Mandalay – Mahamuna und der fette Buddha

 

Nach gerade mal 12 Stunden Schlaf bin ich bereit, dem Schicksal ins Auge zu blicken, will heissen, heute werde ich mich mit dem Velo furchtlos in den dichten Verkehr von Mandalay stürzen. Denn Furchtlosigkeit ist angesagt. Velofahren in Burma ist gefährlich. Sehr gefährlich.

Ich miete also ein Damenfahrrad mit drei Gängen, eine Wohltat. Der Houseboy, verantwortlich für seine Vehikel, schaut mich zwar mit der grösstmöglichen Skepsis an. Offenbar traut er meinen Künsten nicht über den Weg. Ich habe fest vor, ihm das Gegenteil zu beweisen.


Fahrradfahren in Mandalay – dem Schicksal ins Auge blicken

Es hat nicht nur haufenweise Vehikel aller Art, die sich in alle Himmesrichtungen bewegen, auf den Kreuzungen aufeinander prallen, aber es irgendwie schaffen, ohne Probleme aneinander vorbeizukommen (nicht gerade so schlimm wie in Hanoi, aber es deutet in diese Richtung).

Und mitten drin bin ich auf meinem Damenvelo, natürlich viel langsamer als der Rest, also ein Hindernis per se. Erstaunlicherweise geht es gut, auch wenn ich ab und an einen mittleren Stau verursache, was ich aber würdevoll und mit einem etwas einfältigen Lächeln quittiere. Niemand ist böse. Dass die Ausländer auf Damenvelos in den meisten Fällen Idioten sind, hat sich anscheinend herumgesprochen.

Sobald man sich dem Tempelbezirk nähert, nehmen die Menschenmassen zu. Eine fröhliche Stimmung voller Lachen und Kinderstimmen erwartet mich.

 

Vor dem Tempel
Gewühl beim Tempelbezirk

Der Mahamuna Tempel

Nun denn Mahamuna. Nicht der erste Besuch, aber immer noch eindrücklich. Es handelt sich dabei um eines der grössten buddhistischen Heiligtümer in Burma, was in diesem hochreligiösen Land etwas heissen will. Schon von weitem glitzern die Türmchen, strahlen goldüberzogene Dächer, winken majestätische Eingangstore.

Selbstverständlich entledigt man sich der Schuhe und tritt ein in eine Art Karnevalsbereich. Es wimmelt von Läden und Ständen, die allerhand religiösen und sonstigen Kram anbieten. Dabei herrscht ein lautes Stimmengewirr, das so gar nicht zur sakralen Bedeutung des Heiligtums passen will. Aber das ist nicht unüblich in Asien. Man ist hier wesentlich weniger strikt in dieser Beziehung.

 

Der Mahamuna Tempel in Mandalay
Der Mahamuna Tempel

Der goldüberzogene fette Buddha

Und mitten im herzen des Tempels die Statue des Buddha, ziemlich gross, ziemlich fett. Sie ist in der Zwischenzeit so sehr mit Gold bedeckt, dass die ursprünglichen Konturen nicht mehr zu erkennen sind. Der Grund dafür ist, dass die Gläubigen hauchdünne Goldblätter auf den Buddha kleben, Tag für Tag, Jahr für Jahr, zehntausende. Man schätzt, dass der Wert des Goldes in die Millionen geht.

 

The fat Buddha in Mandalay
Der fette Buddha im Mahamuna Tempel

In der Zwischenzeit rechnet man mit mehreren hundert Kilo Gold, die den armen Kerl bedecken. Bei der Armut des Landes eine doch ziemlich erstaunliche Geste der Frömmigkeit. Im Grunde ist es aber nichts anderes als eine Art Ablass-Deal: Man schmückt den Buddha mit Gold und erhält dafür ein besseres Karma, was für das nächste Leben von ausschlaggebender Bedeutung ist.

Dass allerdings nur die Männer dazu berechtigt sind, macht schon etwas nachdenklich. Die chauvinistischen Sprüche, die mir zu diesem Thema einfallen, lasse ich mal weg …


Der Irrawaddy

Gegen Abend ein Spaziergang. Und dann erkenne ich schon von weitem den hellen Dunst über dem Fluss. Abgesehen vom Mekong mein Lieblingsfluss – der Irrawaddy. Keine Ahnung, woher meine Liebe für Flüsse stammt, ich bin ja  nicht gerade als Wasserliebhaber bekannt. Es ist schlicht ihre unbändige Kraft, ihre Wucht, die sich in Windeseile in zerstörerische Wut kehren kann. Aber da ist auch etwas Liebliches, etwas mütterlich Beschützendes.

Vielleicht rührt es daher, dass ich den Fluss auf einer langen Fahrt von Mandalay nach Bagan kennen- und liebengelernt habe. Soviele Eindrücke, soviele wunderbare Erinnerungen. An menschenleere Uferabschnitte, die aussehen, als hätte sie noch nie der Fuss eines Menschen betreten. Farbige, lärmende Menschen, die überraschend aus dem Dschungel treten und mitfahren wollen. Im Dreck suhlende Wasserbüffel, unbekannte Vögel, die einen Höllenlärm veranstalten.

Und dann natürlich als Höhepunkt der Reise – der Ausfall der Antriebsmotoren und unser Stranden an Robinsons Gestaden. Aber das ist eine andere Geschichte …

 

Das Irrawaddy Ufer in Mandalay
Das Irrawaddy Ufer im Abendlicht
Sandbänke auf dem Irrawaddy
Sandbänke auf dem Irrawaddy

Der Gemüse- und Obstmarkt

Es lockt der wunderbare Markt, wo Frauen Früchte und Gemüse in allen Farben und Formen anbieten. Da war doch mal was – ach ja, der Markt in Luang Namtha. Genauso farbig und lärmig geht es hier zu und her. Alles ist sorgfältig und mit grosser Liebe aufgebaut und ausgestellt worden. Man wagt beinahe nicht, etwas zu kaufen und damit das Kunstwerk zu zerstören.

 

Früchte und Gemüse
Man möchte sofort zugreifen …
Früchte- und Gemüsemarkt
Früchte- und Gemüsemarkt im Dämmerlicht

PS Song zum Thema: Jimi Hendrix – All along the Watchtower (greatest Song Ever)


Und hier geht die Reise weiter …

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.