Nordwärts zum Mekong

 

Nun also wieder der Anfang. Das langsame Herantasten an eine neue Umgebung, an Sonne und Wärme, eine andere Kultur, eine andere Sprache, andere Gesichter. Lächelnde, freundliche, runde Thai-Gesichter, die so schwer zu lesen sind.


Ein neuer Anfang in Chiang Mai

Vor mir der Fluss, der Ping River, dreckig-braun, ruhig, unaufgeregt vor sich hin fliessend, vom leichten Morgenwind gekräuselt, hinter mir blühende duftende Sträucher (Bougainvilleas?), auf dem Tisch das erste Frühstück,  American Breakfast mit Kaffee, schwarz und schwer und süss wie die Hölle, vor mir Rührei, Toast, Butter und rosa Konfi, an Chemie und Zusatzstoffe erinnernd. Aber gut. In diesem Augenblick würde ich alles essen und alles gut finden.

Und irgendwo im Gebüsch gurrt eine unsichtbare Taube.

Es könnte Frühling sein, irgendwo, vielleicht sogar in der Schweiz. Aber es ist nicht irgendwo.

Es ist Februar, und ich bin in Chiang Mai, mitten im unruhigen pulsierenden Zentrum Nordthailands.

Schnee und Kälte sind bereits eine ferne Erinnerung.


Ein paar Stunden früher …

Der Flug ist angenehm. Nach Dubai ist es heller Tag, und so bleibt es bis über Pakistan, wo sich die Wolken auflösen und den Blick auf eine öde Wüste öffnen.

Dann wird der Himmel erst farbiger, dann gelber, die Sonne verschwindet am andern Ende des Horizonts und hinterlässt eine warme Spur aus Licht und Farben, bis sich auch diese auflösen und Dunkelheit sich breit macht.

Das Meer, nach der Überquerung von Indien, wird schwarz in der dunklen Nacht, aber irgendwann wird es heller,  als wir uns uns dem Lichtermeer Bangkoks  nähern, das wir erst überfliegen und dann von der andern Seite her ansteuern.

Touchdown.

Und ein paar Stunden später, lande ich, einmal mehr, diesmal in dunkler Nacht, in Chiang Mai, zum dritten, vierten, fünften Mal, und wieder suche ich nach Taxis, finde sie endlich, auf zum Galare Guesthouse, auch einmal mehr. Ich weiss sogar, wo das Taxi abbiegen muss, um in die schmale Gasse zu gelangen, die zum Hotel führt.

Und dann, endlich, das Zimmer, die Dusche, das Bett, der Schlaf …


Glücksmomente

Es gibt diese Glücksmomente, die immer dann eintreffen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Der erste in dem Augenblick, da ich das verdunkelte Hotelzimmer verlasse, hinaustrete in den nach Sommer und Wärme und Frische duftenden Morgen, der Kopf noch schwer vom langen Schlaf, die Augen geschwollen, der Blick verschleiert. Eine Explosion der Sinne, es kommt mir vor, als würde das System in diesem einen Augenblick in einen anderen Modus geschaltet.

Die Erwartungen sind gross. Ich bin da, und alles liegt offen vor mir.


Verändert und doch gleich

Fried Rice
Es schmeckt genauso gut wie es aussieht

Und jetzt: ein paar Stunden später, im Gewühl der Stadt, irgendwo in einer etwas ruhigeren Ecke im Schatten von blühenden Bäumen, Fried Noodles mit Ei und ein schrecklich aussehendes riesiges Glas mit einer rosa Flüssigkeit darin, Red Soda, mit tausend Eiswürfeln. Ich bin zwar durstig, aber auf diese Erfrischung kann ich verzichten. Schliesslich geht es morgen weiter, mit dem Green Bus in Richtung Norden, nach Chiang Khong, zu meinem geliebten Mekong, da kann ich mir keinen Durchfall leisten.


Endlich auf dem Weg

Ich bin endlich auf dem Weg nordwärts zum Mekong oder wenigstens bis Chiang Khong, wo ich endlich wieder meinen alten Freund, den Mekong, antreffen werde.

Zur Abwechslung mal kein heruntergekommener Local Bus, sondern ein VIP-Bus, die Carosserie glänzt im Sonnenschein, als wäre sie frisch geschrubbt und poliert worden.

Die resolute Dame, verantwortlich für die Innenorganisation, weist mir mit strengem Blick meinen Platz zu und überreicht mit salbungsvoller Miene ein Lunchpaket (!). Darin versteckt sich ein Softdrink (süss),  eine Art Sandwich (trocken) und etwas Süsses (undefinierbar).

 

Chiang Mai - Chiang Khong
Chiang Mai – Chiang Khong, Perron 19

Nordwärts

Vor dem Fenster huschen Reisfelder vorbei, die meisten vertrocknet (dry Season), einige mit bleichem Wasser gefüllt. Auf graslosen Wiesen ein paar verstreute, erstaunlich magere Rinder, die Köpfe tief gesenkt, auf der Suche nach Nahrung.

Manchmal ein niedriges Dach, darüber eine reglos schwebende Säule aus schwärzlichem Rauch, am Strassenrand ein schwarzfelliger Esel, daneben ein mit Kisten beladenes Fuhrwerk. Aber auch Autos, viele, viele Autos, allesamt asiatischer Herkunft. Die Solidarität spielt …

Die schmalgliedrigen Hände des Buschauffeurs liegen entspannt auf dem Steuerrad, mit eleganten, beinahe zärtlichen Bewegungen dreht er daran, und immer eine winzige Nuance, bevor sich das Fahrzeug in die Kurve legt, neigt er den Körper in die erwartete Richtung. Manchmal treffen sich unsere Blicke im Rückspiegel, ein kurzer Kontakt zwischen zwei Welten

 


Mit dem VIP-Bus nach Chiang Khong

Die Fahrt  ist ereignislos, ich habe schlecht geschlafen und nicke immer wieder ein. Allerdings bekommt man auch im Halbschlaf das Tempo mit, das der Chauffeur einschlägt: Er blocht mit 80 Sachen durch die Dörfer, ohne sich gross um die anderen Verkehrsteilnehmer zu kümmern. Man merke sich: der Grössere ist immer der Stärkere. Das ist mir aus meinem ersten Indientrip in lebhafter, wenn auch schmerzlicher Erinnerung  geblieben.

 

Mekong
Da ist er endlich – der Mekong

Dann Chiang Khong,, das Tagesziel, am Mekong gelegen. Da ist er endlich, mein Mekong, auf den ich mich so lange gefreut habe. Breit, braun, schnell, massig, kräftig. Ein Monster von einem Fluss. Man begrüsst sich wie alte  Freunde …

Und da ist mein alter Freund, ein Langzeit-Traveller, der sich seit vielen Jahren in Asien  herumtreibt. Es gibt viel zu erzählen bis am späten Abend. Es wird erstaunlich kalt, was in der Nacht dazu führt, dass ich wider Erwarten auf meine im letzten Moment eingepackte warme Unterwäsche zurückgreifen muss  …


PS Song zum Thema: Bishop Briggs – River


Uns hier geht die Reise weiter …

 

 

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