Luang Prabang – Mönche und Samaneras

Easy-Going in Luang Prabang

Erst wieder eine Woche her seit dem denkwürdigen Trip zum Phantom-Wasserfall ausserhalb Oudomxai, doch es scheint wesentlich länger zu sein. So vieles ist geschehen in der Zwischenzeit, ein halbes Land auf einem alten Holzboot durchquert. Wunderbar! Diese Reise hat das Zeug zum Kult.

Heute jedoch ist Easy-Going angesagt. Den Hügel besteigen, das Museum bzw. Königspalast ansehen, lesen, chillen, mehr nicht. Und schreiben. Mal sehen, wie es mit meinen Romanen weitergehen soll. Ich muss mir da was einfallen lassen.

Der Hügel

Über der Stadt thront ein angenehm zu besteigender Hügel, der auch bei grosser Hitze, so wie heute, ohne Anstrengung zu erobern ist. Die Aussicht ist erwartungsgemäss umwerfend. Die Stadt liegt wie eine alternde Dame unter uns, eingebettet zwischen die sie umgebenden Flüsse und die fruchtbaren Felder ringsum. Ein leichter Dunst schwebt einem durchsichtigen Schleier gleich über der Landschaft, verleiht ihr beinahe etwas Mystisches.

Der Hügel hat in den verschiedenen Kriegen natürlich eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Die Erinnerungen sind in Form verrostender Artefakte präsent geblieben.

Kanone
Alte Kanone auf dem Hügel

Ein waschechter Samanera

Auf dem Weg hinunter treffe ich auf einen jungen Mönch, einen waschechten Samanera. Er gibt sich redlich Mühe, Englisch zu sprechen, löchert mich mit Fragen zum Woher und Wohin, um mir dann am Schluss 500 Kip abzuluchsen. Der gut geplante und durchgeführte Trick verdient Respekt.

Samanera
Samanera in Luang Prabang

Am Fuss des Hügels setze ich mich an einen Tisch vor dem Kloster, und schreibe in mein Tagebuch. Einmal mehr merke ich, wie sehr ich es vermisse.

Und noch ein Samanera

Der junge Mönch spricht mich nochmals an, und ich bin tatsächlich drauf und dran, ihn zu fragen, was er denn nun schon wieder will, bis ich merke, dass es nicht der gleiche ist wie vorher. Dieser ist intelligenter und sprachenkundiger als der erste und erzählt mir seine Geschichte.

Es ist immer die gleiche: die Jünglinge stammen in den meisten Fällen aus armen Familien, die es sich nicht leisten können, ihre Söhne zuhause zu ernähren, und so werden diese für ein paar Jahre ins Kloster geschickt. Dort werden sie geschult, erhalten eine Ausbildung, die es ihnen später erlaubt, einen Job zu finden. Das Gespräch dauert lange und bringt mir eine Menge neuer Informationen. Bis sich der junge Mönch mit grossem Bedauern verabschieden muss, denn eine Glocke ruft zu Was-weiss-ich.

Der Königspalast

Am Nachmittag der Königspalast. Eigenartig. Er ist irgendwie aus der Zeit gefallen, dabei regierte der letzte König bis in die 70-er Jahre, bevor er von den Kommunisten samt Familie eingesperrt wurde. Niemand überlebte. Königsein und Altwerden vertragen sich manchmal schlecht.

Alles wirkt gleichzeitig königlich und furchtbar spiessig. Die Phantasie streikt, will sich das Familienleben mit den Kindern und Bediensteten und Untergebenen und Besuchern vorstellen. Trotz Pomp wirkt das Gebäude – nicht nur weil es ein Museum ist – irgendwie merkwürdig und leer und voll von falschem Pathos. Erinnert mich an die vielen Paläste in Indien, dasselbe Phänomen.

Der Königspalast
Der Königspalast

Ich habe mich entschlossen, noch einen Tag länger zu bleiben. Vielleicht noch einmal ein bisschen velofahren, herumstreunen. Das gute Essen geniessen. Die Atmosphäre der alten Stadt reinziehen. Und dann weiter reisen Richtung Süden.

Halbzeit schon wieder, in zwei Wochen Heimflug. Ich wage gar nicht daran zu denken. Mein Gott!

PS Song zum Thema:  Dressed Up Animals – Ruinen

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