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Kategorie: Südindien Seite 1 von 2

Indien – Der Reisevirus

Ein lebenslang wirkender Virus

Ich erinnere mich an meinen ersten Flug, ein kurzer nur nach London. Damals konnte ich noch nicht wissen, dass es ein Stein im Puzzle war, der mich später zu einem leidenschaftlichen Weltenbummler werden liess. Der Flughafen stellte das Eingangstor dar zu allem, was unbekannt, verrückt, abenteuerlich war. Und den Geruch nach Freiheit auströmte.

Es war nur ein Charterflug, schon damals billig, mit einer alten Maschine, der man nach heutigen Vorschriften die Flugbewilligung verweigern würde. Ich erinnere mich auch an die unregelmässigen Geräusche der Motoren. Sie liessen meinen Adrenalinspiegel nach oben springen, in der irrigen Meinung, dass mein erster Flug auch der letzte sein würde.

Alles vorbei. Heute empfinde ich Flughäfen nur noch als Stufe zur Vorhölle. Ich muss allerdings zugeben, dass der letzte Kaffee vor dem Abflug immer noch ein leises Kribbeln auslöst.

23 Uhr und müde

Dieses Gefühl stellt sich an diesem späten Abend am riesigen Flughafen in Mumbai ein. Ich fühle mich müde und möchte schlafen, doch es gibt keine Gelegenheit dazu. Es sind schon viele Stunden vergangen seit dem frühen Morgen. Seit der Verabschiedung meiner Freunde in Calangute. Der Fahrt mit dem Taxi zum Flugplatz. Der scheinbar endlosen Warterei auf den Abflug inmitten lärmender Familien. Und endlich dem Flug mit Spicejet nach Mumbai.

Spicejet

Mit Spicejet nach Mumbai

Hier sitze ich nun auf einem unbequemen Sitz, umgeben von anderen halb- und ganzschlafenden oder sonstwie dösenden Passagieren. Sie haben alle das gleiche Ziel. Endlich einsteigen und abfliegen zu können. Es herrscht eine seltsame Stille, nur manchmal unterbrochen durch die blecherne Stimme einer Ansage oder das leise Schnarchen eines übermüdeten Mitleidenden.

Das Problem ist einfach: zwischen Hin- und Weiterflug liegen mehrere Stunden Wartezeit, die man sich mit Kaffeetrinken, Essen, Spazieren, Lesen und Langweilen vertreibt. Doch irgendwann hat man genug Kaffee getrunken, sämtliche Gänge und Hallen mehrmals abgelaufen und keine Lust mehr, Zeitungen oder Romane zu lesen.

Man ist einfach nur noch müde und möchte schlafen.

Und wieder schlägt die Dummheit zu

Immerhin habe ich es geschafft, doch noch etwas gegen die Langeweile zu tun. Es hätte allerdings auch böse herauskommen können. Aber alles schön der Reihe nach.

Es geht einmal mehr darum, dass man auch als erfahrer Traveller die dümmsten Fehler macht (siehe Laos). In Mumbai liegt der Domestic Flughafen abseits vom International Airport, es gilt also, den dafür vorgesehenen Gratisbus zu benützen. An sich kein Problem, ausser man verlässt vor der Abfahrt trotz Warnung das Flughafengebäude.

Dabei steht auf einer grossen Tafel sehr deutlich und in zahlreichen Sprachen, dass es nach Verlassen des Gebäudes keinen Eintritt mehr gibt. Mit anderen Worten: ist man mal draussen, nützt weder Bitten noch Flehen etwas. Der bewaffnete Soldat am Eingang hat absolut (und zu Recht) keine Lust, für den Deppen eine Ausnahme zu machen.

Dumm gelaufen

Es gilt also, ein Taxi zu finden, das mich zum International Airport bringt. Gar nicht so einfach. Es ist spät, es ist zappenduster, es hat keine Taxis. Langsam werde ich etwas nervös, bis mich ein properer junger Inder anspricht, offenbar auf diese Fälle vorbereitet, und mir ein Angebot für fünfzig verspricht. Ich hätte vielleicht nach der Währung fragen müssen, denn im Taxi, das sich als heruntergekommener Lieferwagen entpuppt, sitzen neben dem Chauffeur zwei ziemlich dubiose Figuren, die nicht fünfzig Rupien sondern fünfzig Dollars verlangen, die man mir für die dreizehn Kilometer abnehmen will.

Ganz blöd gelaufen, wirklich ganz blöd.

Doch für einmal erweist mir mein cholerisches Temperament in der nicht ganz ungefährlichen Situation einen guten Dienst. Der saublöde plumpe Trick macht mich derart wütend, dass ich alle Vorsicht ausser Acht lasse und so laut schimpfe, dass man mich konsterniert aus dem Wagen lässt. Der Tuktuk-Fahrer, der mich dann für hundert Rupien ans Ziel bringt, wird mit einem saftigen Trinkgeld belohnt.

Tja, man weiss nie, wofür auch schlechte Angewohnheiten irgendwann ihr Gutes haben.

Revue

Anyway, ich bin hier, wie gesagt müde und gereizt und warte auf den Aufruf zum Boarden, was allerdings die Möglichkeit verschafft, die vergangenen Wochen nochmals Revue passieren zu lassen. Also nochmals das Gefühl der Ungebundenheit, der entspannten Ruhe, des Nichts-tun-Müssens, bevor mich in ein paar Stunden die Welt wieder einholt.

Die vergangenen Tage und Nächste schweben vorbei, winken noch einmal kurz und verschwinden, lösen sich auf, bis sie irgendwann nur noch undeutliche Erinnerung sein werden. Einiges wird bleiben, Bilder, Erlebnisse, Stimmungen, doch sie werden sich ändern in den komplizierten Katakomben des Gedächtnisses, das seine eigenen Gesetze hat.

Irgendwann werden es nur noch geisterhafte Landschaften, grüne, braune, gelbe, rote, sein, die vor einem virtuellen Fenster vorbei fliegen, untermalt durch ein vielstimmiges Konzert aus menschlichen Stimmen, Hupen, Glocken, Rasseln, Muhen, Bellen, Bremsgeräuschen, Motoren und immer wieder dazwischen Kinderstimmen, laute, fröhliche, leise und traurige.

Und die Nase wird sich erinnern an die Gerüche, die scharfen, zarten, süssen, sauren Aromen, die das Land ausmachen, an den Duft der Obst- und Gemüsemärkte, den Gestank der Kanäle, der Ausscheidungen zahlloser Lebewesen, der verfaulenden Lebensmittel am Strassenrand, das Odeur des Meeres, den Duft des Banana-Pancakes auf meinem Frühstückstisch.

Warum allein und ohne Plan?

Und dann, wie immer in diesen wehmütigen Situationen, die Frage, warum ich allein und ohne Plan reise. Ich habe mir in all den Jahren eine Theorie zusammengeschustert, die für mich stimmt, aber wohl kaum Allgemeingültigkeit besitzt.

Für jeden, der das Alleinsein aushält, ist es eine einzigartige Gelegenheit, mit sich selbst ins Reine zu kommen; nie hat man mehr Gelegenheit, über die wirklich wichtigen Dinge nachzudenken und sich über offene Fragen Gedanken zu machen (ich bin nach jeder Reise mit einem Sack voll neuer Ideen und Lösungsansätzen nach Hause gekommen)

Das Erleben ist wesentlich intensiver, wenn man nicht durch eine andere Person abgelenkt wird. Allerdings fehlt dadurch die Möglichkeit des gemeinsamen Reflektierens über das Gesehene und Erlebte – ein wesentlicher Nachteil, den man aber über den Austausch mit anderen Travellern wett machen kann.

Es fördert die kommunikativen Fähigkeiten. Nichts ist schlimmer als wochenlanges Verharren in der eigenen kleinen Welt, ohne persönlichen Austausch mit anderen Menschen, seien es Traveller oder Einheimische.

Je weniger vorher organisiert, desto besser. Alle die Zufälligkeiten, die sich ergeben, die Umwege, die vermeintlichen Probleme, die zu verrückten Erlebnissen führen, zum Kennenlernen ausserordentlicher Menschen und Orte. Das alles ist nur möglich, wenn man völlig offen und ohne festgelegte Pläne unterwegs ist.

Keine vorherige Vorbereitung mittels Reiseliteratur oder Reiseberichten (was natürlich dem Zweck dieses Blogs völlig widerspricht, aber wie schon Sheldon Cooper sagte, was wäre das Leben ohne die kleinen Verrücktheiten). Ich nehme zwar einen Führer mit, lese aber erst darin, wenn ich an Ort und Stelle bin (wie gesagt, das gilt für mich und nur für mich).

Eine Schlange in der Dunkelheit

Und noch etwas zum Schluss. Wie in einzelnen Berichten erwähnt, habe ich an meinem Roman gearbeitet. Es gibt noch viel zu tun, aber das Licht am Ende des Tunnels wird langsam heller. Und ich habe endlich einen neuen Titel gefunden. Keine Ahnung, ob er etwas taugt oder nicht, aber hier ist er.

Eine Schlange in der Dunkelheit.

Ich wollte diesen letzten Eintrag nach Bilbos Beispiel There and back again nennen. Also hier noch ein Hinweis auf einige meiner absoluten Lieblingsromanen.

Alles gesagt. Bye-bye.

Zwischen den Welten

Kurz vor dem Ende

Ich befinde mich zwischen den Welten. Mit einem Fuss noch im kühlen Sand am Strand von Calangute, mit dem anderen zuhause.

Ein Anflug von Wehmut

Und so bin ich zurück am Ausgangspunkt. Der Kreis hat sich geschlossen. Eine Art Heimkommen. Eine längst bekannte Erkenntnis: Sobald man an einen bekannten Ort zurückkehrt und sei er in noch so negativer Erinnerung, fühlt man sich zuhause. Unterwegs zu sein, heisst ja auch, die Sicherheit des Bekannten hinter sich zu lassen. Sich hineinfallen zu lassen ins das Unbekannte. Cees Noteboom sagt es sehr treffend in seinem wunderbaren Reisebuch Im Frühling der Tau: Man muss wählen zwischen dem Schrecken des einsamen Zimmers zuhause und der Maskerade der ständigen Ortswechsel.

Der zweite Schrecken

Ich habe mich für den zweiten Schrecken entschieden. Es ist keine Wahl zwischen Pest und Cholera, es ist die Wahl zwischen zwei verschiedenen Arten von Unruhe. Das einsame Zimmer zuhause, vollgestopft mit den notwendigen Ingredienzien modernen Lebens, gaukelt einen vermeintlichen Zugang zur Welt vor, während es doch in Tat und Wahrheit eine Vorspieglung falscher Tatsachen ist.

Es ist und bleibt ein einsames Zimmer.

Dem man – zumindest gelegentlich – entfliehen muss.

In den Schrecken Nummer zwei.

Apropos Zimmer

Ich bin zwar am gleichen Ort gelandet, allerdings nicht im gleichen Zimmer. War das letzte eher klein und gemütlich, so befinde ich mich diesmal in einem vergleichsweise gigantischen Flat mit mehreren Räumen. Allerdings ist keiner wirklich brauchbar. Und das Bett, was soll ich dazu sagen?

Es hat mehrere, doch keines erfüllt auch nur ansatzweise den primären Zweck eines Betts, nämlich schlafen zu können. Schon mitten in der Nacht, nach einer mehrstündigen Tortur auf einer nicht nur dem Namen nach existierenden Matratze, wechsle ich auf das andere Bett im gleichen Zimmer. Es ist nicht wirklich besser, aber man hat immerhin den Eindruck, auf etwas Weichem zu liegen.

Ich bin nach der Tortur der letzten zwei Wochen in den Beobachtungsmodus zurückgekehrt. Alles geht nun langsamer vor sich. Das ist gut so.

Kuh im Garten

Meine eigene Haus- und Hof Kuh

Kühe am Strand in Calangute

Kühe am Strand – ein übliches Bild

Ich beobachte Tiere – Raben, Hunde, Kühe – und dann wieder die Menschen, ob Inder oder Touristen, und stelle Gemeinsamkeiten fest. Überleben als höchste Priorität. Die altbekannte Bedürfnis-Pyramide. Essen, Dach über dem Kopf, Sicherheit. Das gilt für die Inder. Den Fremden geht es mehr um die Befriedigung der oberen Ebenen, aber letztlich geht es immer um Befriedigung.

Zwischen den Welten

Ich bin sehr introspektiv diesen Morgen. Der Autor des Ferrari-Mönchs hat ein neues Buch geschrieben, es bringt mich zum Nachdenken und hilft mir auf die Sprünge. Wenige Stunden vor der Heimreise befinde ich mich zwischen den Welten. Mit einem Fuss noch im kühlen Sand am Strand von Calangute, mit dem anderen zurück in der vermeintlichen Zivilisation, im Kopf bei der nächsten Sitzung …

Der Blick klärt sich, Prioritäten bilden sich heraus, was wichtig ist, wird klarer. Es sind keine neuen Erkenntnisse, nur das Wiederfinden alter, die wie schon so oft in Vergessenheit geraten sind. Wie gut es wir im Westen doch haben, dass wir diese Überlegungen überhaupt anstellen können. Es gilt wieder, sich weder von der Hektik noch vom gesellschaftlichen Druck überrennen zu lassen. Todo-Listen sind manchmal dienlich, doch sie dürfen nicht das Leben bestimmen. Manchmal ist es besser, Einhalt zu gebieten, stehen zu bleiben, Inseln der Ruhe zu finden. Frieden.

Beim Vorbeigehen an den Rosen riechen.

Frühstück Indian Style

Die letzte Fahrt

Ich bin früh auf, denn der Bus fährt um 08.00 los, und da ich inzwischen die unerwartete Pünktlichkeit der indischen Bahn und Busse kennen- und schätzen gelernt habe, weiss ich, dass ich nicht zu spät kommen darf.

Frühstück Indian Style

Der versprochene Frühstücksraum ist geschlossen (wer hätte das gedacht), nur ein kleiner, halbdunkler Raum, in dem ein Einheimischer in einem kaum sichtbaren Essen stochert, scheint geöffnet zu sein. Ich setze mich an einen Tisch und schaue mich nach der Bedienung um, die aber offenbar gerade etwas anderes zu tun hat.

Nach mehreren vergeblichen Rufen etwas ungeduldig geworden, gehe ich zur Reception und erkundige mich erstens nach dem Frühstück („Breakfast at this Time? No, no“) und zweitens nach dem Waiter, der dann tatsächlich herangeschlurft kommt. Ich erkundige mich nach einem Continental Breakfast, doch er schaut mich nur fassungslos an und deutet auf das Essen des Inders.

Will ich aber nicht, also führt mich der Gang erneut zur Reception. „At this Time only one Piece for Breakfast. If you wait 15 Minutes, there will be two Pieces“. Was immer er mit Pieces meint, es ist auf jeden Fall nicht das, was ich suche. Ich bestelle also einen schwarzen Kaffee, nichts dazu, und tatsächlich, nach einigen Minuten erhalte ich ein Glas mit dampfend heissem Kaffee, allerdings ohne Zucker und ohne Löffel. Man ahnt es schon, der Mann an der Reception kennt und fürchtet mich in der Zwischenzeit, doch immerhin kommt der schlurfende Waiter nach einiger Zeit mit Zucker und Löffel …

Allerdings – der Löffel ist so gross und breit, dass er nicht ins Glas passt.

Ich gebe auf, ein homerisches Gelächter kann ich grade noch unterdrücken.

Einfach wunderbar.

Dem Norden entgegen

Der Bus fährt tatsächlich um 08.00 los, ich bin einer der wenigen Passagiere und freue mich endlich auf einen geruhsamen letzten Tag im Bus. Bis nach Kumta, dem Umsteigeort, dauert es bis Mittag, ich lasse zum zweitletzten Mal das weite Land in höllischem Tempo an mir vorüberfliegen.

das Meer

In der Ferne schimmert, ganz blau, das Meer

Zahn um Zahn

Während der Fahrt habe ich wieder mal Gelegenheit, über meine Geschichte nachzudenken (es bleibt nicht viel Zeit). Es ist einiges geschehen, zumindest im Kopf und in zahlreichen Notizen auf Papier.

Langsam  nimmt die Geschichte Form an, die bisher als Fragmente vorliegenden Kapitel wachsen nun langsam zu einem hoffentlich konsistenten Ganzen. Aber noch liegt dramaturgisch einiges im Argen. Nicht alle Protagonisten und Antagonisten folgen einer klaren Motivation. Der Mord bzw. dessen in der Vergangenheit liegenden Ursachen, muss noch konziser sein, überzeugender. Aber immerhin – der Anfang ist nun klar (siehe Leseprobe), die wichtigsten Protagonisten werden vorgestellt, das Problem Jacos mit den Jugendlichen scheint nachvollziehbar.

Besonders stolz bin ich auf das Kapitel “Zahn um Zahn” im Wirtshaus, das den eigentlichen Auslöser der darauf folgenden Geschehnisse ist. Man erinnere sich: der Zwerg Shi-Sha ist schwer betrunken, sein schwarzhäutiger Kumpel Matumbo hat schon beim Betreten der Kneipe für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Stimmung ist gereizt, man spürt förmlich die kaum mehr kontrollierte Aggression im Raum.

Nachdem sich der Wirt verabschiedet hat, sieht Jacos Erzfeind Matiar, der mit den Zirkusleuten noch eine Rechnung offen hat, seine Chance.

Folgendes geschieht nun.

Als die Tür hinter Ichabod ins Schloss fiel, erkannte Matiar seine Chance. „He!“, rief er laut, „he, du dort, Schwarzer, was hast du hier zu suchen? Es gibt hier keine Kokosnüsse.“ Ein hässliches Gelächter brandete auf. Rund um die Tische wuchs das Interesse. Manche erstarrten, andere rutschten unruhig auf ihren Stühlen hin und her.

„Genau! Was hat dieser Neger hier zu suchen?“, ergänzte Morgue krächzend.

„He, hast du nicht gehört? Wir wollen dich hier nicht! Hau ab und zwar sofort!“ Matiars Ton war nun drohend, die Gäste an den Nebentischen drehten sich um. Es war still geworden in der Gaststube. „Hast du nicht gehört?“, wiederholte er, ermutigt durch die aufmunternden Rufe Morgues und seiner Kumpane, „wir dulden hier keine Neger. Geh zurück in den Urwald, wo du hergekommen bist!“ Höhnisches Gelächter brach aus. Viele Gäste beugten sich vor, hämische Blicke austauschend, andere schlugen mit den Fäusten auf den Tisch. Matiar warf seinen Stuhl zurück und trat langsam nach vorne, bis er vor der Theke stand. Seine Kumpane waren sitzen geblieben, doch der schielende Bursche schlug mit seinem Stock herausfordernd auf den Tisch. „Entweder du verschwindest, oder …“ Matiar ließ das Ende des Satzes offen, benetzte jedoch nervös seine Lippen. Die Stimmung wurde noch ausgelassener. Matumbo hatte sich immer noch nicht gerührt.

„Ach, wen haben wir … denn da?“, sagte Shi-Sha. „Ich kann mich … gut an das letzte Mal erinnern.“

„Sei still!“, warnte ihn Jaco.

Shi-Sha nickte. Obwohl ihn den Zorn wie eine heiße Welle umspülte, versuchte er, ruhig zu bleiben. Er kannte das lose Mundwerk, mit dem ihn die Natur beschenkt hatte, und wusste um die Gefährlichkeit seiner unbesonnenen Ausbrüche.

 „Lass die beiden in Ruhe! Es sind Gäste wie du“, versuchte Jaco die Situation zu entschärfen.

„Was willst du, Bübchen? Das ist meine Sache, geht dich überhaupt nichts an, klar? Also halt dich zurück, verdammt nochmal! Mit dir befasse ich mich ein anderes Mal!“

„Solange Ichabod weg ist, vertrete ich ihn“, sagte Jaco mit fester Stimme. „Also, setz dich wieder hin und trink deinen Schnaps! Er geht aufs Haus.“

Matumbo winkte ab. Mit aufreizend langsamer Bewegung wandte er sich um und musterte Matiar, auf dessen Stirn unversehens Schweißtropfen glitzerten. „Heiß?“, fragte er höflich, doch Matiar entging der Spott nicht. Einen Augenblick irrlichterte ein Gedanke durch seinen alkoholgeschwängerten Geist, dass der Mann, der vor ihm saß, sich wie ein wildes Tier bewegte: leichtfüßig, schwerelos, mit fließenden Bewegungen, ein Wesen auf der Pirsch. Nichts an ihm schien auf eine Bedrohung hinzuweisen, doch er fühlte, wie sich die Haare in seinem Nacken aufstellten. Dann rief Morgue: „Gib’s ihm!“, der Gedanke versickerte, und er fühlte seinen Puls schneller schlagen.

Matiar zögerte kurz, dann schlug er zu, ohne Vorbereitung und ohne Anlauf. Der Schlag, hart und kaum im Ansatz erkennbar, zielte mitten ins Gesicht Matumbos. Seine Faust pfiff durch die Luft, doch zu seiner Überraschung verfehlte er das Ziel. Er blinzelte dumpf, unfähig zu erkennen, warum er nicht getroffen hatte. Das Lachen Matumbos vertiefte sich, während er immer noch ruhig auf seinem Hocker saß. Matiars böse kleine Augen blinkten unruhig, er sammelte alle Kraft, bevor er erneut zuschlug. Wieder wich Matumbo ohne besondere Eile aus, und auch dieser Schlag ging ins Leere. Einige Sekunden lang stand Matiar völlig starr, dann brach ein heiserer Laut aus seiner Kehle, und er setzte sich in Bewegung.

Die Haltung Matumbos, der von seinem Hocker gestiegen war, hatte sich unmerklich verändert. Mit locker herabhängenden Armen, die Beine leicht gespreizt, wartete er auf den Angriff. Mit einem dumpfen Röhren ging Matiar mit beiden Fäusten auf ihn los, bereit, seinen Gegner in Grund und Boden zu schlagen. Als Matiars Fäuste wie zwei Dreschflügel geflogen kamen, machte er einen eleganten Schritt zur Seite und drehte sich blitzschnell um hundertachtzig Grad. Matiar hatte seine ganze Kraft in diesen letzten Schlag gelegt, doch nun wurde er durch sein eigenes Gewicht nach vorne gerissen, und er stolperte gegen die Theke. Noch mühsam das Gleichgewicht suchend, spürte er plötzlich eine Faust am Nacken, sein Kopf wurde zuerst nach hinten und eine halbe Sekunde später nach vorne gerissen. Es gab ein hässliches, knirschendes Geräusch, als er auf die Theke aufschlug.

Das Klirren der Gläser verklang. Es war sehr still geworden. Matiar stierte entgeistert auf das Blut, das aus Nase und Mund schoss.

„Da komm ich wohl gerade rechtzeitig“, sagte Ichabod an der Tür.

„Es ist …“, stotterte Jaco mit einem halbherzigen Versuch, die Situation zu erklären.

Ichabod winkte ab. „Es ist immer das gleiche mit euch Trunkenbolden.“ Er fasste Matiar an der Schulter und drückte ihn in Richtung des Ausgangs. „Verschwinde, und komm erst wieder, wenn du nüchtern bist und dich zu benehmen weißt! Hau ab, du brauchst nicht zu bezahlen!“

Matiar starrte den Wirt an, dann griff er nach seinem Hut und warf einen letzten Blick in die Runde. „Das ist noch nicht vorbei. Ihr werdet sehen.“

„Jaja! Los jetzt, raus mit dir!“

Die Tür fiel mit einem Krachen hinter ihm ins Schloss. Ein heftiger Windstoß riss ihn beinahe von den Füßen, doch es waren nicht nur Kälte und Wind, die ihm die Tränen in die Augen trieben. „Verdammt!“, jammerte er, als ein Gurgeln aus seiner Kehle drang und eine heftige Welle der Übelkeit über ihn hinweg rollte. Noch bevor er sich auf dem Boden aufstützen konnte, schoss ein dünner, übelriechender Strahl aus seinem Mund. Sein Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen, und er erbrach sich heftig. Am Boden sitzend, betrachtete er seine Hände, feucht und klebrig vom Blut. Sie hatten aufgehört zu zittern, doch sein Gesicht war ein einziger höllischer Schmerz. Das Atmen fiel ihm schwer, seine Brust schmerzte, als stecke sie in einem Schraubstock. Er dachte an die erschreckende Schnelligkeit des Schwarzen, die Leichtigkeit, mit der er ihn auf die Theke geschmettert hatte.

Er hörte das Rauschen der Bäume, das Wispern des Windes. Doch diese Welt, so friedlich sie vor ihm lag, hatte nichts für ihn übrig. Er hasste sie, und sie hasste ihn … So war das. Es war schon immer so und würde für immer so bleiben …

Tja, mal sehen, ob da was draus werden wird. Aber eines ist sicher – es hat unendlich Spass gemacht.

Kampfplatz Bus

Während meiner mentalen Auseinandersetzung mit meinen erfundenen Figuren, erreicht der Bus Kumpta. Jetzt ist Schluss mit lustig. Es ist mir schleierhaft, wieviele Menschen man in einen Bus quetschen kann, denn obwohl jeder Quadratzentimeter besetzt ist, gelingt es irgendwie, noch ein paar zusätzliche Passagiere aufzunehmen. Mir schläft abwechselnd jedes einzelne Glied ein, so eng sitzen wir gedrängt.

Ich werde mit der Zeit etwas ungehalten, wenn man knapp an meinem Gesicht vorbei aus dem Fenster spuckt. Aber irgendwie schaffen wir es gemeinsam nach Margao, wo eben die Fasnacht abgehalten wird, und eine weitere Stunde später erreichen wir Panjim. Ein kleines Teufelchen redet mir ein, dass ein echter Traveller nicht am Schluss noch auf ein Taxi umsteigt, sondern zwecks Kontinuität auch noch das letzte Teilstück mit dem Local fährt.

Ich steige also zum letzten Mal in einen der geliebten, völlig herunter gekommenen Busse, lasse mich entlang des Meeres durch enge Gassen, vorbei an Millionen von Leuten, umgeben von Lärm und Gestank, nach Calangute fahren, wo ich kurz vor Sonnenuntergang ankomme.

Und da sind sie wieder, die dickbäuchigen, kahlrasierten, ignoranten Touristen, die plötzliche Hektik, ganz anders als die letzten Tage. Und schon sehne ich mich zurück nach dem Süden, nach Madurai und Mysore und all die anderen Orte, die mir in kurzer Zeit ans Herz gewachsen sind.

Und langsam dämmert die Einsicht, dass Goa mit Indien etwa gleich viel zu tun hat wie St. Moritz mit der Schweiz …

Indien – Erkenntnisse

Madikeri – Mangalore – Udupi

Busfahren ist eine Lust, einmal mehr verspüre ich den Hochgenuss, auch wenn mein Rücken auf der Fahrt Madikeri – Mangalore – Udupi arg in Mitleidenschaft gezogen wird. Manchmal muss ich mich buchstäblich festhalten, um nicht den Kopf an der Decke anzustossen. Insbesondere die lange kurvenreiche Strasse hinunter in die Ebene in Richtung des Meeres hat es in sich. Landschaften gleiten vorbei, farbige, eintönige, blasse und verblasste, erschreckende, irritierende, amüsante …

Armut und Not

Das Herz will helfen, wenn es Armut und Not sieht, während der Kopf versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen, die aus dem Gleichgewicht geratende Balance zu stabilisieren versuchen. Und immer wieder, wie schon einige Male auf dieser Reise, stösst der Anblick des Elends an die Grenzen des Erträglichen.

Das ist Indien – ebenso faszinierend wie verstörend.

Indien – Erkenntnisse? Oder doch nicht?

Dass Indien auch beim vierten Besuch eines der faszinierendsten Länder der Welt ist, überrascht nicht. Es ist ein eigenes Universum, eine Welt der Gegensätze, der Überrumplung, der Widersprüche.

Indien kann weder rational noch nicht-rational begriffen werden, es ist schlicht eine einzige grosse Überforderung. Ich kann mir kein anderes Land vorstellen, das Geist, Seele und Körper so sehr (über-)beansprucht wie dieses verrückte, grossartige Land.

Mordlust

Ich kann mich gut an meinem ersten Besuch erinnern. Von einem Moment zum anderen Millionen von Menschen, Tieren, Fahrzeugen, irgendwelchen Vehikeln, Elefanten, Bussen, Lastwagen, Fahrradfahrern gegenüber. Alles Gegner auf dem Schlachtfeld, beim gnadenlosen Kampf um den Platz auf den schlechten Strassen.

Kann man sich vorstellen, dass liebenswürdige, harmlose, freundliche Menschen im Verlauf weniger Tage zu mordlustigen Unheuern mutieren? Es ist kaum zu glauben, aber leider wahr. Ich selber – und ich bin nicht stolz darauf – folgte einem Fahrradfahrer, der während Kilometern die Strasse blockierte und auf keinen Fall zur Seite ausweichen wollte, bis aufs Feld hinaus, wo ich ihn überfahren wollte. Mit hochrotem Gesicht, Blutdruck auf gefährlichem Level, Mordlust in den Augen.

Das ist auch Indien.

Der Stress, mit dem eigenen Wagen auf den indischen Strassen zu fahren, war derart extrem, dass wir uns auf der Rückfahrt bei der Überquerung der indisch-pakistanischen Grenze bei allen Göttern schworen, niemals zurückzukehren.

Wir haben den Schwur nicht gehalten. Und wir sind froh darüber.

Soll man nach Indien reisen?

Es ist in vielfacher Hinsicht eine Erfahrung, die man ertragen muss. Sensible Gemüter, die das alltägliche Elend nicht verkraften, sollten es bleiben lassen. Das Land ist definitiv nicht für alle geeignet.

Aber wenn man sich darauf einlässt, der Armut der Bevölkerung mit Mitgefühl und Verständnis gegenüber tritt, sie mit Respekt behandelt, ist es auch eine Reise in die eigene Welt, die täglich in Frage gestellt wird. Ich habe keinen einzigen Augenblick, auch nicht die Momente grosser Frustration, wenn wieder mal nichts funktioniert, bedauert. Indien macht auf seine Weise demütig, man ganz klein und unbedeutend. Und viele Relationen – unsere Sorgen im Vergleich – werden neu skaliert.

Und währenddessen – Mangalore

Und so gelange ich zuerst nach Mangalore, wo mir nur eine kurze Umsteigezeit bleibt, bevor es mit einem andern Bus weitergeht nach Udupi. Irgendwann am Nachmittag erreiche ich den Ort, eine lebendige, lärmige, stinkende, grossartige Stadt.

Indien live.

Udupi

Ich habe ein Zimmer im besten Hotel reserviert und muss nachfragen, als mir der Mann an der Reception den Preis sagt. 450 Rupien für ein gutes Zimmer mit Ventilator und TV und einem sauberen Badezimmer mit heissem Wasser. Beinahe unverschämt billig. Ich fühle mich ein bisschen als Kolonialist.

Dann mache ich mich auf den Weg, um das letzte Teilstück zu organisieren. Die Zugsfahrt entfällt schon mal, denn die Züge sind entweder ausgebucht oder fahren während der Nacht. Nichts für mich, ich will etwas sehen von der Landschaft. Von allem. Die etwas besseren Luxus-Busse fahren ebenfalls nur in der Nacht, bleibt also einmal mehr nur der Local Bus, der mich morgen nach Goa bringen soll. Freude herrscht.

Heiligtümer und heilige Kühe

Es gibt ein hinduistisches Heiligtum in Udupi, das ist der Grund für die vielen Pilger, die von weit herkommen. Merkwürdige Gebäude in seltsamen Formen bilden das Zentrum, wohlgenährte heilige Kühe streunen durch die Gassen um das Heiligtum herum. Ich mache ein paar Photos und merke, dass sich langsam ein gewisser Stau an Bildern und Erlebnissen gebildet hat. Ich mag nicht mehr, ich habe genug gesehen. Alles was ich möchte, ist irgendwo ein ruhiges Plätzchen mit gutem Essen, einem Buch und viel Stille.

heilige Kühe

Wohlgenährte heilige Kühe

Architektur

eigenwillige Architektur

Tempel in Udupi

… und noch ein Tempel

freundlicher Gott

… und ein freundlicher Gott

Mehr Licht

Abendessen im Hotelrestaurant, in einem verdunkelten Raum („mehr Licht? Nein, das geht nicht“), der kaum genug Licht zum Lesen aufweist. Der Grund liegt wahrscheinlich beim Fernseher, der im Hintergrund läuft, sehr laut mit Ausrufezeichen. Alle Augen, auch die des Kellners, sind fasziniert darauf gerichtet, es muss sich um eine indische Soap Opera handeln, und er reagiert ziemlich abweisend, wenn er unterbrochen und zur Arbeit gerufen wird.

Immerhin bejaht er die Frage nach einem möglichen Frühstück am andern Morgen. Vielleicht hat er mich nicht richtig verstanden, auf jeden Fall geschieht am folgenden Morgen eine der wunderbaren Geschichten, die so nur in Indien möglich sind …

Endlose Kurven nach Madikeri

Von Mysore nach Madikeri

Es ist seltsam. Immer, nach überstandener Krise, merkt man, wie sehr das eigene Wohlbefinden vom Körper abhängt. Wir sind nicht nur Geist – wie wir gerne hätten und manchmal auch glauben – sondern auch Körper. Sobald was nicht stimmt, ist alles andere ohne Bedeutung. Wie sagt man so schön: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.

Doch wenn alles wieder funktioniert – wie an diesem wunderbaren hellen Morgen in Mysore im südlichen Indien – spürt man eine Art Wiedergeburt.

Ich sitze hier auf der Terrasse eines Erstklasshotels (man wird ja vorsichtig, obwohl die Erfahrung zeigt, dass auch teure Etablissements nicht vor bösen Keimen im Essen oder Trinken gefeit sind) und fühle mich prächtig.

Und fit für die nächsten Tage. Dem Toast mit der grässlich farbigen Marmelade sehe ich zwar anfänglich noch mit Misstrauen und Zurückhaltung entgegen, doch alles ist in Ordnung. Der Himmel ist hell und blau, die Luft, obwohl sogar hier oben abgasgeschwängert, riecht sauber und gesund, der Lärm der Strasse klingt nach Mozart.

So läuft das.

Irgendwann erwacht man am Morgen und weiss, dass es vorbei ist.

Farben in Mysore

Ich bin noch einmal durch die Strassen spaziert, ganz langsam, und erinnere mich an meine erste Reise. An den riesigen Markt, die Augen geblendet von den vielen Farben, grün, rot, gelb, orange, blau, in allen Tönen, daneben Früchte, bekannte und unbekannte, in ebenso unterschiedlichen Farben. Einfach ein Fest für die Sinne.

Farben, Farben, Farben ...

Jede Schattierung von Farben

Gemüse und Früchte

… und Gemüse und Früchte …

Endlose Kurven nach Madikeri

Der Bus (das alte Hochgefühlt beim Busfahren stellt sich ein) nimmt die endlosen Kehren in die Höhe nach Madikeri hinauf mit bemerkenswerter Aggressivität. Jeder Postautofahrer in der Schweiz hätte spätestens nach einer halben Stunde die erste Herzattacke, aber solange man nicht nach vorne schaut und die zahlreichen knappen Momente nicht mitbekommt, ist die Fahrt ein Genuss.

Die Strecke ähnelt ein wenig den Passstrassen in der Schweiz, allerdings mit mehr Löchern auf dem Asphalt, weniger Absicherungen auf der Seite des Abgrunds. Dichte Wälder mit Eukalyptus-Bäumen gleiten vorbei, lange geht es geradeaus, dann beginnt die Steigung, die uns bis fast 1800 Meter hinauf ins einstmals lauschige Bergdorf bringt.

Manchmal – vor allem bei diesen unendlich langen Busfahrten, wenn ich zur Abwechslung mal nicht an meinem Roman herumstudiere – kommt alles hoch, was im normalen Leben in die zugehörige Schublade gesteckt wird. Man hat Zeit und Musse und Gelegenheit und so kommen sie dann, die Gedanken und Gefühle, Schritt um Schritt nähern sie sich der Oberfläche, bis man nicht mehr ausweichen kann. Und dann begegne ich Episoden aus der Vergangenheit, die ich glaubte, vergessen zu haben. Die ich glaubte, mit Gleichgültigkeit überwunden zu haben.

Aber so ist es nicht. Nichts ist je vergessen.

Ein lauschiges Bergdorf?

Aus dem lauschigen Bergdorf Madikeri ist eine 30‘000 Seelen-Stadt geworden, die mich anfänglich etwas an Ooty erinnert, aber beim genaueren Hinsehen doch etwas besser wegkommt. Immerhin gibt es ein paar ganz interessante Strassen und Gassen und ausserdem einen wirklich schönen Wochenmarkt, wo Früchte, Gemüse und allerhand Kram angeboten wird. Die Umgebung ist das wahre Ziel und ich kann mir gut vorstellen, dass das ursprünglich geplante Trekking eine grosse Freude gewesen wäre. Aber es hat nicht sollen sein …

Markt in Madikeri

Früchte- und Gemüsemarkt

Markt

Allas da und noch viel mehr

Heilige Kühe

Auch die heiligen Kühe sind glücklich

Markt draussen

Ein lebhaftes Durcheinander

Tomatenstand

Wenn ich bloss Tomaten gerne hätte …

Beim Abendessen, bei dem ich feststelle, dass sich beim Anblick indischen Essens momentan keine Hurragefühle mehr einstellen, gesellt sich ein deutsches Ehepaar an meinen Tisch. Schnell entwickelt sich eine lebhafte Diskussion über das Leben, das Reisen, das notwendige Geldverdienen (in ihrem Fall als Tauchlehrer in Mallorca). Wir Vielgereisten wissen allerhand auszutauschen, an Erlebnissen, Erkenntnissen, Abenteuern, an Träumen und Plänen für die Zukunft. Wie wir uns doch alle gleichen …

Mysore – Fliegen ohne Flügel

Alles ist gut

Es gibt – und es wird sie wohl immer geben – diese Momente, wo man sich ziemlich jämmerlich fühlt. Das hat bestimmt auf letzte Nacht zugetroffen, auf diesem Zugs-WC, auf schwachen Beinen, mit Kopfweh, Magen- und Darmschmerzen und einem zunehmenden Brechreiz. Aber – und das ist das Verrückte – wie oft in diesen Situationen auch mit der Überzeugung verbunden, dass auch diese Krise vorübergehen wird. Und dass es mir schon morgen wieder besser gehen wird.

Wie sagte J. K. Rowling am Ende der wunderbaren Harry-Potter Geschichten:

“All was well.”

So ist es.

20 Jahre ist das her: Die erste Eulenpost erreicht den Ligusterweg, wo Harry Potter im Schrank unter der Treppe bei den Dursleys wohnt. Sieben spannende Schuljahre in Hogwarts beginnen …

Als hätte ein Zauber die Zeit angehalten, fasziniert Rowlings Welt noch heute Muggel aller Altersstufen. Die neu gestaltete Sonderausgabe bannt Harrys Abenteuer mit Hermine und Ron in eine Box. So kostbar wie der Goldene Schnatz.

Zur Ruhe verdammt

Und so bin ich gezwungenermassen zur Ruhe verdammt, der Körper hat genug, er will ruhen, er möchte sich erholen, und so verbringe ich die nächsten 24 Stunden bei absoluter Nulldiät in einem riesigen Zimmer, was dazu führt, dass ich beinahe ein Fernrohr brauche, um fernsehen zu können.

Ich nehme das Timeout mit Gelassenheit, schlafe zuerst ein paar Stunden, schlucke brav meine Tabletten gegen Durchfall und warte auf die Erholung. Dazwischen habe ich Zeit, in einem Buch noch einmal zu lesen (was ich selten tue, das Leben ist einfach zu kurz dazu), das mir besonderen Eindruck gemacht hat.

Fliegen ohne Flügel

Ein faszinierender Einblick in die spirituelle Welt Asiens:

»In diesem Jahr darfst du nicht fliegen. Nicht ein einziges Mal.« Aufgrund der Warnung eines chinesischen Wahrsagers vor einem Flugzeugabsturz begann für den Asienkorrespondenten des SPIEGEL ein ungewöhnliches Jahr der Reisen mit allem, was keine Flügel hat. Entstanden ist ein faszinierender Länderbericht mit tiefen Einblicken in asiatische Lebensweisen zwischen materialistischer Moderne und traditionellen magischen Praktiken.

Manchmal spielt das Schicksal Ringenreihen. Ich habe das Buch vor einigen Jahren ganz zufällig (?) entdeckt, und seither gehört es zu meinen Lieblingsbüchern. Kurz: es hat mich zur Vipassana-Meditation geführt.

Am Ende seiner Reise trifft Terzani auf eine weitere Wahrsagerin, die ihm eine zehntägige Vipassana-Meditation in der Tradition von U Ba Khin vorschlägt. Mit gehörigen Zweifeln und Misstrauen entschliesst er sich, dem Ratschlag zu folgen. Was er dann erlebt, hat mich beeindruckt. Alles weitere war nur eine logische Folge.

Der Königspalast und ein kleiner Hund

Zwischen Schlaf, Terzani und hundertzwanzig unbrauchbaren indischen TV-Stationen tauchen Erinnerungen an meine erste Reise nach Mysore auf (sie wird in einem noch zu erstellenden Blog-Review beschrieben werden).

Nicht überraschend – nicht der Königspalast oder die wunderbare Altstadt oder alles andere Grossartige  hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, sondern ein kleiner, junger, auf die Knochen abgemagerter Hund, der zwischen den Autos und Fahrrädern und Menschenbeinen herumirrte. Die Erinnerung treibt mir heute noch die Tränen in die Augen.

Es war schlicht das ultimative Bild vollkommener Verlassenheit.

Königspalast in Mysore

Königspalast in Mysore

Schmerzliche Erkenntnisse

Dazwischen habe ich Zeit, mich zu besinnen und zur Erkenntnis zu gelangen, dass das, was ich hier tue, sich in nichts von dem unterscheidet, was zuhause normal ist. Leistung. Möglichst viel erleben, in möglichst kurzer Zeit soviel abzuspulen, wie’s geht. Immer das Gleiche. Eine spezielle Gier? Eine Krankheit, die stetig schlimmer wird. Nicht nur bei mir …

Zwischen den Gedanken schaue ich mit schmerzendem Kopf fern und zappe durch die unzähligen Kanäle, von denen jeder zwanzigste tatsächlich brauchbar ist. Aber wie gesagt, ich fühle mich nicht wirklich unwohl, und gegen Abend geht es bereits wieder so gut, dass ich den folgenden Tag mit der Reise nach Madikeri in Planung nehmen kann.

Fahrrad-Rikscha mit Handy

Madurai zu Fuss und mit der Rikscha

Eine breite, für den Verkehr gesperrte Strasse verläuft um den Tempelbezirk herum. Eine Wohltat sich einfach bewegen zu können, ohne jeden Moment Gefahr zu laufen, über den Haufen gefahren zu werden. Es ist ruhig, weniger lärmig, weniger gehetzt, man kann in langsamen und gemächlichen Schritten die Strasse abgehen, mal hier stehenbleiben, mal dort.

Da ich Esel von Goa mit einer einzigen Hose losgezogen bin, habe ich mir gestern eine Hose gekauft, grauenhaft, die schlimmste aller Zeiten. Es bestätigt einmal mehr die Überzeugung, dass die Eitelkeit ein immerwährendes Phänomen ist und zum Menschen genauso gehört wie die Neigung, unverständliche Dinge zu tun. Na ja, heute gibt’s ja keine Modeschau, und kennen tut mich auch niemand. Aber ein bisschen stört mich die Hose schon …

Der dünne Mann

Manchmal setzte ich mich ermattet hin und beobachte das Leben um mich herum. Ein bis auf die Knochen abgemagerter Mann mittleren Alters hat offenbar Wäschetag und ist eben daran, seine paar Klamotten über einer Abschrankung zu trocknen. Jede Bewegung ist langsam, bedächtig, würdevoll.

Dann, mit dem Longyi um den Bauch gewickelt, setzt er sich unweit meines Sitzplatzes hin, und während ich ihn aus den Augenwinkeln beobachte, wühlt er in einem Sack, den er bei sich trägt. Ich gehe davon aus, dass sich darin seine ganzen Habseligkeiten verstecken.

Dünner Mann in Madurai

Der dünne Mann

Ich bin aufs Höchste gespannt, was er wohl sucht, und bin baff, als er eine schmale Zigarette herausfischt und diese umständlich, aber trotzdem mit Geschick anzündet und genüsslich den Rauch in die Lungen zieht. Es ist lange her, seit ich jemanden gesehen habe, der mit soviel Genuss raucht.

Dann wühlt er erneut in seiner Tasche, die Spannung steigt, und er entnimmt dem Sack einen Kamm, mit der er nun für die nächsten geschlagenen zehn Minuten sein dunkles, auf der Seite langes Haar kämmt, zuerst in die eine, dann in die andere Richtung.

Das ist genau das, was ich sehen will und warum es mich immer wieder in diese Länder zieht. Einfach wunderbar!

Fahrrad-Rikscha mit Handy

Ein Inder spricht mit in gebrochenem Englisch an und bietet mir eine Rundfahrt mit seiner Velorikscha, 50 Rupien eine Stunde. Warum nicht, denke ich und folge dem Mann zu seinem Fahrzeug.

Ein guter Entscheid, denn schon nach kurzer Zeit gelangen wir im dichten Verkehr zum Gemüse- und Obstmarkt, den ich am Vormittag vergeblich gesucht habe. Ich lasse mich von ihm durch die Stände ziehen, während er mir die Namen der einzelnen Gemüse und Früchte aufzählt.

Marktgewimmel

Das übliche Marktgewimmel

Frauen beim Verkaufen

Frauen beim Verkaufen und Tratschen

Kürbisse?

Was könnte das sein? Kürbisse?

Toilette der Madurai Corporation

Das nenne ich mal eine Toilette

Strassenszene in Madurai

Das übliche Gewühl

Bananen

Ein besonderes Erlebnis im Markt ist der Bananen-Markt. Mir als altem Bananenspezialist, vor allem im Zusammenhang mit dem Ausreifen der Bananen (Migros), ist dieses Thema natürlich nahe.

Es gibt offenbar 5 oder 6 verschiedene Sorten, alle von unterschiedlicher Farbe. Sogar rote Bananen sind dabei. Und von besonderem Interesse ist natürlich die Bananenreiferei Marke Indien. Keine tonnenschwere Tore aus Metall, die vor den riesigen Reifezellen stehen, sondern ein Ofen bzw. eine Art heizbarer Kamin, in den man die Bananen hineinlegt und sie in der Hitze einige Stunden ausreifen lässt. Einfach und effizient. Muss ich unbedingt den Fachleuten bei Migros näher bringen.

Bananen

Bananen in allen Grössen und Farben

Gelbe Bananan

Diese kennen wir

Elefanten-Wäsche

Die Tour geht weiter in andere Stadtgebiete, wir nähern uns einem ziemlich dreckigen Fluss, an dessen Ufer die Frauen Wäsche waschen und auf der Wiese zum Trocknen auslegen.

Wäsche

Wäsche zum Trocknen ausgelegt (Farben so weit das Auge reicht)

Und siehe da, der Zufall will es, dass mein alter Freund aus dem Tempel, der Elefant, eben die tägliche Waschprozedur über sich ergehen lässt. Ich lasse mich vom Fahrer in die Nähe lotsen und so spielt sich vor mir ein ganz besonderes Schauspiel ab.

Dem Elefanten scheint es zu gefallen und es macht auch den Anschein, als würden die Männer und Jungen, die an ihm schrubben, dies auf sehr fachmännische und sanfte Art tun. Es dauert eine Weile, bis er sich endlich erhebt und sich mit dem Rüssel abspritzt.

Elefantenwäsche

Der Tempel-Elefant wird gewaschen

Elefant beim Waschen

Er legt sich bereitwillig zur Seite

Indischer Geschäftssinn

Der Rikschafahrer, obwohl schon ziemlich in den Jahren, hat die moderne Zeit nicht verpasst. Während er mich gemächlich von einem Ort zum anderen fährt, nimmt er immer mal wieder das Handy zur Hand und organisiert den nächsten Trip.

Langsam wird mir klar, dass er tatsächlich 50 Rupien gemeint hat, aber 50 Rupien für jede Stunde. In der Zwischenzeit sind wir schon ziemlich lange unterwegs, doch erst als er mich auch noch zuerst in eine Ausstellung absolut scheusslicher indischer Kunst und anschliessend auch noch in ein Museum lotsen will, bricht der Faden und ich mache ihm klar, dass Feierabend ist.

Es sind dann plötzlich 3 Stunden, die das Ganze gedauert haben soll, na ja, seien wir grosszügig, aber als er dann auch noch einen Zuschlag von 100 Rupien für die Elefantenshow verlangt, werde ich doch ein bisschen ungnädig. Aber was soll’s – Er muss wahrscheinlich eine Familie mit vielen Kindern ernähren.

Marktstand

Manchmal habe ich keine Ahnung, was verkauft wird

Kuhstatue

Und dann, mittendrin, eine riesige Kuh

So wird es Abend, ich kaufe mir etwas Verpflegung für die lange Fahrt im Zug, gehe dann aber doch noch in ein Restaurant, um etwas zu essen. Ob der Fehler hier oder anderswo gelegen hat, werde ich wohl nie herausfinden (siehe später).

Und dann … warte ich wieder einmal auf meinen Zug, schreibe einige SMS an meine Freunde und Kinder und schwärme davon, wie schön und wunderbar es doch mit den Millionen von Indern und Moskitos ist.

Irgendwas stimmt nicht

Zwei Stunden später bin ich im Nachtzug nach Mysore, liege in meinem Schlafsack , auf dessen wohlige Geborgenheit ich mich gefreut habe, und höre mir mit den Kopfhörern “Kimbie” von Marianne Faithful an und bin zufrieden und glücklich.

Marianne Faithful – Kimbie

Das Lied ist noch nicht zu Ende, da spüre ich, dass etwas nicht stimmt. Der aufgeblähte Bauch war ein erstes Anzeichen, sozusagen die rote Lampe, aber dann merke ich, dass sich etwas Unschönes anbahnt. Der erste Besuch auf dem Zugs-Klo gibt Klarheit: ich habe Durchfall und wie.

Immerhin ist das WC ein Steh-WC und es ist für indische Verhältnisse sehr sauber. Die nächsten Stunden verbringe ich also entweder dort oder in meinem Abteil, wo ich auf den nächsten Anfall warte.

Man muss sich das so vorstellen: Ich bin in einem Abteil mit drei anderen Passagieren, sollte also so leise sein, während ich im Dunkeln meine Schuhe suche, hineinschlüpfe und anschliessend mucksmäuschenstill nach draussen gehe, immer im Ungewissen, ob ich es bis zur Toilette schaffe.

Aber irgendwie überstehe ich die schlimme Nacht, in Bangalore steigen die meisten Passagiere aus, und ich bin bis Mysore allein im Abteil. Und tatsächlich – das ist einer der Momente, wo man sich wirklich etwas allein und verlassen fühlt …

Aber he, auch das ist Indien. Es ist mir zwar noch nie passiert, aber einmal ist immer das erste Mal …

Madurai – Tempel, Tempel, Tempel …

Eine Stadt der besonderen Art

Zuerst Morgenessen im Hotel, ein Ausnahme. Normalerweise gibt es in indischen Hotels kein Frühstück, und wenn ich so sehe, was die Einheimischen alles in sich hineinstopfen, ist es wohl auch besser so. Ich werde zu einem kleinen, eher dunklen Raum geleitet, zahlreiche schattenhafte Gesalten sitzen an ihren Tischen, und ausser heftigem Schmatzen ist nichts zu hören.

Nun gut, solange ich nicht Reis und Fleisch und scharfe Zutaten essen muss, ist mir alles recht. Es bleibt dabei, am Morgen will ich etwas Süsses essen oder gar nichts. Immerhin sticht mir eine safrangelbe Masse ins Auge, die gut aussieht und erst noch süss schmeckt. Und bei Gott, sie ist wirklich so süss, dass die Plomben in meinem Mund Walzer tanzen. Aber die Bedienung ist nett (und erwartet ein Trinkgeld).

Von Leben strotzend

Wie in Mysore vor drei Jahren erfüllt mich schon auf den ersten Metern ein gutes Gefühl. Wieder eine dieser verrückten, von Leben strotzenden indischen Städte. Es ist laut und hektisch, es riecht nach allerhand Seltsamem, dessen Ursprung ich lieber nicht wissen möchte.

Vor mir drängen sich Menschen, Tiere, Radfahrer, TukTuks und eine Million Autos durch die Gassen und Strassen, durch die ich mich gemächlich dem Tempelbezirk nähere. Es ist ratsam, sämtliche Sinne auf voller Leistung laufen zu lassen, die Gefahr, über den Haufen gefahren zu werden, ist gross.

Madurai – eine der ältesten Städte Indiens

Madurai ist eine Stadt im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Die Stadt, eine der ältesten Südasiens, liegt im Südwesten Tamil Nadus am Ufer des Flusses Vaigai und zählt heute etwa 1 Million Einwohner. Sie ist eine der ältesten Städte Südindiens und kann auf eine über zweitausendjährige Geschichte zurückblicken.

Ein nicht sehr vertrauenswürdiger Geldwechsel

Geldwechsel? Wirklich?

Strassenszenen in Madurai

Strassenszenen mit Kühen und Kälbern

Vollgestopfte Gassen

Strassenszenen 2

Ein neues Hemd

Die Warnung im Führer bekommt Recht: alle paar Meter will mir ein Schneider seine Produkte und Künste andrehen, und es ist kaum zu glauben (entweder fühle ich mich heute besonders gut und grosszügig, oder ich habe einfach die Schnauze voll vom Nein-Sagen), aber ich bestelle tatsächlich ein Hemd für 450 Rupien. Es ist mir klar, dass ich einen Wucherpreis bezahle, aber manchmal muss man nachgeben. Mal sehen, was da raus kommt.

Der Schneider, ein kleiner giftiger Herr in den besten Jahren, der kein einziges Mal seinen kleinen verkniffenen Mund verzieht, ist mir auf den ersten Blick unsympathisch. Aber wir wollen nicht voreilig sein und lassen ihn mal machen.

Aussicht auf die Tempel vom Dach aus

Ein anderer Herr, der ganz zufällig das Prozedere mitbekommen hat, begleitet mich ebenso zufällig zum Tempel, wo er ganz zufällig einen Ort kennt, von dessen Dach aus man eine wunderbare Sicht auf die Tempel hat. Später stellt sich heraus, dass diese eine neue Masche ist, potentielle Opfer in den Laden zu schleusen, wo es auf dem Dach zwar tatsächlich gute Aussichten zu bewundern gibt, aber man in erster Linie gefälligst etwas kaufen soll.

Einer der Tempeltürme von weitem

Einer der Türme von weitem

Teppiche aus Kaschmir

Der Weg aufs Dach ist mit Verlockungen gepflastert (so wie der Weg zum ewigen Leben im Himmel, so sagt man). Ich werde durch allerhand Ladenlokale geschleust und immer mit überströmender Freundlichkeit begrüsst. Doch einzig der Laden eines Kashmiri knapp unter dem Dach ist wirklich eine Pause wert. Das Gespräch mit ihm (er stammt übrigens aus Ladakh, es könnte also gut sein, dass hier der Samen für meine spätere Reise dorthin gepflanzt wurde) ist sehr aufschlussreich.

Während er mir alles über die Teppichknüpfer und die Vorzüge von deren kunstvoller Arbeit erzählt, kann ich nicht umhin, ihm von meiner Reise in den Kashmir vor knapp hundert Jahren zu erzählen. Es muss für ihn wie eine Geschichte aus längst vergangener Zeit klingen, als es zwar bereits Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan gab, aber niemals in der Weise wie heute.

Kaschmiri Handwerker an der Arbeit

Handwerker an der Arbeit

Nun, wie meistens bin ich ein schlechtes Opfer (wie zum Henker soll ich einen Kashmirteppich mit mir nach Hause nehmen?), bedanke mich zwar artig für die Führung aufs Dach, nehme auch gerne den Longyi an, den ich zwecks Betreten der Tempelanlage zwingend über meine nackten Knie tragen muss, und gehe von dannen.

Das kleine Mädchen

Ein kleines lächelndes Mädchen erklärt mir in ihrem wunderbaren südindischen Englisch das Eintritts-Prozedere und erhält im Gegenzug ein ebenso freundliches Lächeln meinerseits plus das unumgängliche Trinkgeld.

Kleines Mädchen beim Eingang zum Tempelbezirk

Soviel Charme, soviel Würde

Die Tempel von Madurai

Man kann sich kaum sattsehen daran. Ich betrete die Anlage durch den Nordeingang, wo man beinahe wie am Flughafen kontrolliert wird und streng blickende Soldaten mit Gewehr die Eintretenden mustern.

Die Tempelanlage ist schlicht atemberaubend. Es ist eine räumlich sehr grosse, in sich geschlossene Anlage, die von 4 Himmelsrichtungen her betreten werden kann. Jeder Eingang wird durch einen der wahrhaft umwerfenden Türme bewacht. Sie sind vielleicht 50 bis 80 Meter hoch und bedeckt mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von farbigen Figuren, Himmelswesen, Geistern, Kobolden, Göttern und Göttinnen, Tier- und Fabelwesen.

Tempel in Madurai

Atemberaubend

Innenhof im Tempel

Der Innenhof – ein Juwel

Ein langer Flur mit wunderbarer Decke

Blick an die Decke – umwerfend

Das Auge ist überfordert

Das Auge kann sich nicht satt sehen

Der Minakshi-Tempel

Hauptsehenswürdigkeit Madurais ist der Minakshi-Tempel, dessen hoch aufragende Gopurams (Tortürme) weithin sichtbar das Stadtbild Madurais dominieren. Der im Wesentlichen während der Nayak-Zeit im 15. bis 17. Jahrhundert erbaute Tempel ist ein herausragendes Beispiel für die dravidische Tempelarchitektur.

Gottheiten von nah

Gottheiten

Gottheiten

Noch mehr Gottheiten

Es ist nicht einfach, sich in dem Gewirr von einzelnen, zum Teil sehr düsteren Hallen und Gewölben zu orientieren und so lasse ich mich einfach treiben, vorbei an zahlreichen indischen Pilgern, an Touristen und kichernden Kindern, an Sadhus und Gurus und andern Heiligen.

Dunkler Innenraum

Der dunkle Innenraum mit weiteren Gottheiten

Eine anbetungswürdige Gottheit

Anbetungswürdig

Es stinkt nach Kommerz, wirkt aber trotzdem nie peinlich wie andernorts. Ich bewundere die Malereien an den Decken und Wänden, schreite die unendlich langen Gänge entlang. Müde gewordem ob all der Pracht, setze ich mich auf die Treppenstufen beim Innenhof und schalte alles ab, was der Kontemplation nicht zugänglich ist.

Zeichnungen an den Wänden

Kunstvolle Zeichnungen überall

Elefant in der Dunkelheit

In einer der düstersten Hallen stehe ich verwundert einem Elefanten gegenüber, dem die Gläubigen Geld hinstrecken, das er mit seinem Rüssel entgegennimmt, an seine Bewacher weiterreicht und den gesenkten Kopf des Gebers mit einem kurzen Schlag des Rüssels segnet.

Meine Beschützerinstinkte erwachen und ich frage einen der Begleiter, ob das Tier auch mal nach draussen gehen darf. Wahrscheinlich versteht er meine Frage nicht, denn er verneint mit heftigem Kopfnicken, was bei mir einen kurzen Anflug von Depression hervorruft (wie sich später herausstellt, völlig zu Unrecht; das arme Tier darf sehr wohl den Tempel verlassen und wird fachmännisch und liebevoll gewaschen, gepflegt und gefüttert).

Das ameisenartige Gewirr von Leibern und Existenzen

Letztlich beschränke ich mich auf meinen Rundgängen in Madurai auf den inneren Bezirk und die Strassen in seinem Einflussgebiet. So lerne ich in den ruhelosen, hektischen Gassen das tägliche indische Leben kennen, der ständige Kampf ums Überleben, das ameisenartige Gewirr von Leibern und Existenzen.

Eine dieser Existenzen, mein Schneider, übergibt mir am Nachmittag das fertige Hemd, und sagen wir’s ruhig, es ist eine ziemliche Katastrophe. Eine weitere Lehre. Bis zum nächsten Mal.

Strassenszenen in Madurai

Strassenszenen 1

Strassenszenen in Madurai

Strassenszenen 2

Aber Städte dieser Art machen müde und so sitze ich nun in einem Restaurant, bete zu Gott, dass das Essen in Ordnung ist und denke wieder mal über mein Leben im allgemeinen und die weitere Reise im besonderen nach.

Pondicherry und Mammalapuram sind schon mal von der Liste gestrichen, weder Zeit noch Kraft reichen dazu aus. Das ist ein guter Entscheid (und wie sich später herausstellt trotzdem ungenügend).

Im Bus über die Western Ghats

Gegen Westen

Manchmal tut es gut, einen Touristen zu sehen, es erweckt dann den Eindruck, Verbündete gefunden zu haben, nicht allein zu sein in diesem von Menschen überströmten Land. Und manchmal entsteht das seltsame Gefühl, ein kafkaesker Gefangener zu sein und nicht mehr wegkommen zu können, an einem Ort, der fremd ist und laut und stinkig und wo man sich vorkommt wie ein Alien auf einem fremden Planeten.

Ein fremder Planet

Und letztlich ist es ein fremder Planet, und auch wenn wir genau hinsehen und zu verstehen glauben, bleibt alles unverständlich und fremd. Es ist nur klar, dass jeder hier um sein Leben kämpft, Tag für Tag, als Waiter, als Rikschafahrer, als Schuhflicker auf dem Trottoir, als Bettler, als Taxifahrer, als Bus-Chauffeur, als Kontrolleur, als Gemüse- und Obstverkäufer, als Schneider, als irgendwas …

Ein ständiges hektisches Getriebe und Gewühl, aufreibend, die Sinne betörend im Guten wie im Schlechten, ein unaufhörliches Gewirr aus Leben.

Früchtestand

Früchte …

Blumenstand

Blumen …

Warenladen

… und allerlei anderes

Dunkle Momente…

Diese Gedanken gehen vorüber und kommen wieder. Irgendwann sitzt man im nächsten Bus oder im Zug und es geht weiter, immer weiter, an den nächsten Ort auf der Landkarte, der anfänglich fremd wirkt und abweisend, bis ein schönes Hotelzimmer, ein gutes Essen, ein Spaziergang das Fremde zu Bekanntem werden lässt und man sich mit einem Mal zuhause fühlt.

Aber dann gibt es diese schrecklichen Hotelzimmer (wie in Kanyakumari), wo alles unangenehm ist, wo es keine Sicherheit, keine Geborgenheit gibt, wo alles fremd bleibt. Das sind die schwierigen Momente, wo man lieber zuhause wäre, wo man sich fragt, warum man hier ist, obwohl alte Erkenntnisse darauf hingewiesen haben, dass diese Momente immer wieder kommen werden …

… und solche von vermeintlicher Klarheit

Es sind aber auch die Momente der vermeintlichen Klarheit, wo alles schlecht oder alles gut aussieht. Wo das Herz im Ungewissen versinkt, um im nächsten Augenblick vor Freude zu weinen.

Jede Reise ist anders, diese hier ist nicht die gleiche wie die letzte, und wenn ich zurückkehre in mein altes Leben, wird der Blick auf die Dinge unterschiedlich sein. Für eine Weile wird die Erkenntnis vorherrschen, dass wir alle ein gutes Leben habe mit allem, was wir brauchen, und mehr eine Last wäre. Und für eine Weile werde ich die emotionale Leere nicht spüren, denn das Leben ist zurück, nichts fehlt …

Über die Berge

Und dann … sitze ich im Bus, der mich über die wunderschönen Western Ghats nach Tenkasi bringen soll. Dort werde ich dann am Abend in den Zug nach Madurai umsteigen (schlau eingefädelt, hat mich allerdings viele Stunden an Überlegungen und Abklärungen gekostet).

Kollam bleibt zurück als gute Erinnerung, auch wenn mir später wohl nur das unglaubliche Puff auf den Strassen und der Cockroach im Hotel in Erinnerung bleiben werden.

Fluss mit Bäumen

Ein Fluss umrahmt von Bäumen

Aussicht auf Ebene

Eine Ebene, weit weg

TukTuks

… und TukTuks, in einer Reihe wartend

Ein abgefuckter Local Bus

Es ist wahrlich ein abgefuckter Local Bus, vollgestopft mit Einheimischen, Familien, Kindern. Ich setze mich wie üblich in die hinterste Reihe, vor mir eine metallene Querstange, die mir im Falle eines Zusammenstosses mit Garantie alle Vorderzähne kosten wird.

Und es wird wieder zu einem Höllenritt, dem ultimativen diesmal, über einen kurvigen Pass hinauf und später (leider) wieder hinunter. Ich werde genauso wie jeder andere Passagier herumgeworfen, mein angeschlagener Rücken meldet sich bei jedem Schlag schmerzvoll, aber ich muss gestehen, es ist ein Höllenspass.

Nur einmal verliere ich doch die Fassung, als vor mir ein Mädchen aus dem Fenster spuckt und mir alles ins Gesicht fliegt. Dummerweise versteht weder sie noch ihre Mama mein Gezeter, und so muss ich mich am Schluss mit etwas Süssem entschuldigen.

Die Western Ghats

Der Gebirgszug verläuft auf einer Länge von etwa 1600 km durch die Bundesstaaten Maharashtra, Goa, Karnataka, Kerala und Tamil Nadu fast bis zur Südspitze des indischen Subkontinents. Die Berge stellen ein natürliches Hindernis für den West-Monsun dar, was dazu führt, dass seine wasserreichen Regenwolken sich an den Hängen abregnen, da die die Hänge aufsteigenden Wolken durch die Abkühlung ihr gespeichertes Wasser nicht mehr halten können.

Die dichten Wälder tragen ebenfalls zu einem feucht-warmen Klima bei. Davon profitieren allein die Westhänge der Westghats, während der Osten mit dem Dekkan relativ trocken ist. Sie stellen zudem die wichtigste Wasserscheide der indischen Halbinsel dar.

Tenkasi

Irgendwann taucht in der Ferne ein beeindruckendes tempelartiges Gebäude auf, das ich nicht entziffern kann, aber offenbar zu Tenkasi gehört.

Tempel in Tenkasi

Ein Vorbote von Madurai

Dort empfängt mich eine wundersame Stadt, in dem Fremde noch wie Wunder bestaunt werden (wer geht schon nach Tenkasi?). Ich lasse mein Gepäck im Büro des Bahnhofvorstehers und mache mich auf den Weg in die Stadt.

Durch Gassen und Strassen gehe ich gelassen und entspannt dem Zentrum entgegen, weiche Töffs und Fahrrädern und Autos behutsam aus, bis ich vor dem Tempel stehe, den ich vom Bus aus gesehen habe.

Tempelarchitektur

Unerreichte Architektur

Tempelansicht

Einfach nur schön

Er ist überwältigend (obwohl ähnliche Gebäude in Madurai noch viel eindrucksvoller wirken werden, aber das ist mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewusst). Affen turnen gelenkig auf schmalen Dachrinnen herum, bunt gekleidete Damen pumpen Wasser aus einem Brunnen, während sie dem Fremden scheue Blicke zuwerfen.

Brunnen

Wasser holen am Brunnen

Affe auf den Dächern

Auch die Affen finden den Fremden seltsam

Läden in Tenkasi

Schäbige Läden …

Damen in Tenkasi

… und hübsche Damen

Ameisengeschichte Teil 2

Der Zug nach Madurai fährt erst kurz vor acht, ich habe also genügend Zeit. Müde von der langen Reise und einmal mehr hungrig setze ich mich vor dem Bahnhof auf ein Mäuerchen, allerdings nur für ein paar Sekunden, die ein paar hundert winzigen Ameisen genügen, um meine Füsse zu malträtieren. Selten hat man jemanden gesehen, der sich so schnell erhoben und fluchend und um sich schlagend die Viecher abzuschütteln versucht.

Der dunkle Bahnsteig

Und dann stehe ich auf dem dunklen Bahnsteig und warte wie hunderte andere auf den Zug.

Und schliesslich sitze ich endlich im vollbesetzten Zug nach Madurai, indische Familien um mich herum (ich habe nur ein AC 3-Tier erwischt, also unterstes Level, macht aber nix für drei Stunden). Ich bin der einzige, der etwas zu essen bestellt (ein Fehler?) und später für erhebliches Aufsehen sorgt.

Ich weigere mich nämlich standhaft, von Hand zu essen.

Auf der Suche nach einem Löffel

Daraus ergibt sich nun eine der wunderbaren Geschichten, die sich so nur in Indien abspielen können. Sie wird mir ewig in Erinnerung bleiben.

Die Passagiere um mich herum erkennen das ernsthafte Problem. Es gilt, für den komischen Fremden eine Gabel oder etwas Ähnliches zu finden. Der zuständige Waiter macht sich auf den Weg und verschwindet im Hintergrund des Wagens. Alles schwatzt und kichert und wirft mir erstaunte, mitleidige, belustigte Blicke zu. Ich bin in kurzer Zeit zum Highlight, zum Objekt des Interesses im Zug geworden. Aber dann, nach endlos langer Zeit (mein Essen ist längst eiskalt geworden), hat tatsächlich irgendwer einen Löffel aufgetrieben, der nun von Hand zu Hand (!) weitergegeben wird. Ich nehme ihn mit viel freundlichem und dankbarem Nicken entgegen.

Und mache aus Höflichkeit einen grossen Fehler.

Einen Augenblick lang überlege ich, ob ich ihn säubern soll (die Hände!!), entscheide mich dann aber dagegen. Ich will ja niemanden kränken, vor allem nicht die vielen Leute, die sich alle Mühe gegeben haben, mein Problem zu lösen. Während zehntausend Augen auf mich gerichtet sind (es ist mucksmäuschenstill geworden), stopfe ich den kalten, ziemlich xx Reis in den Mund und werfe zustimmendes Nicken in die Runde. Man glaubt, das Aufatmen zu hören.

Damit ist die Geschichte aber noch nicht abgeschlossen. Eben, als der letzte Rest Reis in meinem Mund verschwindet, taucht der fürs Essen zuständige Waiter auf. Er hat die ganze Zeit im Zug nach einem Löffel gesucht und ist fündig geworden. Voller Stolz streckt mir einen Plastiklöffel zu, der ungefähr der Grösse des winzigen Löfffels entspricht, das jeweils den Eisbechern mitgegeben werden. Ich werde sein enttäuschtes Gesicht nie vergessen, doch seine Laune bessert sich immens, als ich ihm zum Abschied ein grosszügiges Trinkgeld gebe.

Madurai

Kurz nach zehn erreichen wir Madurai, die Bahnhofshalle ist voller Menschen, die am Boden ausgestreckt liegen, genauso wie auf dem Platz vor dem Bahnhof, wo man sich für das Nachtlager bereit macht.

Am Bahnhof in Madurai

Nachtlager im Bahnhof

Nach kurzer Fahrt bin ich endlich im Hotel, einem guten, geordneten, sauberen Hotel, in dem ich mich die nächsten Tage garantiert wohlfühlen werde.

Kerala Backwater Tour

Ein spezieller Ausflug

Ich bin früh auf den Beinen und bemerke mit leisem Bedauern, dass meine Haus- und Hof Kakerlake die Nacht nicht überlebt hat. Sie ist einem hinterhältigen Angriff der winzigen Killer-Ameisen zum Opfer gefallen. Obwohl sie nicht zu meinen bevorzugten Kreaturen gehören, tut sie mir irgendwie leid.

Aber das ist das Leben – wild und meistens tödlich.

Ich esse in „meinem“ Restaurant das Frühstück, bevor ich mich dann in Richtung der Anlegestelle des Boots in Bewegung setze. Es ist ein alter Kahn, dreckige Scheiben, durchgesessene Sitze, er füllt sich langsam mit den gemächlich eintrudelnden Touristen. Zwei Japaner sind dabei, schweigsam und scheu die ganze Tour lang. Eine ältere englische Lady trifft mit dem Fahrrad ein, dann zwei junge Schweden, ein gut aussehender Engländer, ein Gruppe Russinnen und einige andere, deren Herkunft sich nicht auf den ersten Blick erkennen lässt.

Backwater Tour

Der Kahn startet zeitgerecht um 10.30, aber nur um auf dem See eine Kurve zu drehen und wieder am gleichen Ort anzulegen. Schwer verständlich, aber das alltägliche Wundern über die Welt in Indien gehört dazu. Irgendwann startet dann doch die Tour. Die Passagiere verziehen sich auf das Oberdeck und lassen uns die nächsten 8 Stunden gemächlich durch die Backwaters treiben. Mal sind wir beinahe auf dem offenen Meer, dann wieder auf schmalen Buchten und Kanälen, den nahe am Wasser gebauten Hütten und Häusern entlang.

Boote am Ufer

Heruntergekommene Boote am Ufer

Fischernetze

Gestelle für Fischernetze (das letzte Mal in Cochin gesehen)

Boote am Ufer

Schiffsparade am Ufer

Ein anderes Leben

Wir gewinnen einen Einblick in das Leben dieser Menschen, wie sie leben, im Freien kochen, die Wäsche waschen, wie die Kinder spielen und herumtoben, die Hunde bellen und dem Schiff nachrennen. Zeitlupe.

Die langsame Fahrt ermöglicht Sehen und Reflektieren, man hat Zeit, das Gesehene zu analysieren und sich Gedanken zu machen über die Unterschiede unserer Leben. Wir sind bewusst oder unbewusst Voyeure, aber das sind wir nicht nur hier sondern grundsätzlich auf solchen Reisen.

Havariertes Boot am Ufer

Vielleicht der letzte Ruheort?

Hütten am Ufer

Ein intimer Blick in ein anderes Leben

Ärmliche Hütten am Ufer

Ärmlich und idyllische zugleich

Manchmal entwickeln sich Gespräche, am Nachmittag fallen langsam die Barrieren zwischen den verschiedenen Nationalitäten. Es ergeben sich Diskussionen, lustige, spannende, langweilige, und immer wird klar, wie sehr wir Westler uns unterscheiden und trotzdem gleich ticken.

Es sind immer die gleichen Gesprächsstrukturen: wo kommst du her, wohin gehst du, warst du schon dort oder dort, wie gefällt dir Indien, oh du bist aus England, das ist unser nächster Gegner bei der EM-Ausscheidung, ja ich bin ein glühender Fussball-Fan, nein ich kenne Roger Federer nicht persönlich etc.

Irgendwann ist genug, und man zieht sich wieder zurück in seine eigene kleine stumme Welt.

Kerala Backwaters

Die Kerala Backwaters – von grossartiger Schönheit

Fischer in seinem Boot

Ein Fischer auf seinem Kahn

So gehen die Stunden dahin, es ist entspannend, meditativ, man sitzt gedankenverloren an der Reling. Das indische und das eigene Leben gleitet vor dem echten und dem inneren Auge vorbei, Ruhe und Frieden kommen auf, gute Gedanken, alles Hektische fällt weg …

Fahrradfahrer am Ufer

Ein Fahrradfahrer wirft uns einen vorsichtigen Blick zu

Ausflugsboot auf den Kerala Backwaters

Ein Ausflugsboot in die andere Richtung

Boote vor Alleppey

Wir nähern uns Alleppey

Hafen in Alleppey

Kurz vor dem Ziel

Und so erreichen wir um sechs Uhr abends Alleppey, eine schnelle Verabschiedung der temporären Freunde und schon sitze ich im Bus zurück nach Kollam. Und wieder ist es ein Höllenritt wie viele vorher und viele, die noch kommen werden.

Ein guter friedvoller Tag geht mit der im Meer versinkenden Sonne dem Ende entgegen und auch für mich ist Schluss, früh und mit guten Gedanken.

 

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