Duft der Blumen und Bäume kräuselt um unsere Nasen. Der Kaffee ist schwarz und stark, die Toasts knackig, der Orangensaft fruchtig. Nur die Konfitüre ist wie immer ein hinterhältiger Angriff auf die Geschmacksnerven …

Hundar, das Dorf, in dem wir die Nacht verbracht haben, ist eine Oase mit 200 Häusern und rund 1000 Einwohnern. Es ist damit das grösste und wohl auch das schönste Dorf im ganzen Tal. Der Hundar-Fluss versorgt das Dorf mit Wasser, nirgends sonst gedeihen die Apfel- und Aprikosenbäume so üppig wie hier.

 

Tal der Blumen
Das Tal der Blumen – tatsächlich nicht übertrieben

 

Um neun soll der zweite Teil unseres Trips beginnen. Ein paar Kloster warten auf uns (wir arbeiten massiv an unserem Karma), anschliessend müssen wir die gleiche Strecke wie gestern in umgekehrter Weise nochmals absolvieren. Wir sind alle bereit, es kann losgehen, doch Siddhart, der junge Inder, findet, dass er noch schnell eine heisse Dusche nehmen will (die eine geschlagene Stunde dauert).

Die kulturellen Unterschiede, die sich hier an diesem Beispiel zeigen, sind beeindruckend. Aber wir befinden uns hier in einer anderen Welt, in Siddharts Welt, und wir müssen uns damit abfinden, dass unsere Vorstellungen von Pünktlichkeit und Höflichkeit hier nicht anwendbar sind. Alles andere wäre eurozentrisches Beharren auf unseren Werten.

Immerhin trägt Siddhart einmal, ein einziges Mal, zu unserer Unterhaltung bei, als er uns von seiner Abschlussprüfung beim Schreibmaschinenkurs erzählt, als es mitten im Examen zu einem massiven Erdbeben kam.

„I did a Lot of Mistakes.“

Einfach grossartig. Absolut Monty-Python-würdig …

 


 

Das Nubra Valley

Die Fahrt durch das Tal der Blumen ist eine Reise der Bilder, ein Video, das ständig mitläuft. Das Auge wird übersättigt durch die wechselnden Sichten. Es ist gefangen in den das Tal umschliessenden Hügeln und Bergen, deren Abhänge in allen Nuancen von grau und weiss und braun in der Morgensonne leuchten. Und leicht und schwerelos darüber schwebend, Wolkenbänder, die gemächlich über den Himmel wandern.

Der Talboden, manchmal kahl und abweisend, dann wieder mit Bäumen und grünen Einsprengseln von Gras, ist flach und durchzogen vom Sheyok Fluss, der offenbar immer wieder ein Flussbett sucht oder sich ein neues schafft. Er ist der König des Tals, Segen und Fluch zugleich, gefürchtet und angebetet. Er bringt Gletscherwasser zum Überleben und solches, das tötet. Und er verändert das Tal nach seiner Façon, pflügt es um, überschwemmt, düngt, tränkt und ertränkt.

Doch dann, meistens auf einem niedrigen Hügel gelegen, ein Kloster oder ein Dorf oder ein Tempel, manchmal mit goldenen Dächern, manchmal im Weiss der Klöster und dem Braunrot der Fenster an den kahlen Fassaden. Sie scheinen Fremdkörper zu sein in der düsteren Einsamkeit des abgelegenen Tals, und trotzdem gehören sie dazu. Als Wächter. Als Verbindung zum Himmel. Als Beschützer des Dorfes und der Menschen.

 

Nubratal - hell und weit
Das Nubratal – hell und weit und manchmal sogar grün
Fluss und Talboden
Der Fluss ist der wahre Herrscher des Tals; die Strasse wird an den Abhang gezwungen

Das Nubra-Tal ist ein Hochgebirgstal auf durchschnittlich 3000 m Meereshöhe und liegt im äußersten Norden Indiens etwa 150 km nördlich von Leh, Ladakh. Der Name soll auf das Wort Ldumra zurückzuführen sein, das „Tal der Blumen“. Das Nubra-Tal setzt sich zusammen aus dem Tal des wilden, 550 km langen Shyok bis zur indisch-pakistanischen Grenze (Line of Control) und dem Tal der aus dem Siachen-Gletscher im Karakorum gespeisten Nubra, die bei Diskit in den Shyok mündet.

Der Shyok entspringt auf der Ostseite des südlichen Karakorum und umfließt dieses zunächst in südliche, ab dem Shyok-Bogen in nordwestliche Richtung. In Pakistan mündet der Fluss in den Indus. Südwestlich des Nubra-Tals zwischen Shyok und Indus liegt die Ladakh Range. Der Karakorumpass verbindet das Nubratal am Shyok-Oberlauf mit dem östlich gelegenen zu China gehörenden Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Er ist heute als Handelsweg nicht mehr von Bedeutung. [Copyright Wikipedia]

 


 

Diskit Gompa

Das Kloster Diskit Gompa, an einem steilen Abhang gelegen, ist von weitem kaum erkennbar in der grauen Einöde. Erst beim Näherkommen – der Wagen müht sich schnaufend den steilen Weg hinauf – erkennt man die riesigen Ausmasse der Klosteranlage. Sie ist die älteste und grösste buddhistische Anlage im Nubratal und beherrbergt um die 100 Mönche. Die Klosterverwaltung betreibt eine Schule, die über Computereinrichtungen verfügt und tibetische Kinder der Region in naturwissenschaftlichen Fächern in englischer Sprache unterrichtet.

 

Klosteranlage und Metreya Statue
Rechts die Klosteranlage am Berghang, links auf einem kleinen Hügel die Metreya Statue
Diskit Gompa
Diskit Gompa – die Klosteranlage ist von weitem kaum erkennbar inmitten der Einöde
Eingang zum Kloster
Eingang zum Kloster
Tempel auf einem Hügel
Ein kleiner Tempel auf einem Hügel

 

Maitreya – der zukünftige Buddha

Die 32 Meter hohe Statue auf einem Hügel unterhalb der Diskit Gompa ist dem Shyok-Fluss zugewandt. Mit dem Bau der Statue wurde im April 2006 begonnen, und sie wurde am 25. Juli 2010 vom Dalai Lama geweiht. Auch im Inneren des Klosters steht eine Statue des zukünftigen Buddhas.

 

Maitreya im Innenraum
Maitreya im Innenraum

 

Nach der buddhistischen Tradition ist Maitreya ein Bodhisattva, der in Zukunft auf der Erde erscheinen, die vollständige Erleuchtung erlangen und das reine Dharma lehren wird. Den Schriften zufolge wird Maitreya ein Nachfolger des gegenwärtigen Buddha, Gautama Buddha, sein. Die Prophezeiung der Ankunft von Maitreya bezieht sich auf eine Zeit in der Zukunft, in der das Dharma von den meisten auf der irdischen Welt vergessen sein wird.

Maitreya wohnt derzeit im Tuṣita Himmel, der angeblich durch Meditation erreichbar sein soll. Auch Gautama Buddha lebte hier, bevor er in die Welt hineingeboren wurde, da alle Bodhisattvas im Himmel Tuṣita leben, bevor sie in das Menschenreich hinabsteigen, um Buddhas zu werden. Obwohl alle Bodhisattvas dazu bestimmt sind, Buddhas zu werden, unterscheidet sich das Konzept eines Bodhisattvas im Theravada- und Mahayana-Buddhismus stark. Im Theravada-Buddhismus ist ein Bodhisattva jemand, der nach voller Erleuchtung strebt (Arahantship in Pali), während im Mahayana-Buddhismus ein Bodhisattva jemand ist, der bereits einen sehr fortgeschrittenen Zustand der Gnade oder Erleuchtung erreicht hat, sich aber vor dem Eintritt ins Nirwana zurückhält, um anderen zu helfen. [Copyright Wikipedia]

 

Buddha Metreya
Der zukünftige Buddha Maitreya


 

Sumur

Ein Abstecher nach Sumur, einem weiteren dieser prachtvollen Dörfer, lohnt sich nur schon, weil hier in kompakter Form die Symbiose zwischen Dorf und Kloster, also sozusagen zwischen Himmel und Erde, präsentiert wird. Alles ist da, die Moderne ebenso wie eine längst vergangene Zeit, die bewahrte Schönheit aus der Vergangenheit, ebenso wie die Hässlichkeit der Parkplätze, auf denen sich die Jeeps der Touristen stauen.

Es ist ein eigenartiges Dorf. Verwinkelte Gassen führen durch das Labyrinth des Dorfes, vorbei an Bächen zum Kloster, das sich etwas oberhalb des Dorfes befindet, zwischen Wiesen und Bäumen gelegen. Wie die meisten Klöster in Ladakh ist es in einem guten Zustand, die ca. 50 Mönche sorgen für Ordnung und Sauberkeit.

 

Kloster in Sumur
Das Kloster in Sumur
Wunderbar gelegen zwischen Himmel und Erde
Wunderbar gelegen zwischen Himmel und Erde
Einer der Eingänge
Einer der Eingänge zum Inneren
Versammlungsraum
Versammlungsraum, diesmal mit Touristen
Kaleidoskop
Ein Kaleidoskop wunderbarer Farben

 

Der Weg zurück – Khardung La 2.0

Beim Rückweg ist die Sprachlosigkeit gewichen, die Abgründe haben ihren Schrecken verloren. Und trotzdem bleibt man still sitzen, lässt die Bilder ganz nah herankommen, damit man sie ein letztes Mal spüren kann.

Wir folgen dem Fluss mit einer gewissen Wehmut, es fühlt sich an, als würde man einen alten Freund zum letzten Mal grüssen. Dann verschwindet er, wir tauchen ein in die farblose Welt der Berge, in die Welt der Schluchten und Abgründe …

 

Shyok Fluss
Wir folgen dem Fluss ein letzes Mal
Blick ins Tal hinunter
Ein letzter Blick ins Tal hinunter
Abgründe
Und dann wieder diese Abgründe
Strasse in der Einöde
Eine wirklich kunstvoll angelegte Strasse
Stau
Man steht sich im Weg
Ganz oben
Und wieder ganz oben, atemlos

 


 

Bye-Bye

Und dann sind wir zurück in Leh. Wir haben den Khardung La überlebt, wir haben Siddhart überlebt, wir sind um viele Erfahrungen und Eindrücke reicher geworden. Und die Bilder werden uns ein Leben lang begleiten …

Dann Goodbye Christine, Anu und Siddhart, ihr wart eine gute Gesellschaft. Ich wünsche euch ein schönes Leben!

 

Unsere Truppe
Unsere Truppe nach überstandenem Abenteuer

 


 

PS Song zum Thema: Dubokaj – Ocean of Air

 


Und hier geht die Reise weiter …