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Kategorie: Südostasien Seite 1 von 3

Das letzte TukTuk

Auf Wiedersehen, Asien

Und dann das letzte Tuk-Tuk am frühen Morgen. Es ist frühmorgens um vier Uhr, sogar im niemals schlafenden Phnom Phen ist Ruhe eingekehrt. Die flüchtige Ruhe vor dem nächsten Sturm. Wir tuckern in Windeseile durch die leeren Strassen, da und dort brennt ein Feuer, schemenhafte Gestalten kauern daneben, es wird gelacht, gegessen, getrunken …

Ich werde sie alle vermissen.

Ein geschlossener Flughafen

Auch ein ungewohntes Bild: Der Flughafen ist noch geschlossen. Während die Reisenden frustriert auf das Öffnen der Tür warten, erscheint am östlichen Himmel ein schmaler Streifen Helligkeit, der neue Tag kündigt seinen baldigen Auftritt an.

Flug nach Bangkok

Der Flug nach Bangkok ist kurz und bündig, Flüsse und Seen schiessen reflektierend das erste Licht des Tages zum Himmel, dunkel gleiten die noch im Schatten liegenden Landschaften vorbei.

Ich fühle die Wehmut, immer die gleiche, immer am letzten Tag. Jetzt erst, kurz vor der Heimkehr, das erste Mal das lähmende Gefühl der Einsamkeit. Ist das nicht seltsam? Mehrere Wochen als Solo-Traveller unterwegs, allein und auf mich selbst gestellt. Viele neue Freunde gefunden und wieder verloren. Und niemals einsam gefühlt. Oder traurig. Oder verlassen. Und jetzt das. Vielleicht rührt das Gefühl eher vom Abschiednehmen her. Dem Wissen, dass eine grandiose Zeit sich dem Ende nähert.

Und dann Bangkok, Hektik, der Puls steigt. Die Wehmut verzieht sich. Die knapp sieben Stunden Flug nach Dubai sind mühsam, doch The Desolation of Smaug macht sie einigermassen erträglich.

In Dubai der erste Eindruck einer weiteren Mühsal, die schwerer zu ertragen ist. Der Warteraum vor dem Boarding ist proppenvoll mit Touristen, die meisten aus meinem geliebten Heimatland und viele mit herabhängenden Mundwinkeln wie im Tram morgens um sieben. Diese Griesgrämigkeit fällt auf, wenn man eine gewisse Zeit nicht mehr in ihren Genuss gekommen ist, aber … Lassen wir das.

Und so endet meine Reise

Ich habe gefroren, geschwitzt, geschlottert – vergessen! Ich habe mir den Arsch wundgesessen von hundert Stunden im Bus, im Zug, auf dem Velo, im Speedboat – egal! Ich wurde angelogen, betrogen, kaltlächelnd über den Tisch gezogen – so what! Ich habe soviel schlechte Luft eingeatmet wie ein Kettenraucher in einem ganzen Jahr – kein Problem! Denn – ich habe wunderbare, freundliche, lächende, herzliche Menschen kennengelernt, Einheimische wie auch Touristen, es hat Momente gegeben, die ich nie vergessen werde, Momente, wo einfach alles stimmte, alles im Gleichgewicht war, Momente, wie soll ich sagen, die dem Zustand von Glück am nähesten kamen …

Und deswegen gehört das Schlusswort Arnold Schwarzenegger, dem unsterblichen Terminator, und für einmal erhält sein in die Ewigkeit eingegangener Spruch eine ganz andere Bedeutung: I’LL BE BACK!

Bye-Bye young Man

Bye-Bye young Man

Next Stop: Burma/Myanmar

Gekochte Käfer und Spinnen

Der letzte Tag

Ja, tatsächlich, da ist er, der Tag der letzten Male. Zum letzten Mal das Morgenessen vor dem Pool, das letzte Morgengespräch mit der jungen Dame an der Reception (“When do you come back to Cambodia?”), der letzte Pickup vor dem Hotel, das letzte Mal Platz nehmen im Bus, das letzte Winken an das im morgendlichen Nebel hinter mir verschwindende Siem Reap, die letzte, allerdings lange und – wie sich später herausstellt – mühsame Etappe bis Phnom Phen.

Gekochte Käfer und Spinnen

Vor dem Fenster die wechselnden Landschaften, grün und gelb und braun, die weissen, mageren Kühe, der Unrat am Wegrand, die Kinder, die Frauen in ihren farbigen Kleidern, doch der Blick ist ein anderer. Er ist bereits weit weg, auf dem Weg zurück, beim nächsten Montag, dem gefürchteten, unausweichlichen, bei der Arbeit, die wartet …

Gekochte oder gegrillte Käfer, Spinnen, Heuschrecken ...

Gekochte Käfer?

Ein Halt offenbart besondere Leckereien. Es sind irgendwelche gegrillte (?), gekochte (?), gebratene Käfer. Sie sehen aus wie Cockroaches, aber kann es wirklich sein, dass die Kambodschaner diese schrecklichen Dinger essen?

Mekong

Und wieder zum allerletzten Mal der Mekong

Nun, ich habe schlimmere Dinge gesehen (die riesigen Spinnen als Höhepunkt), aber mein Hunger hat sich angesichts der zur Verfügung stehenden Lebensmittel drastisch reduziert.

Zurück in Phnom Phen

Es ist tatsächlich ein elend langer Trip nach Phnom Phen, aber tatsächlich – an der Endstation werde ich von meinem Haus- und Hof-Rikschafahrer bereits erwartet. Ich habe ihm eine SMS geschickt mit der ungefähren Ankunftszeit (die zwar um Stunden überschritten wurde, aber wen kümmert’s?). Er bringt mich in Windeseile zu meinem Hotel in jenem schäbigen Stadtviertel, wo man abends am besten mit einer Kalaschnikov aus dem Haus geht.

Ein nachdenklicher Abend

Es wird ein nachdenklicher Abend beim letzten Nachtessen in Phnom Phen mit einer  Revue der vergangenen Reise. Nicht, dass die Wochen im Flug vorbeigegangen sind, nein, die Zeit wirkt länger, viel länger, sie wird gedehnt, gestreckt, gefüllt mit tausend Eindrücken und Erlebnissen, mit Erinnerungen an Gespräche, an Personen, mit dem permanenten Fluss der Gedanken (und endlich auch mal solchen, die man nicht schon millionenmal gedacht hat) … Und doch sind sie nun vorbei, die schönen Tage, und ein wehmütiges Gefühl schleicht sich ein.

Die sich kaum unterscheidenden Tage und Wochen, die Regelmässigkeit, die Gleichheit der Dinge, die man denkt, sagt und tut, sprich unser normales Daily Life, das ist das, was das Leben kurz macht, das, was die Zeit tatsächlich im Flug vergehen lässt.

Wer diesem Phänomen entgehen möchte, muss raus aus dem Alltagstrott, hinein in das wechselvolle Spiel mit dem täglichen Unbekannten …

Angkor Wat – Ein sehr besonderer Sonnenaufgang

Eine Million Klicks …

Die Frage nach dem Warum stelle ich dummerweise erst, nachdem ich – wie eine Menge anderer Leute – um knapp halb Sechs vor dem stockdunklen Eingang zu Angkor Wat stehe. Die Frage betrifft die Zeit: was ist der Grund, dass man um halb Fünf aufstehen muss, um dermassen früh schon hier zu sein, denn – und das ist die Frage aller Fragen überhaupt … Aber siehe den entsprechenden Dialog zwischen mir – sehr verschlafen, sehr müde – und dem Tuk-Tuk-Fahrer (dito, er hängt in den Seilen):

Wann genau geht denn die Sonne auf?

Um zwanzig vor Sieben.

Aha. Und weswegen sind wir jetzt schon hier, obwohl eine Stunde später immer noch früh genug gewesen wäre?

Weil es sonst keine Sitzplätze mehr hat.

Dunkel wie in einem Kuhmagen

Diese Logik ist kaum zu kontern. Niemand weiss, welche Sitzplätze gemeint sind, aber sei’s drum. Ich stolpere also, im Licht der iPhone-Taschenlampe, über die Brücke hinüber zum Eingang, vor, hinter und neben mir eine ganze Menge anderer schemenhafter Gestalten, stumm und müde. Man hört allenfalls allenfalls unterdrücktes Murmeln, ein kurzes Lachen, Schritte auf Stein. Das Ganze erinnert unangenehm ans Militär, Nachtmärsche …

Es ist dunkel wie in einem Kuhmagen, ein paar vereinzelte Sterne blinken am wolkenlosen Himmel, Mauern aus uralten Steinen wachsen vor den verschlafenen Augen in die Höhe. Mitten im riesigen ummauerten Hof liegt ein Teich, offenbar der Versammlungspunkt der Sonnenanbeter. Langsam kriecht die Dämmerung heran, die Welt erhält Form und Farben, und jetzt erkennt man die Brüder im Geiste, die sich, Smartphones, Kamera, iPads gezückt, am Teich versammelt haben.

Doch der Magen ist leer, der Geist ebenso, und so entschliesst man sich, Sitzplätze am Teich hin oder her, einen Kaffee zu trinken. Wieder einer dieser merkwürdigen Anlässe am frühen Morgen, und wieder taucht eine Erinnerung auf, die sich – wie könnte es anders sein – in Indien abgespielt hat, genauer gesagt in Udupi, ein paar Stunden südlich von Goa (oh Indien, du Quelle wunderbarster Episoden, du zum Leben erwecktes Monty Python Sketch).

Kaffee mit Zusätzen

Angkor Wat am frühen Morgen

Restaurants bei Angkor Wat

Das ist heute nicht das Problem. Der Kaffee ist gut (mit Kondensmilch!) und könnte im Notfall Lazarus zum Leben erwecken, der dazu bestellte Banana-Pancake entspricht allerdings weder in Form noch Inhalt den Erwartungen, aber einmal mehr, was soll’s. Dass innerhalb von wenigen Minuten etwa zwanzig winzige, weisse Mücken (Fliegen? Motten?) leblos im Kaffee schwimmen und diesem einen milchigen Teint verpassen, finde ich dann doch etwas too much, und so entsteht ein Rennen auf Zeit, indem ich versuchen muss, mehr Mücken aus dem Kaffee zu fischen als sich neue in den Tod stürzen …

Eine Million Klicks …

Irgendwann – in der Zwischenzeit hat sich der Platz vor dem Teich gefüllt – schleicht sich eine anfangs unmerkliche Röte hinter den majestätischen Tempelanlagen heran, Unruhe entsteht, ein mehrsprachiges, nervöses Gemurmel liegt erwartungsvoll über der unwirklichen Umgebung, und da, wie ein plötzlicher Farbklecks am Himmel, genau hinter den Türmen, orange und rund und leuchtend, die Sonne … Und eine Million Klicks, alle im genau gleichen Augenblick …

Alles in allem, ja, es hat sich gelohnt, obwohl es wahrscheinlich Millionen besserer Fotos gibt, doch es sind die eigenen, die zählen. Wenn man genau den richtigen Platz gewählt hat, dort, wo sich die Tempelanlage im Wasser des Teiches spiegelt, den richtigen Augenblick erwischt, die richtige Position der Türme,  dann ist das pure Magie …

Und jetzt erst sind sie alle sichtbar, die hunderten von Zuschauern, alle berührt durch das wunderbare Spektakel, das sich alle Tage in grandioser Regelmässigkeit wiederholt …

Angkor Wat

Zuschauer bei Angkor Wat

Von einem Steinhaufen zum nächsten

Doch Tag hat erst begonnen, und er verspricht lang und heiss und – da vieles schon gesehen – etwas mühsam zu werden. Doch der Tuk-Tuk-Fahrer spult sein Programm ab, lädt mich da ab und dort, und während er den nächsten gemütlichen Schwatz mit einem Kollegen abhält, stolpere ich zum nächsten Steinhaufen, bin immer noch begeistert, doch immer weniger motiviert und ärgere mich in zunehmendem Mass über die vielen Reisegruppen, die weder sehen noch staunen, sondern ausschliesslich knipsen und zwar vornehmlich sich selber oder die anderen Teilnehmer …

Angkor Wat

Der Weg hinein …

Verfallene Tempel

Noch mehr Steinhaufen …

Langsam kenne ich mich aus. Ich folge nicht den Menschenmassen, die sich träge von einem Tempel zu anderen schleppen, ich suche meine eigenen Wege. Manchmal sind sie abseits des Trubels, inmitten überwachsener Hügel, die mit grosser Wahrscheinlichkeit ebenfalls etwas verbergen, manchmal hinter einer Abzweigung.

Es ist ein Wunder. Ein menschengemachtes Wunder. Dem Urwald entrissen, vielleicht im letzten Moment.

Wer gewinnt?

… manche kaum mehr zu erkennen

Überreste

Kurz vor dem Zusammenbruch

Natur und Architektur

Krieg zwischen Natur und menschgemachter Architektur

Und so geht ein weiterer Tag dahin, beinahe der letzte, es wird nun eng, richtig eng …

Abend in Siem Reap

Siem Reap, obwohl ein Touristenort erster Klasse, mit zahlreichen Restaurants, die jedes Menü anbieten, mit Musik, Ausstellungen und dem unausweichlichen Verkehrsaufkommen, gefällt mir gut. Die Stadt selbst bietet nicht allzu viel, das braucht es auch nicht, denn jeder kommt wegen Angkor Wat.

Trotzdem fühle ich mich wohl. Genauso wie am Tag zuvor esse ich in meinem Restaurant, und während ich genussvoll esse, beobachte ich das Treiben auf den Strassen und Gassen. Leise Wehmut kommt auf, den morgen geht’s zurück nach Phnom Penh …

Angkor Wat – Das achte Weltwunder

Schönheit und Faszination

Obwohl mich sämtliche Tuk-Tuk-Fahrer in selbstverständlich nur ehrenwerter Absicht davor gewarnt haben, die Fahrt zu den Tempeln mit dem Fahrrad abzustrampeln, kann ich es mir nicht verkneifen. Ich finde, man sollte für das achte Weltwunder auch ein bisschen was dafür tun müssen und nicht nur 20 Dollars Eintritt bezahlen (was für sich allein genommen schon eine ziemliche Abbitte ist).

Eine ähnliche, genauer gesagt von den gleichen Urhebern erbaute Anlage gibt es in Laos und zwar in Champasak, nur unwesentlich nördlicher als die viertausend Inseln. Aber da war doch was, und einmal mehr im Zusammenhang mit einem Fahrrad …

Very far, very hot

Ich bin also gewarnt, doch das Fahrrad der “The White Bycicle Company” scheint – abgesehen von einem Sattel, der sich anfühlt wie aus Eichenholz geschnitzt – in Ordnung zu sein. Der Eintritt beträgt entweder 20 Dollars für einen Tag oder 40 für drei. Ich möchte aber einen Pass für zwei Tage, was es aber dummerweise nicht gibt. “Be happy, so you can enjoy Angkor Wat for three days.” Ja, wunderbar, blöd nur, dass ich am dritten Tag wieder auf dem Weg nach Phnom Phen bin.

Tempel

Die Tempel von weitem

Der lange Weg zum Eingang

Von weitem sieht es aus, als wäre der angedrohte Volksaufmarsch beim Haupttempel, Angkor Wat, eine grosse Übertreibung. Der lange Weg über die Brücke zum Eingang scheint nicht übermässig bevölkert zu sein, und auch im riesigen Innenhof, der zur eigentlichen Tempelanlage führt, verlieren sich die Besucher.

Türme und Reliefs

Und so betrete ich also das achte Weltwunder, zwänge mich durch dunkle Gänge, trete über allerhand überraschende Ausgänge wieder ins gleissende Licht und die in die Zwischenzeit geradezu umwerfend heisse Luft hinaus und stehe einmal mehr, atemlos, gerührt, vor den schwärzlichen Mauern, den symmetrischen Türmen, den steilen Treppen, den unirdisch anmutenden Reliefs, die auch nach achthundert Jahren noch nichts von ihrer Faszination und Schönheit eingebüsst haben …

wunderbare Reliefs

Unirdisch anmutende Reliefs

Türme

Gut erhaltene Türme

Türme

Weniger gut erhaltene Türme

Was soll man sagen, es ist irgendwie – wie der Petersdom, die Pyramiden von Gizeh, die chinesische Mauer – nicht in Worte zu fassen, also lasse ich es lieber bleiben und wünsche allen Lesern einen Besuch auf eigene Faust, um das Unbeschreibliche am eigenen Leib zu erfahren …

Einigen geht die Luft aus

Und es gibt einen weiteren Innenhof, dort, wo sich der steile Aufstieg zum zentralen Heiligtum befindet (und wo man die Mütze ablegt und die zu kurzen Hosen langzieht), da wird nun klar, was mit den Menschenmassen gemeint ist. Es drängen sich Hunderte von Menschen aller Nationalitäten und Sprachen auf wenigen Quadratmetern, man pufft und drängt und wettert, wenn es nicht vorwärtsgeht, weil einem etwas korpulenteren chinesischen Mütterchen mitten im Aufstieg die Luft auszugehen droht …

Müde Darsteller

Müde??

Aufstieg zum Tempel

Stau beim Aufstieg zum Tempel

Schule für elternlose Kinder

In einem der gut erhaltenen Tempel ist eine Schule für elternlose Kinder untergebracht. Es sind ungefährt 25 Kinder, aus unterschiedlichen Dörfern und Regionen stammend, alle mit dem gleichen Schicksal. Einige lernen traditionelle Khmer Musik, andere studieren die Khmer Sprache und die buddhistischen Riten und Gebete. Natürlich wird auf milde Gaben gehofft. Dem komme ich gerne nach.

Pagoda School

Pagoda School for orphaned Children

Bayon

Der nächste Weg, den ich mir gewissenhaft beschreiben lasse, führt geradeaus und dann rechts. Man müsste also meinen, alles klar, und tatsächlich, das Dschungeldach gibt eine weitere Tempelanlage frei.

Weg

Der Weg zum nächsten Heiligtum

Wächter

Er zeigt mir den Weg

Das muss das angepeilte Ziel sein. Und wirklich, der Vergleich mit Angkor Wat ist natürlich schief, aber die Tempel strahlen eine eigene Faszination aus. Hier sind es vor allem in Stein gehauene, für die Ewigkeit geschaffene Buddhafiguren, deren starrer Blick ein leichtes Unbehagen auslöst.

Pforte

Der Eingang

Bewunderung

Bewunderung

Ehrfurcht

Ehrfurcht

Erstaunen

Erstaunen

Lobgesang

Lobgesang

Unbehagen

Unbehagen

Angkor Thom

Die Begeisterung ist gross, doch aufgrund der Beschreibung im Guide gehört diese Anlage nicht zu den Höhepunkten. Na ja, also darüber liesse sich nun diskutieren, doch der Sicherheit halber ist Nachfragen keine schlechte Idee. Und wer nun denkt, dass ich mich wieder mal vertan hat, liegt … goldrichtig, denn das, was mir derart Eindruck gemacht hat, ist Bayon, die zentrale Tempelanlage von Angkor Thom, neben Angkor Wat DER Höhepunkt. Legen wir also den Mantel des Schweigens über das neueste Missgeschick und gehen weiter …

Sonnenlicht

Im Sonnenlicht am späten Nachmittag

Der Zahn der Zeit

Der Zahn der Zeit

Natur

Die Natur holt sich ihr Eigentum zurück

Brutal

Brutal

Unaufhaltsam

Unaufhaltsam

Zerstörerisch

Zerstörerisch

Natur

Wie lange noch?

Heiss und müde

In der Zwischenzeit ist es so heiss geworden, dass sogar mir, der heisse und feuchte Temperaturen über alles liebt, der Schweiss in Strömen über das Gesicht und den Rücken läuft. Die holprige schlechte Strasse, die Abgase der unzähligen Vehikel, die mich überholen oder entgegenkommen, der Gegenwind, tragen das ihre dazu bei. Es mag also nicht gross erstaunen, dass ich nach der nächsten Tempelanlage, deren Namen ich mir immer weniger merken kann, die Rückfahrt nach Siem Reap antrete und im Hotelzimmer alle Viere von mir strecke …

Auf dem Tonle Sap Richtung Siem Reap

Auf dem Tonle Sap Richtung Norden

Ferien sind auch nicht mehr, was sie mal waren, könnte man aufgrund der sich häufenden Frühaufstehaktionen den Eindruck gewinnen. Ich weiss nicht, das wievielte Mal ich nun vor sechs Uhr aufstehen muss, weil entweder der Zug, der Bus, das Tuk-Tuk oder sonst irgendeine Dringlichkeit dies verlangt. Allerdings gewöhnt man sich daran, und vor allem, man hat es gewusst, gibt es doch mancherlei Erinnerungen an frühere Erfahrungen dieser Art (Mandalay, Santiago de Cuba, Marokko, Pak Beng … und viele andere).

Erinnerungen an Varanasi

Besonders im Gedächtnis geblieben ist die frühmorgendliche Fahrt in Varanasi (früher Benares genannt). Man stelle sich einen grauen, noch kaum durchsichtigen Morgen vor, ein leichter Nebel liegt in der Luft, der Fahrer der Velo-Rischka, ein drahtiger Mann nicht mehr ganz in den besten Jahren (was in Indien wahrscheinlich zwischen dreissig und vierzig bedeutet) tritt mit aller Kraft in die Pedalen.

Unser noch schlaftrunkener Blick – schliesslich ist es kurz nach fünf – schweift in die Umgebung und erkennt auf den Feldern abseits der Strasse unzählige schemenhafte Gestalten, manche aufrecht, die meisten jedoch hingekauert, und alle gehen sie ihrer morgendlichen Notdurft nach, oder mit anderen Worten, sie kacken. Na gut, in Abwesenheit geeigneter sanitärer Anlagen gibt es wohl keine anderen Möglichkeiten …

Ganges

Das Ufer des Ganges

Ganges

Ruderfahrt am frühen Morgen

Sonnenaufgang über dem Ganges

Darauf haben wir gewartet – der Sonnenaufgang über dem Ganges

Später dann, auf dem Ganges, weitere erinnerungswürdige Gegebenheiten, die für sich allein ein Kapitel wert wären (allein der Geruch der brennenden Leichen, die frühmorgends am Ufer des Ganges kremiert werden, verleiht den Erinnerungen die notwendigen Sinnesaspekte).

Speedboat

Heute ist es die Abfahrt des Speedbootes, das mich mitten in der Nacht aus den Federn holt und mich in Windeseile nach Siem Reap, der letzten Station meiner Reise und Sitz der weltberühmten Tempel von Angkor Wat, bringen soll. Es gibt zur Abwechslung wieder mal eine Aufregung meines Tickets wegen (auch dies eine sich wiederholende Erfahrung), und auch diesmal löst sich alles in Wohlgefallen auf. Das Boot schaut schon mal sehr schnittig aus, mit schmalen Körper, spitzem Bug, weissgestrichenem Dach, auf dem sich bereits eine Anzahl Passagiere bequem gemacht hat.

Dach des Speedboots

Eine illustre Gesellschaft auf dem Dach des Speedboots

Sonnenaufgang über dem Mekong

Und ein Sonnenaufgang über dem Mekong

Dumpfes Röhren der Aussenbordmotoren

Pünktlich zur Abfahrtszeit dröhnt der Motor auf, langsam bewegt sich das Boot vom Ufer weg, dann, mit einem dumpfen Röhren wie aus dem Rachen eines urzeitlichen Ungetüms, schwillt der Lärm an, und wir bewegen uns. Leicht wie eine Feder, so scheint es, doch immer schneller und schneller gleiten wir über das Wasser des Tonle Sap Rivers, doch erst in der Mitte des Flusses, wenn endlich freie Fahrt möglich ist, gibt der Kapitän Vollgas.

Wow! Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie schnell das Teil fährt, aber das Ufer eilt in derartigem Tempo vorbei, dass man den Eindruck hat zu fliegen. Es sind genau 231 Kilometer Luftlinie, also dürften es mit allen Windungen des Flusses noch ein paar mehr sein, und das Boot braucht für diese Distanz knapp fünfeinhalb Stunden, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von zwischen 40 und 50 Kilometer pro Stunde entspricht. Nicht schlecht schlecht!

Ufer des Mekong

Geschäftiges Treiben am Ufer

Tonle Sap Lake

Allen Abwechslungen zum Trotz – immerhin fahren wir zwischenzeitlich wieder auf dem Mekong – wird man mit der Zeit etwas schläfrig, die Uferlinie wird diffus, bis der Kopf vornüberkippt und man ein halbes Stündchen Schlaf nachholt … Doch pünktlich beim Erreichen des riesigen Tonle Sap Lakes, dem grössten Süsswasser-Reservoir Südostasiens, wird man wieder hellwach.

Der See ist überraschenderweise nicht blau, sondern von einem dunklen Braun, genauso wie der Himmel, der genauso wenig blau ist, sondern eine bräunlich-graue Tönung aufweist, was dem Ganzen eine unwirkliche Dramaturgie verleiht. Falls es auf dem Mars Wasser gäbe und einen See, dann müsste er ungefähr so aussehen …

Tonle Sap Lake

Tonle Sap Lake – jetzt mit niedrigem Wasserstand

Das Wasser wird braun

Eine bräunliche Suppe

Wir tauchen also ein in die bräunliche Suppe, jeder Anhaltspunkt an Land ist verschwunden, wir sind allein, verloren im Niemandsland, für ewig auf dem Weg in die Unterwelt Hades … Doch halt, das ist natürlich pathetischer Unsinn, der Kapitän, ein hagerer Mitvierziger, bohrt sein Auge in die unendlich scheinende Weite, orientiert sich an meterhohen, aus Holzstangen zusammengenagelten Bojen, die von weither sichtbar sind … und bringt uns schiesslich in die Zivilisation zurück, zum Anlegehafen, wo wir bereits von geschätzten zehntausend Tuk-Tuks erwartet werden.

Verloren

fast keine Anhaltspunkte mehr

Land in Sicht

Nach knapp fünf Stunden ändert sich die Umgebung. Der See verengt sich, wird wieder zu einem Fluss. Am Ufer tauchen die ersten Boote auf, auch Hütten, die auf dem Wasser schwimmen. Sie machen nicht unbedingt einen stabilen Eindruck.

Ziel in Sicht

Das Ziel kommt näher

Schwimmende Häuser

Schwimmende Häuser – nicht sehr stabil

Transportmittel

Andere Transportmittel

Hütten auf Stelzen

Hütten auf Stelzen

Wir werden erwartet

Empfangskommittee

Ziel erreicht

Empfang und Begrüssung

“Welcome Landolt”

Dann ist es definitiv soweit – am Ufer begrüssen uns reihenweise Hütten, Stände, Sonnenschirme und zahlreiche Fahrzeuge mit zugehörigen Menschen. Es scheint, dass das Ziel nicht mehr allzu weit entfernt ist.

Einer trägt ein Plakat, darauf steht in grossen Buchstaben: Welcome Landolt!

Tuol Sleng – Das Gesicht des Bösen

Erinnerungen an böse Zeiten

Erinnerungen werden wach. An Könige – Brüder, Verwandte? – die einander entweder ablösten oder bekämpften. An eine schreckliche, brutale, unmenschliche Zeit, während Pol Pot und seine Entourage Millionen von Menschen in die Killing Fields schickten, wo sie verhungerten oder totgeschlagen wurden.

Aber mehr dazu später.

Phnom Penh

Ich bin jetzt in Phnom Penh, der Hauptstadt, und weiss nicht, was mich erwartet. Auf den ersten Blick ist es eine normale asiatische Grossstadt, mit Millionen von Einwohnern, viel Verkehr, viel Hektik. Und pompösen Gebäuden und irgendwelchen undefinierbaren Bauwerken.

Sie werden von dieser Art Machthaber gerne als Erbe ihrer meistens unseligen Herrschaft hinterlassen. Das erste begrüsst mich schon kurz nach der Ankunft mit meinem TukTuk. Keine Ahnung, was es darstellen soll. Ich bin auch nicht wirklich interessiert daran, es herauszufinden.

TukTuk in Phnom Penh

Mit dem TukTuk zu meinem Hotel

Monument

Eine Durian-Frucht?

Und dann lande ich in meinem Quartier. Es sieht nicht unbedingt einladend aus. Was bedeutet das für meine Ausgangsideen für den Abend? Mal sehen …

Häuser in Phnom Penh

Heruntergekommenen Gebäude in Phnom Penh

Am Nachmittag mache ich mich auf für etwas, wovor ich mich fürchte. Denn schon fast am Schluss – das Schlimmste …

Tuol Sleng Genocide Museum

Ich werde auf keinen Fall mich dem Zug der Lemminge anschliessen und die Killing Fields besuchen. Diese Art Touristenattraktionen will ich mir sparen. Sie sind etwas für Voyeure. Das Genocide Museum ist etwas anderes. Es zeigt kühl und sachlich, was gewesen ist. In all seiner Grausamkeit.

Und es soll vor allem daran erinnern, zu welchen Taten der Mensch fähig ist.

Tuol Sleng

Der Eingang zu einem ganz normalen Gebäude …

Dreizehn Männer und eine Frau

Man hat von aussen den Eindruck eines ganz normalen Gebäudes. Was auch die Absicht der Folterer war.

Im Hof blühen Magnolienbäume. Ihre Blüten hängen schwer und schlaff herunter, wie ein farbiger Schirm über vierzehn Gräbern, die wie weissgestrichene Särge aussehen. Dreizehn Männer und eine Frau. Nicht mehr zu identifizieren aufgrund der starken Verwesung.

Die letzten Opfer des Gefängnisses Tuol Sleng.

Vierzehn Gäber

Vierzehn Gäber

Das Böse an sich

Tuol Sleng. Schon der Name klingt wie eine Drohung, wie das Böse an sich. Neben den Gräbern befindet sich eine Art Teppichstange, so wie man sie früher hatte. Auf den ersten Blick nichts Besonderes.

An der Querstange jedoch Haken, darunter je ein Tongefäss, ungefähr einen Meter hoch. Man muss es nachlesen, um den Horror zu begreifen. Den Gefangenen wurden die Arme auf dem Rücken zusammengebunden und daran hochgezogen, bis sie das Bewusstsein verloren. Um sie wieder ansprechbar zu machen, tauchte man sie in die Tongefässe, die gefüllt waren mit Pestiziden versetztem Wasser …

Beschreibung der Foltermethoden

Man lese es selbst …

Foltern in Tuol Sleng

Besonders perfide Foltermethoden

Schulzimmer

Die Gebäude, fast etwas baufällig. Auf jedem Stock aneinander gereihte ehemalige Schulzimmer. Darin verrostete Bettgestelle, darauf Patronenkisten, leer, jeweils eine Kette, auf den Boden hängend.

The Security of Regulation

Zeugnisse des Schreckens

Folterbett

Die Phantasie an ihrem Ende

Opfer

Eines der letzten Opfer

Steigerung der Schrecken

Jedes Gebäude stellt eine Steigerung der Schrecken dar. Die Bilder der Ermordeten. Sauber nummeriert, wie bei den Nazis. Bürokraten am Werk. Was man tut, macht man richtig. Alte Männer, Frauen, Kinder, viele Männer. Teilweise mit schrecklichen Wunden. Ist es Würde, was sie ausstrahlen oder ist ihnen nicht bewusst, was sie erwartet?

Gesichter der Opfer

Die Gesichter der Opfer

Dann die Bilder der Anführer, Pol Pot, dessen Leiche auf einem Haufen alter Autoreifen verbrannt wurde. Die meisten anderen leben noch. Beinahe Alltagsgesichter, wenn da die Augen nicht wären. Die Banalität des Bösen. Die schlimmsten Szenen sind gezeichnet, doch man geht schnell vorbei oder bleibt doch stehen.

Die Faszination des Bösen.

Zellen

Zellen

Die Zellen. Zwei Meter mal achtzig Zentimeter. Flecken am Boden. Die Luft ist schal, doch man vermeint den Geruch des Todes zu riechen. Es ist still. Kaum jemand redet, auch die jungen Backpacker nicht …

Anschliessend langsames Zurückgehen ins Stadtzentrum. Keine Lust für gar nichts … Irgendwann, weit weg, wo der Tonle Sap River mündet, der Mekong. Wenigstens das …

Durchatmen

Doch Kambodschas Hauptstadt hat nicht nur deprimierende Anblicke und böse Erinnerungen zu bieten.

Häuser in Phnom Penh

Wunderschöne Häuser …

Paläste

Paläste …

Familien

Spielende Familien

Tempel

… und noch mehr Tempel

Heimatlose Kinder am Ufer des Mekong

Doch es gibt nicht nur Tuol Sleng, es gibt andere Szenen und Bilder, die das Herz schwer machen. Auf dem Trottoir in der Nähe des Mekongufers spielen Kinder.

Doch es sind nicht irgendwelche Kinder, die sich hier den Nachmittag vergnügen. Es sind elternlose, heimatlose Kinder – Strassenkinder.

Sie machen, trotzdem man die Armut von weitem sieht, keinen Eindruck von Hoffnungslosigkeit, im Gegenteil. Sie spielen, machen Blödsinn, lachen. Mir ist nicht nach Lachen zu Mute. Ich fühle mich schlecht, weiss einmal mehr nicht, wie ich damit umgehen soll. So wie es uns allen geht, wenn wir einem Problem gegenüberstehen, das wir zwar erkennen, aber nicht zu ändern vermögen.

Oder täusche ich mich? Versuche mich, aus der Verantwortung zu ziehen? Ein Schweizer Arzt namens Beat Richner hat das Elend erkannt und vor vielen Jahren in Siem Reap eine Klinik für Kinder aufgebaut, in der sich jeder kostenlos behandeln kann. In der Schweiz wird er zu Recht als Held verehrt. Was würde er an meiner Stelle tun? Ich weiss es nicht …

Strassenkinder

Strassenkinder

Kampot und seine “Wunderbar”

Auf dem Weg in den Norden

Nun also Kampot, eine knappe Stunde von Kep im Landesinneren. Ein ruhiges Plätzchen, an dem man seine Beine ausstrecken kann, oder in meinem Fall, könnte. Der äusserst enge Zeitplan lässt leider nicht mehr als einen Tag zu.

Zentraler Platz

Langes Warten auf den Bus …

TukTuks

… ebenso wie die TukTuks

Ein letzter Blick auf den Hauptplatz, wo die versammelten TukTuks auf Kunden, und Touristen auf ihre Weiterfahrt warten.

Bus nach Kampot

Für einmal ein richtig komfortabler Bus nach Kampot

Kampot

Und dann bin ich in Kampot. Zuerst ein ein langer Erkundungsspaziergang dem Fluss entlang, über eine altersschwache Brücke, deren Betonelemente zum Teil abgebrochen sind und nun, an den letzten Armiereisen hängend, darauf warten, dass die Korrosion ihren Lauf nimmt. Ausserdem ist sie so schmal (und trotzdem von unzähligen Fahrzeugen befahren), dass man als Fussgänger einfach mal grundsätzlich vom Über- oder Angefahrenwerden bedroht ist.

Brücke in Kampot

Eine sehr einsturzgefährdete Brücke

Survival im asiatischen Strassenverkehr

Meine Erfahrung hinsichtlich Survival im südostasiatischen Strassenverkehr hat sich aber in der Zwischenzeit zu einem Spiel entwickelt, das ich gerne mitzumachen bereit bin. Es geht im Grunde genommen immer darum, seine Absicht klar zu machen.

Niemals zögern, sondern weitergehen, andernfalls entsteht Verwirrung, und ein Chaos – oder Schlimmeres – ist vorprogrammiert. Also mutig hinaus auf die Strasse, eine Lücke sehen und sofort losmarschieren. Der Blick sollte nun ausschliesslich auf dem entgegengesetzten Verkehr liegen; macht man es richtig, weiss der entgegenkommende Töff- oder Busfahrer, was ich beabsichtige.

Alles klar? Ist nicht für jedermann zur Nachahmung empfohlen, andererseits bin ich sicher, dass es schon Fälle gegeben hat, wo Fussgänger beim Warten auf eine günstige, d.h. ungefährliche, Möglichkeit verhungert sind …

Strasse dem Fluss entlang

Strasse dem Fluss entlang

Restaurant Wunderbar

Die Strasse entlang dem Fluss, die Hauptattraktion von Kampot, ist gesäumt von unzähligen Restaurants, Cafés, Hotels, Läden, und mein Blick fällt schon bald auf den etwas eigenwilligen Namen “Wunderbar”.

“Wunderbar”? Na gut, die Wahrscheinlichkeit, dass es sich dabei um eine kambodschanischen Kneipe handelt, ist denkbar klein, und tatsächlich, der Wirt ist weiss, schlank, emsig, und ich wette meine letzten Dollars, dass er Schweizer ist.

Beim Servieren des Salats (ebenfalls verdächtig nach CH-Herkunft aussehend) lasse ich mal einen Versuchsballon steigen und bedanke mit mit … “Dankä”. Eigentlich ist er bereits auf dem Weg zurück in die Küche, da bleibt er stehen und sagt: “Dankä? Hani das richtig khört?”

Schweizerdeutsch

Es entwickelt sich eine lebhafte Diskussion (immerhin die erste auf Schweizerdeutsch seit knapp vier Wochen). Es geht darum, wie es sich in Kambodscha lebt, vermisst man etwas und wenn ja, was, verfolgt man die Ereignisse in der Heimat, und hoppla, sind wir genau beim Thema, auf das ich in den letzten Wochen von den unterschiedlichsten Ausländern angesprochen worden bin.

Wir finden zwar beide, dass das Ergebnis der Masseneinwanderungs-Initiavie eine Dummheit ist, eine dieser speziellen CH-Eseleien, wie sie immer mal wieder vorkommen (Minarett, Ausschaffung, etc.), können aber die zugrundeliegenden Emotionen (jedes Jahr 80’000 Menschen mehr) zumindest ansatzweise verstehen. Und auch darüber sind wir uns einig, und das ist doch ein bisschen beruhigend, dass wir uns um die Schweiz trotz allem keine Sorgen zu machen brauchen …Wir sind ja eigentlich im Kontext der globalen Zusammenhänge und Probleme ein winziges Rädchen.

Oder wie sagte doch Rick in “Casablanca”, als er sich von Ilsa verabschiedet:

It doesn’t take much to see that the problems of three little people don’t amount to a hill of beans in this crazy world. Someday you’ll understand that.”

Recht hat er.

Kep – The Standing Buddha

Wanderung im Nationalpark

“Standing Buddha, 640 Meter”. Ein Buddha, hier, mitten im Dschungel? Und “Standing??” Im Normalfall sitzen oder liegen die Kerle doch, von rundlicher bis vollfetter Gestalt, im Gesicht ein weises, mitunter etwas einfältiges Lächeln.

Ich schaue mich um, die Strasse macht hier eine Rechtskurve, bevor sie im Schatten der Bäume verschwindet. Der Weg zum Buddha hingegen ist ein schmaler Pfad, der sofort in eine Steigung übergeht und zwischen herunter hängenden Ästen dem Blick entflieht.

Kep

Blick auf Kep hinunter

Waldweg

Ein lauschiger Waldweg …

Route

… mit Routenbeschreibung

Ein langer Weg

Ich befinde mich auf dem knapp zehn Kilometer langen Wanderweg durch den Kep National Park, und alles ist gut. Kein Laut ist zu hören, sieht man vom keckernden Ruf eines unsichtbaren Vogels ab. Er sucht irgendwo im Geäst seine Partnerin (oder ist er auf der Suche nach Abwechslung?).

Es ist zwar – obwohl früher Vormittag – bereits sehr heiss, doch Bewegung tut gut nach sovielen Tagen und Wochen ohne sportliche Betätigung. Die Entscheidung fällt schwer, doch wie immer, wenn es mir vor lauter Wohlgefühl zuviel wird, versuche ich das zu tun, was mich wachrüttelt. Dann also der Standing Buddha …

Wanderweg

Der Weg wird schmaler

Kep

Kep entspricht im Wesentlichen dem, was der Lonely Planet versprochen hat, ein kleines aufstrebendes Städtchen, ohne eigentliches Zentrum. Die Häuser, Resorts, Restaurants sind in weitem Umkreis verstreut. Von der Kep Beach – einem knapp dreihundert Meter langen Streifen, den man tatsächlich als Strand bezeichnen kann – führt eine breite, eine sehr breite Strasse in Richtung Landesinnere und damit auch zu meinem Hotel.

Ich betone das “breit”, weil parallel zum asphaltierten Stück auf beiden Seiten ein unbefestigter Streifen entlang führt, sodass das Ganze breiter ist als eine sechsspurige Autobahn. Irgendwie seltsam, denn diese Strasse, so breit sie auch sein mag, ist genauso leer wie diejenige von der Grenze hierher. Gelegentlich tuckert ein Tuk-Tuk mit einem Touristen vorbei oder ein Motorrad, ansonsten kann man getrost über die Strasse gehen, ohne sich vorher umzusehen.

Mein Hotel

Beim Hotel jedoch habe ich einen fast schon überirdisch guten Griff getan. Es ist ein eigenwilliger Bau, ganz anders als die anderen, und wie sich später herausstellt, vom Besitzer, der als Civil Engineer arbeitet, entworfen und gebaut. Die Zimmer sind gross, hell, sauber, mit einem wunderbaren Balkon (auf dem – wie König in Frankreich – das Frühstück serviert wird).

Die Inhaberin ist sympathisch, freundlich und hilfsbereit, und wir befinden uns schon sehr bald in langen Diskussionen über die Art und Weise, wie ein neues Hotel bekannt gemacht werden könnte. Kurz, ich fühle mich sauwohl, nur schade, dass ich nur zwei Nächte bleiben kann, denn wie bereits erwähnt, die Zeit läuft mir davon …

Ein riesiger Standing Buddha

Der Weg zum Standing Buddha (ich hoffe, er verdient die Anstrengung) ist entgegen aller Erwartung ziemlich steil, schmal und ein dauerndes Auf und Ab. Wenn er sich gelegentlich im Dickicht verkriecht und man sich orientieren muss, erinnert man sich mit einem leisen Schaudern daran, dass man ihn auf keinen Fall verlassen sollte (wie war das schon wieder mit den Zwergen im Düsterwald? Auf keinen Fall den Weg verlassen!).

Nur sind es in meinem Fall nicht riesenhafte Spinnen, die da lauern, sondern Überbleibsel des Krieges. Der Hügelzug scheint eine gewichtige strategische Rolle gespielt zu haben, und dewegen wurden ganze Gebiete vermint. Nun denn, ich habe keine Lust, plötzlich an mehreren Orten gleichzeitig zu sein. ich bleibe deshalb brav auf dem Pfad. Ich keuche hinauf und hinunter, komme immer mehr zur Überzeugung, dass das Ziel mal wieder eine Fata Morgana bleiben wird. Doch da taucht ein riesenhafter Baum auf, umschlungen von einem weiteren, der ihn beinahe zu erdrosseln droht.

Dort, wo sich der Stamm zu einer mehrere Meter grossen Öffnung spaltet, steht der Buddha, tatsächlich. Ein waschechter Standing Buddha, diesmal eine schlanke Ausgabe, weises Lächeln eingeschlossen, und auch wenn ich die Augen noch so zukneife, er misst einfach nicht mehr als dreissig Zentimeter. Für diesen Mini-Buddha habe ich geschwitzt, geflucht und gekeucht. Ich hoffe, dass mir mindestens eines meiner zukünftigen Leben erlassen wird …

The Standing Buddha

The Standing Buddha – Miniaturausgabe

Very steep – nur für experienced persons

Zurück auf dem Wanderweg im Nationalpark … Der Rückweg vom Buddha ist geschafft, von nun an geht’s wieder auf der normalen Strasse weiter. Ich sage explizit Strasse, denn sie kann auch mit Velos oder Töffs befahren werden und einmal werde ich doch tatsächlich beinahe über den Haufen gefahren.

Wirtshaus

Hier gibt’s einen Kaffee

Buddha

Und hier einen anderen Buddha

Eine gute halbe Stunde später wieder eine Abzweigung, der “Jungle Path”. “Very Steep” steht da und nur für “Experienced Persons”. Ein inneres Teufelchen lacht natürlich über derartige Warnungen. Steil? Auf diesem mickrigen Hügel?

Erfahrene Bergwanderer wie ich können da auf keinen Fall gemeint sein, doch wie heisst es so schön: Hochmut kommt vor dem Fall. In meinem Fall wohl eher vor dem Aufstieg, denn eine halbe Stunde später schwimmen rote Flecken vor meinen Augen. Gott im Himmel, ich bin im steilsten Aufstieg ever gelandet!

Steiler Pfad

Es ist steiler, als es aussieht

Es ist nicht einfach steil, es geht sozusagen senkrecht hinauf, unterstützt von Seilen, die alle paar Zentimeter einen Knoten aufweisen, an dem man sich notdürftig Halt verschaffen kann. Es dauert nicht lange, und der Möchtegern-Ueli Steck ist gewaltig am Keuchen, die Pumpe dreht im roten Bereich. Herrgott, wir sind in Kambodscha, nicht in Nepal! Der Aufstieg endet schliesslich auf einer sanften Kuppe, sogar eine Sitzbank ist installiert, daneben ein Abfallkübel. Fehlt eigentlich nur noch die Sauerstoffflasche für erschöpfte Alpinisten …

Geschafft!

Geschafft!

Der allabendliche Liebesgesang der Zikaden

Der Abend dann, eine roter Vorhang senkt sich über den Dschungel. Zikaden beginnen ihren allabendlichen Liebesgesang, die Luft verliert ihre Rauheit, wird zarter, kühler. Und schon wieder heisst es Abschied nehmen, diesmal mit noch mehr Wehmut als sonst …

Kambodscha – Und plötzlich diese Stille …

Über die Grenze nach Kambodscha

Nach dem abendlichen Spaziergang dem Meer entlang, mit einer unendlichen Auswahl an Seltsamkeiten, an unerwarteten und nie zuvor gesehenen Anblicken, wurde es spät. Aber jetzt erwartet mich eine weitere, allerdings weniger erfreuliche. Und plötzlich diese Stille in Kambodscha …

Und wieder ein Höllenritt

Ich bin zwangsläufig schon um sechs wieder auf Achse, einmal mehr mit schwerem Kopf und leerem Magen. Man bringt mich mit dem Motorrad zum Reisebüro. Ich bin der festen Meinung, dass diese paar hundert Meter mit Abstand die gefährlichsten fünf Minuten der bisherigen Reise sind. Dass dem mitnichten so ist, werde ich in Kürze erfahren, aber dazu später.

Panoptikum

Vorerst geht es darum, ein weiteres Mal mal zu warten, und wieder öffnet sich meinem staunenden Blick ein Panoptikum der seltsamsten Gestalten. Eine Opera Buffa, genannt Daily LIfe, die sich hier und überall sonst abspielt. Mit vielen kleinen und grossen Dramen, vielen Komödien und erstaunlich wenig Tragödien (zumindest nicht sichtbaren). Und es scheint, dass auch dieser Tag wieder ein paar besondere neue Leckerbissen bereithält.

Ein rüstiger alter Herr fährt vorbei, ebenfalls noch im Pijama, seitwärts auf einem seltsamen dreirädrigen Töff sitzend und dabei allen Bekannten begeistert zuwinkend. Und dann steht plötzlich und unerwartet diese alte Lady vor mir, ihr rundes Gesicht in unzähligen Falten zerknittert. Sie streckt mir ein Bündel Lose hin. Auf mein bedauerndes Nein hin öffnet sie ihren Mund, in dem absolut kein einziger Zahn mehr zu sehen ist, zu einem der schönsten und charmantesten Lächeln, das ich in langer Zeit gesehen habe. Es hätte nicht viel gefehlt, und ihr Bündel Lose hätten den Besitzer gewechselt.

Und noch ein Höllenritt am frühen Morgen

Ja, und dann werde ich wieder auf ein Motorrad verfrachtet, Rucksack auf dem Rücken, das Daypack über der Brust, Helm auf dem Kopf, die Hände krampfhaft um die seitlichen Halterungen geschlungen, und dann beginnt der mit Abstand wildeste Höllenritt meines Lebens.

Ich bin mich ja in der Zwischenzeit einiges gewöhnt, allerdings immer aus der Perspektive des kopfschüttelnden Zuschauers, doch diesmal bin ich Teilnehmer am tollkühnen Spiel, offenbar einer aktuellen Version von “Grand Theft Töff 5″. Der Fahrer – ein junger Bursche von knapp Zwanzig – will dem Westler offenbar zeigen, wo Bartli den Most holt, denn sein Bleifuss scheint tatsächlich nur das Gaspedal zu kennen, das er die ganzen Kilometer durchgedrückt hält.

Paris-Dakar-Rallye

Er überholt Lastwagen, Busse, Traktoren, Motorräder, Fahrräder, Traktoren mit dröhnenden Zylindern und knatterndem Auspuff. Er weicht mit eleganten seitlichen Schlenkern Fussgängern und anderen Hindernissen aus, alle paar Minuten – die längsten meines Lebens – schrammen wir um Haaresbreite an entgegenkommenden Fahrzeugen vorbei.

In einem dieser Momente stelle ich fest, dass ich das Atmen eingestellt habe. Die Bodenwellen tun ihr ihriges, denn jedes Mal, wenn er darüberprescht, als gälte es die Paris-Dakar-Rallye zu gewinnen, schlagen die Stossdämpfer bis zum Anschlag durch. Eine Hoch auf meine Bandscheiben. Irgendwie sind wir aber plötzlich da, ein Bremsen, eine Staubwolke, ein Durchatmen, und das Abenteuer ist überstanden, überlebt.

Niemandsland

Zwischen den beiden Grenzposten ist Niemandsland, also auch irgendwie ausserhalb der Gesetze liegend, und so entstehen hier Casinopaläste. Riesige, geschmacklose Bauten, die wohl an Las Vegas orientiert sein sollen. In ihrer Billigkeit manifestieren sie nur, dass es lediglich darum geht, den Kunden auf möglichst einfache und schnelle Weise das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Valentino Rossi schleust mich in der Zwischenzeit durch die Zollabfertigung, doch seltsamerweise interessiert sich kein Schwein für mich, weder auf der vietnamesischen noch auf der kamobschanischen Seite. Nachdem sich Rossi mit einem letzten triumphierenden Grinsen verabschiedet hat, merke ich, dass ich in Kambodscha bin, Stempel im Pass, und heureka! wieder ein neues Land.

Und plötzliche diese stille

Und das neue Land löst zunächst mal einen kleineren Schock aus. Waren es auf der vietnamesischen Seite tausend Vehikel, Millionen von Menschen, Lärm und Hektik, dann ist es hier eine plötzliche und unerwartete Stille. Eine Strasse liegt vor mir, schmal, löchrig, auf beiden Seiten von ausgedörrten Feldern umgeben, und es ist kein einziges Fahrzeug zu sehen.

Kein Mensch weit und breit, kein Lebenszeichen, sieht man von ein paar ausgemergelten Kühen ab, die im graslosen, zu Beton gebrannten Boden nach etwas Essbarem suchen. Ich bin allein in einem abgewrackten Minibus, ein dunkelbrauner Fahrer, offensichtlich ein Khmer, hat mich mit kurzem Nicken begrüsst. Er fährt mich nach Kep, wo mein heutiges Tagesziel liegt. Während er in gemächlichem Tempo die schnurgerade, immer noch absolut leere Strasse abfährt, verweilen meine Blicke, ungläubig und betroffen, auf der Landschaft. Hundert Gedanken schwirren im Kopf, die Vorstellung eines dunkeln Schattens, der wie Mordor über einem Land liegt, lässt sich nicht verdrängen …

Kep

Die Fahrt dauert nicht lange, es sind lediglich 25 Kilometer, und nach einer halben Stunde erreichen wir Kep. Die üblichen TukTuks erwarten mich auf dem Hauptplatz unweit des Meeres.

Zentraler Platz in Kep

Zentraler Platz in Kep

TukTuk Fahrer in Kep

Er wird mich zu meinem Hotel fahren

Der TukTuk Fahrer bringt mich an mein Ziel. Es ist bedeutend weiter als erwartet, über eine staubige, sehr breite Strasse geht’s in Richtung Landesinnere. Ein einziges Vehikel steht am Strassenrand, sonst ist absolut kein Verkehr auf der Strasse. Eine fast schockartige Erfahrung nach Vietnam …

Strasse in Kep

Eine breite Strasse wofür?

Aber das Hotel ist toll, und die Inhaberin ein Schatz. Es liegt zwar etwas abseits der Stadt, ein Fussweg von knapp dreiviertel Stunden muss man ein planen. Dafür ist das Zimmer mit Terrasse etwas vom Besten, was mir bisher untergekommen ist.

Hotelchefin

Die Gastgeberin und ihr Gast

Hotelterrasse

Meine Terrasse – mein Essen

Spaziergang am Nachmittag

Wie erwähnt – der Spaziergang zur Stadt hinunter ist lang, aber voller Überraschungen. Leere Häuser stehen am Strassenrand, verlassen und von Wind und Wetter zerstört. Ich bin überzeugt, dass hier reiche Leute gewohnt haben, die wahrscheinlich durch die Wirren des Pol Pot Regimes ihr Haus verlassen mussten und möglicherweise umkamen …

Gottheit?

Gottheit?

Hausruine

Erinnerungen an bessere Zeiten

Was die merkwürdige Statue unweit des Zentrums bedeutet, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine Gottheit …?

Der Strabd bei Kep

Blick aufs Meer hinaus

Am Meer gibt es eine Reihe von Restaurants mit Blick auf den Ozean hinaus. Ich setze mich beim Ufer auf einen Stein und sehe den Fischern zu, die ihre Netze flicken.

Krabben

Doch irgendwann knurrt der Magen, und die Schilder vor dem Eingang der Restaurants preisen in erster Linie ihre Krabbenmenüs an. Da kann ich natürlich nicht widerstehen …

Krabbenmenü

Krabbenmenü am Strand von Kep

Crab Amok

Der Crab-Market ist das Zentrum der Krabbenindustrie Kambodschas, also nichts wie hin, um zum ersten Mal Krabben zu essen (tja, der Bauer braucht eben etwas länger, bis er etwas isst, was er nicht kennt). Ein Restaurant reiht sich ans andere, verdächtig viele sehen nach ausländischen Eigentümern aus. Im flachen Meer sind unzählige Einheimische auf der Suche nach den begehrten Krabblern, nur Fischerboote, wie z.B. in Mui Ne sucht man vergeblich …

Nun also, Crabs. Das Problem meiner Abneigung gegen alles, was ich mit den Händen zerteilen muss, wird durch einen “Crab Amok” gelöst, eine Art Krabben-Geschnetzeltes, das nicht schlecht schmeckt, allerdings hätte ich mir tatsächlich etwas weniger Fades erwartet.

Der Mekong am Ziel

Am Horizont blinkt das Meer

“Il est cinq heures, Paris s’éveille”, einer der zeitlosen Hits von Jacques Dutronc. Es ist etwas später als 5 Uhr und anstatt Paris erwacht Saigon aus seinem kurzen Schlaf. (“Les travestis vont se raser, les stripteaseuses sont rhabillées”).

Abreise

Bereit für den nächsten Trip

Noch müde vom ebenfalls kurzen Schlaf, lehne ich an die Wand, während rings um mich bereits ein geschäftiges Tun im Gange ist. In einem Hotel in dieser Gegend darf man sich nicht wundern, wenn bis früh in den Morgen eine lautstarke Party abgefeiert wird, so wie vermutlich jede andere Nacht auch.

Das junge Mädchen, dem Lokal gegenüber meinem Hotel zugehörig, wischt die Strasse mit einem Ernst, der beinahe rührend ist  (“les balayeurs sont plein d’balais”). Alle Überbleibsel der Party, jedes Papierchen, jedes noch so winzige Mikro-Fetzchen Staub wird sorgfältig zusammengewischt. Das dauert gut und gerne eine Viertelstunde. Nach getaner Arbeit kann ich ihr den verdienten Applaus nicht verwehren, was wiederum ein überraschtes und erfreutes Lächeln auslöst. Eine alte Erkenntnis: Es ist einfach, einen Tag auf positive Weise zu beginnen.

Am Rand der Gesellschaft

Ein paar Meter weiter wird der Tag auf weniger positive Weise begonnen. Zwei Gestalten, eine Frau und ein Mann, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt, wühlen sich durch die Abfallsäcke. Ihre Hände sind geschützt durch mehrmals darum herumgewickelte Plastikfolien. Sie sind erstaunlich erfolgreich in ihrem flink und mit professioneller Erfahrung durchgeführten Tun. Karton, Flaschen, aber auch allerhand undefinierbare Gegenstände werden aus dem Müll gefischt, kurz begutachtet und je nach Eignung in einen mitgeführten Karren gelegt.

Auch das eine Erfahrung, die andere Seite der Grossstadt, ihr menschlicher Ausguss, die Menschen am unteren Rand der Gesellschaft, deren Tage einzig dem Überleben dienen. In diesen Momenten relativiert sich einiges, auch all das, was man in Reisen wie der meinen zu erfahren, zu erleben, zu erhoffen glaubt. Es gibt eine andere Welt, eine unendlich weit entferntes und trotzdem so verdammt nahes Universum …

Ist das mein Bus?

Der Pickup-Taxi bringt mich nach kurzer Fahrt zu einem wartenden Bus. Nun bin ich doch etwas überrascht, denn anstelle des vornehmen Sleeping-Busses, der mir versprochen wurde, wartet ein mehr als heruntergekommenes Vehikel. Nun gut, das wird also einmal mehr eine toughe Sache, aber was soll’s, die durchgesessenen Sitze und die vermutlich kaputten Stossdämpfer werden Labsal für meine Bandscheiben sein.

Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass das Geschüttel und Gerüttel meine angegriffenen Wirbel auf eine Weise massiert, dass sie garantiert für mehrere Wochen keinen Mucks mehr von sich geben. Aber natürlich ist alles mal wieder Schall und Rauch, denn der Bus entpuppt sich als zweiter Pickup, der mich zur endgültigen Busstation führt. Dort erwartet mich tatsächlich ein Ungetüm von einem Sleeping-Bus auf mich wartet und auch pünktlich abfährt.

Eine Riesenstadt

Saigon ist eigentlich mehr eine Provinz als eine Stadt, steht im Lonely Planet, beträgt doch die Entfernung vom nördlichsten noch zur Stadt gehörenden Stadtviertel bis zum südlichsten gut und gern 120 Kilometer. So überrascht es nicht, dass wir fahren und fahren und trotzdem immer noch in Saigon sind. Es erinnert mich an Los Angeles, wo wir am Stadtrand übernachteten, um den nächsten Tag damit zu verbringen, die Stadt in Richtung Santa Monica zu durchqueren.

Etwas ausserhalb des Zentrums finden sich kilometerweit Firmen, die ausschliesslich Occasions-Baumaschinen anbieten. Hunderte, tausende von verrosteten Ungetümen, für die es offenbar einen lukrativen Markt gibt. Und dazwischen, wie aus einer anderen Welt, ein winziger Stand am Strassenrand, der nichts anderes als kleine, handgrosse Spiegel anbietet …

Früchte und Gemüse

… und wieder unbekannte Früchte und Gemüse

Verkaufsladen

Und was ist das alles?

Saucen? Konfitüre?

Saucen? Konfitüre? … Keine Ahnung

Immer wieder Stopps – immer wieder die Möglichkeit, die kunstvoll ausgelegten, exotischen Dinge zu bestaunen.

Der Mekong – zum letzten Mal

Und da ist da wieder dieser Fluss, mein Mekong. Er hat seine homogene Form längst verloren, ist zu einem vielarmigen Kraken geworden, der ein hunderte Kilometer breites Delta geschaffen hat. Ein Spinnennetz von Flussarmen, Kanälen, schmalen und breiten Wasserläufen, an deren Ufer Millionen von Menschen leben.

Mekong

Ein letzter Blick auf meinen Mekong

Kanäle und Flussarme

Ein Irrgarten von Kanälen und Flussarmen

Von hier aus ist es nicht mehr weit bis zum südchinesischen Meer, wo er endlich – vielleicht etwas müde geworden und träge – sein Ziel erreicht. Mehrmals winke ich ihm zu in der Meinung, den einzig noch verbleibenden grossen Arm zu sehen, doch jedes Mal werde ich durch einen anderen, noch breiteren überrascht. Und dann, nach knapp neun Stunden, verlassen wir das Mekong-Delta, und am Horizont blinkt das Meer, doch es ist ein anderes, der Golf von Thailand …

Ha Tien

Nach vielen Stunden erreichen wir Ha Tien, die letzte Stadt vor der Grenze zu Kambodscha. Eine lebendige Stadt mit freundlichen Leuten. Die jungen Männer im Hotel geben sich alle Mühe, mir den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie geben mir Tipps, wo sich ein müder, aber warmer Abend am besten verbringen lässt.

Und tatsächlich – nach dem Abendessen in einem seltsam überdachten Restaurant, entdecke ich eine Art Fairground, wo sich tausend Leute, vor allem Familien mit ihren Kindern vergnügen. Ich schaue ihnen lange zu und fühle mich merkwürdig glücklich …

Restaurant in Ha Tien

Ein seltsames Restaurant

Abendessen

… mit sehr leckerem Abendessen

Fairground in Ha Tien

… und einem Fairground und tausend Leuten

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