Eine Reise durch das pulsierende Herz Südostasiens

Die Idee, ohne klare Ziele oder Route als Backpacker durch Südostasien zu reisen, geistert schon lange durch meine Träume.

Alles soll schwebend bleiben, unklar. Ich will mich hineinfallen lassen in die Ungewissheit, ins Unvorhergesehene, ins Überraschende. Von Tag zu Tag schauen, wo’s hingehen könnte. In Sekundenschnelle alle Pläne ändern.

Ich habe nur eine ungefähre Route im Kopf; sie kann aber von Tag zu Tag verändert werden.

Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha. Das sind die Länder meiner Träume.

Vielleicht sogar China. Die Provinz Yunnan liegt sozusagen in Griffweite. Warum nicht über die Grenze von Laos nach China, dann nach Nordosten bis Kunming und von Norden her dann nach Vietnam? Alles ist möglich. Aber vielleicht wird es am Schluss ganz anders …

Aber vorläufig ist nur der Start in Chiang Mai bekannt, nichts ist organisiert, nur der Flug und das erste Hotel.

Alles andere wird sich geben …

Thailand

Tempel in Chiang Mai

Inmitten des Gewühls von Chiang Mai ein Tempel

Ein Trip durch Südostasien beginnt am besten in Thailand. Wer Bangkok und den Süden bereits kennt, fliegt vorteilhafterweise direkt nach Chiang Mai. Von hier aus geht’s in den Norden und danach – wer weiss, wohin die Flügel tragen.

Die Stadt hat sich allerdings verändert und ist zu einer lauten und hektischen Metropole geworden. Es lohnt sich jedoch trotzdem, ein paar Tage zum Angewöhnen hier zu verbringen.

Hier ein paar Tipps

In der Altstadt von Chiang Mai wimmelt es von preiswerten Unterkünften und Restaurants. Ausserdem besteht hier eine gute Chance, andere Travellers kennenzulernen. Nie schlecht, wenn man allein unterwegs ist. Man kann sich in aller Ruhe an das veränderte Klima gewöhnen, an die asiatische Kultur, das Leben, das Essen …

Angebote für die Reise in den Norden in Richtung der laotischen Grenze und zum Mekong oder weiter bis Luang Prabang gibt es zuhauf: Hotels oder zahlreiche Reisebüros bieten das Vollprogramm. Die Preise unterscheiden sich nicht wesentlich, die Qualität der Angebote dürfte aber je nach Anbieter abweichen (siehe Blog).

Wer die Flussfahrt auf dem Mekong nach Luang Prabang machen will, kann den ganzen Trip im Voraus buchen. Im Angebot inbegriffen ist die Fahrt per Minibus nach Chiang Khong und die dortige Übernachtung sowie die Fahrt mit dem Schiff nach Luang Prabang (Dauer 2 Tage). Die Übernachtung im Zwischenstopp Pak Beng muss allerdings selbst organisiert und bezahlt werden. Ein günstiges Zimmer zu finden, ist kein Problem.

Laos

Mönch in Luang Prabang

Ein junger Mönch in Luang Prabang

Laos. Der erste Höhepunkt. Ein Highlight.

Im Vergleich zu Thailand ist Laos ein Entwicklungsland, arm und rückständig, aber mit überwältigend freundlichen Menschen, die das manchmal anstrengende Reisen zu einem Genuss machen.

Bis vor wenigen Jahren wurde der Mekong per Fähre überquert. Das ist Vergangenheit. Es gibt keine Fähre mehr, keine Treppe, kein Gewusel mehr am Zollposten, dafür eine breite Brücke, bewacht von zwei protzigen  Gebäuden auf beiden Seiten der Grenze. Man ist in Nullkommanix auf der anderen Seite, und als Schweizer braucht man aus unerfindlichen Gründen kein Visum für einen 2-wöchigen Aufenthalt.

Und ein paar Tipps

Die Flussfahrt auf dem Mekong von Houayxay nach Luang Prabang ist natürlich eine Touristenfalle erster Ordnung, Trotzdem sollte man sie nicht verpassen. Eine unvergessliche Fahrt entlang malerischer Uferabschnitte, durch wilde Stromschnellen, entlang gefährlich aussehender Felsen und Untiefen. Und das alles in Gesellschaft Gleichgesinnter … Unvergleichlich.

Luang Prabang – obwohl immer mehr von chinesischen Touristenhorden okkupiert – ist ein absolutes Must. Der Höhepunkt jeder Laosreise.

Mit dem schönsten aller Wats – Wat Xieng Thong. Einige der Tempel sind nicht nur schön, sondern in ihrer zeitlosen Pracht schlicht umwerfend. Es fängt an mit den Malereien, an denen sich auch das Auge nicht sattsehen kann. Vögel, Tiere, Gottheiten, in allen Farben des Spektrums, die auch nach so vielen Jahren (oder Jahrhunderten) noch immer verzaubern.

Ob man sich allerdings in die Menge Schaulustiger einreihen will, die am frühen Morgen den täglichen Bettelgang der buddhistischen Mönche bestaunen und vor allem fotographieren möchten, ist jedem selbst überlassen. Ich rate davon ab.

In Luang Namtha, einem verträumten, kleinen Städtchen im Norden, einem typischen Backpacker-Hotspot, lassen sich unterschiedliche Trecks durch den Dschungel organisieren. Und wer den Kurztripp nach Yunnan in China machen will, ist hier am richtigen Ausgangspunkt.

Der Nam Ou. Ein schmerzliches Kapitel. Bis vor einigen Jahren konnte man eine unvergessliche Flussfahrt in schmalen Booten von Muang Khoua via Muang Ngoi  bis nach Luang Prabang machen. Alles vorbei.

Der von Chinesen erbaute Damm verunmöglicht diese Fahrt, geblieben ist ein kümmerlicher Rest. Schade. Sehr sehr schade. Ich verweise auf den Blog zum Thema Laos; er beschreibt detailliert und euphorisch den unvergleichlichen Trip auf dem wilden Fluss.

Die 4000 Inseln. Kurz vor der kambodschanischen Grenze im Süden von Laos wird der Mekong zu einem gigantischen Archipel, gebildet aus Tausend Inseln in jeder Grösse.

Die beiden Schwesterinseln Dom Khon und Dom Det sind die grössten und bilden zusammen einen touristischen Hotspot erster Ordnung, ein Königreich für alle Travellers und Backpackers.

Yunnan – China

Jinghong

Strassenkreuzung in Jinghong

Das Wichtigste zuerst – Yunnan ist nicht China.

Die ethische Melange dieser südlichsten Provinz ist alles, nur nicht das, was man sich gemeinhin von China vorstellt. Es strömt eine ganz und gar unchinesische Gelassenheit und Ruhe aus.

Keine Hektik, kein Stress, die Läden sind auch um 9 Uhr Vormittags noch geschlossen, die Ladeninhaber sitzen auf winzigen Stühlen und schlürfen in aller Ruhe ihre Nudelsuppe.

Ein paar Tipps zu Jinghong

Jinghong liegt ebenfalls am Mekong; allerdings heisst er hier Lancang River. Die Stadt ist eine gute Wahl für unerfahrene China-Touristen, relativ übersichtlich und klein für chinesische Begriffe, allerdings bietet sie nicht allzuviel Attraktives. Zu diesem Zweck muss man sich ausserhalb der Stadt, in den kleinen Dörfern, umsehen.

Niemand, wirklich niemand, spricht eine Fremdsprache. Man muss sich letztlich darauf verlassen, auf gut Glück einen Fremden zu treffen, der erstens Mandarin spricht und zweitens weiterhelfen kann.

Alle Beschriftungen sind grundsätzlich in chinesischen Schriftzeichen geschrieben, also ein ziemliches Problem für Ausländer. Unbedingt eine Visitenkarte des Hotels in Mandarin mit sich tragen, um den Weg zurück zum Hotel zu finden.

Hotels befinden sich häufig in riesigen Wohnblöcken auf unterschiedlichen Etagen. Es kann also gut sein, dass man auf dem sechsten Stock in einem unendlich langen Flur die richtige Rezeption finden muss. Wenn man sie vergisst, ist Panik angesagt (siehe Blog).

Vietnam

Mui Ne

Fischerboote in der Nähe von Mui Ne

Zuallererst – Vietnam ist grossartig.

Wenn man an die 60-Jahre zurückdenkt, an den grausamen Krieg zwischen den Amerikanern und den Vietkong, kann man sich vorstellen, welche Leiden dieses Volk mitgemacht hat. Und man vergesse nicht – die Vietnamesen haben noch jeden Krieg gewonnen. Gegen die Franzosen, die Amis, sogar die Chinesen haben sich irgendwann frustriert zurückgezogen.

Aber jetzt ist das Land in einer Explosion der Entwicklung begriffen. Eine Stunde in der Altstadt Hanois zeigt alles: die ungeheure Dynamik, das Tempo, den Willen, etwas zu erreichen. Kurz – man ist erschlagen. Vom Lärm, vom Tempo, von allem.

Ein paar Tipps

Man kann in Vietnam einiges verpassen (die berühmte Ha Long Bucht beispielsweise), aber niemals Hanoi. Die Stadt ist umwerfend, aber auch ziemlich anstrengend. Vor allem die Altstadt – Synonym für Hektik, für Lärm und Gestank, für Millionen von Motorrädern, die irgendwie (trotz permanentem Blick auf das Handy) aneinander vorbeikommen. Alles in allem (wenn man es erträgt) – ein Sinnesgenuss erster Ordnung!

Ein makabrer Höhepunkt: der Sarkophag von Onkel Ho-Chi-Minh. In der Mitte des Raumes, beleuchtet von grellem weissem Licht, liegt der Sarkophag, darin, bleich, von der Totenstarre gezeichnet, mit spitzer Nase, liegt Uncle Ho, für die Ewigkeit der Neugier seiner Nachfahren ausgesetzt. Eine wirkliche Totenstille umgibt ihn, man hört lediglich das leise Tapsen der Füsse auf dem Boden, manchmal das erschreckte Einatmen eines Kindes, das leise Hüsteln eines Ergriffenen (siehe Blog).

Das intellektuelle, spirituelle und historische Zentrum Vietnams – Hué. Die Kaiserstadt. Und eine der schlimmsten Kampfzonen des Vietnamkrieges. Es ist kaum zu glauben, aber diese alte Stadt mit ihren heute als UNESCO-Welterbe deklarierten Stätten wurde während langer Zeit schwerstens bombardiert.

Hoi An ist ein weiteres, ausnahmsweise nicht vom Krieg zerstörtes, kulturelles Erbe Vietnams (und ein bisschen auch Frankreichs).

Die Strassen quillen über vor Touristen, der grösste Teil davon Japaner und Chinesen. Hoi An war während langer Zeit eine Handelsstation der beiden Länder, und beide Völker haben ihre Spuren hinterlassen, darunter als besonderes Highlight die gedeckte japanische Brücke, auf der sich Trauben von Touristen tummeln.

Mui Ne war bis vor einigen Jahren ein unscheinbares Fischerdorf, heute ein einige Kilometer langes Feriendorf, mit endlos weissen Stränden, so wie es die Werbung weismachen will, mit zahlreichen Restaurants, die das kulinarische Herz erfreuen und die Kassen der Wirte füllen soll.

Bei der Ankunft in Saigon, diesem Sündenpfuhl, ist der Unterschied zu Hanoi ist bestenfalls an den etwas breiteren Strassen und dem Klima zu erkennen, alles andere ist gleich, also auch die Millionen von Autos und Motorrädern, die sich gegenseitig den Platz streitig machen.

Das Mekongdelta. Der Mekong hat seine homogene Form längst verloren, ist zu einem vielarmigen Kraken geworden, der ein hunderte Kilometer breites Delta geschaffen hat, ein Spinnennetz von Flussarmen, Kanälen, schmalen und breiten Wasserläufen, an deren Ufer Millionen von Menschen leben. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum südchinesischen Meer, wo er endlich – vielleicht etwas müde geworden und träge – sein Ziel erreicht.

Kambodscha

Angkor Wat

Sonnenaufgang hinter den Tempeln von Angkor Wat

Nach den hektischen Tagen in Vietnam ist Kambodscha ein Ort des Durchatmens. Vielleicht nicht gerade in Phnom Penh, aber sicher ausserhalb der Hauptstadt. In Kep, dem kleinen verträumten Ort am Meer oder Kampot etwas nördlich davon.

Und da ist natürlich Siem Reap mit der grössten und eindruckvollsten Tempelanlage der Welt – Angkor Wat. Die Schönheit trotzt den Touristenmassen. Und das will was heissen!

Wie üblich ein paar Tipps

Phnom Penh, die Hauptstadt des alten und neuen Kmerreiches. Der Vergangenheit ist nicht zu entgehen, spätestens bei einem Besuch im berüchtigten Gefängnis der Roten Khmer – Tuol Sleng.

Schon der Name klingt wie eine Drohung, wie das Böse an sich. Man muss es nachlesen, um den Horror zu begreifen. Trotzdem nicht verpassen. Es ist allerdings angesagt, im Nachhinein eine Pause einzulegen, um die Eindrücke zu verarbeiten. Und zu erkennen, zu welchen Verbrechen der Mensch fähig ist.

Kep ist ein kleines unbeachtetes Dorf am Meer. Wenn man die Grenze von Vietnam her überquert, ist es der erste Kontakt mit dem Land. Ich habe hier eines der freundlichsten und wunderbarsten Hotels der ganzen Reise gefunden, zwar etwas abgelegen, aber perfekt, um Abstand und Ruhe zu finden.

Kampot, auf dem Weg nach Phnom Penh gelegen, lohnt einen Kurzabstecher, wie Kep eher ruhig und deswegen ideal, um vor der Hektik des Nordens nochmals durchzuatmen.

Siem Reap, den Schweizern natürlich bekannt als der Ort, wo Beat Richner, ein Schweizer Kinderarzt und Musiker, durch den Aufbau von Kinderspitälern in Kambodscha bekannt wurde.

Allen anderen natürlich als Ausgangspunkt nach Angkor Wat. Der Ort ist lärmig und durch zuviel Verkehr verpestet, ausserdem von Touristenhorden überquellend. Aber hat trotz allem einen gewissen Reiz, vor allem ausserhalb des Zentrums.

Angkor Wat ist wahrscheinlich die berühmteste Tempelanlage der Welt und zieht jährlich Millionen von Touristen aus aller Welt in ihren Bann. Wobei wir damit bereits bei den positiven wie auch den negativen Seiten des Ruhms sind (siehe Blog).