Wieder nordwärts

Ein eigenartiger Tag, wie schon so viele, und trotzdem wieder anders. Er beginnt mit dem Abschied von Don Khon, wehmütig wie erwartet, vor allem die letzte Fahrt zwischen den Inseln hindurch, der Blick zurück auf das Dorf erfüllen mich mit grosser Melancholie.

Zimmer auf Dom Khon

Adios kleines Zimmerchen

Letzte Fahrt durch Si Phan Don

Bye-Bye Si Phan Don

Bye-bye Si Phan Don

Letzter Blick zurück

Champasakh

Die Fahrt im Bus nach Norden nachdenklich, schweigend. Dann erreichen wir in Champasakh das Ufer des Mekong, da ist er in seiner alten gewohnten Form und Wildheit. Es dauert ein paar Minuten, bis wir ein Boot finden, das uns über den Fluss bringt, aber dann geht alles ruckzuck.

Boote am Mekong

Ein Boot bringt uns über den Fluss

Der grinsende Hotelbesitzer

Am andern Ufer werden wir bereits erwartet: der im Guide beschriebene Hotelbesitzer ist tatsächlich da, mit breitem Lachen im pausbäckigen Gesicht und bringt ein brasilianisches Paar und mich in seine Prachtsvilla, die sich als heruntergekommenes, aber trotzdem irgendwie charmantes Etablissement entpuppt. Für eine Nacht ist es ok, auch wenn ich anfangs das Zimmer wechseln muss, da zu laut, zu dreckig, zu alles.

Die Terasse des Hotels liegt direkt über dem Mekong, meinem alten Freund, den ich schmerzlich vermissen werde. Seltsam wie man sich in etwas wie einen Fluss, grösstenteils stark verunreinigt und manchmal an eine riesige Kloake erinnernd, verlieben kann. Eines ist sicher – wir werden uns wiedersehen.

Wat Phou

Aber es wartet Wat Phou. Die laotische Variante von Angkor Wat.

Wat Phu ist ein ehemaliger Tempelkomplex der Khmer. Die erhaltenen Ruinen stammen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert. Der Tempelbezirk Wat Phou und die zugehörigen altertümlichen Siedlungen in der Kulturlandschaft Champasak sind seit 2001 UNESCO-Weltkulturerbe. Wat Phu liegt in unmittelbarer Nähe am Fuße des Berges Lingamparvata und ist von Champasak aus über eine asphaltierte Straße zu erreichen.

Wat Phu

Blick auf die Ruinen von Wat Phu

Ich lehne also bei meinem Freund, dem ewig grinsenden Hotelbesitzer, ein Fahhrad aus. Es kommt mir von Anfang an etwas sehr gebraucht vor, so, als ob es kaum die  nächsten hundert Meter schaffen würde, doch mein Instinkt, der mir bisher zuverlässig potentielle Probleme vorhersagte, versagt heute. Aber schön der Reihe nach ….

Briefmarken auf der Post? … Heute nicht

Es gibt viel zu tun heute. Erster Schritt, die Post. Die Karte für meine Schwiegermama trage ich nun schon gefühlte drei Jahre mit mir herum. Heute ist also die letzte Gelegenheit, sie von Laos aus zu verschicken. Und tatsächlich – mitten im Dorf gibt es eine Poststelle.

Sie entpuppt sich als winziges Häuschen mit einer im Halbdunkel liegenden Theke, hinter der eine ganze Familie, zumindest drei Generationen umfassend, kauert. Ich ahne bereits das Unheil. Meine Frage nach Briefmarken (Briefmarken?) wird zwar nicht gerade mit Gelächter quittiert, aber ein gewisses mitleidiges Grinsen kann sich der Boss des Hauses nicht verkneifen. Es gibt heute keine Briefmarken, die sind erst wieder am Montag zu erhalten. Am Montag? Dann werden neue Briefmarken geliefert?

Überhaupt Briefmarken? In einer Post? Nur schon die Frage …

Es wird also nichts mit dem Versand des Feriengrusses aus Laos. Dann halt aus Thailand.

Eine gesuchte Person in der Bank

Nächster Halt, die Bank. Etwa 7-8 Personen sitzen im gut gekühlten Raum, haben ganz offensichtlich nichts zu tun und warten dementsprechend sehnlichst auf Kundschaft. Ich müsste also als potentieller Kunde sozusagen das Highlight des Tages darstellen, die Rettung in letzter Not. Aber weit gefehlt.

Der distinguiert gekleidete Boss heisst mich mit gestrenger Stimme zuerst mal meine Sonnenbrille abzunehmen. Ich denke zuerst an einen Scherz, aber nein, es scheint ihm ernst zu sein. Na gut, ich entschliesse mich, das Spiel mitzuspielen.

Irgendwas an meiner Person scheint ihm ganz und gar nicht zu passen. Acht Augenpaare starren auf eine Fotokopie, die sie immer wieder mit meinem Passbild vergleichen. Nun bin ich doch etwas irritiert und erkundige mich nach dem Grund für das seltsame Gebaren. Es dauert eine Weile, bis ich Auskunft erhalte. Offenbar wird ein Schweizer von der Polizei gesucht, dem ich eine gewisse Ähnlichkeit mit meinem Konterfei nicht absprechen kann.

Mein schallendes Gelächter überzeugt sie schliesslich doch noch von meiner Unschuld, und ich verlasse die Bank – den immer noch misstrauischen Blick des Bosses in meinem Rücken – mit einem angenehmen Gefühl des Triumphs. Und dem Cash natürlich …

Wat Phou bleibt ein Phantom

Das alles hätte Warnung genug sein müssen. Der Weg nach Wat Phou ist lang (8km), heiss und dank einer ewig langen Baustelle in sehr schlechtem Zustand, vor allem für ein Velo wie meines (wie hiess es doch in Wikipedia – eine gut asphaltierte Strasse?).

Als die Fahrradkette am Hinterrad das erste Mal rausfällt, denke ich mir noch nicht allzu viel. Sie ist schnell wieder an ihrem angestammten Platz, was mich dummerweise wieder mal in falscher Sicherheit wiegt. Die Vorfälle wiederholen sich allerdings in beunruhigender Kadenz. Wieder raus, wieder rein, auch kein Wunder bei diesen Strassenverhältnissen. Aber dann geschieht das Unabwendbare: die Kette springt am vorderen Zahnrad raus, und ich bin am Arsch. Ohne Werkzeug ein Ding der Unmöglichkeit, das Problem zu lösen.

Ich habe Glück im Unglück, denn ich bin sozusagen in der Zivilisation gelandet. Ein Friseurladen ist ganz in der Nähe, also lasse das Velo nach kurzer Überlegung dort stehen, und nehme den Weg zu Fuss in Angriff. Es ist nun noch heisser geworden, noch mühsamer.

Und es ist auch schon ziemlich spät, die Sonne steht bereits ziemlich tief am Horizont. Meiner Schätzung nach sind es noch mehrere Kilometer bis zum Wat Phou, es dürfte also bereits einnachten, wenn ich dort bin. Der Entschluss aufzugeben, fällt mir zwar nicht leicht, aber es ist vernünftig.

Wat Phou

So hätte es ausgesehen, wenn ich es gesehen hätte …

Und so stosse ich etwas später also mein havariertes Velo grummelnd nach Hause. Es ist ziemlich mühsam auf der im Bau begriffenen Unterlage. Zu meiner Überraschung hält der eine oder andere Vorbeifahrende an, um sich erkundigen, ob Hilfe benötigt wird. Ein Einheimischer versucht alles, doch ziemlich vergeblich. Ich bin trotzdem gerührt ob der spontanen Hilfeleistung.

Auch ein älterer Japaner bekundet Mitleid mit dem bedauernswerten Velofahrer zu Fuss und begleitet mich ein paar Kilometer. Sein Englisch ist sehr gut, und ich muss gestehen, dass ich in kurzer Zeit mehr über Japan erfahre als all die Jahre zu vor.

Es dauert also seine Zeit, bis ich endlich im Hotel ankomme. Der Hotelbesitzer krümmt sich vor Lachen, als ich ihm von meinem Missgeschick erzähle. Zumindest erlässt er mir die Kosten für die Vermietung und ist ziemlich stolz darauf.

Das Nachtessen nehme ich in einem gegenüberliegenden Restaurant ein, eine Pizza, gar nicht mal schlecht. Und dann begebe ich mich zur Ruhe nach dem ereignisvollen Tag, zur letzten Nacht in Laos.

PS Song zum Thema:  Apparat ft. Soap & Skin – Goodbye