Phnom Penh

Erinnerungen werden wach. An Könige – Brüder, Verwandte? – die einander entweder ablösten oder bekämpften. An eine schreckliche, brutale, unmenschliche Zeit, während Pol Pot und seine Entourage Millionen von Menschen in die Killing Fields schickten, wo sie verhungerten oder totgeschlagen wurden.

Aber mehr dazu später.

Ich bin jetzt in Phnom Penh, der Hauptstadt, und weiss nicht, was mich erwartet. Auf den ersten Blick ist es eine normale asiatische Grossstadt, mit Millionen von Einwohnern, viel Verkehr, viel Hektik. Und pompösen Gebäuden und irgendwelchen undefinierbaren Bauwerken. Sie werden von dieser Art Machthaber gerne als Erbe ihrer meistens unseligen Herrschaft hinterlassen. Das erste begrüsst mich schon kurz nach der Ankunft mit meinem TukTuk. Keine Ahnung, was es darstellen soll. Ich bin auch nicht wirklich interessiert daran, es herauszufinden.

TukTuk in Phnom Penh

Mit dem TukTuk zu meinem Hotel

Monument

Eine Durian-Frucht?

Und dann lande ich in meinem Quartier. Es sieht nicht unbedingt einladend aus. Was bedeutet das für meine Ausgangsideen für den Abend? Mal sehen …

Häuser in Phnom Penh

Heruntergekommenen Gebäude in Phnom Penh

Am Nachmittag mache ich mich auf für etwas, wovor ich mich fürchte. Denn schon fast am Schluss – das Schlimmste …

Tuol Sleng Genocide museum

Ich werde auf keinen Fall mich dem Zug der Lemminge anschliessen und die Killing Fields besuchen. Diese Art Touristenattraktionen will ich mir sparen. Sie sind etwas für Voyeure. Das Genocide Museum ist etwas anderes. Es zeigt kühl und sachlich, was gewesen ist. In all seiner Grausamkeit.

Und es soll vor allem daran erinnern, zu welchen Taten der Mensch fähig ist.

Tuol Sleng

Der Eingang zu einem ganz normalen Gebäude …

dreizehn männer und eine frau

Man hat von aussen den Eindruck eines ganz normalen Gebäudes. Was auch die Absicht der Folterer war.

Im Hof blühen Magnolienbäume. Ihre Blüten hängen schwer und schlaff herunter, wie ein farbiger Schirm über vierzehn Gräbern, die wie weissgestrichene Särge aussehen. Dreizehn Männer und eine Frau. Nicht mehr zu identifizieren aufgrund der starken Verwesung. Die letzten Opfer des Gefängnisses Tuol Sleng.

Vierzehn Gäber

Vierzehn Gäber

das böse an sich

Tuol Sleng. Schon der Name klingt wie eine Drohung, wie das Böse an sich. Neben den Gräbern befindet sich eine Art Teppichstange, so wie man sie früher hatte. Auf den ersten Blick nichts Besonderes.

An der Querstange jedoch Haken, darunter je ein Tongefäss, ungefähr einen Meter hoch. Man muss es nachlesen, um den Horror zu begreifen. Den Gefangenen wurden die Arme auf dem Rücken zusammengebunden und daran hochgezogen, bis sie das Bewusstsein verloren. Um sie wieder ansprechbar zu machen, tauchte man sie in die Tongefässe, die gefüllt waren mit Pestiziden versetztem Wasser …

Beschreibung der Foltermethoden

Man lese es selbst …

Foltern in Tuol Sleng

Besonders perfide Foltermethoden

Die Gebäude, fast etwas baufällig. Auf jedem Stock aneinander gereihte ehemalige Schulzimmer. Darin verrostete Bettgestelle, darauf Patronenkisten, leer, jeweils eine Kette, auf den Boden hängend.

The Security of Regulation

Zeugnisse des Schreckens

Folterbett

Die Phantasie an ihrem Ende

Opfer

Eines der letzten Opfer

steigerung der schrecken

Jedes Gebäude stellt eine Steigerung der Schrecken dar. Die Bilder der Ermordeten. Sauber nummeriert, wie bei den Nazis. Bürokraten am Werk. Was man tut, macht man richtig. Alte Männer, Frauen, Kinder, viele Männer. Teilweise mit schrecklichen Wunden. Ist es Würde, was sie ausstrahlen oder ist ihnen nicht bewusst, was sie erwartet?

Gesichter der Opfer

Die Gesichter der Opfer

Dann die Bilder der Anführer, Pol Pot, dessen Leiche auf einem Haufen alter Autoreifen verbrannt wurde. Die meisten anderen leben noch. Beinahe Alltagsgesichter, wenn da die Augen nicht wären. Die Banalität des Bösen. Die schlimmsten Szenen sind gezeichnet, doch man geht schnell vorbei oder bleibt doch stehen.

Die Faszination des Bösen.

Zellen

Zellen

Die Zellen. Zwei Meter mal achtzig Zentimeter. Flecken am Boden. Die Luft ist schal, doch man vermeint den Geruch des Todes zu riechen. Es ist still. Kaum jemand redet, auch die jungen Backpacker nicht …

Anschliessend langsames Zurückgehen ins Stadtzentrum. Keine Lust für gar nichts … Irgendwann, weit weg, wo der Tonle Sap River mündet, der Mekong. Wenigstens das …

Durchatmen

Doch Kambodschas Hauptstadt hat nicht nur deprimierende Anblicke und böse Erinnerungen zu bieten.

Häuser in Phnom Penh

Wunderschöne Häuser …

Paläste

Paläste …

Familien

Spielende Familien

Tempel

… und noch mehr Tempel

heimatlose kinder am ufer des mekong

Doch es gibt nicht nur Tuol Sleng, es gibt andere Szenen und Bilder, die das Herz schwer machen. Auf dem Trottoir in der Nähe des Mekongufers spielen Kinder.

Doch es sind nicht irgendwelche Kinder, die sich hier den Nachmittag vergnügen. Es sind elternlose, heimatlose Kinder – Strassenkinder.

Sie machen, trotzdem man die Armut von weitem sieht, keinen Eindruck von Hoffnungslosigkeit, im Gegenteil. Sie spielen, machen Blödsinn, lachen. Mir ist nicht nach Lachen zu Mute. Ich fühle mich schlecht, weiss einmal mehr nicht, wie ich damit umgehen soll. So wie es uns allen geht, wenn wir einem Problem gegenüberstehen, das wir zwar erkennen, aber nicht zu ändern vermögen.

Oder täusche ich mich? Versuche mich, aus der Verantwortung zu ziehen? Ein Schweizer Arzt namens Beat Richner hat das Elend erkannt und vor vielen Jahren in Siem Reap eine Klinik für Kinder aufgebaut, in der sich jeder kostenlos behandeln kann. In der Schweiz wird er zu Recht als Held verehrt. Was würde er an meiner Stelle tun? Ich weiss es nicht …

Strassenkinder

Strassenkinder