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Häuser entlang des Irrawaddy

Kategorie: Laos Seite 1 von 3

Blick zurück mit Wehmut

Ein ambivalentes Gefühl

Die Rückkehr – immer das Gleiche. Ein ambivalentes Gefühl. Einerseits die Freude über die angenehmen Aspekte des Heimkommens in ein Land, wo alles funktioniert. Das komfortable Leben. Wo man das Wasser aus dem Hahnen trinken kann, ohne das Risiko einer mittelschweren Magen-/Darmerkrankung einzugehen. Wo die Stromversorgung zuverlässig funktioniert. Und ebenso alles andere.

Klingt das ein bisschen langweilig? Für mich schon.

Dazu kommt eben auch die Wehmut, die eben kennengelernte neue Ersatzheimat verlassen zu müssen. All die Menschen, die mir Freundschaft und Offenheit entgegengebracht haben. Die Orte, die mir neue Einblicke in andere Welten offenbart haben. All die Erlebnisse, die meisten davon klein und unbedeutend, die auf ihre Weise meinen Blick auf die Welt verändert und erweitert haben.

Für den Augenblick – Vergangenheit.

Bis zum nächsten Mal.

Aber hoffentlich nicht für lange.

Der Blick nach vorne

Denn der Blick geht schnell wieder nach vorne. In die Zukunft.

Der Flug nach Europa – zuerst nach Singapur, dann zurück nach Zürich, ist erfüllt mich mit Nachdenklichkeit. Aber noch bevor wir landen, ist das System bereits wieder angeworfen.

Der Blick zurück in Wehmut vergeht, der Blick nach vorne ist voller Möglichkeiten. Die Welt ist gross und bietet einem unruhigen Geist wie dem meinen eine unendliche Fülle an Zielen. Zu geheimnisvollen Orten mit magischen Namen. Mandalay. Iguaçu. Ladakh. Kailash. Sucre. Teotihuacan. Madurai …

Man kann nichts dagegen tun. Denn dieser Virus ist nicht behandelbar. Er ist eine lebenslängliche wunderbare Krankheit, die hoffentlich nie geheilt wird. Vielleicht wenn ich uralt bin. Nicht mehr gehen kann. Oder sehen. Hören. Alles zusammen.

Dann werde ich mich zurückerinnern. Schwelgen in den Erlebnissen von früher.

Aber soweit ist es noch nicht.

Deswegen fliegen die Gedanken. Zum nächsten magischen Ort.

Vielleicht Vietnam. Vielleicht Burma. Oder …

Wir werden sehen …

Die Welt ist gross …

Globus

Die Welt wartet …

Next Stop – Südostasien

PS Song zum Thema:  Johnny Cash – Hurt (saddest Song of all Time)

Bangkok – Im Zentrum des Monsters

Die letzten Stunden in Bangkok

Nun bin ich also im Zentrum des Monsters. Der letzte Tag. Anstrengend, kräfteraubend, wahrscheinlich durch die schlechte Luft, den Lärm, die vielen Leute, die Millionen von Autos. Ist aber trotzdem ok, mir hat Bangkok schon immer gefallen. Es ist eine verrückte Stadt, aber trotz aller Verrücktheit hat sie etwas Faszinierendes, das nicht einfach zu erfassen ist.

Schon beim ersten Besuch vor ungefähr hundert Jahren ist mir etwas aufgefallen. Trotz Luftverschmutzung, trotz die Nerven strapazierenden Lärms, der eher einem nie endenwollenden Getöse ähnelt, trotz dichtem Verkehr und selbstmordgefährdeter TukTuk-Fahrten stellt ein unerklärliches Gefühl des “Alles-ok” ein. Wie so vieles andere in Asien kaum erklärbar.

Läden

Überall Läden, Stände – es gibt viel zu kaufen

Läden in Bangkok

So hab ich’s in Erinnerung

Und heute ist es wieder so. Trotz der kurzen Zeit geschieht sehr viel. Ich bin wie üblich zu Fuss unterwegs, erkunde die unmittelbare Umgebung des Hotels, lasse mich treiben, dem Fluss und den geschäftigen Strassen und Gassen entlang.

Das Schlepper-Problem

Also, wie sich herausstellt, ein willkommenes Opfer für einen Schlepper. Trotz grinsenden Protesten meinerseits und der Behauptung, dass ich nie im Leben etwas kaufen werde, kutschiert man mich mit einem TukTuk zu einer erstklassigen Touristenfalle. Es handelt sich um einen trés distingué Laden für hochwertige Herrenmode, in das ich mit meinen heruntergekommenen Klamotten und dem 4-Wochen-Bart passe wie eine Kuh in den Petersdom.

Nun, die Leute lassen sich dadurch aber nicht davon abhalten, mir überteuerte Anzüge (sogar nach Thai-Standards), schrecklich farbige  Kravatten oder warme Mäntel anzubieten. Ausgerechnet! Aber irgendwie geniesse ich die Behandlung, auch wenn sich diese sehr schnell in höfliche Verachtung verwandelt, sobald mein offenkundiges Desinteresse auch wirklich offenkundig wird. Sogar der Schlepper/TukTuk-Fahrer macht auf der Rückfahrt den Eindruck, als würde er mich am liebsten in den Fluss kippen. Sorry, aber ich habe euch gewarnt!

Schlepper

TukTuk-Fahrer und Schlepper in einem

Das Briefmarken-Problem

Die Grusskarte wartet immer noch auf Beförderung, und so versuche ich, in einem Laden Briefmarken zu kaufen. Das scheint auf den ersten Blick erfolgreich zu sein, allerdings nur bis zu dem Moment, wo ich realisiere, dass es hier nur ziemlich grosse Briefmarken mit einem dafür sehr niedrigen Wert gibt. Ich würde also einen ganzen Bogen brauchen, um auf die geforderten Versandkosten zu kommen.

Es ergibt sich nun wieder mal Realsatire in Reinkultur. Das gesamte Verkaufspersonal, das sich in der Zwischenzeit um mich versammelt hat, schlägt vor, alle Marken aufzukleben. Also ungeachtet der Tatsache, dass dann weder Platz für Adresse und noch für Grüsse übrig bleibt. Das beiderseitige Gelächter wird immer lauter, während wir die Karte vorn und hinten mit Briefmarken bekleben, während für Adresse und Grüsse gerade noch ein paar Quadratzentimeter zur Verfügung stehen. Anmerkung im Nachhinein: die Post scheint wenig Freude an der Karte gehabt zu haben, sie ist auf jeden Fall nie an ihrem Zielort angekommen.

Fähre

Auch eine Fähre steht über den Chao Phraya zur Verfügung

Anschliessend – nun auch mental in Bangkok engekommen – nehme ich die Hochbahn zur Stadtmitte. Der Versuch, ein Shoppingcenter zu finden, scheitert seltsamerweise (was in Bangkok doch eher selten sein dürfte). Also marschiere ich halt alle diese seltsamen Strassen mit den unleserlichen Namen auf und ab, bis ich müde bin. Ich ziehe mich in ein Kaffee zurück, in dem es von jungen Thais wimmelt, die emsig am Lernen sind.

Chao Phraya

Blick auf den Chao Phraya

Das Chip- oder Münzeneinwurf-Problem

Tja, und dann wird es Abend, ich bin hundemüde, und nehme die neue U-Bahn zum Flughafen, was mir wieder mal ein besonderes Erlebnis beschert. Ich habe gelernt, dass die normalen Tickets durch den Einwurf einer entsprechenden Anzahl Münzen gekauft werden (die man sich vorher an einem Schalter besorgen kann), anschliessend wird das Ticket an der vorgesehenen Stelle eingelesen, und los geht’s.

Nicht so bei der neuen U-Bahn zum Flughafen. Dort gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man bezahlt wie gewohnt mit den Münzen oder – und das ist neu – man kauft sich am Schalter einen Chip (der logischerweise bei der Barriere eingeworfen werden muss). Wer hat schon so viele Münzen bei sich, also kaufe ich einen Chip und werfe ihn dort ein, wo auch die Münzen eingegeben werden.

Doch die Sache hat natürlich einen Haken: der Chip darf natürlich nicht anstelle der Münzen eingeworfen werden, was mir allerdings entgeht, denn damit bewirke ich eine sofortige und vollständige Blockierung des Automaten. Es gibt schnell eine ziemliche Aufregung und schon bald auch eine ziemliche Schlange. Ich entschuldige mich hinten und vorne, aber die Thais nehmen das sehr gelassen. Wahrscheinlich sind sie längst zur Überzeugung gelangt, dass die Überlegenheit der weissen Rasse doch eher einem historischen Zufall zu verdanken ist. Heute habe ich diesen Verdacht mehr als bestätigt.

PS Song zum Thema:  The Animals – Bright Lights, Big City

Westwärts Bangkok entgegen

Der letzte Abschnitt

Heute geht es Bangkok, dem Monster, entgegen, also eine lange Fahrt quer durch Thailand. Also früher Beginn, wieder mal ohne Frühstück. Die chinesischen Hotelbediensteten sind offenbar nicht auf frühe Gäste eingestellt, auf jeden Fall ist weit und breit nichts zu entdecken, was einem Frühstücksraum entsprechen könnte. Vielleicht gibt es schlicht keinen.

Nudelsuppe am Busbahnhof

Das Taxi kommt rechtzeitig und bringt mich zum in der Zwischenzeit sehr bekannten Busbahnhof. Die wartenden Reisenden sitzen in langen Reihen und starren stumm und müde und gelangweilt vor sich hin. Immerhin gibt es ein paar Restaurants, allerdings finde ich kein einziges, wo etwas Westliches angeboten wird. Die Busreise wird aber sehr lang sein, immerhin ist halb Thailand in einem einzigen Tag zu durchqueren. Ich brauche also dringend etwas zu essen.

Das einzige, was mir noch einigermassen akzeptabel erscheint, ist eine Suppe, es könnte sich möglicherweise um Nudelsuppe handeln. Das ist zwar nicht die Art Essen, die ich mir am frühen Morgen vorstelle, aber sie mundet gut und füllt den Magen. Die freundlich lächelnde Dame hinter dem Tresen ist auf jeden Fall hell begeistert, als ich ihr ein lobendes Nicken schenke.

Busbahnhof in Ubon

Müde Reisende warten auf die Abfahrt

Der VIP-Bus

Der VIP Bus (!) entpuppt sich als wirklich anders als die bisher kennengelernten in Laos. Neben jedem vorstellbaren Luxus von AirCon bis Toilette gibt es sogar eine Begleiterin, eine aufgedonnerte Matrone, die den Frühling des Lebens einige Jahre hinter sich gelassen hat. Sie macht einen ziemlich griesgrämigen Eindruck, der sich auch nicht bessert, als sie mir einen Platz zuweist, der mir ganz und gar nicht passt und ich auf einen andern im hinteren Bereich bestehe.

Bus nach Bangkok

Moderner Bus nach Bangkok

Bus Nr. 14

Dann also von Ubonratchathani nach Nakhonratchasima

600 Kilometer quer durch Thailand

Und so mache ich mich auf den letzten Trip dieser Reise. Er führt über eine Strecke von über 600 Kilometer quer durchs Land, eine lange, eintönige Fahrt von über acht Stunden durch die wenig abwechslungsreiche Landschaft auf einer schnurgeraden Autobahn Richtung Westen. Das ist zumindest der Plan, aber wie sich später herausstellt, können aus den acht Stunden noch ein paar dazukommen. Aber was soll’s, es ist die letzte Fahrt, sie könnte von mir aus ewig dauern.

Der anfänglich beinahe leere Bus füllt sich zusehens und ist nach kurzer Zeit bis auf den letzten Platz besetzt. Ein junger schüchterner Thai sitzt neben mir, Kopfhörer im Ohr, das Gesicht abwesend. Ich komme leider erst nach vielen Stunden, beinahe am Ende der langen Fahrt ins Gespräch mit ihm. Er hat seine Eltern besucht und kehrt nun nach Bangkok zurück, wo er an der Universität Maschinenbau studiert. Ein intelligentes Bürschen, er wird es weit bringen.

Manchmal hält der Bus, aber erstaunlicherweise steigt niemand aus. Nach etwa sechs Stunden ein Stopp, und wir werden an einer überdimensionierten Halle, die Platz für ungefähr zwei Millionen Leute hat, abgeladen.

Busstop

Wenig einladender Busstop

Es gibt einen Laden, ein Restaurant und unzählige Tische und Stühle, bereit für die Menschenmassen, die sich hinein entleeren. Es bleibt aber merkwürdigerweise sehr still, jedermann mampft an seinem Essen, bevor uns die hässige Matrone in den Bus zurückruft.

Rush-Hour vor Bangkok

Es ist kaum zu glauben, aber der sonntägliche Abendverkehr ist so dicht, dass die Ankunft massiv verzögert wird und wir tatsächlich erst um 19.00 ziemlich weit ausserhalb Bangkok eintreffen. Ich nehme ein Taxi, handle zwar den überhöhten Preis (Sonntag! Stau!) noch etwas herunter, aber ich bin mir bewusst, dass ich mit grosser Wahrscheinlichkeit trotzdem über den Tisch gezogen werde.

Und mein Verdacht, dass der Fahrer keine Ahnung hat, wo sich das Hotel Ibis befindet (da ich das Wort so sage wie bei uns üblich, also I-bis und nicht Ei-bis, versteht er mich nicht) bestätigt sich auch ziemlich schnell. Es braucht ein paar Anläufe, aber schliesslich landen wir doch noch im Ibis Riverside, am Ufer des riesigen Flusses gelegen, und ich bin sehr glücklich über das wunderbare Zimmer.

Hotel Ibis Bangkok Riverside, Thailand - Booking.com

Hotel I-bis oder Ei-bis

PS Song zum Thema:  Fifth Harmony – I’m in Love with a Monster

Bye-Bye Laos, Land des Lächelns

Bye-Bye Laos, bye-bye Mekong

Die Küche ist am frühen Morgen bereits in Hochbetrieb. Sie macht einen ziemlich exotischen Eindruck, doch die Gerüche, die aus den Kochtöpfen in die Nase steigen, verstärken das Hungergefühl und machen Lust auf eine ausgedehnte Frühstückszeremonie.

Und tatsächlich – auch wenn das untenstehende Bild nicht unbedingt auf Köstlichkeiten hinweist – alles ist perfekt. Der Hotelbesitzer macht einen etwas müden Eindruck, was aber keinen Einfluss auf sein ewiges Grinsen hat.

Man muss ihn einfach gern haben, den alten Hallodri.

Küche

Eine etwas andere Küche als bei uns

Über die Brücke nach Thailand

Ja, und dann heisst es definitiv Abschied zu nehmen von Laos, vom Mekong, was mir ausserordentlich schwer fällt. Es gibt beinahe ein paar Tränen, als wir die Brücke überqueren und der Mekong zum letzten Mal hinter mir verschwindet.

Brücke zwischen Laos und Thailand

Brücke über den Mekong

Ich habe mich nicht nur in einen Fluss verliebt, sondern in ein Land. In seine Menschen. In ihre Freundlichkeit, ihr Lächeln. Ihre Weise, mit dem Leben und dessen absonderliche Probleme umzugehen, ohne den inneren Frieden zu verlieren.

Das ist mehr als man erwarten kann. Ich werde zurückkehren.

Um auch meinen inneren Frieden aufzufrischen.

Über die Grenze

Aber der Blick geht nach vorne. Unerwarteterweise habe ich den ersten Bus nach Ubon über die thailändische Grenze erwischt. Die Fahrt dauert ein paar Stunden, aber ich kann sie nicht recht geniessen. Es ist doch immer das Gleiche: sobald man sich an einem Ort wohlfühlt, will man nicht mehr weggehen. Und trotzdem ist man sich bewusst, dass es unmöglich ist, dass man nicht hierher gehört, dass die Anziehungskraft des Ortes, wo man seine Wurzeln hat, langfristig stärker ist.

Mehr Geld, mehr Glitzerzeug, mehr Plastik, mehr Hektik, mehr Gier

Es gibt einen längeren Zwischenhalt an der Grenze zu Thailand. Die Unterschiede fallen sofort ins Auge, überraschenderweise nicht zugunsten von Thailand. Der vergleichsweise Wohlstand ist spürbar. Es gibt mehr Geld, das ist offensichtlich, aber auch mehr Glitzerzeugs, mehr Plastik, mehr Hektik, mehr Gier.

Was mir auffällt – die Kühe auf den Weiden einen weniger guten Eindruck als ihre Kollegen in Laos. Sie scheinen magerer zu sein, weniger gut betreut. Ich muss darüber nachdenken, um es zu verstehen.

In Ubon angekommen, nehme ich das gleiche TukTuk wie zwei ältere englische Damen, die einen sehr erfahrenen Eindruck machen. Auch wenn das angepeilte Krungtong Hotel etwas gar weit abseits des Zentrums zu liegen scheint, werde ich wunschgemäss abgeladen, für einen Preis von sagenhaften 10 Baht.

Krung Tong Hotel in Ubon

Das Krung Tong Hotel – kein Ort des Verweilens

Auf der Suche nach einem Busticket

Nach einer Dusche auf zum Bahnhof, um ein Ticket für die Bahnfahrt nach Bangkok zu kaufen. Denkste! Denn nun beginnt eine unglaubliche Odyssee, in deren Verlauf ich mehrmals durch die Stadt chauffiert werde.

Es beginnt beim dezentralen Bahnhof, auf der Karte als in der Nähe gelegen bezeichnet, was sich aber als Scherz des Autors erweisen sollte. Es gibt an der angegebenen Stelle keinen Bahnhof, hat nie einen gegeben, oder er befindet sich schlicht viel weiter entfernt. Niemand scheint je von einem Bahnhof an dieser Stelle gehört zu haben.

Meine diesbezüglichen Fragen werden von den zahlreichen Passanten mit einem höflichen, aber verständnislosen Lächeln beantwortet. Ja, ist es denn zu glauben! Die Leute sprechen zum Donnerwetter noch schlechter Englisch als die Laoten, und das will was heissen. Schliesslich erbarmt sich ein junger Thai und fährt mich in seinem alten klapprigen Toyota zum Hauptbahnhof. Dort gibt es allerdings keine Tickets, die sind nämlich schon seit Tagen ausverkauft.

Bleibt nur der Bus, also bringt mich mein Chauffeur zurück zum Busbahnhof, notabene denjenigen, an dem ich vor nicht allzu langer  Zeit angekommen bin. Und weil die Tickets bar bezahlt werden müssen und ich zuwenig Geld habe, heisst es eine Bank zu finden. Mangels Wechselgelegenheiten im Busbahnhof heisst es nun, ein Shopping-Center aufzusuchen, wo es eine Wechselstube geben soll.

Das entspricht der Wahrheit, allerdings bin ich geschätzte Nummer 144 in der langen Schlange vor dem Schalter. Der Blick fällt auf einen ATM Automaten, der mir das Geld im Nu wechselt. Der Blick meines Chauffeurs ist in der Zwischenzeit schon sehr mitleidig geworden, einen ATM hätte es auch beim Busbahnhof gegeben.

Der Abschied von meinem temporären Chauffeur ist wie immer etwas seltsam. Ist es beleidigend, wenn ich ihm was gebe für seine Mühe? Und falls ja, wieviel ist genug? Wie würde ich reagieren, wenn ich aus reinen Hilfsbereitschaft jemandem einen Dienst erweise und am Schluss mit Geld abgespeist werde? Ach Gott, diese Fragen sind schwierig und letztlich nur mit Instinkt zu beantworten.

Ich bin in der Zwischenzeit völlig ausgedörrt und hungrig. Allerdings gibt es in der unmittelbaren Nachbarschaft des Hotels weder ein Restaurant noch sonst was Gescheites. Ich decke mich also in einem kleinen Laden mit Essen und Trinken ein  (darunter sogar ein Magnum Glacé) und verbringe den Abend im Hotel. Das TV Programm ist ausschliesslich in unverständlichen Sprachen, also lese ich den Great Expectations zu Ende und bin gerührt und begeistert.

PS Song zum Thema:  Elton John – Border Song

Wat Phou – Zu Fuss mit dem Fahrrad

Wieder nordwärts

Ein eigenartiger Tag, wie schon so viele, und trotzdem wieder anders. Er beginnt mit dem Abschied von Don Khon, wehmütig wie erwartet, vor allem die letzte Fahrt zwischen den Inseln hindurch, der Blick zurück auf das Dorf erfüllen mich mit grosser Melancholie.

Zimmer auf Dom Khon

Adios kleines Zimmerchen

Letzte Fahrt durch Si Phan Don

Bye-Bye Si Phan Don

Bye-bye Si Phan Don

Letzter Blick zurück

Champasakh

Die Fahrt im Bus nach Norden nachdenklich, schweigend. Dann erreichen wir in Champasakh das Ufer des Mekong, da ist er in seiner alten gewohnten Form und Wildheit. Es dauert ein paar Minuten, bis wir ein Boot finden, das uns über den Fluss bringt, aber dann geht alles ruckzuck.

Boote am Mekong

Ein Boot bringt uns über den Fluss

Der grinsende Hotelbesitzer

Am andern Ufer werden wir bereits erwartet: der im Guide beschriebene Hotelbesitzer ist tatsächlich da, mit breitem Lachen im pausbäckigen Gesicht und bringt ein brasilianisches Paar und mich in seine Prachtsvilla, die sich als heruntergekommenes, aber trotzdem irgendwie charmantes Etablissement entpuppt. Für eine Nacht ist es ok, auch wenn ich anfangs das Zimmer wechseln muss, da zu laut, zu dreckig, zu alles.

Die Terasse des Hotels liegt direkt über dem Mekong, meinem alten Freund, den ich schmerzlich vermissen werde. Seltsam wie man sich in etwas wie einen Fluss, grösstenteils stark verunreinigt und manchmal an eine riesige Kloake erinnernd, verlieben kann. Eines ist sicher – wir werden uns wiedersehen.

Wat Phou

Aber es wartet Wat Phou. Die laotische Variante von Angkor Wat.

Wat Phu ist ein ehemaliger Tempelkomplex der Khmer. Die erhaltenen Ruinen stammen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Der Tempelbezirk Wat Phou und die zugehörigen altertümlichen Siedlungen in der Kulturlandschaft Champasak sind seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Wat Phu liegt in unmittelbarer Nähe am Fuße des Berges Lingamparvata und ist von Champasak aus über eine asphaltierte Straße zu erreichen.

Wat Phu

Blick auf die Ruinen von Wat Phu

Ich lehne also bei meinem Freund, dem ewig grinsenden Hotelbesitzer, ein Fahhrad aus. Es kommt mir von Anfang an etwas sehr gebraucht vor, so, als ob es kaum die  nächsten hundert Meter schaffen würde, doch mein Instinkt, der mir bisher zuverlässig potentielle Probleme vorhersagte, versagt heute. Aber schön der Reihe nach ….

Briefmarken auf der Post? … Heute nicht

Es gibt viel zu tun heute. Erster Schritt, die Post. Die Karte für meine Schwiegermama trage ich nun schon gefühlte drei Jahre mit mir herum. Heute ist also die letzte Gelegenheit, sie von Laos aus zu verschicken. Und tatsächlich – mitten im Dorf gibt es eine Poststelle.

Sie entpuppt sich als winziges Häuschen mit einer im Halbdunkel liegenden Theke, hinter der eine ganze Familie, zumindest drei Generationen umfassend, kauert. Ich ahne bereits das Unheil. Meine Frage nach Briefmarken (Briefmarken?) wird zwar nicht gerade mit Gelächter quittiert, aber ein gewisses mitleidiges Grinsen kann sich der Boss des Hauses nicht verkneifen. Es gibt heute keine Briefmarken, die sind erst wieder am Montag zu erhalten. Am Montag? Dann werden neue Briefmarken geliefert?

Überhaupt Briefmarken? In einer Post? Nur schon die Frage …

Es wird also nichts mit dem Versand des Feriengrusses aus Laos. Dann halt aus Thailand.

Eine gesuchte Person in der Bank

Nächster Halt, die Bank. Etwa 7-8 Personen sitzen im gut gekühlten Raum, haben ganz offensichtlich nichts zu tun und warten dementsprechend sehnlichst auf Kundschaft. Ich müsste also als potentieller Kunde sozusagen das Highlight des Tages darstellen, die Rettung in letzter Not. Aber weit gefehlt.

Der distinguiert gekleidete Boss heisst mich mit gestrenger Stimme zuerst mal meine Sonnenbrille abzunehmen. Ich denke zuerst an einen Scherz, aber nein, es scheint ihm ernst zu sein. Na gut, ich entschliesse mich, das Spiel mitzuspielen.

Irgendwas an meiner Person scheint ihm ganz und gar nicht zu passen. Acht Augenpaare starren auf eine Fotokopie, die sie immer wieder mit meinem Passbild vergleichen. Nun bin ich doch etwas irritiert und erkundige mich nach dem Grund für das seltsame Gebaren. Es dauert eine Weile, bis ich Auskunft erhalte. Offenbar wird ein Schweizer von der Polizei gesucht, dem ich eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Konterfei nicht absprechen kann.

Mein schallendes Gelächter überzeugt sie schliesslich doch noch von meiner Unschuld, und ich verlasse die Bank – den immer noch misstrauischen Blick des Bosses in meinem Rücken – mit einem angenehmen Gefühl des Triumphs. Und dem Cash natürlich …

Wat Phou bleibt ein Phantom

Das alles hätte Warnung genug sein müssen. Der Weg nach Wat Phou ist lang (8km), heiss und dank einer ewig langen Baustelle in sehr schlechtem Zustand, vor allem für ein Velo wie meines (wie hiess es doch in Wikipedia – eine gut asphaltierte Strasse?).

Als die Fahrradkette am Hinterrad das erste Mal rausfällt, denke ich mir noch nicht allzu viel. Sie ist schnell wieder an ihrem angestammten Platz, was mich dummerweise wieder mal in falscher Sicherheit wiegt. Die Vorfälle wiederholen sich allerdings in beunruhigender Kadenz. Wieder raus, wieder rein, auch kein Wunder bei diesen Strassenverhältnissen. Aber dann geschieht das Unabwendbare: die Kette springt am vorderen Zahnrad raus, und ich bin am Arsch. Ohne Werkzeug ein Ding der Unmöglichkeit, das Problem zu lösen.

Ich habe Glück im Unglück, denn ich bin sozusagen in der Zivilisation gelandet. Ein Friseurladen ist ganz in der Nähe, also lasse das Velo nach kurzer Überlegung dort stehen, und nehme den Weg zu Fuss in Angriff. Es ist nun noch heisser geworden, noch mühsamer.

Und es ist auch schon ziemlich spät, die Sonne steht bereits ziemlich tief am Horizont. Meiner Schätzung nach sind es noch mehrere Kilometer bis zum Wat Phou, es dürfte also bereits einnachten, wenn ich dort bin. Der Entschluss aufzugeben, fällt mir zwar nicht leicht, aber es ist vernünftig.

Wat Phou

So hätte es ausgesehen, wenn ich es gesehen hätte …

Und so stosse ich etwas später also mein havariertes Velo grummelnd nach Hause. Es ist ziemlich mühsam auf der im Bau begriffenen Unterlage. Zu meiner Überraschung hält der eine oder andere Vorbeifahrende an, um sich erkundigen, ob Hilfe benötigt wird. Ein Einheimischer versucht alles, doch ziemlich vergeblich. Ich bin trotzdem gerührt ob der spontanen Hilfeleistung.

Auch ein älterer Japaner bekundet Mitleid mit dem bedauernswerten Velofahrer zu Fuss und begleitet mich ein paar Kilometer. Sein Englisch ist sehr gut, und ich muss gestehen, dass ich in kurzer Zeit mehr über Japan erfahre als all die Jahre zu vor.

Es dauert also seine Zeit, bis ich endlich im Hotel ankomme. Der Hotelbesitzer krümmt sich vor Lachen, als ich ihm von meinem Missgeschick erzähle. Zumindest erlässt er mir die Kosten für die Vermietung und ist ziemlich stolz darauf.

Das Nachtessen nehme ich in einem gegenüberliegenden Restaurant ein, eine Pizza, gar nicht mal schlecht. Und dann begebe ich mich zur Ruhe nach dem ereignisvollen Tag, zur letzten Nacht in Laos.

PS Song zum Thema:  Apparat ft. Soap & Skin – Goodbye

Der Khonepapheng Wasserfall

Ausflug zum Khonepapheng Wasserfall

Der Khonepapheng Wasserfall ist das heutige Ziel. Es ist viel Zeit vergangen seit meiner letzten Fahrt auf einem Motorrad. Es muss irgendwann in der Achzigerjahren gewesen sein, auf meiner Harley-Davidson.

Ja, auf einer Harley-Davidson, allerdings nur eine gerade mal mit 125 ccm. Ein einziges Jahr wurde diese besondere Ausgabe des berühmten amerikanischen Traums auf zwei Rädern hergestellt, allerdings auf der technischen Grundlage eines italienischen Modells.

In diesem Sinn kann man also kaum von einer echten Harley sprechen. Trotzdem, wenn sich eine Traube junger und älterer Männer um die Harley versammelte, war der Stolz ebenso gross wie wenn es eine Electra Glide in Blue gewesen wäre. Ach, die guten alten Zeiten …

Keine Harley-Davidson, aber trotzdem heisse Luft um die Ohren

Es ist zwar keine Harley-Davidson, mit der mich der junge Laote zum berühmten Wasserfall Khonepapheng bringen will, nicht mal ein richtiges Motorrad, bestenfalls ein Roller.

Aber immerhin, die Fahrt ist eine Freude, auch wenn sie gerade mal eine halbe Stunde dauert. Der Fahrer gibt sich Mühe, fährt langsam und vorsichtig und setzt mich wohlbehalten beim Wasserfall ab.

Khonepapheng

Khonepapheng – ein donnerndes und röhrendes Monstrum

Khonepapheng – Rollender Donner

Man hört das Geräusch der ungeheuren Wassermassen schon von weitem, und dann steht man da und staunt. Schlicht atemberaubend, gigantisch, furchteinflössend. Irgendwo in einem Führer steht, wieviele Millionen Liter pro Sekunde in den Abgrund fallen, wo sie wild schäumend, mit ohrenbetäubendem Tosen, mit überirdischer Kraft alles mitreissen.

Wasserfall

Atemberaubend, gigantisch, furchteinflössend

Es sieht aus, wie eine Beschleunigung aus der Zeitlupe in den Zeitraffer. Das Wasser nähert sich ganz ruhig, ohne Hast, der Kante, scheint einen Moment innezuhalten und fällt dann, leicht erstaunt, in den Abgrund, nimmt in Sekundenschnelle Geschwindigkeit auf, prescht, eingezwängt durch eine schmale Schlucht, nach vorne, um sich dann, leise schäumend, wieder zu beruhigen, als wäre nichts geschehen.

Khonepapheng

Und hier wollten die Franzosen mit Booten hinauf

Khonepapheng

Man sollte das Dröhnen hören

Fischen an gefährlichen Stellen

Es sieht so aus, als ob auch die grössten Gefahren niemanden davon abhalten kann, sich in eben genau diese Gefahren zu begeben. Zum Beispiel fischen im schäumenden Wasser unterhalb des Wasserfalls. Wenn der Junge sich weit hinauswagt, um seine Netze einzuziehen, bleibt das Herz stehen. Eine Sekunde Unachtsamkeit genügt, und er würde in den bösartig zischenden Wellen verschwinden. Keine Chance. Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder diesen Risiken aussetzen, sind klar. Wir alle kennen sie.

Ich verlasse den Jungen mit einem unerwartet schlechten Gefühl und wünsche ihm alles Glück dieser Welt. Mein Fahrer wartet auf mich, ich setze mich auf seinen Roller, das Dröhnen des Flusses verklingt im Hintergrund …

Fischerjunge

Gefährliches Tun unterhalb des Wasserfalls

Fischen beim Khonepapheng

Man hat Angst um sie

Letzter Spaziergang

Ein Spaziergang über die Brücke nach Don Det. Hier führten die Geleise durch, bevor das verrückte Experiment mit der Bahn abgebrochen werden musste.

Brücke

Brücke zwischen Dom Khong und Dom Det

Auf der Nachbarinsel ist es ruhiger als auf Don Khon. Ein wunderbarer, langamer, gedankenverlorener Spaziergang dem Meer entlang, zwischen Guesthouses und den üblichen stelzbeinigen Behausungen der Einheimischen. Und ich treffe, wahrscheinlich zum letzten Mal, das französisch / neuseeländische Paar. Die Freude ist wie immer gegenseitig. Das ist wie immer irgendwie auch traurig, dass man Menschen kennenlernt, die sympathisch sind und alle Eigenschaften einer möglichen Freundschaft in sich tragen, und man weiss, dass man sie nie mehr wiedersehen wird.

Letzter Tag

Nun also der letzte Tag. Morgen zum ersten Mal seit langem Richtung Norden, Champasakh und die Kher-Ruinen warten, alles andere, der Weitertransport nach Ubon und anschliessend Bangkok wird sich ergeben. Ich werde zwar mit einem weinenden Auge Abschied nehmen, allerdings wäre es mit der Zeit doch etwas langweilig und auch etwas heiss geworden. Ich schlafe zwar in Anbetracht der Temperaturen gar nicht mal so schlecht, im Grunde sogar immer besser. Aber es gibt nicht allzu viel zu tun. Ausser den gelegentlichen Spaziergängen über die Insel, die ja schnell erkundet ist, essen und trinken, lesen gibt es buchstäblich nichts zu tun. Immerhin habe ich meinen Dickens, der fast 40 Jahre darauf gewartet hat, endlich gelesen zu werden.

Dann also der letzte Abend. Nicht anhaften, sagt Buddha, und er hat ja wie immer recht, aber das wird trotzdem schwierig werden morgen früh, die Wehmut zu unterdrücken. Aber es geht vorwärts wie alles im Leben.

PS Song zum Thema:  Serge Gainsbourg – Harley Davidson

Dom Khon – ein verrückter Plan B

Wie man den Mekong mit dem Schiff bezwingt (oder eben nicht)

Der heutige Tag ist sportlichem Einsatz gewidmet, um meine vom gestrigen Trip noch völlig erstarrten Muskeln auf  Vordermann zu bringen.

Ein Tag auf dem Fahrrad

Wie üblich in Laos vermieten die Hotels auch Fahrräder, ich entscheide mich für ein grasgrünes Damenvelo mit Gepäckträger. Und dann mache ich mich frohgemut auf Erkundigungstour der beiden Inseln Dom Khon und Dom Det. Was mich vor allem interessiert, ist die unglaubliche Schnappsidee der Franzosen, die Stromschnellen des Mekong mit einer Eisenbahn zu bewältigen.

Velo

Mein grasgrünes Fahrrad

Wasserbüffel, kaltes Bier und Fischfang

Die Insel ist mehrheitlich flach, aber auch mehrheitlich heiss wie in der Hölle. Stört mich allerdings nicht im Geringsten, denn sogar meine langsame Fahrweise verursacht ein kleines Lüftchen um meine heissen Ohren.

Die Insel ist flächenmässig eher klein, also erreicht man schon bald irgendein Ufer und fragt sich, vor welchem Arm des Mekong man steht. Den Wasserbüffeln scheint es zu gefallen, ich könnte ihrem wohligen Suhlen im Wasser stundenlang zusehen.

Wasserbüffel

Eines meiner Lieblingstiere – Wasserbüffel

Wasserbüffel

Ein ziemlich misstrauischer Blick

Bei dieser Hitze sind Restaurants, wo es kaltes Bier und alles andere gibt, eine echte Überraschung, der man kaum widerstehen kann. Das Khonpasoy auf jeden Fall ist genau das Richtige für meine trockene Kehle.

Restaurant

Durstlöscher Khonpasoy

Hitze und Einsamkeit

Eine Brücke führt über einen Nebenarm des Flusses, es ist weit und breit keine Seele zu sehen. Das ist nicht weiter erstaunlich, denn intelligente Leute machen um die Mittagszeit eine Siesta oder sonstwas, um die Mittagshitze zu überstehen. Nicht in meinem Fall – ich liebe die Hitze und die Einsamkeit.

Brücke

Eine der vielen Brücken über die Flussarme

Fischfang am Mekong

Seltsam aussehende Konstruktionen sind über den Fluss gespannt. Es braucht eine gewisse Zeit, bis ich erkenne, dass es sich um Einrichtungen zum Fischfang handeln muss. Also eine Art Reusen nach laotischer Art. Ich würde mich gerne nach dem genauen Vorgang erkundigen, aber wie gesagt – intelligente Menschen befinden sich um diese Zeit im Schatten.

Reusen

So ganz genau habe ich es nicht verstanden

Mit der Eisenbahn über die Stromschnellen

Die spinnen, die Franzosen. Die Wasserfälle sind so gewaltig, dass nur schon der Plan A, sie mit Schiffen zu bewältigen, einem gewissen Grössenwahn entsprungen sein muss.

Allerdings ist auch Plan B – der Verlad auf die Bahn und Transport über die zwei Inseln – auch nicht gerade der Weisheit letzter Schluss gewesen. Aber schräge Ideen für schräge Zeiten.

Alte Lokomotive

Die kleinen, niedlichen Lokomotiven rosten still und irgendwie bemitleidenswert vor sich hin und träumen den letzten Traum von glorreichen Zeiten

Ein paar Infos aus Wikipedia zum wahnwitzigen Unternehmen, mit einer Eisenbahn die Stromschnellen des Mekong zu überqueren.

Die französische Kolonialmacht in Indochina war in den 1890er Jahren bemüht, ihre Grenze auf Kosten Siams nach Westen zu verschieben. Es kam dabei auch zu militärischen Auseinandersetzungen, unter anderem im Bereich des Si Phan Don Archipels im Mekong. Das französische Militär versuchte hier, den Mekong als Westgrenze zu etablieren. Um das zu verwirklichen, musste der Fluss durch die französischen Streitkräfte kontrolliert werden.

Dazu waren wiederum Kanonenboote auch im oberen Abschnitt des Flusses erforderlich. Die Mekongfälle mit einer Gesamthöhe von 21 m im Bereich des Si Phan Don Archipels bildeten aber für deren Durchfahrt ein unüberwindbares Hindernis. In den Jahren 1891, 1892, und 1893 misslangen Versuche von Dampfschiffen mit laufender Maschine und der Unterstützung von hunderten Männern, die diese von den Felsen aus an Seilen hochzogen, und anderen, die von den Decks aus mit Stangen stakten, die Stromschnellen zu überwinden. Ein Schiff konnte in einer schmalen Wasserrinne immerhin bis 50 m unterhalb des höchsten Punktes gezogen werden, bevor der Versuch abgebrochen werden musste.

Wenn auch ökonomisch unsinnig, so war die Bahnstrecke über die Insel Don Khon aus französischer Sicht aber militärisch notwendig. Die erste Strecke verband eine Anlegestelle unter- und oberhalb der Mekongfälle auf der Insel Don Khon.

Seltsames Gebäude am Ufer

Keine Ahnung, was das sein könnte

Aufwärts zur Insel

Hier wurden die Eisenbahnwagen hinauf zur Insel gezogen

Abschliessend ist zu sagen: Der Mensch ist zu allem fähig, wenn er nur will. Allerdings auch zu den grössten Idiotien. Zumindest ist manchmal die Natur als letzte Hürde da, um dem bösen Tun Einhalt zu gebieten.

Wiedersehen mit alten Freunden

Er aus Neuseeland, sie aus Frankreich. „He Rudi, nice to see you again.“ Ich muss zwar etwas nachdenken, bis mir einfällt, woher ich die beiden kenne, aber natürlich: Bus nach Vang Vieng, Zwischenstop im Niemandsland. Und schon tauschen wir gegenseitige Erinnerungen an alte wilde Hippiezeiten aus (beide waren zur selben Zeit in Indien unterwegs). Früher oder später trifft man sich und hat sich was zu erzählen. Es wird dann schnell klar, was uns Alte von den Jungen unterscheidet. Es ist etwas Unschuldiges, Unbedarftes, das den heutigen Travellern völlig abgeht. Wir zogen los, die Welt zu erobern, nicht mehr und nicht weniger. Schade.

Es ist immer noch brütend heiss, und das Zimmer wird sich in der Nacht nur wenig abkühlen. Macht aber nichts, ich kann trotzdem ganz ordentlich schlafen. Allerdings muss ich morgen um Acht zur Abfahrt bereitstehen. Ich werde den morgigen letzten Tag dazu nützen, mit dem Boot nach Nakasang zu fahren und mich anschliessend mit einem Motorrad zu dem berühmten Wasserfall chauffieren lassen. Wenn das nur gut geht!

PS Song zum Thema:  Jefferson Airplane – Wooden Ships

Si Phan Don – Die 4000 Inseln

Si Phan Don erwartet mich

Heute will ich den südlichsten Punkt meiner Reise erreichen – Si Phan Don – die 4000 Inseln. Mal sehen, was da auf mich wartet.

Immer sind es die Vorstellungen, die in keinster Weise der Wirklichkeit entsprechen. Kilometer 18, so heisst die südliche Bushaltestelle in Pakxe, obwohl sie weit im Osten der Stadt liegt. Der Namensgeber hat sich also einen Scherz erlaubt. Oder aber, was ich bei den nicht gerade für absurden Humor bekannten Laoten eher annehme, jemand hat in der Geographiestunde gefehlt.

Sorry, no Bus

Es handelt sich also im wörtlichen Sinn um eine “Bus”-Haltestelle, was darauf hinweisen könnte, dass hier Busse verkehren. Eine weitere Vorstellung oder Annahme, die nicht erfüllt wird. Ich hatte mir also einen Bus vorgestellt, einen wie die letzten beiden Tage, doch einen solchen gibt es nicht bei Kilometer 18. Im Nachhinein verstehe ich das Grinsen des Ticket-Beamten. Meine Frage nach einem Bus quittiert er mit einem breiten Grinsen. „Sorry, no Bus, only TukTuk.“

Der Tag beginnt also mit einer nicht geplanten, aber überraschenden und wunderbaren Fahrt.

 

TukTuk

Vollgestopft nach Süden

Minibus

Voll? Oder doch nicht?

Im Minibus nach Süden

Anstelle des Phantombusses wird mich nun halt ein TukTuk nach Süden bringen. Es ist eigentlich ein falscher Ausdruck, denn das sogenannte TukTuk entpuppt sich als eine Art Pickup mit überdachter Ladefläche, wo es bereits von Frauen, Kindern, Hühnern und unzähligen Gepäckstücken in allen Grössenordnungen wimmelt.

Die Frage, wo in diesem Durcheinander noch jemand wie ich Platz haben sollte, grenzt schon beinahe an Verzweiflung, doch meinem Blick entgeht nicht, dass zuhinterst noch ein sozusagen jungfräulicher Platz frei ist, genau richtig für mich. Ich zwänge mich also mit entschuldigenden Worten zwischen den abfahrtsbereiten Damen mit ihren Kindern und Taschen hindurch und setze mich auf die paar Quadratzentimeter, die gerade eben noch zur Verfügung stehen.

Opera Buffa

Es dauert eine ganze Weile bis zur Abfahrt. Bis dahin – Cabaret, Opera Buffa, Realsatire nach laotischer Art. Eine wunderbare Vorstellung der asiatischen Kunst, aus wenig ganz viel zu machen, und das alles mit viel Lärm und Gestikulieren und Lachen und Fluchen. Allein die Vorstellung, wie eine ähnliche Veranstaltung in unseren Breitengraden ablaufen würde, gibt Anlass zu Zweifeln. Haben wir das alles vergessen? Vor lauter Optimierung, Hektik, Kontrollwahn? Ich weiss es nicht, wie so vieles …

Nun, bei der Abfahrt, sitzen in diesem wirklich nicht allzu grossen Vehikel gut 25 Personen, inklusive Kinder und einem Jungen mit Trisomie. Seine Mutter geht ganz selbstverständlich damit um, gerät keinen Moment aus der Ruhe, auch dann nicht, wenn sich der Junge an die daneben sitzenden Frauen lehnt oder auch schon mal ein Kind zum Weinen bringt. Auch in diesem Fall ist das unterschiedliche, kulturbedingte Verhalten deutlich spürbar, und einmal mehr wird klar, warum nur das eigene Erlebnis, die 1:1 Beobachtung wirkliche Erkenntnisse bringt.

Alles andere ist Fiktion.

Der Wagen tut mir fast ein bisschen leid, denn schon bei der Abfahrt kann man das protestierende Stöhnen der Federung hören. Aber die Vehikel sind auf diese Belastungen ausgelegt, keine noch so brutale Behandlung lässt sie zurückweichen.

Das mäandernde Monstrum

Und so gehen die knapp vier Stunden vorbei. Das reglose Sitzen ohne die Möglichkeit, die Beine zu strecken oder die Glieder zu dehnen, ist ziemlich mühsam. Nach einer Weile beginnt der Arsch zu schmerzen, aber ich habe trotzdem den Eindruck, dass die Fahrt auf genau diese Weise richtig ist.

Für nichts auf der Welt würde ich sie missen wollen.

Es geht immer schön dem Mekong entlang. In der Ferne als glitzernde Helle zu erkennen, winkt er uns alle paar Kilometer zu, als würde er uns willkommen heissen. Meine Mitpassagiere kümmert das wenig, für sie ist der Fluss etwas Alltägliches, auch wenn er ihre Existenz in jeder Hinsicht beeinflusst. An dieser Stelle ist er noch breiter und wuchtiger geworden, und bereits sind die ersten Anzeichen zu erkennen, dass er sich schon bald zu einem mäandernden Monstrum entwickeln wird, in ein in unzählige Arme und Nebenarme aufgespaltenes Ungeheuer.

Ist das noch ein Fluss?

Und dann erreichen wir das Ziel. Eine Viertelstunde heftiges Durcheinander, bis jeder seine Siebensachen zusammengepackt, seine Kinder und Grossmütter an der Hand hat, die wartenden Verwandten begrüsst sind.

Aber es geht nun darum, über den Mekong, der an dieser Stelle kaum noch als Fluss zu erkennen ist, zu den Inseln zu gelangen. Dazu gibt es verschiedene, in Alter und Zuverlässigkeit unterschiedliche Angebote. Das Holzboot, mit dem ich mich mit ein paar anderen furchtlosen Passagieren zwischen zahllosen Inseln und Inselchen  hindurch zu Don Khon chauffieren lasse, sieht zwar nicht eben aus, als könnte es noch manchen Sommer überstehen, aber die Fahrt ist grossartig.

Eine grossartige Fahrt zwischen den Inseln hindurch

Mäandernder Fluss

Auch das ist der Mekong

Vögel am Ufer

Ein Willkommens-Komittee

Häuser am Mekong

Die ersten Gebäude über dem Wasser

Mekong

Ich fühle mich jetzt schon wohl

Der Motor tuckert laut und unregelmässig vor sich hin, während wir uns der phantastischen Umgebung ergeben. Zwischen ins Wasser reichenden riesigen Bäumen hindurch, an bewohnten und unbewohnten, an grossen und winzigen Inseln vorbei, nähern wir uns gemütlich einer der beiden Hauptinseln, Dom Khon.

Dom Khon

Das ist nun also der südlichste Punkt der Reise (ausser ein paar Kilometern, die ich morgen zu tun gedenke), Dom Khon, die zu Unrecht etwas stiefmütterlich behandelte Schwesterinsel von Dom Det.

Doch für wie lange wird es so bleiben? An allen Ecken wird emsig gebaut, gehämmert, gesägt. Neue Bungalows, neue Restaurants, neue Unterhaltungsmeilen für das endlose Meer ungesättigter Touristenseelen, die dereinst an diesen Orten vorbeiflanieren werden. Alles, was schön ist, muss gehen, so scheint es.

Hauptstrasse

Die “Hauptstrasse” auf Dom Khon

Ich folge der „Hauptstrasse“, den wachen Blick auf das gerichtet, was mich hier erwartet. Gefällt mir, gefällt mir sogar sehr. Schliesslich, nach aufmerksamem Suchen finde ich einen Bungalow, der genau meinen Vorstellungen entspricht. Dass dabei eine ausnehmend hübsche junge Lady bei der Vermietung eine Rolle spielt, ist klar. Es scheint, dass ich dringend meine lange verschütteten Flirterinnerungen aktivieren muss.

Junge hübsche laotin

Da werden alte Gefühle wach

PS Song zum Thema:  The Smiths – This Charming Man

Pakxe

Weiter dem Mekong entlang

Das heutige Ziel ist Pakxe, ganz im Süden. Aber wo sind die laotischen Schönheiten an diesem Morgen? Leider keine zu entdecken, nur die üblichen Verdächtigen, aber diesmal in Hülle und Fülle. Der Bus ist gerammelt voll, sogar die Gartenstühle im Gang (!!) sind besetzt. Lautes Lachen, Geschnatter, Kinderstimmen scheinen mir auf eine lebhaftere Zusammensetzung der Passagiere zu deuten als gestern.

Busbahnhof

Have a good Trip

Neben mir sitzt ein Vietnamese, der, wie ich schon bald herausfinde, ausser seiner Landessprache kein anderes Wort spricht. Da mein vietnamesisch etwas eingerostet ist, sind wir gezwungen (wieder mal), uns mit Händen und Füssen zu verständigen. Macht aber nichts, da wir sowieso die meiste Zeit schweigend dasitzen, dösen und auf die eintönige Landschaft starren.

Eine braune, gelbe, grüne Steppe

Eine braune, gelbe, grüne Steppe, verödet von der ätzenden Sonne, die hier das ganze Jahr vom Himmel brennt. Selten ein Dorf inmitten der Einöde, manchmal ein paar magere Kühe oder Ziegen. Wir nähern uns dem südlichsten Teil von Laos, doch schon über tausend Kilometer südlich von Luang Prabang. Die zunehmende Hitze macht sich bemerkbar. Und auch dieser Bus besitzt alles, ausser einer Klimaanlage. Was für mich allerdings kein Problem ist. Ich hasse diese auf arktische Temperaturen eingestellten AirCons, die bei zuviel Sorglosigkeit zumindest einen gehörigen Schnupfen, wenn nicht sogar Schlimmeres hervorrufen.

Stopp

Stopps auf dem Weg – ein Gewitter dräut

Die Stopps sind jeweils das Unterhaltsamste: je nach Ort steigen mehr oder weniger Leute ein oder aus, mit viel oder wenig Gepäck. Das Maximum sind zehn (ich habe nachgezählt; was macht man nicht alles, wenn es langweilig ist) Gepäckstücke, die zugeladen werden. Sogar ein Motorrad findet den Weg auf das Dach, ohne ein einziges Mal den Bus zu berühren. Eine echte Meisterleistung, die mir allen Respekt abverlangt. So dauert es normalerweise ziemlich lange, bis alles verstaut, alles vertäut, alle wieder auf ihren Plätzen sitzen. Ein struppiger Hund, offenbar zur Kondukteuse gehörend, scheint das Busmaskottchen zu sein. Inmitten der vielen Leute hat auch er seinen Platz. Schön!

Hotelerfahrungen in Pakxe

Das Hotel in Pakxe bietet wieder einmal eine besondere Herausforderung. Man kann zwar wählen zwischen allerhand kostenmässig unterschiedlichen Varianten (Heisswasser, TV, AC), allerdings funktioniert in der von mir gewählten Maximalvariante so ziemlich gar nichts. Und man hat den Eindruck, dass keine Reinigung stattgefunden hat. Ich habe zwar keine Probleme mit billigen Unterkünften, allerdings bestehe ich strikt auf Sauberkeit.

Der in der Lobby herumlümmelnde Typ, offenbar für den Zimmerputz verantwortlich, scheint keine Lust auf Arbeit zu haben, also kriegt er zur Begrüssung eine ziemliche Standpauke von mir, was ihn definitiv nicht zu meinen engsten Freunden macht. Zumindest kriege ich ein anderes Zimmer.

Während das erste Zimmer schmutzig und unaufgeräumt ist, und das Wasser nicht funktioniert, ist das zweite noch schlimmer: der Lavabohahn funktioniert nicht, das Heisswasser lässt sich nicht regulieren, das Wasser am Boden fliesst nicht ab. Der  Höhepunkt ist aber, dass auch die AirCon nicht funktioniert. Das Donnerwetter ist wahrscheinlich ziemlich weitherum zu hören. Erneuter Wechsel in Zimmer Nr. 3, und ich wage mir gar nicht vorzustellen, was hier alles nicht funktionieren wird. Nun, es geht einigermassen, nur der TV ist eher nicht zu empfehlen.

Derweil übt der Hotelmanager auf seiner Guitarre. Ich hoffe für ihn, dass dort seine Begabung grösser ist …

Nachtmarkt

Nachtmarkt in Pakxe

Die Stadt gibt nicht viel her. Ich treffe ein paar alte Bekannte von Bus,  schlendere die Hauptstrasse rauf und runter, trinke Kaffee Nom und langweile mich ein bisschen. Aber ich freue mich auf die 4000 Inseln

PS Song zum Thema:  Radiohead – Anyone can play Guitar

Bus nach Savannakhet

Bye-Bye Vientiane

Der Bus nach Savannakhet startet um Punkt 7, also kein Frühstück, dafür Hetze, denn der Hotelmanager lässt mich erst gehen, wenn er das Zimmer gecheckt hat. Wahrscheinlich glaubt er, dass ich ihm seine billigen Bettanzüge klaue.

Die Strassen sind, wen wundert’s, noch verschlafener als tagsüber, also totenstill. Kein Mensch zu sehen. Es ist Sonntag, also irgendwie verständlich. Eine Reise von knapp 500 Kilometern wartet auf mich, in Laos umgerechnet mindestens 10 Stunden Fahrt. Wunderbar! Das sind für mich die Höhepunkte jeder Reise, und immer, wenn wir uns dem Ziel nähern, sehne ich mich danach, einfach weiterzufahren, endlos, immer weiter.

Stopp

Irgendwo ein Stopp

Bis ans Ende der Welt

Keine Ahnung, warum das so ist.

Am Busbahnhof werde ich sozusagen schon erwartet. Alles geht ruckzuck, mein Rucksack wird verladen. Das langweilige Bild der herumstehenden, grösstenteils noch im Halbschlaf versunkenen Leute wird massiv aufgehellt durch eine laotische Schönheit, die still und irgendwie entrückt auf die Abfahrt wartet. Sie trägt ein paar Schlabberhosen, die perfekt zum weinroten Pulli passen und ihre schlanke Figur betonen. Und das alles an einem frühen Sonntagmorgen. In Laos!

Laotische Schönheit

Entrückt am frühen Morgen

Die Welt im Auge des Beobachters

Einmal mehr bin ich der einzige Ausländer im Bus, es wird also wieder einer dieser wortkargen bis wortlosen Tage werden. Die Passagiere  machen nicht den Eindruck, als würden sie sich für einen Touristen interessieren, also mache es mir an meinem Fensterplatz gemütlich: Wasser, Essen, Tagebuch, Kamera, Handbuch, Jacke.

Auf dem Sitz vis-à-vis sitzen zwei gut gekleidete Jungen mit seltsam ernsten Gesichtern, kein Lachen, den Blick geradeaus gerichtet. Ich würde mich gerne mit ihnen unterhalten, sie nach dem Woher und Wohin fragen, den Grund für ihr seltsames Verhalten herausfinden. Aber dazu wird es nicht kommen. Dafür fängt die Phantasie an zu arbeiten. Sind sie vielleicht auf dem Weg zu Verwandten (die sie nicht mögen)? Oder zur Schule, wo sie sich nicht wohlfühlen? Hätten sie lieber das Flugzeug genommen und nicht diesen heruntergekommenen Bus? Sind sie Waisen? Sind sie Brüder? Warum so ernst?

Ich werde es nie erfahren.

Keine Häuser, kein Dorf, keine Strassen

Bei jedem Stopp verlassen die Leute den Bus, lockern ihre Muskeln oder pissen ins Gebüsch. Ein paar haben ihr Ziel erreicht, wobei es schwierig ist, sich vorzustellen, wo sie hingehen. Keine Häuser, kein Dorf, keine Strassen.

Dafür steigen andere ein, der Bus ist voll. Es ist heiss geworden, sehr heiss, und nur der Fahrtwind durch das offene Fenster bringt etwas Erleichterung. Manchmal nicke ich ein, erwache mit schwerem Kopf, wende mich wieder der Welt zu, die vor dem Fenster vorbeizieht. Die Gegend wird nun trockener, die weidenden Tiere magerer. Wo sollen sie auch etwas zum Fressen finden?

Trip dem Mekong entlang

Ein langer Trip dem mekong entlang nach Süden

Das Handbuch weiss auch nicht viel mehr über diese Region. Sie ist nicht sehr attraktiv, wüstenähnlich verbrannt, menschenleer, also genau nach meinem Geschmack. Dann und wann trinke ich einen Schluck, esse etwas Brot, kaufe mir beim nächsten Stopp eine Tüte Pommes Chips, die sofort vertilgt wird.

Wir folgen dem Mekong, der sich nicht sichtbar für uns in der Nähe gegen Süden windet. Thailand ist nahe, der Fluss stellt an vielen Stellen die eigentliche Grenze dar. Im Norden, so lese ich, gibt es zahlreiche Naturschutzgebiete, aber auch Gebiete, so man sich besser fernhält. Es sind die Orte, wo es immer noch Überreste der massiven Bombardierung durch die amerikanischen Truppen gibt.

Gelegentlich hält der Bus an den üblichen Orten, die Leute strömen zu den Ständen, ins Restaurant, auf die Toilette.

Stopp

Stopp im Nirgendwo

Ein scheussliches Zimmer

So geht’s 10 Stunden lang, ebenso spannend wie langweilig, wie ich es mir vorgestellt habe, und wie ich es liebe. Aber irgendwann sind wir da, meine Schöne verschwindet auf Nimmerwiedersehen, ohne einen einzigen Blick zurückzuwerfen. Das Hotel (eine Bezeichnung, die ich später nicht mehr anwenden würde) liegt abseits, ich nehme also ein TukTuk, und los geht’s. Der Fahrer – die linke Hand lässig am Joint, die rechte am Steuerrad – kennt den Weg und braust in haarsträubendem Tempo durch die Strassen bis zum Ziel.

Ein grimmiges Exemplar eines Laoten

Es ist zwar nicht sehr teuer, aber das merkt man leider auch. Der Hotelmanager (?), ein ziemlich grimmiges Exemplar eines Laoten, führt mich durch einen schlecht beleuchteten Raum zu einer steilen Treppe, die in einem seltsamen Zimmer endet.

Vor dem Bett liegt ein Teppich (!), der so scheusslich aussieht, dass ich mir schwöre, keinen Fuss darauf zu setzen. Immerhin gibt es ein Badezimmer mit heisser Dusche, dafür fehlt der Spiegel beim Lavabo. Keine Bleibe für einen längeren Aufenthalt. Sogar für mich, der sich an einiges gewöhnt ist, ein Grenzfall.

Es zieht mich nach der anstrengenden Fahrt nicht mehr gross ins wahrscheinlich kaum existierende Nachtleben von Savannakhet. Ich nehme das erstbeste Restaurant, das sich allerdings als echte Niete entpuppt. Überteuert, schlechte Qualität. Savannakhet ist definitiv kein Ort zum Verweilen. Morgen um diese Zeit bin ich hoffentlich längst in Pakxe, schon ganz nahe an den 4000 Inseln.

PS Song zum Thema:  Edgar Broughton Band – Hotel Room

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