Goodbye Myanmar

Heute also wird es sich zeigen, ob das Spiel mit dem Grenzübergang klappt oder ob ich doch Plan B aus der Schublade ziehen muss.

Burmesische Verwirrungen

Aber fangen wir ganz von vorne an. Das Taxi. Dies ist nun wieder mal eine der typisch burmesischen Geschichten, die so unlogisch sind, dass man nur lachen kann. Also – Frage kurz nach der Ankunft in Nyaungshwe: Gibt es ein Sammeltaxi zum Flugplatz in Heho? Gibt es, aber nicht heute. Kosten wären 18’000 Kyats.

Folgefrage zwei Tage später: Wie steht’s nun mit Sammeltaxi für Samstag? Keine Interessenten. Kurz bevor ich den Laden verlasse, frage ich doch noch nach dem Preis für ein Taxi für mich allein. 15’000 Kyats.

Moment, für ein Sammeltaxi bezahle ich also mehr, als wenn ich allein reise? Ich mache sie aus verständlichen Gründen nicht auf ihren mathematischen Fehler aufmerksam, vielleicht ist es auch gar keiner, sondern folgt lediglich der manchmal etwas verqueren Logik dieses Landes.

Dann also die letzten Kilometer durch die in der Zwischenzeit lieb gewordene Landschaft und nehme im Geist Abschied. Es wird hart werden.

Flugplatz in den Pampas

Der Flugplatz erinnert an zahlreiche andere, irgendwo in den Pampas, ein kleines Hauptgebäude, sehr lockere Sicherheitskontrollen, abgewetzte, verdreckte Stühle in den Wartehallen, eine Art Kiosk (wo wahrscheinlich selten bis nie etwas verkauft wird), gelangweilte Angestellte, die nichts zu tun haben. Und natürlich eine Piste, dieselbe für Starts und Landungen, allerdings geht die Gefahr, dass man sich in die Quere kommt, gegen Null.

Flugplatz Heho

Viel Platz, wenig Passagiere

Aber es ist trotzdem einiges los. Im Durchschnitt landet jede halbe Stunde eine Maschine, spuckt Passagiere und Gepäck aus, packt neue hinein, und schon geht die Post wieder ab. Lustigerweise bekommt jeder Passagier beim Einchecken einen Kleber auf die Brust gedrückt, damit man ihn eindeutig identifizieren und dem rchtigen Flug zuweisen kann. Vielleicht sollte man das auch in Kloten einführen. Ich sehe schon die verschnupften Blicke der Business-Leute in ihren teuren Armanianzügen, wenn ihnen das Personal einen Kleber auf die Brust klebt.

Alte Propellermaschinen

Es sind alles alte bis ganz alte Propellermaschinen, die diese winzigen Flugplätze anfliegen. Das Alter sieht man ihnen auch tatsächlich an. Ich erinnere mich an den letztjährigen Flug von Luang Prabang nach Hanoi, an das Flugzeug, das aussah, als käme es direkt vom Vietnamkrieg (und auch die Passagiere erinnerten stark an alte US-Marines, die nach dem Krieg in Südostasien gestrandet sind). Aber die alten Kisten sind meistens (!) recht zuverlässig, allerdings, für Leute mit Flugangst nicht unbedingt geeignet.

Propellerflugzeug

Mal sehen, wie das geht

Erinnerungen an Nazca (Peru)

Aber immer, wenn ich vor einem der Überbleibsel lang zurück liegender Flugepochen stehe, taucht so sicher wie das Amen in der Kirche eine andere Erinnerung auf.

Es ist wieder November im Jahr 1981 (die gleiche Reise wie mit dem Zug von Chile nach La Paz), diesmal stehe ich in Peru, genauer gesagt in Nazca, dem Ort, der Erich von Däniken zu Ruhm und Ehre und unglaublich viel Geld verholfen hat.

Man erinnere sich: in Nazca gibt es diese berühmten Scharrbilder oder Nazca-Linien, die in der Wüste um das Dorf Nazca auf einer Fläche von 500 km2 zu finden sind. Es sind teilweise bis zu 20 km lange schurgerade Linien, aber auch Dreiecke oder Trapeze oder eben auch Bilder von Menschen und Tierfiguren (Vögel, Affen, Wale), die aber, und das ist das Entscheidende, nur aus grosser Höhe als solche zu erkennen sind. Was unseren Erich von Däniken zu seiner berühmt gewordenen Hypothese veranlasste, dass ausserirdische Wesen eine Rolle gespielt haben müssen (was heute wissenschaftlich weitgehend widerlegt ist, aber Erich herzlich wenig kümmern wird).

Scharrbilder Nazca

Die berühmten Nazca-Linien von weit oben

Nazca-Linien

Man muss sie von oben sehen

Eine alte Cessna

Anyway, ich stehe also am Eingang zur Wüste in der Gewissheit, dass es vom Boden aus nichts zu sehen gibt. Jemand zupft mich am Ärmel und zeigt auf ein ziemlich heruntergekommens Flugzeug, eine Cessna, wenn ich mich recht erinnere, und macht mir ein Angebot, das ich nicht zurückweisen kann. Eine satte Stunde Fliegen über den Zeichnungen für 25$? Wer kann da widerstehen, also steige ich mit einem etwas mulmigen Gefühl ein. Es gibt vorne zwei Sitze, einen für den Piloten, einen für mich, und einen Rücksitz, auf dem ein kleiner Junge kauert.

Löcher im Boden

Schon der Start geht in die Annalen ein: das Ding ist leicht und wendig und hebt schon nach ein paar Metern ab, und wir sind in der Luft. Ich kann es gut erkennen, denn unter meinen Füssen gibt es Löcher, oder sagen wir’s mal so: der Boden ist ziemlich transparent. Die Bemerkung des Piloten, meine Füsse etwas nach hinten zu bewegen, da ich auf dem Höhenruder (oder irgendwas Ähnlichem) stehe, kann meine Ruhe vorderhand nicht gross stören, denn ansonsten macht der Flug einen recht ordentlichen Eindruck.

Der Motor setzt aus

Zumindest bis der Motor aussetzt. Wir befinden uns nun genau über den nun leicht erkennbaren Figuren, sie sind wie ein irrealer Traum in ihrer Grösse und Vollkommenheit, doch was ist mit dem Motor? Leicht und lautlos wie ein Vogel ziehen wir nun unsere Kreise, das wäre ja an sich sehr schön, nur, was ist mit dem Motor? Kein Problem, meint der Pilot und findet mein belämmertes Gesicht zum Schiessen, das ist besser, um gute Fotos zu schiessen. Meine Hände zittern sich also um den Fotoapparat, und zugegeben, ich habe schon bessere Bilder geschossen.

Sturzflug

Nach einer Stunde also der Flug zurück, da mir der Pilot aber als perfekter Passagier noch ein Goodie schenken will, kreist er über das Dorf, fragt mich nach meinem Hotel und zielt im Sturzflug darauf zu, um die Maschine im letzten Augenblick hochzuziehen. Sein Gelächter verfolgt mich bis in die Träume, und ja, meine Beine fühlen sich etwas gummig an beim Aussteigen …

Grenze Myanmar Thailand

So schlimm wid es heute nicht werden, die Maschine ist wie jedes Mal pumpenvoll, und wieder bin ich der einzige Ausländer. Die Maschine braust mit dem irren Sound der Propeller los, hebt ab und macht eine weite Kehre Richtung Norden. Doch es geht natürlich nicht auf direktem Weg nach Tachileik, sondern zuerst nach Lashio im Norden, wo ein Zwischenhalt geplant ist.

Und dann, nach gut zweieinhalb Stunden Landung in Tachileik, nicht weit vom Goldenen Dreieck, einstmals ein zentraler Umschlagplatz für den Mohnhandel, aber auch der letzten Station in Burma. Der Flugplatz (ein Abbild von Heho) liegt etwas ausserhalb der Stadt, also ein letztes Tuk-Tuk zur Grenze. Nun wird’s spannend, aber was soll ich sagen, alle Aufregung umsonst.

Thailand, gelobtes Land

Als gäbe es nichts Normaleres (denn das ist es tatsächlich!), prüft der Beamte meinen Pass, haut einen Stempel hinein und verabschiedet mich aus Myanmar. Das war’s. Alles, was in den Guides steht, ist Abwaschwasser von gestern, Leute, aber ich kann es den Autoren nachfühlen: in diesem Land verändert sich alles in einem derart horrenden Tempo, dass kein Führer auch nur den Hauch einer Chance hat, aktuell zu sein …

Und ja, ich bin in Thailand, gelobtes Land …