Der Tag beginnt früh, mit Hühnergegacker, Entengeschnatter, fröhlichen Kinderstimmen.

Frühmorgendliche Kühle und Feuchtigkeit in der Luft. Langsamer, träger Gang durch die Pfade zwischen den Häusern. Das Ticketbüro öffnet erst um acht, also zuerst mal Frühstück, wie es sich gehört. Abschiedsgespräche, immer dasselbe. Man schwört sich, in Verbindung zu bleiben, und weiss doch ganz genau, dass es niemals klappen wird.

 

Abschiede

Das Boot legt verspätet ab, weil ein paar hohe Beamte begrüsst werden müssen. Sie werden empfangen wie Könige. Ich will mich gar nicht erst damit aufhalten, wie sehr mich die Verneigungen vor diesen merkwürdig spiessigen Männern ärgern. Wir leben gottseidank in Ländern, wo Unterwürfigkeit vor den oberen Hierarchiestufen verpönt ist. Aber kann man es den Leuten hier verdenken? Sie leben in einem Land, wo oben und unten klar geregelt ist. Verstösse werden geahndet. Punkt. Aber daran gewöhnen werde ich mich niemals.

Das Dorf, das mir in kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist, Muang Ngoi und Reto und James und Suzie, verschwinden im vom Morgenlicht verwunschenen Ufer.

 

Farewell tu Muang Ngoi

Ein Blick zurück, nur einer, dann gibt es nur noch das Vorne.

Am Anfang lässt uns der Fluss unsere morgendliche Ruhe, gibt vor, gezähmt zu sein, seine Kraft verloren zu haben. Das Ufer gleitet ruhig und gemächlich vorbei, eine Herde Kühe, eng zusammen liegend, ein Boot am Ufer, dann wieder lange nichts, nur Bäume, Gebüsche, braune und gelbe Erde.

Und manchmal Fischer, stoisch ihre Ruten ins Wasser haltend, Wasserbüffel, im Dreck suhlend, Dörfer, Häuser, Hütten. Und der Urwald, manchmal gerodet und mit Eukalyptusbäumen bepflanzt. Dann werde ich wütend und traurig und verfluche die Chinesen, die das alles angerichtet haben.

 

Fishermen at workCows at the shore, sunbathingSometimes a boat, empty ...... or a few kids, playing in the water

Aber dann ist es mit der Ruhe vorbei, der Fluss will uns einmal mehr zeigen, wer der Herr im Hause ist.

Ich schaue auf das rasende Wasser hinaus, wie in Trance, immer wieder durchgeschüttelt durch die eine oder andere Stromschnelle, die nun im Minutentakt auftauchen, ein paar Sekunden lang tosen und lärmen, um dann hinter uns zu verschwinden.

 

Wild waterUnidentifiable Objects in the water

An einer Stelle ist der Fluss zu einem tobenden Ungeheuer geworden. Wir sind gezwungen, das Boot zu verlassen und ein paar hundert Meter zu Fuss flussabwärts zu gehen, bis zur Stelle, wo man wieder guten Gewissens und ohne unnötige Risiken einsteigen darf.

 

Auf der Suche nach einem Boot

In Nong Kiao, dem nächsten grösseren Dorf, geht das Boot vor Anker. Ende der Reise. Von hier an heisst es, wieder einen Platz auf einem Boot zu finden. Was erheblich schwieriger ist als angenommen. Das erste Boot ist nämlich bei unserer Ankunft bereits voll und legt eben ab. Ja Kruzifix! Natürlich gibt es andere Boote, und auch der Preis ist bekannt. Allerdings sinkt dieser natürlich mit der Anzahl der Passagiere, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gewährleistet ist.

Es gilt also, in der heissen Mittagspause ein paar Leute zu finden, die das gleiche Ziel haben. Ich mache mich erst mal auf den Weg in die nächste Bank; das Bargeld geht zur Neige und der freundliche Bootsvermieter möchte gerne in bar bezahlt werden. Na gut, allerdings dauert es doch seine Zeit, bis ich in dem Kaff etwas Ähnliches wie eine Bank finde.

Und dann haben wir zwar nicht die gewünscht Anzahl Passagiere beisammen, aber der Preis tut nicht mehr ganz so weh (es gibt da doch einige Travellers, die monetär eher aus dem letzten Loch zu pfeifen scheinen).

 

Der Mekong saugt uns auf

Ich bin heute ganz still, rede kaum, während um mich vielstimmiges, vielsprachliches Geschnatter den Lärm des Aussenborders zu übertönen versucht. Wieder einmal gehöre ich heute, ganz bewusst, nicht dazu. Ich befinde mich in meiner eigenen Welt, konzentriert und ganz, dem Augenblick hingegeben.

Und so geht es weiter, immer weiter, dem Mekong, Süden entgegen, und auch ein bisschen der Zivilisation, die sich mit dem Vibrieren des Handys bemerkbar macht. und dann wird unser Fluss, den wir alle liebgewonnen haben in den vergangenen zwei Tagen, einfach aufgesogen im Monstrum namens Mekong, der von rechts heranprescht, düster, mächtig, kraftvoll. Der Kreis hat sich geschlossen, ich bin wieder zuhause auf meinem Fluss.

 

Die Pak Ou Höhlen

Ein paar Kilometer nördlich von Luang Prabang befinden sich die Pak Ou Höhlen, eine buddhistische Kultstätte, berühmt für ihre hunderten von Buddhastatuen. Es handelt sich um zwei Höhlen, die sich auf der Westseite des Mekong Flusses befinden.

Es ist klar, dass wir dort Halt machen. Allerdings muss man sich einmal mehr den Platz erkämpfen. Seit es in Laos immer mehr chinesische Touristen hat, die in Hundertschaften die berühmtesten Orte bevölkern, ist es manchmal etwas schwierig geworden. Aber man gewöhnt sich daran.

 

One of the many Buddhas
Einer der vielen Buddhas
Even more Buddhas
Noch mehr Buddhas

Und dann sind wir da, pünktlich zum Sonnenuntergang

Wie bestellt geht in dem Augenblick, als das Boot am Ufer von Luang Prabang anlegt, die Sonne in ihrem täglichen Pomp und unerreichtem Pathos unter.

 

Sunset over the Mekong
Sonnenuntergang über dem Mekong

Ich weiss nicht recht, wo ich mich befinde, irre ein bisschen herum, und bin unversehens allein. Ich frage mich durch, erreiche die Hauptstrasse, biege in einen Nebenweg ab. Irgendwann finde ich ein Hotel, esse eine Pizza, schlurfe durch die Stadt. Alles andere morgen …

 

PS Song zum Thema:  The Hat ft. Father John Misty & S.I. Istwa – The Angry River

Und hier geht’s weiter …

 

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