Das Abenteuer beginnt – Teil 1

Heute steht der Nam Ou auf dem Programm. Das wird hoffentlich genau der verrückte und etwas gefährliche Trip werden, den ich mir erträumt habe. Die Kellnerin im Restaurant, in dem ich kurz nach sieben hastig eine Omelette und einen wirklich guten Kaffee zu mir nehme, ist definitiv kein Kandidat für den Oskar an Freundlichkeit. Vielleicht ist es einfach noch zu früh am Morgen. Oder einfach ein blödes Kaff.

Frühstück mit Kaffee Nom

Wenigstens der Kaffee ist ausgezeichnet

Reto

Kurz vor acht bin an der Anlegestelle, wo sich bereits ein ansehnlicher Haufen anderer Touristen eingefunden hat, darunter ein Schweizer, den ich an seinem Englischakzent aus einer Million heraus hätte identifizieren können. Er heisst Reto, ein Aargauer, etwas jünger als ich. Später stellt sich heraus, dass er bereits seit Jahren unterwegs ist, Haus und Job in der Schweiz aufgegeben hat und nun die Welt als Heimat angenommen hat.

Anlegestelle am Nam Ou

Anlegestelle am Nam Ou

Abfahrtsort des Nam Ou

Hier beginnt das Abenteuer auf dem Nam Ou

Nachdem sich die wartenden Touristen im Boot bequem gemacht haben, stösst das vollbeladene Boot pünktlich um 9.30 ab. Das Abenteuer beginnt.

Nam Ou

Im Boot auf dem Nam Ou

Stromschnellen und ein wackliges Boot

Und ein Abenteuer ist es fürwahr. Es könnte der Höhepunkt dieser Reise werden (was tatsächlich auch so sein wird). Das Ufer, von Bäumen, Gebüschen und kargen Wiesen gesäumt, gleitet schnell, viel schneller als vorgestellt, vorbei; der Aussenbordmotor knattert und röhrt und bringt das schmale Holzboot zum pfeilschnellen Gleiten auf dem unruhigen Fluss.

Es hat Platz für knapp 10 Personen, die zu beiden Seiten hintereinander sitzen. Der Kapitän sitzt majestätisch vorne am Bug, in der Hand lässig das Steuerrad, in der andern Hand eine Zigarette. Wir sind ein farbiger Haufen.

Urwald und riesige Bäume

Im Hintergrund, an den hügligen Gebirgszügen entlang, zieht sich ein dichter Urwald bis zum Horizont. Riesige Bäume,mir völlig unbekannt, stossen bis zum Himmel, andere neigen sich mit ausladenden Kronen, Schatten verbreitend, über das Ufer. Das Wasser ist schnell, gleitet schäumend an den ausgewaschenen Ufern vorbei, das Boot ruckelt und zuckelt, und es dauert nicht lange, bis uns die erste Stromschnelle durchschüttelt.

Stromschnellen

Erste Stromschnellen

Neugierige Wasserbüffel

Wir werden neugierig, wenn auch etwas gelangweilt, beobachtet

Ruhiger Abschnitt

Manchmal ein ruhiger Abschnitt …

Brücke im Bau

… dann wieder Vorboten der Zukunft

Wir sind begeistert, glauben an das grosse Abenteuer, in Unkenntnis davon, dass dies erst der Beginn ist. Die wirklich furchterregenden Stromschnellen liegen flussabwärts, aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

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Ein holländischer Gentleman

Irgendwo im Niemandsland wechseln wir das Boot, niemand weiss den Grund, aber es ist letztlich egal. Allerdings ist das Boot grösser, vor allem kann es mehr Gepäck aufnehmen. Aus einem offenbar nahegelegenen Dorf tragen Männer und zierliche Frauen gewaltige Lasten herbei, die allesamt ins Boot verladen werden. Wenn das bloss gut geht.

Ein Holländer bietet sich ganz Gentleman-like an, beim Transport zu helfen, und gerät kurz, obwohl einen Kopf grösser und wesentlich breitschultriger als die schwachbrüstigen Laoten, an seine körperlichen Grenzen. Sein Keuchen ist von weitem zu hören. Wir bemitleiden ihn alle, aber nur ein bisschen …

Mutter mit Kind und Gepäck

Gepäck, Kinder und ein freundliches Lächeln

Weitere Stromschnellen, immer ein wenig furchterregender werdend, ein wilder Tanz auf den Wellen, der Bug hebt und senkt sich im Takt des Wassers, das peitschend am Boot rüttelt. Manchmal wird man nass und fühlt sich wunderbar. Was sind wir bloss für wilde Kerle …

Muang Ngoi

Nach Stunden ruhigen und dann wieder wilden Treibens auf dem Fluss, erreichen wir Muang Ngoi. Es ist einer der Orte, die jeder Traveller kennt und in denen es garantiert wimmelt von kleinen Läden und Restaurants, wo du alles erhältst, wonach sich dein Herz sehnt. Er ist nur über den Fluss erreichbar, was ihn speziell und gottlob etwas abseits macht.

Muang Ngoi

Anlagestelle in Muang Ngoi

Zimmer mit schlechtem Ruf

Ich nehme ein Zimmer in einem sauberen und günstigen Hotel (Fr. 7.- pro Nacht). Jemand erzählt, dass dieses Zimmer meistens frei steht. Offenbar wurde hier vor einiger Zeit ein junges Paar tot aufgefunden steht (deswegen der niedrige Preis?). Ich bin höchstens ein bisschen abergläubisch, also soll mich diese traurige Geschichte nicht gross beeinflussen (und tatsächlich: ich schlafe beide Nächte fest und tief wie ein Baby).

Unser Hotel

Ein erstklassiges Hotel mit teilweise schlechtem Ruf

Mein Hotelzimmer

In diesem wunderbaren Zimmer scheint sich eine Tragödie abgespielt zu haben

Seltsame Souvenirs

Wir essen eine Kleinigkeit auf der Terrasse, schwatzen über Gott und die Welt, machen einen Rundgang durch das wirklich herzige Kaff. An allen Ecken raucht und riecht es nach allerhand Köstlichkeiten, und manchmal steht irgendwo an einer Ecke der Überrest einer Fliegerbombe aus dem Vietnamkrieg. Seltsame Souvenirs! Eine grosse Anzahl Backpackers streunen durch die Gassen und unbefestigten Strässchen.

Backpacker Hotspot

Eine typische Hauptstrasse in einem Backpacker Hotspot

Gassen

Gassen wie vor hundert Jahren

Alte Flugzeugbomben

Etwas irritierende Souvenirs aus dem Vietnamkrieg

Ausblick Nam Ou

Ausblick auf den Nam Ou bei einem kühlen Bier

Das Dorf gefällt mir wirklich, und deshalb entschliesse ich mich kurzfristig, noch etwas hierzubleiben und am nächsten Tag einen Trip ins nächste Dorf zu unternehmen. Der Abend ist kühl, um zehn wird der Strom abgestellt, und ich stehe mit meiner Zahnbürste im Dunkel …

PS Song zum Thema:  The Killers – This River is wild