Der Stupa, rote Frauen und alte Nähmaschinen

Die Stupa thront hoch über dem See und der Stadt, ein idealer Ort, um eine Friedensbotschaft in die Welt zu senden. Meine Bucketlist für Pokhara neigt sich langsam dem Ende entgegen, und so mache ich mich schon am frühen Vormittag (eine Ausnahme) auf, um den Hügel zu besteigen.

Junge Reiher?

Auf dem Weg zum See komme ich immer wieder an den Bäumen vorbei, aus denen schon von weitem lautes Schnattern und Krächzen und Flügelschlagen erklingt. Niemand, auch die Einheimischen nicht, können mir den Namen der wunderbaren Vögel sagen. Ich tippe auf eine nepalesische Gattung von Reihern.

Junge Reiher

Die Äste biegen sich unter der Last der hunderten von Vögeln

Junge Reiher

So wunderbar anzusehen – man könnte ihnen stundenlang zusehen und zuhören

Sie scheinen alle noch in jugendlichem Alter zu sein, weisses Gefieder, Hals und Kopf manchmal gelblich. Es sind soviele (hunderte), dass die Äste sich unter ihrem Gewicht durchbiegen. Ein wunderbares Bild.

Ein schmales Boot und Schwimmwesten

Die kurze Fahrt über den See kostet 500 Rupien, dazu 70 Rupien für die zwingend erforderliche Schwimmweste. Einerseits ein einträgliches Geschäft für den Verleiher, andererseits vermutlich auf schlechte Erfahrungen der Schwimmkünste ihrer Klienten zurückzuführen. Mit mir zusammen wartet ein junges deutsches Paar auf die Abfahrt.

Die Insel

Das Boot ist klein und schmal, der Ruderer sitzt ganz hinten und schwingt sein Werkzeug mit gemächlichen, professionellen, beinahe lautlosen Bewegungen. Wider Erwarten gibt es einen Zwischenhalt auf der kleinen, offenbar heiligen Insel mitten im See.

Hier finden sich vor allem Hindus ein, um im kleinen Tempel ihre Anbetungen an die zahllosen indischen Götter anzubringen. Die Schlange vor dem Eingang ist lang, doch die Gläubigen warten, leise schwatzend, geduldig.

Heiligtum

Offenbar ein hinduistisches Heiligtum

Der Aufstieg

Der Weg zur Stupa hinauf bietet mal wieder Stufen ohne Ende, doch mit dem leichten Gepäck am Rücken ist das alles ein Klacks.

Stufen

Wieder mal Stufen, doch ohne Gepäck ein Klacks

Es wäre sicher schön, allein durch den dichten Wald zu steigen, den würzigen Geruch der Bäume und Gebüsche einzuatmen, um endlich all den Staub und Dreck der Grossstadt loszuwerden. Allerdings bleibt der Solo-Aufstieg eine Illusion, denn vor mir und hinter mir und manchmal auch neben mir keuchen ganze Heerscharen den Berg hinauf.

Der Hügel

Wie nicht anders zu erwarten, bieten bei der Ankunft ganz oben eine ganze Menge Restaurants und Läden ihre Produkte und Dienste an. Ich setze mich auf eine kleine Terrasse, nippe an einem Black Coffee und ärgere mich erneut, dass die Feuchtigkeit der Luft jegliche Fernsicht vermiest.

Pokhara

Pokhara und See im Dunst

Doch der Kaffee ist zur Abwechslung mal erste Sahne. Die Dame am Tresen, bei der ich bezahle, klärt mich auf. Offenbar gibt es hier in der Gegend einen kleinen Kaffeeanbau, von dessen Produkten ich eben eine Tasse voll geniessen durfte. Ich würde gerne einen Sack kaufen, aber wenn ich an meine übervollen Rucksäcke denke, verzichte ich lieber und halte mich an den Ferrari-Kaffee in Dietikon.

Der Stupa

Der Weltfriedesnstupa auf 1113 Meter Höheauf dem Bergkamm gehört zu den schönsten Ausflugszielen in der Umgebung von Pokhara. Er ist 40 Meter hoch und wirkt irgendwie falsch. Zuviel Bombast?

Stupa

Der World Peace Stupa – haut mich nicht aus den Schuhen

Natürlich muss man beim Betreten des Stupas die Schuhe ausziehen und auf jegliche lauten Geräusche verzichten. Wenn ich an die vergleichbaren Stupas in Burma denke, dann wirkt das Ding hier ausgesprochen künstlich. Aber was soll’s, wenn ich schon mal hier bin …

Der Abstieg

Es gibt mehrere Varianten, zurück in die Stadt zu gelangen. Man kann natürlich denselben Weg wählen und das Boot über den See nochmals nehmen. Finde ich nicht so attraktiv. Man kann aber auch einen kürzeren Weg durch den Dschungel nehmen, oder man nimmt den längeren, der allerdings etwas unübersichtlich ist.

Da ich jeweils mit Genuss die falscheste aller Alternativen wähle, ist klar, dass ich die dritte Variante wähle. Wie sich herausstellt, ist auch diese Wahl nicht das Gelbe vom Ei. Die Strasse ist zumindest im oberen Teil einigermassen verkehrsarm, das ändert sich jedoch schnell, als sie in die Hauptstrasse einbiegt, die vom Tal hinten in Richtung Pokharas verläuft. Nun also dichter Verkehr, stinkende und rauchende Busse und Lastwagen, Hupen und Brummen, und einmal mehr die Gefahr, über den Haufen gefahren zu werden. Als ich endlich die Ebene erreiche, sind bereits zwei Stunden verflossen.

Ein Fanta und rotgekleidete Damen

Ich setze mich am Srassenrand an einen Tisch vor einem Shop, bestelle ein Fanta und beobachte wieder mal, mit viel Genuss, das alltägliche Leben an einer gewöhnlichen nepalesischen Strasse. Wie immer ein Schauspiel, eine Operette, ein Drama, manchmal Komödie, manchmal Tragödie, doch immer Leben in all seinen Facetten.

Mein Blick fällt schliesslich auf eine Gruppe wunderschöner, in allen Tönen von Rot gekleideter Damen, sehr würdevollen Schrittes an mir vorbei stolzierend, bis eine ihren Daumen an das eine Nasenloch hebt und sich schnäuzt und damit die ganze stolze Würde auf einen Schlag zerstört …

Lemon Meringue Pie

Nach der selbstverschuldeten, ziemlich sinnlosen Anstrengung habe ich mir ein spezielles Dessert zwar nicht verdient, ich schlage aber trotzdem zu. In meinem favorisierten Restaurant Moondance werden nämlich nicht nur erstklassige Speisen aller Art angeboten, sondern auch ein Lemon Meringue Pie, der schon beim Gedanken daran heftige Pavlov’sche Reaktionen auslöst.

Lemon Meringue Pie

Lemon Meringue Pie und Black Coffee – eine kleine Belohnung

Dem See entlang

Am Nachmittag dann zum letzten Mal der Spaziergang entlang des Sees, eine besondere Attraktion, die mich allerdings etwas an einen Senioren-Urlaub erinnert, der vor allem aus langen Spaziergängen und noch längeren Mittagsschläfchen bestehen soll (wie ich höre).

Ohne Zukunft

Auf halber Strecke kommen mir zwei Jungen entgegen, ziemlich verwahrlost, dem Kindesalter längst entwachsen und auf direktem Weg in eine Zukunft, die keine ist. Der jüngere der beiden stellt sich in Kung-Fu Pose vor mich hin, Herausforderung und Aggression in den bereits erloschenen, kalten Augen. Keine guten Aussichten …

Gespräche über alte Nähmaschinen

Auf der Suche nach Geschenken, die mein beschränktes Platzangebot in den Rucksäcken nicht allzu sehr strapazieren, treffe ich auf einen Schneider, der auf einer uralten Singer-Nähmaschine besonders schönen T-Shirts näht, und komme mit ihm ins Gespräch.

Ich habe hier in Nepal schon einige dieser 50-Jahre Maschinen in Betrieb gesehen,und jedes Mal erinnere ich mich daran, wie wir sie in den sechziger- und siebziger-Jahre genussvoll zertrümmerten, da sie rettungslos ausser Mode gekommen waren. Irgendwie stimmt mich das traurig …

Alte Nähmaschinen

Alte Nähmaschinen – damit fertigt er die wunderbaren T-Shirts an