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Kategorie: Südostasien Seite 1 von 4

Backpacking durch Südostasien

Eine Reise durch das pulsierende Herz Südostasiens

Backpacking durch Südostasien. Die Idee, ohne klare Ziele oder Route zu reisen, geistert schon lange durch meine Träume. Alles soll schwebend bleiben, unklar. Sich hineinfallen lassen in die Ungewissheit, ins Unvorhergesehene, ins Überraschende. Von Tag zu Tag schauen, wo’s hingehen könnte. In Sekundenschnelle alle Pläne ändern.

Südostasien aber soll es sein. Eine Art Pilgerreise durch Thailand, Laos, Vietnam, Kambodscha, vielleicht sogar China. Die Provinz Yunnan liegt sozusagen in Griffweite. Warum nicht über die Grenze von Laos nach China, dann nach Nordosten bis Kunming und von Norden her dann nach Vietnam? Alles möglich. Aber vielleicht wird es am Schluss ganz anders.

Aber vorläufig ist nur der Start in Chiang Mai bekannt, nichts ist organisiert, nur der Flug und das erste Hotel. Alles andere wird sich geben …

Thailand

Chiang Mai

Inmitten des Gewühls ein Tempel

Ein Trip durch Südostasien beginnt am besten in Thailand. Wer Bangkok und den Süden bereits kennt, fliegt vorteilhafterweise direkt nach Chiang Mai. Von hier aus geht’s in den Norden und danach – wer weiss, wohin die Flügel tragen.

Die Stadt hat sich allerdings verändert und ist zu einem lauten und hektischen Monstrum geworden. Es lohnt sich jedoch trotzdem, ein paar Tage zum Angewöhnen hier zu verbringen.

Hier ein paar Tipps:

  • In der Altstadt von Chiang Mai wimmelt es von preiswerten Unterkünften und Restaurants. Ausserdem besteht hier eine gute Chance, andere Travellers kennenzulernen. Nie schlecht, wenn man allein unterwegs ist. Man kann sich in aller Ruhe an das veränderte Klima gewöhnen, an die asiatische Kultur, das Leben, das Essen …
  • Angebote für die Reise in den Norden in Richtung der laotischen Grenze und zum Mekong oder weiter bis Luang Prabang gibt es zuhauf: Hotels oder zahlreiche Reisebüros bieten das Vollprogramm. Die Preise unterscheiden sich nicht wesentlich, die Qualität der Angebote dürfte aber je nach Anbieter abweichen (siehe Blog).
  • Wer die Flussfahrt auf dem Mekong nach Luang Prabang machen will, kann den ganzen Trip im Voraus buchen. Im Angebot inbegriffen ist die Fahrt per Minibus nach Chiang Khong und die dortige Übernachtung sowie die Fahrt mit dem Schiff nach Luang Prabang (Dauer 2 Tage). Die Übernachtung im Zwischenstopp Pak Beng muss allerdings selbst organisiert und bezahlt werden. Ein günstiges Zimmer zu finden, ist kein Problem.

Laos

Luang Prabang

Ein junger Mönch in Luang Prabang

Der erste Höhepunkt. Ein Highlight. Im Vergleich zu Thailand ist Laos ein Entwicklungsland, arm und rückständig, aber wie so oft mit überwältigend freundlichen Menschen, die das manchmal anstrengende Reisen zu einem Genuss machen.

Bis vor wenigen Jahren wurde der Mekong per Fähre überquert. Das ist Vergangenheit. Es gibt keine Fähre mehr, keine Treppe, kein Gewusel mehr am Zollposten, dafür eine breite Brücke, bewacht von zwei protzigen  Gebäuden auf beiden Seiten der Grenze. Man ist in Nullkommanix auf der anderen Seite, und als Schweizer braucht man aus unerfindlichen Gründen kein Visum für einen 2-wöchigen Aufenthalt.

Und ein paar Tipps:

  • Die Flussfahrt auf dem Mekong von Houayxay nach Luang Prabang ist natürlich eine Touristenfalle erster Ordnung, Trotzdem sollte man sie nicht verpassen. Eine unvergessliche Fahrt entlang malerischer Uferabschnitte, durch wilde Stromschnellen, entlang gefährlich aussehender Felsen und Untiefen. Und das alles in Gesellschaft Gleichgesinnter … Unvergleichlich.
  • Luang Prabang – obwohl immer mehr von chinesischen Touristenhorden okkupiert – ist ein absolutes Must. Der Höhepunkt jeder Laosreise. Mit dem schönsten aller Wats – Wat Xieng Thong. Einige der Tempel sind nicht nur schön, sondern in ihrer zeitlosen Pracht schlicht umwerfend. Es fängt an mit den Malereien, an denen sich auch das Auge nicht sattsehen kann. Vögel, Tiere, Gottheiten, in allen Farben des Spektrums, die auch nach so vielen Jahren (oder Jahrhunderten) noch immer verzaubern. Ob man sich allerdings in die Menge Schaulustiger einreihen will, die am frühen Morgen den täglichen Bettelgang der buddhistischen Mönche bestaunen und vor allem fotographieren möchten, ist jedem selbst überlassen. Ich rate davon ab.
  • Der Norden. In Luang Namtha, einem verträumten (noch) kleinen Kaff im Norden, einem typischen Backpacker-Hotspot, lassen sich unterschiedliche Trecks durch den Dschungel organisieren. Und wer den Kurztripp nach Yunnan in China machen will, ist hier am richtigen Ort.
  • Der Nam Ou. Ein schmerzliches Kapitel. Bis vor einigen Jahren konnte man eine unvergessliche Flussfahrt in schmalen Booten von Muang Khoua via Muang Ngoi  bis nach Luang Prabang machen. Alles vorbei. Der von Chinesen erbaute Damm verunmöglicht diese Fahrt, geblieben ist ein kümmerlicher Rest. Schade. Sehr sehr schade. Ich verweise auf den Blog zum Thema Laos; dieser ist allerdings noch im Entstehen begriffen, sorry.
  • Der Süden. Kurz vor der kambodschanischen Grenze im Süden von Laos wird der Mekong zu einem gigantischen Archipel, gebildet aus Tausend Inseln in jeder Grösse. Die beiden Schwesterinseln Dom Khon und Dom Det sind die grössten und bilden zusammen einen touristischen Hotspot erster Ordnung, ein Königreich für alle Travellers und Backpackers.

Yunnan – China

Jinghong

Strassenkreuzung in Jinghong

Das Wichtigste zuerst – Yunnan ist nicht China. Die ethische Melange dieser südlichsten Provinz ist alles, nur nicht das, was man sich gemeinhin von China vorstellt. Es strömt eine ganz und gar unchinesische Gelassenheit und Ruhe aus. Keine Hektik, kein Stress, die Läden sind auch um 9 Uhr Vormittags noch geschlossen, die Ladeninhaber sitzen auf winzigen Stühlen und schlürfen in aller Ruhe ihre Nudelsuppe.

Ein paar Tipps zu Jinghong:

  • Jinghong liegt ebenfalls am Mekong; allerdings heisst er hier Lancang River. Die Stadt ist eine gute Wahl für unerfahrene China-Touristen, relativ übersichtlich und klein für chinesische Begriffe, allerdings bietet sie nicht allzuviel Attraktives. Zu diesem Zweck muss man sich ausserhalb der Stadt, in den kleinen Dörfern, umsehen.
  • Niemand, wirklich niemand, spricht eine Fremdsprache. Man muss sich letztlich darauf verlassen, auf gut Glück einen Fremden zu treffen, der erstens Mandarin spricht und zweitens weiterhelfen kann.
  • Alle Beschriftungen sind grundsätzlich in chinesischen Schriftzeichen geschrieben, also ein ziemliches Problem für Ausländer. Unbedingt eine Visitenkarte des Hotels in Mandarin mit sich tragen, um den Weg zurück zum Hotel zu finden.
  • Hotels befinden sich häufig in riesigen Wohnblöcken auf unterschiedlichen Etagen. Es kann also gut sein, dass man auf dem sechsten Stock in einem unendlich langen Flur die richtige Rezeption finden muss. Wenn man sie vergisst, ist Panik angesagt (siehe Blog).

Vietnam

Mui Ne

Fischerboote in der Nähe von Mui Ne

Zuallererst – Vietnam ist grossartig. Wenn man an die 60-Jahre zurückdenkt, an den grausamen Krieg zwischen den Amerikanern und den Vietkong, kann man sich vorstellen, welche Leiden dieses Volk mitgemacht hat. Und man vergesse nicht – die Vietnamesen haben noch jeden Krieg gewonnen. Gegen die Franzosen, die Amis, sogar die Chinesen haben sich irgendwann frustriert zurückgezogen.

Aber jetzt ist das Land in einer Explosion der Entwicklung begriffen. Eine Stunde in der Altstadt Hanois zeigt alles: die ungeheure Dynamik, das Tempo, den Willen, etwas zu erreichen. Kurz – man ist erschlagen. Vom Lärm, vom Tempo, von allem.

Ein paar Tipps:

  • Man kann in Vietnam einiges verpassen (die berühmte Ha Long Bucht beispielsweise), aber niemals Hanoi. Die Stadt ist umwerfend, aber auch ziemlich anstrengend. Vor allem die Altstadt – Synonym für Hektik, für Lärm und Gestank, für Millionen von Motorrädern, die irgendwie (trotz permanentem Blick auf das Handy) aneinander vorbeikommen. Alles in allem (wenn man es erträgt) – ein Sinnesgenuss erster Ordnung!
  • Ein makabrer Höhepunkt: Onkel Ho-Chi-Minhs Sakophag. In der Mitte des Raumes, beleuchtet von grellem weissem Licht, liegt der Sarkophag, darin, bleich, von der Totenstarre gezeichnet, mit spitzer Nase, liegt Uncle Ho, für die Ewigkeit der Neugier seiner Nachfahren ausgesetzt. Eine wirkliche Totenstille umgibt ihn, man hört lediglich das leise Tapsen der Füsse auf dem Boden, manchmal das erschreckte Einatmen eines Kindes, das leise Hüsteln eines Ergriffenen (siehe Blog).
  • Das intellektuelle, spirituelle und historische Zentrum Vietnams – Hué. Die Kaiserstadt. Und eine der schlimmsten Kampfzonen des Vietnamkrieges. Es ist kaum zu glauben, aber diese alte Stadt mit ihren heute als UNESCO-Welterbe deklarierten Stätten wurde während langer Zeit schwerstens bombardiert.
  • Hoi An ist ein weiteres, ausnahmsweise nicht vom Krieg zerstörtes, kulturelles Erbe Vietnams (und ein bisschen auch Frankreichs). Die Strassen quillen über vor Touristen, der grösste Teil davon Japaner und Chinesen. Hoi An war während langer Zeit eine Handelsstation der beiden Länder, und beide Völker haben ihre Spuren hinterlassen, darunter als besonderes Highlight die gedeckte japanische Brücke, auf der sich Trauben von Touristen tummeln.
  • Mui Ne war bis vor einigen Jahren ein unscheinbares Fischerdorf, heute ein einige Kilometer langes Ferienkaff, mit endlos weissen Stränden, so wie es die Werbung weismachen will, mit zahlreichen Restaurants, die das kulinarische Herz erfreuen und die Kassen der Wirte füllen soll.
  • Bei der Ankunft in Saigon, diesem Sündenpfuhl, ist der Unterschied zu Hanoi ist bestenfalls an den etwas breiteren Strassen und dem Klima zu erkennen, alles andere ist gleich, also auch die Millionen von Autos und Töffs, die sich gegenseitig den Platz streitig machen.
  • Das Mekongdelta. Der Mekong hat seine homogene Form längst verloren, ist zu einem vielarmigen Kraken geworden, der ein hunderte Kilometer breites Delta geschaffen hat, ein Spinnennetz von Flussarmen, Kanälen, schmalen und breiten Wasserläufen, an deren Ufer Millionen von Menschen leben. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum südchinesischen Meer, wo er endlich – vielleicht etwas müde geworden und träge – sein Ziel erreicht.

Kambodscha

Angkor Wat

Sonnenaufgang hinter den Tempeln von Angkor Wat

Nach den hektischen Tagen in Vietnam ist Kambodscha ein Ort des Durchatmens. Vielleicht nicht gerade in Phnom Penh, aber sicher ausserhalb der Hauptstadt. In Kep, dem kleinen verträumten Ort am Meer oder Kampot etwas nördlich davon.

Und da ist natürlich Siem Reap mit der grössten und eindruckvollsten Tempelanlage der Welt – Angkor Wat. Die Schönheit trotzt den Touristenmassen. Und das will was heissen!

Wie üblich ein paar Tipps:

  • Phnom Penh, die Hauptstadt des alten und neuen Kmerreiches. Der Vergangenheit ist nicht zu entgehen, spätestens bei einem Besuch im berüchtigten Gefängnis der Roten Khmer – Tuol Sleng. Schon der Name klingt wie eine Drohung, wie das Böse an sich. Man muss es nachlesen, um den Horror zu begreifen. Trotzdem nicht verpassen. Es ist allerdings angesagt, im Nachhinein eine Pause einzulegen, um die Eindrücke zu verarbeiten. Und zu erkennen, zu welchen Verbrechen der Mensch fähig ist.
  • Kep ist ein kleines unbeachtetes Dorf am Meer. Wenn man die Grenze von Vietnam her überquert, ist es der erste Kontakt mit dem Land. Ich habe hier eines der freundlichsten und wunderbarsten Hotels der ganzen Reise gefunden, zwar etwas abgelegen, aber perfekt, um Abstand und Ruhe zu finden.
  • Kampot, auf dem Weg nach Phnom Penh gelegen, lohnt einen Kurzabstecher, wie Kep eher ruhig und deswegen ideal, um vor der Hektik des Nordens nochmals durchzuatmen.
  • Siem Reap, den Schweizern natürlich bekannt als der Ort, wo Beat Richner, ein Schweizer Kinderarzt und Musiker, durch den Aufbau von Kinderspitälern in Kambodscha bekannt wurde. Allen anderen natürlich als Ausgangspunkt nach Angkor Wat. Der Ort ist lärmig und durch zuviel Verkehr verpestet, ausserdem von Touristenhorden überquellend. Aber hat trotz allem einen gewissen Reiz, vor allem ausserhalb des Zentrums.
  • Angkor Wat ist wahrscheinlich die berühmteste Tempelanlage der Welt und zieht jährlich Millionen von Touristen aus aller Welt in ihren Bann. Wobei wir damit bereits bei den positiven wie auch den negativen Seiten des Ruhms sind (siehe Blog).

Chiang Mai – Touchdown

Ein neuer Anfang

Chiang Mai – Touchdown. Endlich. Nun also wieder der Anfang. Das langsame Herantasten an eine neue Umgebung, an Sonne und Wärme, eine andere Kultur, eine andere Sprache, andere Gesichter. Lächelnde, freundliche, runde Thai-Gesichter, die so schwer zu lesen sind.

Vor mir der Fluss, dreckig-braun (Löss? Verschmutzung?), ruhig, unaufgeregt vor sich hin fliessend, vom leichten Morgenwind gekräuselt, hinter mir blühende duftende Sträucher (Bougainvilleas?), auf dem Tisch das erste Frühstück (American Breakfast mit Tonnen von gesüsstem Kaffee, der den Adrenalinspiegel in ungeahnte Höhen treibt). Und irgendwo im Gebüsch gurrt eine unsichtbare Taube.

IMG_0221Es könnte Frühling sein, irgendwo, vielleicht sogar in der Schweiz. Aber es ist nicht irgendwo. Schon gar nicht in der Schweiz.

Es ist Februar, der 5. um genau zu sein, und ich bin in Chiang Mai, mitten im unruhigen pulsierenden Zentrum Nordthailands. Und ich fühle mich so wunderbar wie dieser Morgen.

Aber die Müdigkeit steckt noch drückend schwer in den Knochen, die  lange anstrengende Reise hat Spuren hinterlassen, aber noch brennt das System weiter, unruhig, nervös, getrieben von Energie und Leistung. Aber das wird sich geben. Schnee und Kälte sind bereits eine ferne Erinnerung. Nur meine Nase bleibt verstopft. Was soll’s.

Ein paar Stunden früher …
Endlich!

Endlich!

Der Flug ist angenehm. Nach Dubai ist es heller Tag, der Blick schweift immer wieder aus dem Fenster, ein Lächeln zieht um meine Mundwinkel, als wir die dichte Wolkendecke durchstossen und zum ersten Mal die Sonne aufblinkt. So bleibt es bis über Pakistan, wo sich die Wolken auflösen und den Blick auf eine öde Wüste öffnen. Ich kann mir nicht erklären, was es ist, aber es sieht schön aus. Vielleicht weil ich vor vielen Jahren diese verbrannte Gegend durchquert habe, und einmal mehr holt mich die surreale Einsicht ein, dass wir für die Strecke bis hierher einige Wochen anstrengenden Fahrens benötigten, während wir hier, zehntausend Meter über der Erde, gerade mal einige Stunden unterwegs sind.

Dann wird der Himmel erst farbiger, dann gelber, die Sonne verschwindet am andern Ende des Horizonts und hinterlässt eine warme Spur aus Licht und Farben, bis sich auch diese auflösen und Dunkelheit sich breit macht. Das Meer, nach der Überquerung von Indien, wird schwarz in der dunklen Nacht, aber irgendwann wird es heller,  als wir uns uns dem Lichtermeer Bangkoks  nähern, das wir erst überfliegen (Warteschlage) und dann von der andern Seite her ansteuern.

Touchdown. Ich bin da, endlich …

Und ein paar Stunden später, lande ich, einmal mehr, diesmal in dunkler Nacht, in Chiang Mai, zum dritten, vierten, fünften Mal, und wieder suche ich nach Taxis, finde sie endlich, auf zum Galare Guesthouse, auch einmal mehr. Ich weiss sogar, wo das Taxi abbiegen muss, um in die schmale Gasse zu gelangen, die zum Hotel führt.

Und dann, endlich, das Zimmer, die Dusche, das Bett, der Schlaf …

Fried Noodles mit Ei

Glücksmomente

Es gibt diese Glücksmomente, die immer dann eintreffen, wenn man sie am wenigsten erwartet. Der erste in dem Augenblick, da ich das verdunkelte Hotelzimmer verlasse, hinaustrete in den nach Sommer und Wärme und Frische duftenden Morgen, der Kopf noch schwer vom langen Schlaf, die Augen geschwollen, der Blick verschleiert. Eine Explosion der Sinne, es kommt mir vor, als würde das System in diesem einen Augenblick in einen anderen Modus geschaltet.

Die Erwartungen sind gross. Ich bin da, und alles liegt offen vor mir. So wie das letzte Mal.

Frühstück am Ping River

Dann der zweite, am Ufer des Ping River, beim ersten Kaffee, schwarz und schwer und süss wie die Hölle, vor mir Rührei, Toast, Butter und rosa Konfi, nicht ganz wie bei Muttern, eher an Chemie und Zusatzstoffe erinnernd. Aber gut. In diesem Augenblick würde ich alles essen und alles gut finden. Sowas geschieht mit einem, wenn man sich wegbegibt, sich hineinfallen lässt in die Ungewissheit. Für alle, die das weder kennen noch sich vorstellen können: es sind genau diese Momente, die das Reisen so unbeschreiblich machen, so süchtigmachend. Ein Virus, der lebenslang anhält, dem man sich nicht entziehen kann, eine wunderbare Krankheit, die einzige, die es lohnt, nicht zu behandeln …

Donald Duck

Buddhismus pur – auch Donald gehört dazu

verändert und doch gleich

Und jetzt: ein paar Stunden später, im Gewühl der Stadt, irgendwo in einer etwas ruhigeren Ecke im Schatten von blühenden Bäumen, Fried Noodles mit Ei und ein schrecklich aussehendes riesiges Glas mit einer rosa Flüssigkeit darin, Red Soda, mit tausend Eiswürfeln. Ich bin zwar durstig, aber auf diese Erfrischung kann ich verzichten. Schliesslich geht es morgen weiter, mit dem Green Bus in Richtung Norden, nach Chiang Khong, zu meinem geliebten Mekong, da kann ich mir keinen Durchfall leisten.

Fried Noodles

Fried Noodles mit Ei

Auf in den hohen Norden

Auf dem Weg nach Norden

Ich bin endlich auf dem Weg in den hohen Norden oder wenigstens bis Chiang Khong, wo ich endlich wieder meinen alten Freund, den Mekong antreffen werde.

Vor dem Fenster huschen Reisfelder vorbei, die meisten vertrocknet (dry Season), einige mit bleichem Wasser gefüllt. Auf graslosen Wiesen ein paar verstreute, erstaunlich magere Rinder, die Köpfe tief gesenkt, auf der Suche nach Nahrung. Manchmal ein niedriges Dach, darüber eine reglos schwebende Säule aus schwärzlichem Rauch, am Strassenrand ein schwarzfelliger Esel, daneben ein mit Kisten beladenes Fuhrwerk. Aber auch Autos, viele, viele Autos, allesamt asiatischer Herkunft. Die Solidarität spielt …

Die schmalgliedrigen Hände des Buschauffeurs liegen entspannt auf dem Steuerrad, mit eleganten, beinahe zärtlichen Bewegungen dreht er daran, und immer eine winzige Nuance, bevor sich das Fahrzeug in die Kurve legt, neigt er den Körper in die erwartete Richtung. Manchmal treffen sich unsere Blicke im Rückspiegel, ein kurzer Kontakt zwischen zwei Welten …

Sie sind ein eigenes Völklein, diese Buschauffeure, und obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, haben sie sehr viel gemeinsam. Ein paar Gesichter sind mir geblieben, wenn auch verwischt in der Erinnerung. Der kleingewachsene schmalgliedrige Inder zum Beispiel, der seine erstaunlich langen und schon grau werdenden Haarbüschel alle paar Augenblicke hinter die Ohren strich, während er den riesigen altmodischen Bus mit stoischer Ruhe über die löcherübersäten, staubigen Strassen von Hampi nach Goa chauffierte.

erinnerungswürdige Busfahrten 1 – indien

Ich zitiere aus dem damaligen Tagebuch:

16.2.07 Der Chauffeur ist eine Ausnahmeerscheinung: klein, schmächtig, mit hinter den Ohren zurückgekämmten grauen Haaren und einer intellektuellen Brille auf der Nase. Er fährt wie der Teufel. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, mit Millimetergenauigkeit rast er an und zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern vorbei, kreuzt andere Busse und viel grössere Lastwagen mit felsenfester Sicherheit, lacht im Rückspiegel, wenn er merkt, dass die Mitfahrenden ihren Atem anhalten.

Aber es geht vorwärts, auch wenn eine scheinbar unendlich lange Strecke eine einzige fürchterliche, staubige und mit tiefen Löchern übersäte Baustelle darstellt. Eine Steigerung der bisherigen Strapazen scheint kaum möglich, doch diese Baustelle schlägt jeden Rekord. Man atmet spürbar auf, wenn endlich nach über einer Stunde (oder waren es mehr?) die Baustelle ein Ende hat und wir auf die schmale, ebenfalls mit Löchern übersäte Strasse zurückkommen, aber eben, es ist eine Strasse.

Irgendwann überqueren wir die westlichen Ausläufer der Ghats, es geht tief hinunter in Richtung Goa. Erinnert mich an Busfahrten in Peru und Bolivien, allerdings haben sich mir die damaligen Pneuprofile ins Langzeitgedächtnis eingeprägt. Ich hoffe, unser Bus ist diesbezüglich besser ausgestattet … Der Wald wird grüner, dichter, man merkt, dass die trockenen Hochebenen hinter uns sind. Es geht mit horrendem Tempo abwärts, geradewegs in Richtung Goas. Irgendwann überqueren wir die Staatsgrenze, aber es dunkelt bereits beim Näherkommen ans Meer …

erinnerungswürdige Busfahrten 1 – peru

Ganz stark und für die Ewigkeit in mein Gedächtnis eingegraben ist der Chofer in den Anden, von Ayacucho nach Lima. Es hat tagelang geregnet, doch ich habe es mir in den Kopf gesetzt, die berühmte Strecke über die 5000 Meter hohen Berge auf dem Landweg  zu machen. Die Bähnler streiken, also bleibt nur der Bus.

Ich sehe den Chauffeur noch vor mir: ein vierschrötiger Mann mit gewaltigem Schnauzbart und grimmigem Blick, der alle paar Augenblicke einen  wüsten Fluch ausstösst. Ich sitze neben ihm auf dem Beifahrersitz, eine vermeintlich höfliche Geste dem Touristen gegenüber, die sich als zweifelhaftes Geschenk entpuppt, denn Physik und die Lage der Räder führen dazu, dass ich in jeder geländerlosen Linkskurve einen atemlosen Moment über dem Abgrund hänge.

Und der Abgrund wird von Kurve zu Kurve alptraumhafter: am Fuss des langgezogenen, mit schroffen Abhängen besetzten Tales fliesst ein Fluss, kaum mehr erkennbar durch den Regen, der sich etwas weiter oben in Schnee verwandelt und die Strasse zu einem mit Seife überzogenen Rinnsal verwandelt. Die Scheibe ist schon bald mit Schnee zugekleistert, doch der Chauffeur lässt den Scheibenwischer nur einmal, zweimal über den Match gleiten … und stellt ihn wieder ab. Meine Frage beantwortet er mit einem breiten Lachen. Batterie schonen.

Die Pointe des Tages erkenne ich erst nach der Ankunft: die Pneus besitzen, alle ohne Ausnahme, nicht einmal einen Hauch von Profil. Glatt und geschmeidig wie Wursthäute. Es kann seit diesem Vorfall vorkommen, dass ich vor der Abfahrt einen vorsichtigen Blick auf die Räder werfe …

VIP-Bus

VIP-Bus

mit dem vip-bus nach Chiang Khong

Das ist heute definitiv nicht so: ich sitze zur Abwechslung mal in einem VIP-Bus (das Alter?), die Carosserie glänzt im Sonnenschein, als wäre sie frisch geschrubbt und poliert worden. Die resolute Dame, verantwortlich für die Innenorganisation, weist mir mit strengem Blick meinen Platz zu und überreicht mit salbungsvoller Miene ein Lunchpaket (!). Darin versteckt sich ein Softdrink (süss),  eine Art Sandwich (trocken) und etwas Süsses (undefinierbar).

Die Fahrt  ist ereignislos, ich habe schlecht geschlafen und nicke immer wieder ein. Allerdings bekommt man auch im Halbschlaf das Tempo mit, das der Chauffeur einschlägt: Er blocht mit 80 Sachen durch die Dörfer, ohne sich gross um die anderen Verkehrsteilnehmer zu kümmern. Man merke sich: der Grössere ist immer der Stärkere. Das ist mir aus meinem ersten Indientrip in lebhafter, wenn auch schmerzlicher Erinnerung  geblieben.

Mekong

Da ist er endlich – mein Mekong

Dann Chiang Khong,, das Tagesziel, am Mekong gelegen. Da ist er endlich, mein Mekong, auf den ich mich so lange gefreut habe. Breit, braun, schnell, massig, kräftig. Ein Monster von einem Fluss. Man begrüsst sich wie alte  Freunde …

Und da ist mein alter Freund, ein Langzeit-Traveller, der sich seit vielen Jahren in Asien  herumtreibt. Es gibt viel zu erzählen bis am späten Abend. Es wird erstaunlich kalt, was in der Nacht dazu führt, dass ich wider Erwarten auf meine im letzten Moment eingepackte warme Unterwäsche zurückgreifen muss  …

Eine Fahrt durch tiefe Nacht

Was ich am frühen Morgen noch nicht weiss – es wird eine Fahrt durch tiefe Nacht werden. Aber schön der Reihe nach …

erinnerungen an die erste Mekongüberquerung

Ich beginne den Tag mit einem Zitat, es geht um meine erste Mekongüberquerung:

Neues Land. Auf dem Fluss, überquerend in einem alten Boot, dann die ersten Schritte, eine steile Treppe hinauf zum Grenzhaus, wo es wimmelt von Travellern, ein Ameisenhaufen. Irgendwie muss man sich durch das Gewühl kämpfen, man steht an langen Schlangen an, merkt irgendwann, dass es die falsche ist, und sucht sich eine andere. Dann Geld wechseln, viele Kips für ein paar Dollars, wieder die Erinnerung an Burma, aber irgendwann, ganz entspannt, ganz gelassen, was mich betrifft, ist alles getan, alles erledigt.

Das ist Vergangenheit. Seit einem Monat gibt es keine Fähre mehr, keine Treppe, kein Gewusel mehr am Zollposten. Es gibt nun eine breite Brücke, bewacht von zwei protzigen  Gebäuden auf beiden Seiten, durch man nun mit kalter Präzision durchgeschleust wird. Dass der Grenzposten nun 10  Kilometer ausserhalb Chiang Khongs liegt, bedeutet eine massiv teurere  Tuk-Tuk Fahrt zu selbstverständlich hohen nicht verhandelbaren Preisen. Und dass eine ganze Menge Leute ihre  Einkommensquelle verloren haben (ausser den Tuk-Tuk Fahrern natürlich). Nun denn  …

niemandsland in laos

Auf der laotischen Seite findet man sich im Niemandsland wieder, einer wüsten menschenleeren Landschaft, und in alle Richtungen, sei es nach Huay Xai oder an die  Busstation, gibt es nur Tuk-Tuks  als einziges  Transportmittel. Ein gemischtes Häufchen Touristen besteigt schliesslich das wartende, sehr klapprig aussehende Gefährt, das uns in röhrendem Tempo zur Busstation fährt, wo gemäss Fahrttabelle  der Bus nach Luang Namptha um 12.30 abfahren soll.

Bushaltestelle

Bushaltestelle (aber nicht mein Bus)

ein verspäteter blick auf das ticket

Aber denkste!  Es wird  13 Uhr, dann 13.30, ausser uns gibt es erstaunlich wenige Einheimische, was uns eigentlich stutzig machen  müsste. Aber es gibt viel zu erzählen, man schwatzt, lacht, tauscht Erlebnisse, Abenteuer, Erkenntnisse und Erfahrungen aus, manche banal, andere spannend und überraschend.

Mittagessen

Mittagessen in einem Hinterhof

Man geht gemeinsam essen, kehrt zum Busbahnhof zurück, um alles genauso vorzufinden wie zuvor. Meine Frage nach der Abfahrtszeit beantwortet der Verantwortliche mit dem Zeigen von vier Fingern, was mir lächerlich erscheint, denn ein Bus, der für 12.30 vorgesehen ist, kann einfach nicht erst um vier abfahren! Kann er doch, denn ein etwas verspäteter Blick auf das Ticket enthüllt unser aller Dummheit. 16.00. Keine Minute früher …

Wartezeit

So kann man die Wartezeit verbringen

eine fahrt durch tiefe nacht

Auch keine später, denn der in der Zwischenzeit randvoll bepackte Bus legt genau um 16.00 los. Es geht schnell in die Berge, hügelan, hügelab, Kehre um Kehre. Eine Fahrt durch wildes Land, durch hellgrüne Wälder, vorbei an Feldern, Hütten auf Stelzen und solche auf dem Boden. Nicht viel Verkehr, das Land ist so arm, dass sich niemand ein Auto leisten kann. Dafür Lastwagen, manchmal ganze Konvois, alle auf dem Weg nach Norden, nach China. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Route von Bangkok herauf bis in die südlichen Provinzen Chinas durch eine vierspurige Autobahn erschlossen sein wird.

Der Bus ist zwar voll, doch mit wechselnder Besetzung, immer wieder Halte in Dörfern oder an seltsamen Orten, wo jemand zu- oder aussteigen will.

Die Stunden gehen schnell vorüber, Dunkelheit senkt sich über das Land. Es wird still im Bus, nur noch das Röhren des gepeinigten Motors bleibt als akustische Begleitung, hin und wieder der Schrei eines Babys, das Scheppern eines Handys. Eine eigenartige surreale Atmosphäre, die ich so  sehr mag.

Eine Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, eng gepackt und bewegungslos dasitzend, manche dösend, andere den Blick in die undurchdringliche Dunkelheit gebohrt, doch ausser dem schwachen Licht eines Hauses oder der flackernden, schnell vorbei huschenden Lichterkette eines Dorfes bleibt es zappenduster

Irgendwann – doch wider Erwarten genau nach den angegebenen vier Stunden – erreichen wir Luang Namptha. Müde, schlaff, hungrig, doch was soll’s, wir sind da …

Luang Namphta – Ein Dorf im Nirgendwo

keine hektik

Luang Namphta – Ein Dorf im Nirgendwo. Man stelle sich die Hauptstrasse  eines mittelgrossen Städtchens vor, irgendwo auf der Welt: Dichter Verkehr, Stossstange an Stossstange, Ampeln, Fussgängerstreifen, Hektik, Hupen, Lärm … Nicht hier in Luang Namptha, hier ticken die Uhren noch so wie vor 30, 40 oder mehr Jahren.. Man könnte mitten auf der Strasse ein  Picknick  veranstalten es würde kaum zu einem grösseren Verkehrsproblem führen.

Und stören würde es auch niemanden. Alle paar Augenblicke (oder sind es Minuten?) tuckert ein altertümlicher Traktor vorbei, schwarzblaue  Dieselschwaden ausstossend. Dazwischen  Roller, viele Roller, manchmal mit Kindern, Babys, Grossmüttern aufgepackt, dazwischen wichtigtuerische SUVs, wahrscheinlich aus dem nördlichen Nachbarland stammend.

Luang Namphta

Geruhsame Welt

Ruhetag

Füsse ausstrecken, Gehirn in Ruhestellung. Blog schreiben. Die Fahrt nach China mental und organisatorisch vorbereiten.

Ich spaziere entspannt durch das Städtchen. Alle paar Minuten fährt irgendein Vehikel vorbei. Die Hauptstrasse ist gesäumt von allerlei Restaurants und Läden, perfekt eingerichtet für die Backpackers, von denen es hier wimmelt. Meine kurzzeitigen deutschen und australischen Freunde aus dem Bus planen einen mehrtägigen Treck durch den Dschungel, während es mich nordwärts zum grossen Nachbarn China zieht. Das Ticket ist gekauft, ich bin gespannt.

Am Abend grosser Abschied, letztes Essen im Zuela-Restaurant. Dann also Sayonara Joss, junger tätowierter Rasta-Australier, viel Glück für deine hochfliegenden Träume und  Pläne, Adios ihr anderen, möge eure Zukunft  so strahlend  sein, wie ihr sie euch vorstellt …

The Road to China

The Road to China

Tagwache um 6. Die Abfahrt des Busses nach Jinghong ist auf genau 07.10 angesetzt. Ein schnelles Frühstück (Continental Breakfast mit meinem geliebten Kaffee Nom, d.h. Kaffee mit Kondensmilch, süss wie der Teufel), dann ein letzter Blick zurück.

Zahlreiche Travellers drängen sich in die Tuk-Tuks, Reiseziel Luang Prabang oder Oudomxai, und schon bald stehe ich alleine da, mit Ausnahme eines ziemlich verloren wirkenden chinesischen Paares. Einmal mehr ist die laotische Pünktlichkeit eine Sache von Glauben und Hoffnung, bis sich mit Getöse und Gedröhn das absolut heruntergekommenste, dreckigste, verbeulteste Vehikel nähert, das ich je gesehen habe.

Bus

Mit diesem Vehikel nach Jinghong?

Die Sitze sind in einem erbärmlichen Zustand, zum Teil schräg oder nur noch in der Liegeposition benutzbar, und allesamt ziemlich schmutzig. Aber der Bus ist gut besetzt, ich zwänge mich ganz hinten auf einen noch akzeptabel aussehenden Sitz und harre der Dinge, die da kommen sollen. Nach mehreren Zusatzschleifen quer durch das Dorf scheinen wir die gewünschte Vollbesetzung erreicht zu haben, und es geht los Richtung Norden, doch immer wieder Halte in Dörfern oder an seltsamen Orten, wo jemand zu- oder aussteigen will.

Eine Fahrt durch wildes Land, durch hellgrüne Wälder, dichten Dschungel, vorbei an Feldern, Hütten auf Stelzen und solche auf dem Boden. Die Erinnerung an die Fahrt auf dem Nam Ou vor zwei Jahren taucht auf und mit ihr der Ärger: dort wie hier sind die Wälder kilometerweit abgeholzt worden, um Platz zu schaffen für den Anbau von Rubber Trees, Kautschukbäumen, die in schnurgeraden, langweiligen Reihen angepflanzt sind. Hier gibt es keine Tiere mehr, nichts, was an die alten Zeiten erinnert, als der Dschungel vom Leben vibrierte. Ein weiteres zweifelhaftes Geschenk der Nachbarn im Norden.

der australische lehrer

Mit Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass ich wider Erwarten doch nicht der einzige Fremde im Bus bin. Ein junger Mann unterhält sich in fliessendem Mandarin mit einem alten Chinesen mit schrecklich abstehenden Ohren, der sich alle paar Augenblicke lautstark räuspert und die diesbezüglichen Ergebnisse aus dem Fenster spuckt. An diese optischen und vor allem akustischen Überfälle wird man sich schnell gewöhnen müssen. China lässt ein weiteres Mal grüssen.

Der junge Mann, der sich kurze Zeit später neben mich setzt, entpuppt sich als australischer Lehrer, der irgendwo im Norden Chinas, in der inneren Mongolei, an der Uni Englisch und Philosophie doziert. Es entwickelt sich ein angeregtes Gespräch über Gott und die Welt, über das Reisen und das Weggehen und was es in einem auslöst, über Arnold Schwarzenegger und Breaking Bad, aber auch immer wieder über unser Ziel im Norden, China. Er scheint sein Gastland zu meinem Erstaunen wirklich lieben gelernt zu haben, vor allem sein Geständnis, dass er sich nach einem längeren Aufenthalt im Ausland nach Hause zu kommen fühlt, macht mir Eindruck.

Grenzübergang

An der Grenze zu China

Vielleicht ist es an der Zeit, ein paar Vorurteile loszuwerden …

die grenze

Und dann plötzlich die Grenze. Hier niedrige Hütten, dort mächtige Gebäude, hoch in den Himmel gezogen, mit einer einzigen Botschaft: Seht her, das ist China, der zukünftige Herrscher im 21. Jahrhundert. Anstelle der staubigen Strassen sind nun breite, Palmen-gesäumte Alleen das Mass der Dinge, sauber, ordentlich, gepflegt. Die Leute sind adrett gekleidet, selbstbewusst, aber dennoch entspannt.

Grenze zwischen Laos und China

Geschäftiges Leben an der Grenze

Doch der Grenzübergang ist erstaunlich einfach: ein kurzer Blick auf den Inhalt des Rucksacks, ein Stempel in den Pass. That’s it, Folks! Ich bin in China.

sichtbare unterschiede

Auf den ersten Blick hat sich nicht viel geändert, wenn man aus dem Fenster blickt, doch der zweite enthüllt die Unterschiede. Die Architektur der Häuser entspricht nun der Vorstellung: tempelartig, mit mehreren Dächern übereinander geschachtelt, zierlich, von brüchiger Schönheit. Und die vielen Autos entlang der Strasse glänzen, geben Zeugnis von Geld, viel Geld …

jinghong

Und dann plötzlich der Mekong, der hier Lancang heisst, die Brücke führt direkt ins Zentrum Jinghongs. Breite Alleen, viel Verkehr, und überall chinesische Schriftzeichen, kein einziges in unserer Schrift. Das kann ja heiter werden …

Jinghong

Jinghong – werde ich je wieder nach Hause finden?

Mein australischer Freund verabschiedet sich, und trotz der kurzen Bekanntschaft bleibt ein leises Gefühl des Verlusts zurück.

auf der suche nach dem hotel

Meine Zweifel bezüglich Kommunikation bewahrheiten sich. Obwohl die Adresse des Hotels auch in Chinesisch steht, hat der würdige ältere Tuk-Tuk Fahrer alle Mühe. Nicht einmal die Lesebrille, die er aus der Tasche klaubt, scheint das Problem lösen zu können.

e-tuktuk

Aber wir fahren schliesslich los, beinahe lautlos, denn ich bin tatsächlich auf einem Tuk-Tuk mit Elektromotor unterwegs, also sozusagen einem e-Tuk-Tuk. Er fährt langsam, unsicher, hält dann irgendwann am Strassenrand und zeigt auf einen Häuserblock, an dem allerdings der Name eines ganz anderen Hotels prangt. Während ich verzweifelt bemüht bin, ihm klarzumachen, dass dies nicht die gesuchte Adresse ist, versucht er mich ebenso verzweifelt vom Gegenteil zu überzeugen. Wir einigen uns schliesslich dahingehend, dass ich mich verabschiede und mein Glück auf meine Weise versuche.

Jinghong

Jinghong

das Hotel

Im Nachhinein – Shame on me und sorry, alter Mann – stellt sich heraus, dass es tatsächlich die richtige Adresse ist, nur dass sich das Hotel eben unsichtbar in dem riesigen Häuserblock versteckt. Obwohl sie nicht den Hauch von Englisch verstehen, finde ich schliesslich mit der gütigen Hilfe einiger Passanten doch noch den richtigen Eingang, den richtigen Lift, die richtige Reception.

Und das Zimmer ist Klasse. Allerdings führen Hunger und Durst schon bald wieder zurück auf die Strasse, es ist dunkel geworden, und ich fühle mich noch etwas unsicher in der unbekannten Umgebung. Die Trottoirs sind voller Menschen, lachenden, freundlichen Menschen, spazierend, am Boden kauernd, über ihre Nudelsuppen gebeugt.

nachtessen

Ich finde schliesslich ein Restaurant, wie im Reiseführer angegeben, schlimmstes Fastfood, aber die Bedienung ist freundlich, jedoch einmal mehr von absoluter Verständnislosigkeit hinsichtlich Nicht-chinesischer Sprache zeugend. Wir einigen uns doch noch, nach langem Palaver und unter Zuhilfenahme der grässlichen Bilder auf der Menükarte, auf Reis mit Beef, gar nicht schlecht, doch das mit Eis gefüllte Wasserglas bleibt unangetastet.

Genug für heute …

Yunnan – Ein anderes China

Montag

Der jährliche Neujahrs-Holiday ist vorbei, der Verkehrslärm braust lauter, intensiver. Montag. Heute werde ich etwas Wichtiges feststellen. Yunnan – Ein anderes China.

Trotz leerem Magen und verschlafenem Kopf – selten eine gute Voraussetzung für die objektive Beurteilung einer unbekannten Stadt – bin ich vom ersten Augenblick an von einem eigenartigen Gefühl des Wohlbehagens erfüllt. Ganz und gar der Erwartungshaltung zuwider herrscht eine zwar geschäftige, aber trotzdem irgendwie entspannte Atmosphäre.

Ist das China?

Das hektische, gierige, dem Rubel nacheilende China, das uns alle weit in den Schatten stellt? Ich sehe mich um und erblicke nur freundliche, gelassene Gesichter, die mir einen schnellen, aber letztlich nicht wirklich interessierten Blick zuwerfen, und ihrer Wege gehen. Lediglich die Kinder schauen genauer hin, mit einer Mischung aus Neugier, Überraschung und ein bisschen Erschrecken. Trotz Montag und Arbeitsbeginn scheint es nicht zu erhöhtem Blutdruck zu führen. Nicht wenige Leute hocken bereits mitten am Vormittag über ihren Suppentellern oder was immer sich in den Schüsseln befindet. Andere spielen chinesisches Domino oder Karten, die dazugehörigen Yuan-Scheine vor dem neugierigen Blick versteckt.

Orientierung in Jinghong

Ein guter Orientierungssinn ist eine schöne Sache, wenn man ihn denn hat. Eines ist sicher – ich habe ihn nicht. Ich frage mich immer wieder, wie ich es geschafft habe, von all meinen Reisen heil zurückzukommen, ohne mich in aussichtsloser Lage am Nordpol wiederzufinden. Nun denn, auf jeden Fall bewege ich mich – vollkommen überzeugt, den Sonnenstand korrekt zu interpretieren – genau in die falsche Richtung. Ich bin etwas enttäuscht, dass sich die Prachtsstrasse irgendwo in der Nähe des Mekongs (hallo alter Freund) verliert. Das irritierte Gesicht des Mannes, dem ich auf der Karte meinen vermeintlichen Standort klar zu machen versuche, tut das seinige dazu. Es ist natürlich genau umgekehrt …

sprachversuche in mandarin

Nun denn, rechtsumkehrt, ein bisschen beschämt, aber frohen Mutes, und ich lande nach einigem unsicheren Herumgeschaue (wie finde ich wieder ins Hotel zurück??) bei dem im Führer angegebenen Kaffee. Es soll eines der wenigen Restaurants sein, das Menüs in verständlicher Sprache anbieten. Und jetzt ist es auch Zeit, die ersten Geh- bzw. Sprechversuche in Mandarin zu wagen. Die freundliche Bedienung lächelt anfänglich verständnislos, als ich meine ersten chinesischen Ausdrücke an den Mann bzw. die Frau anzubringen versuche. Sie verfällt schliesslich in lauthalses Gelächter, was mein Selbstvertrauen in Sachen Sprachbeherrschung nicht gerade auf neue Höhen hebt.

Birchermüesli in China?

Ich bestelle ein Swiss Breakfast – haha -, doch der Kaffee ist süss und stark und gut, ebenso das Birchermüesli, wer hätte das gedacht. Ausgerechnet in Jinghong. Die Wege des Herrn sind wirklich unergründlich …

Birchermüesli in Jinghong

Birchermüesli in Jinghong

Jede Stadterkundung hat ihren eigenen Reiz. Ich bin schon lange der Überzeugung, dass eine Stadt sich erst dann dem Fremden öffnet, wenn er sie zu Fuss abgeht, zumindest die wichtigsten Gebiete. Das Zentrum Jinghongs besteht im Grund aus mehreren schachbrettartig angelegten Strassen, breiten, mit hohen, laubbehängten Bäumen besetzt. Alle paar Meter ein Laden, eine Bank, ein düsterer Hauseingang, eine Suppenküche. Oder wie immer man diese Dinger bezeichnen soll, wo Leute in dichten Trauben auf Kinderstühlen kauern, während sie essen, palavern, kauen, spucken, lachen …

Jinghong

Daily Life in Jinghong

blog-disaster

Ein weiteres  Charakteristikum jeder Stadterkundung ist die Müdigkeit, die sich zwangsläufig nach ein paar Stunden einstellt. Entweder findet man dann ein gemütliches Strassencafé, wo man im Geist seine müden Beine hochheben kann (in Jinghong ein Ding der Unmöglichkeit), oder man verzeiht sich ins Hotelzimmer für einen wohlverdienten Nachmittagsschlaf. Es wäre besser gewesen zu schlafen, statt an diesem vermaledeiten Blog weiterzuschreiben und dabei neue Funktionen auszuprobieren, was schliesslich im bereits gemeldeten Disaster endet. Adrenalinspiegel, hoch, Gemütslage tief, versuche ich zu retten, was zu retten ist, doch … Lassen wir das

grossfamilien im restaurant

Auch die Suche nach einem Ort, wo ich etwas zu abendessen kriege, was ich a) lesen und b) identifizieren kann, gestaltet sich schwierig (wer hätte das gedacht). Ich lande schliesslich in einem mehr als vollbesetzten Restaurant (alte Reiseregel: immer dort essen, wo es die meisten Leute hat), werde nach einigem Warten an einen Tisch gesetzt, den ich aber an eine Familie weitergebe, die sich vor Dankbarkeit fast bis zum Fussboden verbeugt (neue Freunde). Man bittet mich höflich an den Tisch einer andern Grossfamilie, die mich euphorisch in ihren Kreis aufnimmt, doch der sich anbahnenden Diskussion ist aus verständlichen Gründen kein Erfolg beschert, denn wir verstehen schlicht kein einziges Wort, was der andere sagt. Aber man wirft sich immer wieder ein freundliches Lächeln zu, vor allem das an der Brust der Grossmutter schlafende Baby ist Anlass zu allerlei erfreuten und stolzen Grimassen …

Nacht ist über die Stadt gefallen. Auf dem Heimweg klingt plötzlich Musik in meinen Ohren, und beim Näherkommen ist zuerst unklar, ob jemand ein Fest feiert, eine Hochzeit im Gange, irgendwas … Weit gefehlt: Am Ufer des kleinen Sees im Stadtzentrum haben sich Trauben von Leuten gebildet, die sich tanzend im Kreis bewegen, angeführt von einem alten Mann der der mit vollen Wangen in eine Art Trompete bläst und dabei Laute erklingen lässt, die in meinen Ohren, sagen wir mal recht seltsam klingen. Den Leuten aber gefällt’s: wildfremde Menschen tanzen miteinander, es sieht seltsam elegant und auf besondere Weise rührend aus.

Es gefällt mir sehr hier in Jinghong. Schade, dass meine Reiseplanung nur einen kurzen Abstecher in die Provinz Yunnan vorgesehen hat.

Eine Provinz, die so anders ist als das vorgestellte China.

Goodbye Reich der Mitte

missratene reisepläne

Wenn man Reisepläne macht, ist man vor lauter Euphorie kaum in der Lage, seine Visionen und Träume im Zaum zu halten (zumindest in meinem Fall, andere Leute sind vielleicht etwas realistischer).

Der Plan, einen ansehnlichen Teil Yunnans und im Anschluss auch noch Vietnam und Kambodscha zu bereisen ist ziemlich hirnverbrannt. Das zeigt  die gestrige, kurzfristig anberaumte Analysesitzung mit mir selbst, ein paar Karten, Flug- und Reisezeiten. Es wäre schlicht schade um die wunderschöne Provinz, sie auf diese Weise zu verbraten … Also Goodbye, altes China, wenn mir die Götter positiv gesonnen sind, werde ich wiederkehren, des verspreche ich. Du hast mehr als ein bisschen – entgegen aller Erwartungen – mein Herz gewonnen.

auf der suche nach einem frühstück

Bevor ich mich aber auf den Rückweg nach Laos mache, zuerst ein währschaftes Frühstück für die lange Reise. Weit gefehlt – auch vormittags um 9.00 sind sie meisten Läden noch geschlossen, ebenso sämtliche Restaurants. Zahlreiche Leute sitzen auf den Trottoirs, auf ihren winzig kleinen Stühlen, und schlürfen in aller Gemütsruhe ihre Suppe. Da ich in der Zwischenzeit gelernt habe, dass Fragen im besten Fall zu einem Schulterzucken führt, lasse ich es bleiben.

Heute also kein Frühstück.

und auf der Suche nach meiner reception

Wie bereits erwähnt – im Gebäude, in dem sich mein Hotel befindet, gibt es zahlreiche andere, alle verstreut über zehn oder mehr Etagen, manchmal mehrere auf einer. Das ist das Problem. Ich würde ja gerne auschecken, aber leider weiss ich nur noch das Stockwerk, aber nicht mehr, welche Tür zu meiner Reception führt. Und natürlich sind alle Türen nur auch chinesisch angeschrieben. Und der Korridor kommt mir vor wie in Kafkas Schloss. Unendlich lang.

Was ist da zu tun? Langsam werde ich etwas nervös, denn in einer halben Stunde fährt mein Bus. Es bleibt mir also gar nichts anderes übrig, als zu versuchen, die Reception durch ein Ausschlussverfahren zu finden.

Das Klopfen an der ersten und an der zweiten Tür führt zu nichts. Entweder befinden sich die Leute noch im Tiefschlaf, oder es ist niemand zuhause. Bei der dritten Tür habe ich Glück, wobei das verschlafene Gesicht der Dame auf mich einen ziemlich ärgerlichen Eindruck macht. Und natürlich versteht sie kein Wort und schlägt mir dir Tür vor der Nase zu. Ich kann es ihr nicht verdenken.

Irgendwann öffnet sich im hinteren Teil des langgezogenen Korridors eine Tür, und tatsächlich, es ist meine Dame, meine Reception, meine Rettung.

Vor- oder nachname?

Von hier an geht es relativ problemlos weiter – ich finde, zwar mit erheblichen Schwierigkeiten sogar den richtigen Bus, setze mich mitten in eine lärmige Gesellschaft von Treckern, die eben aus den Bergen kommen. Mein ursprünglicher Plan, aber wie gesagt – Pläne, die sich nicht realisieren lassen.

Bye-bye Jinghong

Bye-bye Jinghong

Musiker am Busbahnhof in Jinghong

Eine willkommene musikalische Unterhaltung zum Abschied

Der  Rückweg nach Laos gestaltet sich einfach, es gibt allerdings eine kleine  Schrecksekunde am Zoll. An der chinesischen Passkontrolle werde ich anfänglich skeptisch, dann grimmig, am Schluss alarmiert gemustert, bevor man mich höflich bittet, auf die Seite zu treten und zu warten.

Man berät sich im Hinterstübchen, ist offenbar ein bisschen irritiert, während ich bereits mit der Vorstellung kämpfe, wie Brad Pitt in “Spy Game” in den Tiefen eines chinesischen Gulags versenkt zu werden. Tja, alles klärt sich natürlich in Minne auf. Verwechslung von Vor- und Nachnamen. Tja, Ja, ihr grau-grün-gelb uniformierten, ewig misstrauischen Beamten, es gibt andere Länder, andere Sitten, andere Schriften, merkt euch das.

Und dann bin ich wieder in Luang Lamptha, fast ein bisschen eine Heimkehr. Altes Hotel, altes Restaurant, alte Bekannte. Irgendwie eine beruhigende Feststellung. Oh ja, und für morgen ist ein Trek angesagt …

Drei Alte im Dschungel

Rainer und Angela

Abwechslung tut gut, zumindest wenn es darum geht, nicht immer der Älteste zu sein. Heute bin ich es definitiv nicht. Das deutsche Ehepaar – Rainer und Angela – haben den Zenith ihres Lebens ein paar Jahre überschritten. Er 78, sie über 70. Auf jeden Fall ist keine Jump-and-Rush Expedition zu erwarten.

Das wahre highlight von luang namphta

Bevor der Treck startet, nimmt uns der Guide mit zum Markt. Es geht darum, für den eintägigen Trip Lebensmittel einzukaufen. Und tatsächlich – jetzt erst erkenne ich das wahre Highlight von Luang Namphia.

Einer der schönsten Märkte seit langem.

Markt

Der Markt in Luang Namphta

 

Ein lärmiges, freundliches Durcheinander vieler Stimmen, von Frauen, Kindern, Hunden, empfängt uns auf einem verborgenen Platz inmitten von Häusern. Gegen die Sonne, die sich an diesem Morgen rar macht, stehen farbige Sonnenschirme parat, neben und unter ihnen sitzen farbig gekleidete Frauen vor ihren auf dem Boden ausgebreiteten Früchten und Gemüse aller Arten. Einige davon sind mir völlig unbekannt.

Ordnung bei Gemüse und Früchten

Was auffällt – alle Früchte, jedes Gemüse ist sorgfältig geordnet, manchmal in geraden Linien ausgebreitet.

Auslegeordnung

Sehr präzise, einfach wunderbar

Vogeleier?

Vogeleier?

ein langes leben im rückblick

Auf der Fahrt zum Ausgangspunkt stellt sich heraus, dass ich es mit Rainer und Angela mit zwei ausgewiesenen Travellers zu tun habe. Im Verlauf des Tages wird aus ihren Erzählungen klar, dass sie nicht nur beinahe jedes Land bereist haben, sondern dies auch auf mehr als abenteuerliche Weise getan haben. Es kann gut sein – wir sind uns da nicht ganz klar geworden – dass sich unsere Wege in Indien und Nepal 1974/75 durchaus gekreuzt haben können, Rainer allerdings per Lastwagen oder mittels anderen Vehikeln. Und vor vielen Jahren haben sie den ganzen Weg von Kalifornien bis Alaska mit dem Velo gemeistert. Meine Ehrfurcht ist gross …

Dschungel Treck

Zwei Alte im Dschungel

der dritte Alte

Und noch einer …

Ja snaju schto nitschewo ni snaju …

Es entwickelt sich eine zwar nicht sehr abenteuerliche, aber durchaus spannende Wanderung durch dichten Dschungel, vorbei an munter sprudelnden Bächen, an steilen Felsabstürzen und vom Alter oder Sturm gefällten Baumriesen, begleitet vom unaufhörlichen Gesang der Grillen und unsichtbaren Vögeln. Die beiden Mit-Trecker haben es nicht besonders eilig (ein Vorrecht des Alters), auf jeden Fall wird jedes Blümchen, jeder Pilz, jeder Baum und Strauch einer genauen Prüfung unterzogen und fotografiert. Ihr Wissen ist immens: auch noch so seltene Pflanzen, von denen Landolt noch nie was gehört hat, können sogar etymologisch erklärt werden. Chapeau! Ja snaju schto nitschewo ni snaju …

Schmetterlinge

Seltene Schmetterlinge

Pilze

Seltsame Pilze

Unterholz

Dichtes Unterholz

ein wunderbares mahl im dschungel

Die Zubereitung des Mittagessens ist ein besonders eindrückliches Happening. Der Guide namens Sai ist zwar vor der Abfahrt einkaufen gegangen – Gemüse, Reis, Enten- oder Hühnerfleisch, Bananen – doch zur Zubereitung gibt es weder Pfannen noch sonstiges Instrumentarium. Ein junges Mädchen, das er auf der Hinfahrt mitgenommen hat (und die leider kein einziges Wort Englisch spricht oder versteht), hilft ihm beim Kochen. Zuerst werden mit der Machete grosse Bambusröhren geschnitten (der Zweck ist uns anfänglich ziemlich schleierhaft), dann werden sie zu meterlangen Stücken zerschnitten und schräg über das mittlerweile brennende Feuer gelegt. Dann wird für die Suppe Wasser hineingegossen (warum es nicht auf der anderen Seite herausfliesst, entzieht sich meiner Kenntnis) und schon bald dampft und zischt es aus der oberen Öffnung.

Bambus

Bambus als Ausgangsmaterial

Mittagessen

Ein überraschend köstliches Mahl

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Als Suppenteller dient wiederum ein halbiertes Bambusrohr, das waagrecht auf den Tisch gelegt wird und man mit aus Bambusblättern gefertigten Suppenlöffeln isst. Überwältigend! Und erst noch lecker. Das am Schluss zubereitete Menü besteht schliesslich aus Gemüsesuppe (sehr gut), Reis, den man mit der Hand zu mundgerechten Happen zerdrückt und in die scharfe Sauce (ebenfalls auf Bambusröhrentechnik zubereitet und absolut perfekt) tunkt, Gemüse (keine Ahnung, was es sein könnte, schmeckt aber gut) und ein paar Happen ausserordentlich zähes Entenfleisch. Ehrlich – ich tausche jedes Gault Millau Nobelessen gegen dieses wunderbare Mahl im Dschungel, untermalt von den Geschichten der beiden alten, aber immer noch sehr virilen Travellers …

Auch der Rückweg ist gemütlich, spannend, hochinteressant, denn Sai weiss enorm viel über so ziemlich alles, was uns interessiert. Kardamon, Ginger, Grapefruits, wilde Bananen, Pilze (essbare und tödlich giftige), Baumriesen, deren Wipfel man nur erahnen kann, so hoch sind sie, Blätter, die man besser nicht berührt … Rainer – immerhin geht er gegen die Achtzig – ist vielleicht doch langsam ein bisschen tattrig und so brauchen wir halt etwas länger zurück zum wartenden Tuk-Tuk …

ein dorf abseits

Auf dem Rückweg machen wir Halt in einem Dorf weit abseits des üblichen Touristenrummels. Ein friedliches altmodisches Dorf, wo man beinahe den Hauch des vorletzten Jahrhunderts zu spüren glaubt. Wären da nicht die überalle herumliegenden Plastikflaschen …

Abgeschiedenes Dorf

Ein Dorf aus dem vorletzten Jahrhundert

Ein schöner Tag. Gut, gut, gut …

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