Das Lächeln des Buddha

Ein Buddha für mich allein

Das Ballon-Festival von gestern Abend hat mich bis in meine Träume verfolgt. Und dabei einen ganz eigenen Traum generiert.

Den Traum vom Fliegen. Und von dem, was uns davon abhält, der Anziehungskraft der Erde zu entfliehen.

Dieser Traum hat mich schon immer verfolgt. Nur nicht in dieser verrückten Version.

Der Ballon erhebt sich, nach anfänglichem Zögern, in die Luft. Das Publikum stöhnt leise, man glaubt das Aufatmen zu spüren, als er in seiner ganzen Pracht, leise schwankend, losfliegt, langsam und stetig zum nachtschwarzen Himmel gleitet.

Doch dann stimmt etwas nicht.

Denn nach einer Minute steht er still. Kommt nicht mehr vom Fleck. Verharrt an der gleichen Stelle. Minutenlang. Man glaubt, ein Zittern zu sehen. Als würde er mit aller Kraft versuchen, sich aus der Umklammerung zu lösen.

Ein Kampf scheint stattzufinden. Zwischen Himmel und Erde.

Die Zuschauer staunen, trauen ihren Augen nicht, es wird ganz still. Tausende Augenpaare sind auf das seltsame Spektakel gerichtet. Was geschieht hier? Ist es ein Wunder? Etwas, was gar nicht sein kann?

Der erste Zuschauer kniet sich nieder. Wirft sich in den Staub. Andere folgen. Doch der Ballon oder das, was ihn in eisernem Griff hält, ist unbeeindruckt.

Dann erwache ich. Irritiert wie selten nach einem Traum.

Doch, wie sich später herausstellt, wird auf die seltsame Nacht ein ebenso seltsamer Tag folgen.

Das Mona-Lisa-Lächeln

Was macht das Lächeln des Buddha so speziell? Was macht seine Faszination aus? Ist es ein in die Irre führendes Mona Lisa-Lächeln? Ist es überhaupt ein Lächeln oder ein nach innen gerichteter Blick, der etwas sieht, was wir nicht zu beurteilen wissen?

Es ist ein Geheimnis, dieses Lächeln des Buddhas.

Heute habe ich einen ganz für mich allein. Ich habe ihn inmitten der Sümpfe gefunden, die den Inle-Lake umgeben, über ein schmales Zufahrtssträsschen, auf der Suche nach … nichts.

Was mich an diesen sogenannt freien Tagen fasziniert, ist der Gegensatz zu unserem normalen Leben im Alltag. Man hat plötzlich – welcher Schreck! – jede Menge Stunden zur Verfügung, die gefüllt werden können (oder auch nicht, denn auch absichtsloses Nichtstun ist eine Option).

So steht man denn nach dem Morgenessen vor einem leeren Tag (na ja, nicht ganz; ich muss einen Taxi zum Flugplatz finden, und der Blog, oh Gott, der Blog), aber irgendwie doch leer, weit und breit keine To-do-Liste, keine dringenden Telefonate oder Mails, niemand will etwas von mir, wie hab ich das bloss verdient?

Treiben lassen

Ich beschliesse also, ein weiteres Mal, mich treiben zu lassen, irgendwohin, wo nicht jeder Saftsack hingeht. Ich liebe diese Wanderungen oder wie in diesem Fall die Fahrten auf dem Fahrrad durch einsame Strässchen, entlang namenlosen Bächen, zu Häusern, wo man verwundert angesehen wird.

Tempelruinen
Letzte Überreste einer vergangenen Kultur
Ruinen und Häuser
Altes und Neues verbindet sich zu einem harmonischen Ganzen
Waschtag
Waschtag am Fluss
Huhn mit Kücken
Eine Glucke führt ihren Nachwuchs aus
Ruinen
Und immer wieder namenlose, vergessene Ruinen

Ein leises Konzert für niemanden

Und so habe ich meinen ganz persönlichen Buddha gefunden. Er ist Teil einer ganzen Anlage, bestehend aus unzählichen kleinen und grossen Stupas, goldverziert, mit weisser Farbe getüncht, da und dort ein kleines Kinkerlitzchen, verspielt, wie es die Asiaten lieben.

Und da das Motorengeräusch vom Kanal an dieser Stelle kaum zu hören ist, kann man das unendlich zarte Klingeln unzähliger winziger Glöckchen vernehmen, die an den Spitzen der Stupas befestigt sind.

Ein leises Konzert für niemanden.

Oder vielleicht doch für mich allein?

Tempelanlage
Von weitem eine grosse Anlage
Der Buddha
Hat er auf mich gewartet?
Das Lächeln des Buddha
Das Mona-Lisa-Lächeln
Türme
Türmchen und Kinkerlitzchen
Tempel
Einfach nur schön
Goldene Türmchen
Goldene Türmchen stechen in den Himmel
Glöckchen
Das unendlich zarte Klingeln unzähliger winziger Glöckchen

Denn es ist wirklich niemand da, und es macht auch nicht den Anschein, als hätte in den letzten hundert Jahren irgendein menschliches Wesen die erhabene Majestät des Buddha bewundert. Ich nehme mir Zeit, denn in diesem Augenblick bin ich überzeugt, dass diese Begegnung – so wie der nächtliche Traum – etwas zu bedeuten hat, allerdings habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, was es sein könnte.

Gautama und ich

Wir stehen uns lange gegenüber, Gautama und ich, er mit seinem Blick in der Ewigkeit, ich mit der Trinkflasche in der Hand. Es ist eine der Darstellungen des normalgewichtigen Erhabenen, nicht die fette Version, auch nicht die magere. Seine rechte Hand berührt den Boden, die andere liegt, Handfläche nach oben, auf seinem Schoss. Es hat eine besondere Bedeutung, ich weiss sie aber nicht mehr.

Vielleicht sollte ich doch Buddhist werden.

Morgen mein letzter Tag in Myanmar. Es wird mir schwer fallen. Verdammt, wie kann man sich in einem Land so wohlfühlen?

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