missratene reisepläne

Wenn man Reisepläne macht, ist man vor lauter Euphorie kaum in der Lage, seine Visionen und Träume im Zaum zu halten (zumindest in meinem Fall, andere Leute sind vielleicht etwas realistischer).

Der Plan, einen ansehnlichen Teil Yunnans und im Anschluss auch noch Vietnam und Kambodscha zu bereisen ist ziemlich hirnverbrannt. Das zeigt  die gestrige, kurzfristig anberaumte Analysesitzung mit mir selbst, ein paar Karten, Flug- und Reisezeiten. Es wäre schlicht schade um die wunderschöne Provinz, sie auf diese Weise zu verbraten … Also Goodbye, altes China, wenn mir die Götter positiv gesonnen sind, werde ich wiederkehren, des verspreche ich. Du hast mehr als ein bisschen – entgegen aller Erwartungen – mein Herz gewonnen.

auf der suche nach einem frühstück

Bevor ich mich aber auf den Rückweg nach Laos mache, zuerst ein währschaftes Frühstück für die lange Reise. Weit gefehlt – auch vormittags um 9.00 sind sie meisten Läden noch geschlossen, ebenso sämtliche Restaurants. Zahlreiche Leute sitzen auf den Trottoirs, auf ihren winzig kleinen Stühlen, und schlürfen in aller Gemütsruhe ihre Suppe. Da ich in der Zwischenzeit gelernt habe, dass Fragen im besten Fall zu einem Schulterzucken führt, lasse ich es bleiben.

Heute also kein Frühstück.

und auf der Suche nach meiner reception

Wie bereits erwähnt – im Gebäude, in dem sich mein Hotel befindet, gibt es zahlreiche andere, alle verstreut über zehn oder mehr Etagen, manchmal mehrere auf einer. Das ist das Problem. Ich würde ja gerne auschecken, aber leider weiss ich nur noch das Stockwerk, aber nicht mehr, welche Tür zu meiner Reception führt. Und natürlich sind alle Türen nur auch chinesisch angeschrieben. Und der Korridor kommt mir vor wie in Kafkas Schloss. Unendlich lang.

Was ist da zu tun? Langsam werde ich etwas nervös, denn in einer halben Stunde fährt mein Bus. Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als zu versuchen, die Reception durch ein Ausschlussverfahren zu finden.

Das Klopfen an der ersten und an der zweiten Tür führt zu nichts. Entweder befinden sich die Leute noch im Tiefschlaf, oder es ist niemand zuhause. Bei der dritten Tür habe ich Glück, wobei das verschlafene Gesicht der Dame auf mich einen ziemlich ärgerlichen Eindruck macht. Und natürlich versteht sie kein Wort und schlägt mir dir Tür vor der Nase zu. Ich kann es ihr nicht verdenken.

Irgendwann öffnet sich im hinteren Teil des langgezogenen Korridors eine Tür, und tatsächlich, es ist meine Dame, meine Reception, meine Rettung.

Vor- oder nachname?

Von hier an geht es relativ problemlos weiter – ich finde, zwar mit erheblichen Schwierigkeiten sogar den richtigen Bus, setze mich mitten in eine lärmige Gesellschaft von Treckern, die eben aus den Bergen kommen. Mein ursprünglicher Plan, aber wie gesagt – Pläne, die sich nicht realisieren lassen.

Bye-bye Jinghong

Bye-bye Jinghong

Musiker am Busbahnhof in Jinghong

Eine willkommene musikalische Unterhaltung zum Abschied

Der  Rückweg nach Laos gestaltet sich einfach, es gibt allerdings eine kleine  Schrecksekunde am Zoll. An der chinesischen Passkontrolle werde ich anfänglich skeptisch, dann grimmig, am Schluss alarmiert gemustert, bevor man mich höflich bittet, auf die Seite zu treten und zu warten.

Man berät sich im Hinterstübchen, ist offenbar ein bisschen irritiert, während ich bereits mit der Vorstellung kämpfe, wie Brad Pitt in “Spy Game” in den Tiefen eines chinesischen Gulags versenkt zu werden. Tja, alles klärt sich natürlich in Minne auf. Verwechslung von Vor- und Nachnamen. Tja, Ja, ihr grau-grün-gelb uniformierten, ewig misstrauischen Beamten, es gibt andere Länder, andere Sitten, andere Schriften, merkt euch das.

Und dann bin ich wieder in Luang Lamptha, fast ein bisschen eine Heimkehr. Altes Hotel, altes Restaurant, alte Bekannte. Irgendwie eine beruhigende Feststellung. Oh ja, und für morgen ist ein Trek angesagt …