Der Khonepapheng Wasserfall

Ausflug zum Khonepapheng Wasserfall

Der Khonepapheng Wasserfall ist das heutige Ziel. Es ist viel Zeit vergangen seit meiner letzten Fahrt auf einem Motorrad. Es muss irgendwann in der Achzigerjahren gewesen sein, auf meiner Harley-Davidson.

Ja, auf einer Harley-Davidson, allerdings nur eine gerade mal mit 125 ccm. Ein einziges Jahr wurde diese besondere Ausgabe des berühmten amerikanischen Traums auf zwei Rädern hergestellt, allerdings auf der technischen Grundlage eines italienischen Modells.

In diesem Sinn kann man also kaum von einer echten Harley sprechen. Trotzdem, wenn sich eine Traube junger und älterer Männer um die Harley versammelte, war der Stolz ebenso gross wie wenn es eine Electra Glide in Blue gewesen wäre. Ach, die guten alten Zeiten …

Keine Harley-Davidson, aber trotzdem heisse Luft um die Ohren

Es ist zwar keine Harley-Davidson, mit der mich der junge Laote zum berühmten Wasserfall Khonepapheng bringen will, nicht mal ein richtiges Motorrad, bestenfalls ein Roller.

Aber immerhin, die Fahrt ist eine Freude, auch wenn sie gerade mal eine halbe Stunde dauert. Der Fahrer gibt sich Mühe, fährt langsam und vorsichtig und setzt mich wohlbehalten beim Wasserfall ab.

Khonepapheng
Khonepapheng – ein donnerndes und röhrendes Monstrum

Khonepapheng – Rollender Donner

Man hört das Geräusch der ungeheuren Wassermassen schon von weitem, und dann steht man da und staunt. Schlicht atemberaubend, gigantisch, furchteinflössend. Irgendwo in einem Führer steht, wieviele Millionen Liter pro Sekunde in den Abgrund fallen, wo sie wild schäumend, mit ohrenbetäubendem Tosen, mit überirdischer Kraft alles mitreissen.

Wasserfall
Atemberaubend, gigantisch, furchteinflössend

Es sieht aus, wie eine Beschleunigung aus der Zeitlupe in den Zeitraffer. Das Wasser nähert sich ganz ruhig, ohne Hast, der Kante, scheint einen Moment innezuhalten und fällt dann, leicht erstaunt, in den Abgrund, nimmt in Sekundenschnelle Geschwindigkeit auf, prescht, eingezwängt durch eine schmale Schlucht, nach vorne, um sich dann, leise schäumend, wieder zu beruhigen, als wäre nichts geschehen.

Khonepapheng
Und hier wollten die Franzosen mit Booten hinauf
Khonepapheng
Man sollte das Dröhnen hören

Fischen an gefährlichen Stellen

Es sieht so aus, als ob auch die grössten Gefahren niemanden davon abhalten kann, sich in eben genau diese Gefahren zu begeben. Zum Beispiel fischen im schäumenden Wasser unterhalb des Wasserfalls. Wenn der Junge sich weit hinauswagt, um seine Netze einzuziehen, bleibt das Herz stehen. Eine Sekunde Unachtsamkeit genügt, und er würde in den bösartig zischenden Wellen verschwinden. Keine Chance. Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder diesen Risiken aussetzen, sind klar. Wir alle kennen sie.

Ich verlasse den Jungen mit einem unerwartet schlechten Gefühl und wünsche ihm alles Glück dieser Welt. Mein Fahrer wartet auf mich, ich setze mich auf seinen Roller, das Dröhnen des Flusses verklingt im Hintergrund …

Fischerjunge
Gefährliches Tun unterhalb des Wasserfalls
Fischen beim Khonepapheng
Man hat Angst um sie

Letzter Spaziergang

Ein Spaziergang über die Brücke nach Don Det. Hier führten die Geleise durch, bevor das verrückte Experiment mit der Bahn abgebrochen werden musste.

Brücke
Brücke zwischen Dom Khong und Dom Det

Auf der Nachbarinsel ist es ruhiger als auf Don Khon. Ein wunderbarer, langamer, gedankenverlorener Spaziergang dem Meer entlang, zwischen Guesthouses und den üblichen stelzbeinigen Behausungen der Einheimischen. Und ich treffe, wahrscheinlich zum letzten Mal, das französisch / neuseeländische Paar. Die Freude ist wie immer gegenseitig. Das ist wie immer irgendwie auch traurig, dass man Menschen kennenlernt, die sympathisch sind und alle Eigenschaften einer möglichen Freundschaft in sich tragen, und man weiss, dass man sie nie mehr wiedersehen wird.

Letzter Tag

Nun also der letzte Tag. Morgen zum ersten Mal seit langem Richtung Norden, Champasakh und die Kher-Ruinen warten, alles andere, der Weitertransport nach Ubon und anschliessend Bangkok wird sich ergeben. Ich werde zwar mit einem weinenden Auge Abschied nehmen, allerdings wäre es mit der Zeit doch etwas langweilig und auch etwas heiss geworden. Ich schlafe zwar in Anbetracht der Temperaturen gar nicht mal so schlecht, im Grunde sogar immer besser. Aber es gibt nicht allzu viel zu tun. Ausser den gelegentlichen Spaziergängen über die Insel, die ja schnell erkundet ist, essen und trinken, lesen gibt es buchstäblich nichts zu tun. Immerhin habe ich meinen Dickens, der fast 40 Jahre darauf gewartet hat, endlich gelesen zu werden.

Dann also der letzte Abend. Nicht anhaften, sagt Buddha, und er hat ja wie immer recht, aber das wird trotzdem schwierig werden morgen früh, die Wehmut zu unterdrücken. Aber es geht vorwärts wie alles im Leben.

PS Song zum Thema:  Serge Gainsbourg – Harley Davidson

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