Trekking Inlé-Lake – Tag 2

Der Morgen fängt gut an, wir sind, trotz Kälte und nächtlichen Störgeräuschen guter Stimmung, geniessen das Frühstück, lachen, schwatzen.

Ein nebliger Morgen

Ganz und gar nicht Burma-like hängt am frühen Morgen ein dünner Nebel in der Luft. Die Bäume im Hintergrund verschwinden in der milchigen Suppe.

Eine wunderbar friedliche Stimmung. Auch bei den Kühen.

Kühe beim Frühstück

Es scheint zu munden

Gnus?

Andere müssen noch auf den ersten Kaffee warten

Morgennebel

Eine milchige Suppe über den Wiesen

Die Phase des gegenseitigen Austausches von mehrheitlich banalen Reiseerlebnissen ist längst vorbei, jetzt sind andere Themen angesagt. Von Game of Thrones bis Königin Beatrix, von Hauspreisen und Heiratsplänen, von dem, was in der Zukunft Angst macht, und dem, was nicht früh genug geschehen kann. Und über den Terrorismus, die Paris-Anschläge und all das, was sich daraus ergeben könnte.

Dann wandern wir los. Zuerst in eine Art Apotheke, wo Sanny jemanden kennt, der ein todsicheres Mittel gegen Durchfall und Bauchschmerzen verkauft. Ich bin etwas misstrauisch, als er mir einen Becher mit einer seltsam aussehenden Flüssigkeit entgegenstreckt. Das Zeug sieht aus, als könnte man damit jemanden vergiften, aber was soll’s – viel schlimmer kann’s nicht werden. Und tatsächlich – im Verlauf des Tages erholt sich mein Magen-Darm-Trakt. Wahrscheinlich vor lauter Schrecken über die ungewohnte Medizin.

Frodo-Country

Heute sind noch einmal knapp 20 Kilometer angesagt, deswegen geht’s früh los, damit wir der sengenden Sonne entgehen können. Wir sind nun ein eingeübter Trupp, fast schon Profis, obwohl die zierliche Stefanie immer noch behauptet, alles, aber sicher keine Wandererin zu sein.

Die ersten paar Kilometer sind eine Reise durch Lord-of-the-Rings Territorium. Fast wie Frodo und seine Begleiter folgen wir dem schmalen Fusspfad, umgeben von mit Spinnweben behangenen Gebüschen, die sich leise im Morgenwind wiegen. Allerdings erinnern die Spinnweben auch an den Düsterwald, wo die 13 Zwerge mit Bilbo auf die mörderischen Riesenspinnen trafen. Das hingegen muss nicht sein. Oder hat sich da was bewegt im dichten Gebüsch?

Spinnweben im Morgennebel

Die Spinnweben glänzen feucht im Morgennebel

Wanderung durch den nebligen Morgen

Und weiter geht die Reise …

Der Aussichtsturm

Irgendwann am Nachmittag fällt uns schon von weitem eine seltsame Konstruktion ins Auge. Ist es ein Aussichtsturm? Und falls ja, wofür? Es gibt weit und breit nichts zu sehen. Natürlich können wir der Versuchung nicht widerstehen, bis ganz nach oben zu klettern. Allerdings schwankt die Konstruktion unter dem Gewicht, und es ist empfehlenswert, die Tragfähigkeit nicht weiter zu testen.

Aussichtsturm

Ein Aussichtsturm wofür? Eine ziemlich schwankenden Angelegenheit

Knaben hinter Gebüschen

Wir werden wieder mal misstrauisch beäugt

Abgebrochener tonnenschwerer Ast

Auch der stärkste Baum ist manchmal machtlos gegen die Schwerkraft

Auf dem Weg zum Inlesee

Wir nähern uns dem Inle-See

Im Schatten des Banyan Baumes

Man kommt sich sehr klein vor im Schatten dieser riesigen Bäume

Zum letzten Mal Kung-Fu

Weiter also durch die wechselnd farbige Landschaft, doch nun geht’s mehrheitlich bergab, der Ebene entgegen, wo der Inle Lake liegt. Wir erreichen ihn sozusagen pünktlich, ein weiteres lukullisches Mittagsmahl erwartet uns, und Sanny gibt zum Abschluss eine weitere Kostprobe seiner KungFu Nummern zum Besten, diesmal mit Stöcken.

Essenspause

Wie immer ein Schmaus

Also eines ist klar, mit ihm möchte ich auf keinen Fall in Streit geraten. Er würde mich – und auch die um einen Kopf grösseren Chris und Sebastian – schlicht und einfach zerschmettern. Der Abschied von ihm, denn ab hier übernimmt uns der Bootsfahrer, ist wehmütig, denn wir wissen, dass wir ihn nie mehr wiedersehen werden.

Abschied von Sanny

Abschied von Sanny – das letzte Bild unserer Truppe

Der Inle-See

Die ersten Kanäle tauchen auf, braunrotes Wasser führend. Boote knattern vorbei, manche mit Lebensmittel gefüllt, die zu den Dörfern auf dem See gebracht werden.

Unser Boot

Man erwartet uns bereits

Seerosen

Seerosen im brackigen Wasser

Ein zwiespältiges Erlebnis

Die Fahrt über den Inle See ist für mich ein zwiespältiges Erlebnis. Die Unterschiede zur Fahrt vor 11 Jahren sind krass: Nun brausen beinahe im Sekundentakt Speedboote vorbei, vollbeladen mit Touristen, das Wasser ist verschmutzt, man hat den Eindruck, als wäre eine allgemeine Zerstörung in Gang gesetzt worden. Was unendlich schade wäre, denn dieses Kleinod sollte dringend geschützt werden.

Hütten auf Stelzen

Hütten auf Stelzen mitten im Inlesee

Fischerboote auf den Kanälen

Fischerboote …

Speedboote

Speedboote mit Touristen…

Nyaungshwe

Und Nyaungshwe kommt näher

Weitere Abschiede

Und dann erreichen wir Nyaung Shwe, und ich sage Goodbye zu Chris und Stefanie, mach’s gut, Sebastian. Wir werden uns nicht wiedersehen.

Das Herz wird ein bisschen schwer.

Nyaung Shwe

Es scheint, dass nicht nur der Inle Lake sich gewandelt hat, sondern auch das früher so friedliche und gemütliche Nyaung Shwe. Ich kann mich an geruhsame Fahrradtouren erinnern, an Strassen ohne Verkehr, an eine entspannte Atmosphäre.

Das ist vorbei. Der Massentourismus hat Einzug gehalten. Die Hauptstrasse ist permanent verstopft, die Luft eignet sich kaum noch zu atmen. Waren vor 11 Jahren ein paar wenige Fahrzeuge auf der Strasse anzutreffen, so sind es heute hunderte, tausende. Überall Staus, Abgase, Hektik, und mitten drin – als Auslöser der ganzen Misere – die Touristen. In Scharen, nicht nur Backpacker, sondern jetzt auch die Vertreter des Massentourismus, riesige Cars, die ganze Wagenladungen ausspucken und auf die Stadt und den See loslassen.

Der Weg zu meinem Hotel ist wesentlich länger als in Booking.com beschrieben, und so bin ich ziemlich erschöpft, als das Emerald Moon Hotel endlich auftaucht. Ein Bungalow mit allen Wunderbarkeiten moderner Hotellerie wartet auf mich. Nicht ganz überraschend, dass ich um acht bereits in tiefem Schlummer liege …