Alles ist gut

Es gibt – und es wird sie wohl immer geben – diese Momente, wo man sich ziemlich jämmerlich fühlt. Das hat bestimmt auf letzte Nacht zugetroffen, auf diesem Zugs-WC, auf schwachen Beinen, mit Kopfweh, Magen- und Darmschmerzen und einem zunehmenden Brechreiz. Aber – und das ist das Verrückte – wie oft in diesen Situationen auch mit der Überzeugung verbunden, dass auch diese Krise vorübergehen wird. Und dass es mir schon morgen wieder besser gehen wird.

Wie sagte J. K. Rowling am Ende der wunderbaren Harry-Potter Geschichten:

“All was well.”

So ist es.

20 Jahre ist das her: Die erste Eulenpost erreicht den Ligusterweg, wo Harry Potter im Schrank unter der Treppe bei den Dursleys wohnt. Sieben spannende Schuljahre in Hogwarts beginnen …

Als hätte ein Zauber die Zeit angehalten, fasziniert Rowlings Welt noch heute Muggel aller Altersstufen. Die neu gestaltete Sonderausgabe bannt Harrys Abenteuer mit Hermine und Ron in eine Box. So kostbar wie der Goldene Schnatz.

Zur Ruhe verdammt

Und so bin ich gezwungenermassen zur Ruhe verdammt, der Körper hat genug, er will ruhen, er möchte sich erholen, und so verbringe ich die nächsten 24 Stunden bei absoluter Nulldiät in einem riesigen Zimmer, was dazu führt, dass ich beinahe ein Fernrohr brauche, um fernsehen zu können.

Ich nehme das Timeout mit Gelassenheit, schlafe zuerst ein paar Stunden, schlucke brav meine Tabletten gegen Durchfall und warte auf die Erholung. Dazwischen habe ich Zeit, in einem Buch noch einmal zu lesen (was ich selten tue, das Leben ist einfach zu kurz dazu), das mir besonderen Eindruck gemacht hat.

Fliegen ohne Flügel

Ein faszinierender Einblick in die spirituelle Welt Asiens:

»In diesem Jahr darfst du nicht fliegen. Nicht ein einziges Mal.« Aufgrund der Warnung eines chinesischen Wahrsagers vor einem Flugzeugabsturz begann für den Asienkorrespondenten des SPIEGEL ein ungewöhnliches Jahr der Reisen mit allem, was keine Flügel hat. Entstanden ist ein faszinierender Länderbericht mit tiefen Einblicken in asiatische Lebensweisen zwischen materialistischer Moderne und traditionellen magischen Praktiken.

Manchmal spielt das Schicksal Ringenreihen. Ich habe das Buch vor einigen Jahren ganz zufällig (?) entdeckt, und seither gehört es zu meinen Lieblingsbüchern. Kurz: es hat mich zur Vipassana-Meditation geführt.

Am Ende seiner Reise trifft Terzani auf eine weitere Wahrsagerin, die ihm eine zehntägige Vipassana-Meditation in der Tradition von U Ba Khin vorschlägt. Mit gehörigen Zweifeln und Misstrauen entschliesst er sich, dem Ratschlag zu folgen. Was er dann erlebt, hat mich beeindruckt. Alles weitere war nur eine logische Folge.

Der Königspalast und ein kleiner Hund

Zwischen Schlaf, Terzani und hundertzwanzig unbrauchbaren indischen TV-Stationen tauchen Erinnerungen an meine erste Reise nach Mysore auf (sie wird in einem noch zu erstellenden Blog-Review beschrieben werden).

Nicht überraschend – nicht der Königspalast oder die wunderbare Altstadt oder alles andere Grossartige  hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, sondern ein kleiner, junger, auf die Knochen abgemagerter Hund, der zwischen den Autos und Fahrrädern und Menschenbeinen herumirrte. Die Erinnerung treibt mir heute noch die Tränen in die Augen.

Es war schlicht das ultimative Bild vollkommener Verlassenheit.

Königspalast in Mysore

Königspalast in Mysore

Schmerzliche Erkenntnisse

Dazwischen habe ich Zeit, mich zu besinnen und zur Erkenntnis zu gelangen, dass das, was ich hier tue, sich in nichts von dem unterscheidet, was zuhause normal ist. Leistung. Möglichst viel erleben, in möglichst kurzer Zeit soviel abzuspulen, wie’s geht. Immer das Gleiche. Eine spezielle Gier? Eine Krankheit, die stetig schlimmer wird. Nicht nur bei mir …

Zwischen den Gedanken schaue ich mit schmerzendem Kopf fern und zappe durch die unzähligen Kanäle, von denen jeder zwanzigste tatsächlich brauchbar ist. Aber wie gesagt, ich fühle mich nicht wirklich unwohl, und gegen Abend geht es bereits wieder so gut, dass ich den folgenden Tag mit der Reise nach Madikeri in Planung nehmen kann.